Irland - Keltenkreuze, Kleeblätter und schroffen Küsten

Reisezeit: Juni / Juli 2022  |  von Ralf Beelitz

Knockmealdown Mountains und Wild Atlantic Way

Drombeg Stone Circle

Die malerische R668 von Clogheen nach Lismore zieht sich zwischen den Gipfeln Sugarloaf Hill (663 m) und Knockshanahullion (655 m) hinauf zum „Vee Pass“ (340 m). Der Vee ist nach der einzigen (!) Haarnadelkurve auf der Strecke benannt. Auf Irisch bedeutet Vee auch „Straße der Engel“. Fotomotive gibt es in Hülle und Fülle. Im Süden erheben sich die markanten Hügel der Knockmealdown Mountains (794 m) während die Comeraghs (792 m) weiter östlich emporragen. Am Vee verstummen die Motoren unserer Maschinen; wir genießen die Ruhe und haben vor uns einen unbeschreiblichen Blick ins Tal von Cahir.
Gegen Mittag fahren wir in „Kinsale“ ein. Am kleinen Hafen finden wir mit etwas Glück noch eine Abstellmöglichkeit für meine Silver Wing und die Motorräder. Der lebhafte Ort ist der offizielle Startpunkt des spektakulären „Wild Atlantic Way“, eine der längsten Küstenstraßen Europas, welche entlang der irischen Westküste verläuft und auf der man immer wieder phantastische Aussichten auf den Atlantik hat. Bei einem Bummel durch die schmalen Gassen mit ihren in allen Farben angestrichenen Häusern stelle ich mit Verwunderung fest, dass das „Weiße Haus“ nicht in Washington, sondern in diesem kleinen Städtchen liegt. „White House“ prangt an einer Fassade im Zentrum. Na ja, Reisen bildet ja bekanntlich. In Kinsale habe ich übrigens mein erstes „Scones“ Erlebnis (von vielen weitere). Zusammen mit etwas Butter und Pflaumenmarmelade ist dieser Brotklumpen richtig, richtig lecker.
So gestärkt nehme ich, begleitet vom Geschrei der Möwen, die ersten Kilometer der Küstenstraße unter die Räder. Der Himmel öffnet leider erneut seine Schleusen, dennoch gibt es immer wieder grandiose Ausblicke auf das vom Wind gepeitschte Meer. Apropos Wetter. Das entspricht heute - und fast an allen Tagen - tatsächlich den üblichen Klischeevorstellungen. Ja, es ist in der Tat so, dass wir auf dieser Tour mindestens (!) einmal pro Tag, meistens nachmittags, einen kräftigen Schauer abbekommen. Die „Grüne Insel“ ist schließlich nicht umsonst so grün.
Hinter Rosscarbery, an der keltischen See gelegen, verlassen wir die R597 und biegen in einen von hohen Hecken gesäumten Hohlweg ein. Unscheinbare braune Schilder weisen Drombeg Stone Circle den Weg zu einem kleinen Parkplatz. Von dort ist es nur ein kurzer Fußmarsch bis sich die ersten Megalithen des „Drombeg Stone Circle“ (auch „The Druid’s Altar“ genannt) vor uns erheben. Der ca. 3.000 Jahre alte Steinkreis wird von 17 eng beieinander liegenden, bis zu 2m hohen, Steinen gebildet, von denen einer flach liegt. Dieser wurde vermutlich als Opfertisch genutzt. Ein Ort der Magie, um den sich unzählige Mythen und Legenden ranken. Der Blick auf den Steinkreis und die dahinter liegenden Grundmauern zweier Hütten gibt vor der Kulisse der umliegenden grünen Hügel und dem entfernten Blau des Meeres ein einzigartiges Bild ab.

Glengarriff

Wir streben westwärts und erreichen unvermittelt das Ufer der Bantry Bay. Ist das eine Flussmündung oder schon der Atlantik? Diese Frage ist letztendlich zweitrangig, da das Wasser zwischenzeitlich wieder von oben kommt. Sturzbachartig. Windböen peitschen um den Helm. Weltuntergangsstimmung macht sich breit; die anderen Mopeds sind nur noch schemenhaft zu erkennen, aber wir müssen da durch.
Die N71 folgt nur kurz dem Verlauf der Bantrybucht und windet sich dann hinter dem 130 Seelen Dorf Glengarriff (eine lang gezogene Straße, eine Kreuzung und mittendrin der Friedhof), nach Norden. Die in weiten Bögen verlaufende Auffahrt, von Mauern und Hecken gesäumt, soll an anderen Tagen angeblich traumhafte Ausblicke auf die Caha Mountains und die Bantry Bay bieten. Heute ist da nur Dunst. Die Nationalstrasse durchquert den Eichenwald von Glengarriff, neben dem Killarney National Park der älteste Irlands.

Caha Pass

Der höchste Punkt der Strasse, der „Caha Pass“ (332 m) an der Grenze zwischen den Counties Cork im Süden und Kerry im Norden, führt allerdings nicht über den Bergkamm, sondern durch einen naturbelassenen Tunnel.

© Ralf Beelitz, 2022
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Der Westen von Irland zählt zu den spektakulärsten Landschaften Europas. Der Ring of Kerry, die Cliffs of Moher, Moor- und Heideflächen. Schmale Teerspuren winden sich entlang der Küste, klettern über kleine Pässe und tauchen hinab zu traumhaften Buchten.
Details:
Aufbruch: 22.06.2022
Dauer: 12 Tage
Heimkehr: 03.07.2022
Reiseziele: Irland
Der Autor
 
Ralf Beelitz berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.
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Aus dem Gästebuch (2/2):
Ralf 1668173928000
Hallo Ste­fan,
, freut mich, dass dir der rei­se­bericht gefällt. Irland ist un­be­dingt eine Reise wert. Tolle Lan­dschaften und am Wich­tig­sten - freun­dliche­und inte­res­sier­te Menschen­.

Gruß Ralf
Stefan Böhm 1668098115000
Hallo Ral­f,
Vie­len Dank für den schöne. Bericht. Seit drei Jahren schiebe ich meine Rol­ler­tour nach Irland vor mir her und habe sie mir jetzt fest für nächstes Jahr vor­ge­nom­men. Da kommt Dein Bericht genau rich­tig­.
Gruß Stefan