Im Süden Europas - Réunion!

Reisezeit: Juli 2016  |  von Nikoline Mensing

10.-12.07. Zwei Tage bei "Robert et famille"

10 Liter Rhum - Zwei Tage bei Robert et famille

Eine Herberge mit Familienanschluss

Wer Familienanschluss im créol Umfeld sucht, der wird ihn dort finden. Ein Créol ist ein auf der Insel geborener Einwohner, und es ist bei weitem kein Schimpfwort. Créol zu sein hängt ein wenig Verwegenheit an! Schließlich stammt man von den Menschen ab, die es in der Vergangenheit geschafft haben auf der Ile de la Réunion zu überleben! Man ist stolz darauf!
Überhaupt kann man sich sowohl Robert als auch dem Rhum punch oder Rhum arrangé nicht entziehen.
Vor dem durchaus üppigen Abendessen gab es einen Rhum punch, der in unserem Fall zur Hälfte aus 49% selbst angesetztem Rhum und Saft bestand. Dann bekamen wir vom Hausherrn einen Überblick über den Inhalt der großen, selbst beschrifteten Flaschen. Sowohl deren Arrangement als auch der manchmal undefinierbar Inhalt, der sich darin befand, erinnert an einen Abstellraum der Pathologie, wo diverse Raritäten aufgehoben werden.
Der Weiße Rhum wird in 10 Liter Behältern gekauft und je nach Geschmack mit den Früchten des Gartens verfeinert.

Alt wird dieser Rhum Arrangé auf jeden Fall nicht, das älteste Etikett war aus 2015.
Von Innen gut aufgewärmt wurden wir mit viel Herzlichkeit ins Esszimmer mitgenommen.

Robert ist ein Patriarch und seine Welt dreht sich um ihn, was ihn nicht unsympathisch macht. Während alles noch um uns herum beschäftigt war, den Tisch einzudecken, durften wir bereits gegenüber des Hausherren Platz nehmen und eine weitere Rhumspezialität probieren. Dazu gab es kleine, frittierte Teigtaschen und Bällchen.

Seinen Spaß hatte Robert daran, seinen Gästen immer neue Kreationen seines selbst angebauten Piments anzubieten und auf die Reaktion zu warten.

Nach einem grünen Salat mit leckerer Vinaigrette gab es eine Auswahl von Hai und Gans. Dazu wurde Gratin de Chou-Chou und Reis gereicht

Chou-chou ist ein einheimisches, eher geschmacksneutrales Gemüse.

Chou-chou ist ein einheimisches, eher geschmacksneutrales Gemüse.

Da wussten wir noch nicht, dass wir wegen dieses Kürbisabkömmlings einmal unsere Leben riskieren würden.

Für die hiesigen Verhältnisse begann das Abendessen früh und wurde recht schnell durchgeschleust, denn um 2100 war ja Anpfiff des EM Finales Frankreich gegen Portugal. Eigentlich eine reine Formsache, wie die patriotischen Kreolen meinten, man könne den Pokal doch gleich Frankreich geben. Aber irgendwie nur eigentlich. Es kam ja ganz anders. Frankreich verlor in der Verlängerung 0:1, was der Lebensfreude der Kreolen keinen Abbruch tat.
Darauf gab es am nächsten Abend einen Rhum mit dem Saft einer mannsfaustgroßen Zitrone frisch vom Baum.

Die Zutaten zum Punsch wuchsen direkt vorm Haus.

Die Zutaten zum Punsch wuchsen direkt vorm Haus.

Als das erste Glas geleert war, gab es ein zweites auf die Gesundheit. Hm, und was tut man, wenn das Glas auf die Gesundheit bis auf den Boden trocken gefallen ist und der Hausherr gerade die vorbereitenden Gespräche mit der Hochzeitsgesellschaft für die ausstehende Feier führt? Selbstbedienung. Kein Problem für Robert, der sich freut, wenn ein Gast Gutes zu schätzen weiß.

An diesem Abend gab es Linsen (lentilles) aus Cilaos und Reis und Tomatensalat mit Piment und dazu gab es eine Kochwurst, die Omas schlesischer Wellwurst sehr ähnlich war. Zum Nachtisch hatte Madame einen Maiskuchen mit Papaya gebacken, nicht unlecker. Seine wahre Bestimmung hätte dieser Kuchen aber in den Hochwassergebieten gefunden. Dort hätte er wegen seiner Trockenheit für Entspannung gesorgt.
Es wurde viel gefragt und erzählt, gestaunt und gelacht, auf beiden Seiten die Entdeckung einer neuen Kultur. Ein wiederum gelungener Abend mit Kind und Kegel.

Die Auberge befindet sich in 1100m Höhe in Sainte-Marie und es gibt keine Heizung. Im Winter, und wir haben jetzt Winter, empfiehlt es sich, etwas Warmes mitzunehmen. Wir saßen ganz chic in unserer Skiunterwäsche beim Essen.

In dem Zimmer mit Grand Lit hatten wir alles, was wir brauchten, Steckdosen sind allerdings Mangelware und unterm Bett versteckt. Für uns war es absolut ausreichend und sauber, aber bitte nicht mit deutschem Standard vergleichen.
Netz gibt es dort oben selten, Internet nie, zumindest von den deutschen Anbietern nicht. Empfehlung der Insulaner: Orange.
Das Internetproblem scheint es auf der gesamten Insel zu geben.
Daher können unsere Berichte nur per Wifi abgesetzt werden!
Als wir am nächsten Tag aufbrachen, durften wir uns aus dem Garten bedienen: Guaven, Zitronen, Orangen. Das Wasser aus der Leitung kann man trinken und so machten wir uns mit Zitronensaft und braunem Zucker eine feine Limonade.

Wer sich an Robert wenden will:

Robert Gilbert
272 Route des Fleures
-Plaine des Fugères-
97438 Sainte Marie

Tel.:
0262 692 414071 Mobil
0262 262 538804 Fest (hat von Deutschland nicht funktioniert)

aubergedecampagne.pitonfougere@gmail.com
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© Nikoline Mensing, 2016
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Trekking zu zweit mit: Nikoline und Frank
Details:
Aufbruch: 09.07.2016
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 30.07.2016
Reiseziele: Réunion
Der Autor
 
Nikoline Mensing berichtet seit 8 Jahren auf umdiewelt.