Peru erwartet uns

Reisezeit: August / September 2011  |  von Beatrice Feldbauer

Unterwegs

Seit Stunden sind wir unterwegs. Entlang der Küste von Nasca nach Camana und von dort nach Arequipa. 650 km, eine lange Strecke.

Beim Frühstück, das heute wieder halbe Stunde früher als gestern angesetzt war, mussten alle erst einmal die Erlebnisse von gestern loswerden. Während Rene und ich Hotels für eine nächste Reise rekognoszierten, erkundete die Gruppe das Städchen Nasca auf eigene Faust. Dass da gerade ein Markt stattfand, machte den Besuch speziell interessant. Ich konnte nicht alle Andeutungen, die vom vergangenen Abend erzählten verstehen, aber es schien, dass der Abend sehr lustig verlaufen war und alle ein feines Nachtessen genossen hatten. Ruth beschwerte sich ausserdem, dass unsere Poolbar nach der Rückkehr ins Hotel leer gewesen wäre und beschuldigte Mr. Woodman.

Nachdem alle Koffer im Bus verfrachtet waren, verliessen wir Nasca in heiterster Laune. Zuerst säumten noch Felder unsere Strecke. Mais, Baumwolle, Artischocken und Kaktusplantagen konnten wir erkennen. Dieser spezielle Kaktus wird angebaut, um die Läuse zu züchten, deren rote Farbe als Grundstoff für Lippenstifte dient.

Dann wechselte die Landschaft und rechts und links erstreckte sich eine weite Wüstenlandschaft. Sand und Felsformationen in allen Braun, Ocker - und Rottönen. Weite Ebenen, sanfte Hügel und ein wunderbares Farbenspiel. Manchmal gab es über allem einen grünen weichen Flaum, manchmal wuchsen sattgrüne niedrige Büschel mit winzigen weissen Blüten. Dann waren die Blüten blau und gleich darauf gab es überhaupt keine Pflanzen mehr, nur noch Steine, oder Sand. Am Strassenrand konnte man die verschiedenen Schichten erkennen, in die die Strasse hinengefräst worden war.

Und plötzlich waren wir am Meer. Hohe breite Wellen schlugen auf den Sand, brachen mit eleganten Schaumkronen und leckten in langen weisser Gischt an den Strand.

Der Chauffeur muss sie gemerkt haben, die Spannung die beim Anblick des Meeres herrschte und er hielt an einer Stelle an, an der man ganz schnell zum Saum des Meeres gelangen konnte. Wie kleine Kinder sprangen wir barfuss hinaus, sammelten Muscheln, liessen die weichen Wellen über unser Füsse schwappen, zwischen den Zehen schäumen, genossen das feine Kitzeln, bis plötzlich eine besonders vorwitzige Wasserzunge höher stieg, als alle anderen und das Wasser bis zu den aufgerollten Jeans reichte. Unglaublich, wie schnell man da wieder aus dem Wasser ist. Mit Füssen voller Sand, nassen Hosenbeinen und Händen voller weisser Muscheln kamen wir zurück zum Bus.

immer wieder: fantastische Ausblicke hinunter zur unbewohnten Pazifikküste

immer wieder: fantastische Ausblicke hinunter zur unbewohnten Pazifikküste

Weiter ging die Fahrt, der Küste entlang. Wir stiegen hinauf auf die Höhe, verloren das Meer aus dem Blick und fanden es wieder hinter einer Kurve. Atemberaubende Ausblicke hinunter auf unverbaute rote Küste. Weisse Schaumkronen, türkisblaues Meer und strahlender Himmel. Wenn all die Ahs und Ohs laut genug waren, gab es einen Fuji-Halt.

Bewaffnet mit Kameras stiegen wir dann aus und versuchten, die einmalige Aussicht in einer immer wieder neuen Perspektive einzufangen. Auch ich glaube immer, meine Sicht hätte noch niemand genau so festgehalten, um dann zu merken, dass neben mir eben schon jemand genau diesen Standpunkt ausgewählt hatte.

Manchmal entdecken Romy oder Martha auf einer grünen Fläche ein paar Kühe, Schafe, Pferde oder einen einsamen Esel. Romy und Martha sind als Bauerntöchter für die richtige Bestimmung zuständig. Wenn sie ihr Ok nicht gegeben haben, ist nie klar, ob wir vielleicht doch eher eine eigenartige Felsformation für eine liegende Kuh gehalten haben.

Wieder ein wenig landeinwärts durchquerten wir ein Flusstal, auf dessen Grund eine Olivenplantage angelegt war. Selbstverständlich lud auch dieser Ort zu einem Minihalt ein. Gerade genug, um ein paar Oliven in der kleinen Bodega zu probieren und von der fliegenden Händlerin kleine Schokohäppchen zu kaufen.

Fuji-Halt oberhalb der Olivenplantage

Fuji-Halt oberhalb der Olivenplantage

Das Angebot im Olivenshop an der Strasse

Das Angebot im Olivenshop an der Strasse

In Camana einem grösseren Ort an der Pazifikküste hielten wir nach sieben abwechslungreichen Stunden zum Mittagessen an. Es gab Fisch mit Reis und Papas fritas.

Nach dem Essen verliessen wir die Küste und die Strasse stieg an ins Landesinnnere. Draussen war noch immer Wüste, aber Nebelschwaden verdeckten die klare Sicht. Das war nicht so schlimm, denn nach dem feinen Essen war ein Mittagsschläfchen angesagt. Die Gespräche wurden leiser, wir sammelten neue Kräfte für unser nächstes Ziel: Arequipa, die weisse Stadt.

Bald erreichten wir eine weite Hochebene und plötzlich war der Nebel weg und über uns wölbte sich ein wolkenloser Himmel. Weit weit vorn erkannte man die Vulkane von Arequipa und noch weiter weg erhoben sich hohe Schneeberge.

Rechts und links der Strasse erstreckten sich jetzt wieder Steinwüsten. Nur manchmal unterbrochen durch weite Flusstäler in denen es grüne Oasen mit fruchtbaren Ackerflächen gibt.

Kurz vor Arequipa bemerkt Cesar, dass der hintere Reifen platt ist. Reservereifen gibt es keinen, aber bei einer Tankstelle schwenken wir zu einem Reifenhändler und der flickt den Reifen an Ort und Stelle.

Plattfuss - kein Wunder bei diesen holperigen Strassen

Plattfuss - kein Wunder bei diesen holperigen Strassen

Der Mechaniker am Werk

Der Mechaniker am Werk

Es ist schon dunkel, als wir Arequipa erreichen. Rene bittet uns, die Augen zu schliessen und als wir sie wieder öffnen, stehen wir auf der Plaza de Armas, dem Hauptplatz, der mit seinen Rundbogen und der Kathedrale wie im Märchen schimmert.

Nach dem Zimmerbezug in einem Hotel im Zentrum führt uns Rene in ein sehr feines Restaurant zum Nachtessen. Nach einem Apero am Chemineefeuer gibt es Alpakafleisch auf dem heissen Stein. Ein Traum.

Kathedrale von Arequipa

Kathedrale von Arequipa

Der Auftakt zu einem genussvollen Abend

Der Auftakt zu einem genussvollen Abend

Nachdem er beschuldigt worden war, gestern abend die Poolbar geleert zu haben, schmollte Mr. Woodman am Morgen und versteckte sich hinter der grossen Sonnenbrille. Vielleicht schwirrte ihm ja noch der Kopf.

Nachdem er beschuldigt worden war, gestern abend die Poolbar geleert zu haben, schmollte Mr. Woodman am Morgen und versteckte sich hinter der grossen Sonnenbrille. Vielleicht schwirrte ihm ja noch der Kopf.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ich bin so begeistert von Peru, dass ich am liebsten all meine Freunde und Bekannten mitnehmen würde. Morgen starte ich mit sechs Leuten. Wir werden alle Höhepunkte dieses faszinierenden Landes besuchen und ganz am Schluss noch ein paar Tage in meiner Lodge am Amazonas verbringen.
Details:
Aufbruch: 30.08.2011
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 25.09.2011
Reiseziele: Peru
Der Autor
 
Beatrice Feldbauer berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
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