Fachwerkromantik im Vogelsbergkreis

Reisezeit: September 2021  |  von Herbert S.

Alsfeld Rundgang Teil 2

Wir starten wieder am Marktplatz desmal mit einer profanen Aktion: Shoppen im Sammlerladen Ramspeck

Wie man in einem Gebäude soviele Ecken, Winkel und Nischen installieren kann, ist mir ein Rätsel; es ist allerdings zu erkennen, dass sich das Häuserkomglomerat vom Markt bis zur unterhalb paralll verlaufenden Straße zieht.

Danach laufen wir die Mainzer Gasse hinab, kaufen in einer lokalen Metzger Vogelsberger Würste und stoßen auf einen mittelalterlicher Brunnen, der beim Ausbau der Fußgängerzone 1974 wieder entdeckt und wiederhergestellt wurde. ,
Früher gab es in Alsfeld mindestens 100 öffentliche Brunnen. Nach 1896 verschwanden sie allmählich mit dem Bau der Wasserleitungen.

Mainzer Gasse

Mainzer Gasse

mittelalterlicher Brunnen - 7,50 m tief, mit 2m hohem Wasserstand.

mittelalterlicher Brunnen - 7,50 m tief, mit 2m hohem Wasserstand.

Am Ende der Einkaufsstraße erblickt man etwas versteckt die Seite einer Kirche, Wir folgen der Querstraße nach links und können einen Blick Blick auf den Chor der Dreifaltigkeitskirche werfen. Die ehemalige Klosterkirche der Augustiner-
Eremiten mit langem, für die Geistlichkeit bestimmtem Chor aus der 2. Hälfte
des 14. Jahrhunderts ist leider wiederum nicht zu besichtigen. Sie besitzt keinen Kirchturm.

Dreifaltigkeitskirche

Dreifaltigkeitskirche

Das ehemaliges Augustinerkloster wurde vermutlich gegen Ende des 13. Jahrhunderts gegründet und zwischen Kirche und Stadtmauer erbaut.
Hier wirkte der Freund Luthers, Tilemann Schnabel, der Reformator Alsfelds.
1527 wurde das Klosteraufgehoben, und danach eine zeit als Hospital benutzt.

ob das Stück Mauer zu dem um  1435 erstellten Anbau einer asymmetrischen  Halle  mit  Mittel- und Seitenschiff gehört oder zu dem ehemaligen Augsutinerklocher gehört konnte ich nicht eruieren.

ob das Stück Mauer zu dem um 1435 erstellten Anbau einer asymmetrischen Halle mit Mittel- und Seitenschiff gehört oder zu dem ehemaligen Augsutinerklocher gehört konnte ich nicht eruieren.

Den Grabbrunnen müssen wir etwas suchen, denn er sliegt versteckt an einer Seitengasse der Untergasse.

Der Grabbrunnen ist einer von über hundert öffentlichen Grundwasserbrunnen, aus denen die Alsfelder ihr Wasser pumpten. Schon in jener Zeit entstand die Mär (es gibt sie übrigens fast überall auf der Welt), die man Kindern, schamhaft jede sexuelle Aufklärung vermeidend, erzählte: Dass nämlich der Storch, der auf dem nahe gelegenen Leonhardsturm sein Nest habe, mit seinem Schnabel die Babies daraus fische.
Der Name de Brunnen könnte etwas mit dem Färberpflanze Krapp zu tun haben.

Schild am brunnen

Schild am brunnen

Zurück in der Untergasse trifft man auf ein monumentales, dreigeschossiges Doppelhaus mit reichem Schnitzwerk am Quergebälk. Die gute Zimmermannskunst
stammt aus der reichen Zeit des Fachwerkbaus zu Anfang des 17. Jahrhunderts.

Am Ende der Untergasse in der Hersfelder Straße stößt man dann auf das Alsfelder Ständerhaus. Um 1375 erbaut ist das Ständerhaus mit 2x7 Ständern (Langpfosten) in den seitlichen Außenwänden versehen. Es hat zwei vorgehängte Geschossen an der Giebelseite.

Alsfelder Ständerhaus

Alsfelder Ständerhaus

Auf Weg zurück zum Marktplatz liegt n de Adresse 'Amthof 8' ein bedeutendes Fachwerkhaus der Gotik, um 1430 erbaut, mit starkem Geschossvorsprung und kurzen überblatteten Fußstreben.

an  der  oberen  Ecke  Hängepfosten und  gerade  Knaggen.

an der oberen Ecke Hängepfosten und gerade Knaggen.

Bevor wir allerdings die Walpurgiskirche neben dem rathaus besuchen machen wir noch eine Runde über den kirchplatz, wo sich das Beinhaus befindet.
Das Gebäude ist eine spätgotische Kapelle, die - 1510 erbaut - in ihrem Tonnengewölbe im Untergeschoss die Gebeine aus dem Friedhof. bewahrte.
Heute befindet sich hier das Stadtarchiv.

Beinhaus

Beinhaus

Vor dem Beinhaus findet man den Nachbau eines mittelalterlichen Drehkäfigs.
Ein Drehhäuschen, auch Driller oder Drehkäfig genannt, war ein Instrument für die Zurschaustellung und Bestrafung von Personen.
Das Drehhäuschen war als geschlossener eiserner Käfig – ähnlich einem Hamsterlaufrad, allerdings mit vertikaler Drehachse – aufgebaut. Der zylindrische Aufbau des Käfigs war außen mit vertikalen Stäben versehen. Die verurteilte Person befand sich stehend in dem Käfig. Oben und unten war der Käfig so gelagert, dass er von Außen in Rotation um die eigene Achse versetzt werden konnte. Die obere Achse fand in einer Art Galgen ihr Gegenlager. Der Gerichtsdiener oder Passanten konnten den Bestraften durch Drehen des Käfigs weiter peinigen.

nebenan muß man ein altes fachwerkhaus stützen

nebenan muß man ein altes fachwerkhaus stützen

Die Walpurgiskirche ist die städtische Hauptkirche. Die komplizierte Baugeschichte spiegelt sich sowohl in der inneren Gestaltung als auch im äußeren Aufbau wider.. Der älteste Bestand in Form einer kleinen 3-Apsidenbasilika wurde durch Freilegung der Fundamente 1971/72 nachgewiesen. Um diese herum entstand im späten 13.Jahrhundert eine frühgotische Basilika mit gestrecktem, aber niedrigem Chor und Westturm.
In spätgotischer Zeit ab 1393 entstand der Neubau des Chores in verlängerter und wesentlich höherer Form. Zum geplanten Neubau des Langhauses kam
es nicht, vielmehr wurde die bestehende Basilika 1472 und später durch Erhöhung und Verbreiterung der Seitenschiffe und Ausbruch hoher Arkaden zu einer Art Hallenkirche umgestaltet.
Nach Einsturz des frühgotischen Turmes erfogte 1394 der Neuaufbau, der erst 1542 durch Achteckgeschoss und Renaissance-Haube vollendet wurde. Bis 1921 bnefand sich hier die Wohnung des Türmers.

spätgotische Fresken

spätgotische Fresken

barocke Epitaphien

barocke Epitaphien

romanischer Taufstein aus gelb-braunem Sandstein - datiert um 1000

romanischer Taufstein aus gelb-braunem Sandstein - datiert um 1000

© Herbert S., 2021
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wieder hat ein Bericht des Hessischen Fernsehens uns beeindruckt: Im Vogelsbergkreis - einem alten Vulkangebiet - liegen einige hochinteressante Städtchen: die Europäische Modellstadt Alsfeld, Lauterbach und die Burgenstadt Schlitz. Außerdem kann man die am Rande liegende Stadt Fulda besuchen
Details:
Aufbruch: 25.09.2021
Dauer: 6 Tage
Heimkehr: 30.09.2021
Reiseziele: Deutschland
Der Autor
 
Herbert S. berichtet seit 18 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Herbert sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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