Cuba - Azugar amargo

Reisezeit: März 2005  |  von Jörg M. Seifert

Bei unseren Besuchen auf Kuba haben wir selten Strände und Hotelanlagen gesehen.
Es gelang uns aber Kontakte zu Kubanern herzustellen und dabei zu erfahren, wie die Menschen hinter der der Fassade aus Revelutionsglorie und dem "Perle der Antillen" Klischee denken und sich durch den Alltag kämpfen.
Dies ist kein Reisebericht im üblichen Sinne, in dem abgehandelt wird was wir wann taten. Vielmehr sprechen Bilder und die Geschichten die Menschen zu erzählen haben.

Martha

Vertrocknete Früchte

Martha Rodrigez Gomez war 30 Jahre alt, als Fidel Castro Ruz mit seinen Getreuen in 1959 Havanna einzog. Begeisterung und Hoffnung war nicht nur in ihr, sondern ein Beben der Euphorie ging durch das ganze Volk. Sie arbeitete hingebungsvoll in einer der nahen Centrals (Zuckerfabrik) und half Ihrem Bruder oft noch bis in die Dunkelheit auf den Feldern. Überzeugt waren sie von einem besseren, freien Cuba und davon, dass Che die Revolution nach ganz Südamerika tragen wird. Doch nun verrinnt ihr Leben, verfallen die Häuser und die Früchte der Revolution sind vertrocknet. Sie sitzt seit fast einer Woche allein am Esstisch und wartet. Was wird sie tun? Wird sie hier wohnen bleiben? Wird die Rente ausreichen? Hier kennt sie jede Ecke, in Havanna Niemanden. Doch ihre Tochter wird sie drängen mit ihr nach Havanna zu kommen. Sie wird darüber reden müssen, auch wenn sie es nicht will und der Zeitpunkt nicht der richtige ist. Ihre Tochter wird heute mit ihrem Mann aus Havanna kommen. Dort hat sie nach der Universität eine gute Stelle in einem Krankenhaus bekommen. Doch für ein Auto hat der Verdienst der Beiden nie gereicht. Sie werden wohl einen Bus nehmen, denn auf die Züge ist wenig Verlass. Man könnte sich tagelang auf die Gleise legen ohne überfahren zu werden. Der einzige Zug der hier in Trinidad pünktlich fährt ist der Touristenzug. Morgen werden viele Gäste kommen. Viele von ihnen hat Martha seit langem nicht gesehen und doch freut sie sich nicht. Sie werden essen und trinken, reden und tanzen. Nachdem sie auf dem Friedhof Abschied von ihrem Mann Carlos genommen hat, beginnt der letzte Abschnitt in ihrem Leben.

© Jörg M. Seifert, 2005
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 01.03.2005
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 21.03.2005
Reiseziele: Kuba
Der Autor
 
Jörg M. Seifert berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
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