Italien 2011 - Fortsetzung des Berichtes Frankreich 2011

Reisezeit: September / Oktober 2011  |  von Uschi Agboka

Albenga - Ceriale

In den Gassen von Albenga

In den Gassen von Albenga

Albenga -  Im Baptisterium (5. Jh.) mit achteckigem Grundriss ist noch ein Taufbecken erhalten. Es ist das älteste Sakralgebäude der Stadt und eines der bedeutendsten ganz Liguriens.

Albenga - Im Baptisterium (5. Jh.) mit achteckigem Grundriss ist noch ein Taufbecken erhalten. Es ist das älteste Sakralgebäude der Stadt und eines der bedeutendsten ganz Liguriens.

Albenga - Die Gassen der mittelalterlichen Stadt ziehen sich um den Piazza San Michel mit dem Dom, erbaut zwischen dem 11. und 14.Jh., benannt nach dem Erzengel Michael. Der Dom wird von einem eindrucksvollen Campanile des ausgehenden 14. Jh. überragt.

Albenga - Die Gassen der mittelalterlichen Stadt ziehen sich um den Piazza San Michel mit dem Dom, erbaut zwischen dem 11. und 14.Jh., benannt nach dem Erzengel Michael. Der Dom wird von einem eindrucksvollen Campanile des ausgehenden 14. Jh. überragt.

5. Oktober 2011 - 29. Tag - Gefahrene Meilen: 10 (16 km)

Albenga - Ceriale

Die Nacht war sehr ruhig, hier oben am Fuß des Berges hört man nichts vom Verkehr unten am Meer. Rolf fährt mit dem Fahrrad ins Dorf, Brot holen. Es ist nicht so gut, wie das französische Baguette, aber man kann es essen. Heute wollen wir zunächst nach Albenga, zum Markt und Landkarten kaufen. In Albenga tanken wir erst einmal, an der Tankstelle gibt es keine Karten zu kaufen. Also auf zum Markt, durch endlose Krimskrams-Stände, meist Sachen aus China, finden wir endlich den herrlichen Lebensmittelmarkt. Wir kaufen verschiedene Salate, Tomaten, Käse, Trauben, Huhn und Kaninchen. Beim Metzger muss man eine Nummer ziehen, die wird aufgerufen und dann ist man dran. Es dauert ziemlich lange. Rolf wartet derweil geduldig im Schatten. Dann trägt er alle Einkäufe zum Motorrad, verstaut alles und setzt sich in eine Einheimischen-Bar, während ich zum Friseur gehe. In der Bar sind der Expresso und Cappuccino wieder richtig günstig. Die Dame im Friseurgeschäft erzählt mir ihr halbes Leben. Ich geniesse es, mal wieder richtig reden zu können. Sie beklagt sich auch über mangelnde Kindergartenplätze, ohne ihre Mutter als Hüterin der Kinder, könne sie nicht arbeiten. Wir fahren zur Touristen-Info und Oh Wunder, es ist nicht geschlossen und wir erhalten Karten von Albenga und der Gegend, ganz umsonst. Der ältere Herr in der Touristen-Info ist sehr freundlich. Wir machen uns auf den Weg durch das historische Zentrum von Albenga, eine der schönsten Altstädte Liguriens. Trotz der zahlreichen Kunstschätze - abgesehen von Mailand und Ravenna, besitzt keine oberitalienische Stadt vergleichbare spätantike Kulturgüter - lassen die meisten Touristen Albenga "links" liegen.

Das römische Albium Ingaunum wurde im 2. Jh. v. Chr. an der Stelle eines befestigten Dorfes des ligurischen Volksstammes der Ingauni errichtet. Albenga wuchs während des Römischen Reiches zu einer bedeutenden Stadt. Nach dem Untergang des Römischen Reichs zerstörten die Langobarden die blühende Hafenstadt am Centafluss bis auf die Grundmauern. Ab dem 5. Jh. entstand ein völlig neues Albenga, das nunmehr auch Bischofsitz war. Ende des 11. Jh. nahm die mittelalterliche Stadt mit einer eigenen Flotte am erfolgreichen ersten Kreuzzug ins Heilige Land teil, der dem Handel einen enormen Aufschwung und Albenga relative politische Unabhängigkeit bescherte. Die Seerepublik Genua musste diesen Aufschwung widerwillig dulden. Verschärft wurde die konfliktreiche Beziehung im 12. Jh. dadurch, dass sich Albenga auf die Seite Kaiser Friedrichs II. geschlagen hatte. Doch nach dessen Tod 1250 war die Stadt gezwungen, mit der großen Rivalin Genua ein "Bündnis" einzugehen. Zwar zeugen die rege Bautätigkeit und besonders die Entstehung der Geschlechtertürme im 13. Jh. vom Selbstbewusstsein der Bürgerschaft von Albenga, doch unter der Vorherrschaft Genuas, das die ligurische Provinz sträflich vernachlässigte und bewusst klein hielt, geriet das glanzvolle Albenga langsam in Vergessenheit. Hinzu kam höhere Gewalt: Der durch einen Kanalbau gestaute Centa-Fluss trat über die Ufer, überschwemmte das gesamte Stadtgebiet und zerstörte den Hafen. Spätestens seit dem 14. Jh. stand Albenga vollkommen unter dem Einfluss Genuas und war für Jahrhunderte von der mächtigen Nachbarin abhängig.

Wenn man in das enge, von einer schützenden Mauer umschlossene Gassengewirr eintaucht, erliegt man der Fazination dieses geschichtsträchtigen Ortes. Die Gassen der mittelalterlichen Stadt ziehen sich um den Piazza San Michel mit dem Dom, erbaut zwischen dem 11. und 14.Jh., benannt nach dem Erzengel Michael. Der Dom wird von einem eindrucksvollen Campanile des ausgehenden 14. Jh. überragt. Im nahen Baptisterium (5. Jh.) mit achteckigem Grundriss ist noch ein Taufbecken erhalten. Es ist das älteste Sakralgebäude der Stadt und eines der bedeutendsten ganz Liguriens. Überall warten neue Entdeckungen auf uns: Knallrote, zum Trocknen aufgehängte Peperonikränze, steinalte Reliefs an ehrwürdigen Häuserwänden, idyllische Blicke in die Hinterhöfe und auf Türme. Einzigartig in der ganzen Region ist die Zahl der schlanken Geschlechtertürme. Über 10 Stck. dieser mittelalterlichen Türme, die sich die reichsten Familien aus Prestige hatten errichten lassen und sich nicht scheuten, mit den Kirchtürmen der Stadt zu konkurrieren, bilden die markante Silhouette Albengas. Der höchste Turm, mit über 60 m, ist "Torre del Comune", um 1300 für eine adelige Familie gebaut. Daneben "Torre del Municipio" und der Campanile der "Cattedrale San Michele". Im Herzen der Altstadt, um die Piazza San Michele, stehen auf engstem Raum die schönsten Bauwerke der Stadt nah beieinander.

Leider hat Rolf seinen Fotoapparat vergessen, er nimmt also den kleinen Apparat, den ich immer bei mir trage und fotografiert wie ein Weltmeister. Es ist wirklich sehr schön hier. Wir suchen uns eine uralte Trattoria, Rosetta und essen Pizza, dazu gibt es Wein und Wasser. Es ist ein uriges Lokal, ein Tisch, in einem kleinen Gewölbe, hat uns besonders gut gefallen. Wir wandern weiter durch die schönen Gassen und Gott sei Dank gibt die Batterie des kleinen Fotoapparates noch nicht ihren Geist auf. Auf der Piazza del Popolo machen wir eine kurze Siesta, sitzen im Schatten und geniessen das Treiben um uns herum. Nach 15 Uhr, der Verkehr hat stark nachgelassen, fahren wir auf der Via Aurelia zurück nach Ceriale, bis zur Bastion, direkt am Meer gelegen, wo wir parken und durch die malerischen Altstadt laufen. Einige Immobilienmakler haben interessante Objekte ausgestellt, sündhaft teuer. An dem kleinen Mini-Strand tummeln sich einige Sonnenanbeter, ältere Leute machen einen Strandspaziergang. Für meinen Geschmack ist der Strand absolut scheusslich, da ich die herrlichen langen und breiten Sandstrände Sardiniens liebe. Doch egal, wir geniessen den Rundgang, sehen manch schönen Garten und Innenhof. Durch ein offenes Fenster im 3. Stock sehen wir ein prachtvoll ausgemaltes Gewölbe. Später sitzen wir an der Strandpromenade und ruhen uns aus. Es ist ziemlich warm, feucht, umido, wie der Italiener sagt.

Dann geht es zurück nach Campochieso, wo wir im Supermarkt "Familia" einkaufen, u. a. Weißwein mit wenig Alkohol und einen großen Aschenbecher für Rolfs Pfeifen, natürlich in meiner Lieblingsfarbe Blau. Um 16.30 Uhr sind wir zurück auf dem Campingplatz. Heute sind wir nicht viel gefahren, dafür viel gelaufen. Uns beide haben die Altstadt von Albenga und Ceriale sehr gut gefallen. Rolf hat es besonders genossen, kennt er doch - oh Wunder - diese Gegend noch gar nicht. Ich geniesse es besonders, in meiner Heimat Italien zu sein, 1968 habe ich in Portovenere - La Spezia - geheiratet. Schon bei den ersten ital. Worten blühe ich auf, das hier ist meine Welt. Da wir heute Mittag gegessen haben, sind wir nicht beson-ders hungrig. Rolf verputzt Mortadella und einen Romana-Tomaten-Salat, mit einem winzigen Stück Brot, dazu alkoholfreies Bier. Ich verzichte ganz auf Essen, geniesse meinen Weißwein. Wir sitzen draußen und blicken auf den Riserva Nat. Regionale Rio Torsero, eine grüne Berglandschaft. Links und rechts unseres Platzes sind zwei wunderschöne Villen, mit Sicherheit keine armen Bewohner, gut gesichert durch hohe Zäune und Alarmanlagen. In der Innenstadt von Albenga haben wir zahlreiche junge Marokkaner und Tunesier gesehen, ohne Arbeit, manche betteln. Die Arbeitslosigkeit ist auch in Italien ein großes Problem unter den "Einwanderern". In der Zeitung lese ich, dass Italien aufgrund seiner Schulden nun auch herabgestuft wurde. Was für eine Farce ist das mit den Ratingagenturen. Es ist ruhig auf dem Platz. Hunde bellen in der Nachbarschaft und wir hören den Streit zwischen Großeltern und Enkel aus den umliegenden Häusern. In der unübersichtlichen Kurve am Campingplatz geschieht ein Unfall, das Hupen wurde vergessen. Italienische Idylle.

Wir lernen ein ital. Ehepaar aus Cuneo (Piemont) kennen. Der Mann, Rentner seit März 2011, früher LKW-Fahrer, ist ein Bewunderer von Rolfs Polizeimaschine. Er lässt sich Hupe und Sirene vorführen, was einen Höllenlärm verursacht. Mit seiner Frau ist er auf Erkundungstour für das nächste Jahr. Sie wollen mit Sohn und Familie Urlaub machen. Die Unfreundlichkeit der Besitzerin des Campingplatzes haben sie auch schon zu spüren bekommen. Sie berichten uns allerlei Neuigkeiten aus Italien und natürlich darf die Politik, besonders Berlusconi, nicht zu kurz kommen. Erst spät gehen wir schlafen.

Bilder-Alben unter www.harley-rolf.de

Albenga - Trattoria, Rosetta .
Es ist ein uriges Lokal, ein Tisch, in einem kleinen Gewölbe, hat uns besonders gut gefallen.

Albenga - Trattoria, Rosetta .
Es ist ein uriges Lokal, ein Tisch, in einem kleinen Gewölbe, hat uns besonders gut gefallen.

Albenga - hier wird der Fluss Centa von einer roten eleganten Brücke überspannt.

Albenga - hier wird der Fluss Centa von einer roten eleganten Brücke überspannt.

© Uschi Agboka, 2011
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Eine Tour über 39 Tage, von Niederbayern, durch Frankreich (Zentralmassiv) und weiter nach Italien (Ligurien und Aostatal). Hier der zweite Teil - Italien.
Details:
Aufbruch: 07.09.2011
Dauer: 6 Wochen
Heimkehr: 15.10.2011
Reiseziele: Italien
Der Autor
 
Uschi Agboka berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
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