Thailand-Reisebericht :5 Wochen in Thailand

Der Norden

[Eddie: ] Von Bangkok aus wollen wir mit einigen Zwischenstops per Zug ins 700 km nördlicher gelegene Chiang Mai.

Nach durchzechter Nacht mit einigen anderen Reisenden in der Thanon Khao San, geht's "morgens" los - unser erster Zwischenstop ist Ayutthaya, eine ehemalige Hauptstadt des alten Siam. Hier sind jedoch im Jahr 1767 die Burmesen eingefallen, was eine Verlegung der Hauptstadt nach Bangkok nach sich zog. Heute ist Ayutthaya jedoch wieder bevölkert. Das moderne Ayutthaya befindet sich inmitten eines riesigen Areals alter, teilweise zerstörter buddhistischer Tempel im Khmer-Stil.

[Martin: ] Besonders beeindruckend sind die Kuppeln und Pagoden vor allem nachts, wenn sie touristenfreundlich angestrahlt werden. Da man aber nachts nur nach abenteuerlichen Kletterpartien, dem Ignorieren sämtlicher antiker Absperrungsvorrichtungen und dem geschickten Ausweichen von (vermutlich bösartigen, tollwütigen und hungrigen) Fledermäusen in den vollen Genuss der Tempel kommt, empfiehlt sich der Besuch am Tage.

In Wurzeln gebetteter Buddhakopf, eigentlich nur ein zersplittertes Überbleibsel des burmesischen Zerstörungswahns.

In Wurzeln gebetteter Buddhakopf, eigentlich nur ein zersplittertes Überbleibsel des burmesischen Zerstörungswahns.

[Eddie: ] Das Tempelareal ist so weitläufig, dass wir uns Fahrräder mieten müssen, um wenigstens einen Teil der Tempel (und zwar acht davon) besuchen zu können. Mit Robert, einem Engländer aus München(!), fahren wir also den ganzen Tag bei Linksverkehr kreuz und quer durch die Stadt und sehen dabei hunderte Buddha-Statuen in allen möglichen Positionen und aus allen möglichen Materialien, als da wären: Gips, Stein, Bronze und Gold.

Am beeindruckendsten für mich war der ziemlich abseits gelegene Tempel Wat Yai Chai Mongkhon mit unzähligen geschmückten, teilweise immensen, steinernen Buddhas.

Mit Mönchsgewändern behängte Buddhafiguren im meiner Meinung nach schönsten Tempel Ayutthayas:
Wat Yai Chai Mongkhon.

Mit Mönchsgewändern behängte Buddhafiguren im meiner Meinung nach schönsten Tempel Ayutthayas:
Wat Yai Chai Mongkhon.

[Martin: ] Nach dieser Gewalttour wissen wir auch, was Tuk-Tuk-Fahrer in Bangkok mitmachen müssen. Obwohl der Smog in Ayutthaya doch weit weniger schlimm ist als in der Hauptstadt, spürt man die Abgase in der Lunge, die Atmung wird flacher, ein asthmatischer Husten setzt ein. Deshalb sind wir froh, als wir abends unser Zimmer erreichen und uns erst mal ausruhen und unsere ausgedörrten Kehlen mit reichlich Singha-Bier erfrischen können. Nach kurzer Zeit sind wir fit genug, uns wieder unseren Grundbedürfnissen (Essen, noch mehr Bier) zu widmen:

[Eddie: ] Unser erstes wirklich thailändisches, nicht für Touristen gedachtes Essen ist eine regelrechte Herausforderung. Auf den ersten Blick erscheint es nicht gerade viel zu sein, sobald man jedoch davon probiert hat, erscheint einem der kleine Teller plötzlich riesig und einschüchternd. Es ist einfach unglaublich scharf. Die erste Portion (Schweine-Curry) geht aber noch und so bestelle ich mir noch was vegetarisches, in der Annahme, dass es ein bisschen weniger scharf sei - nach dem Motto nur wo "Curry" draufsteht, sind auch Chillis drin. Grosser Fehler - nach dem halben Teller muss ich resignieren, diesmal ist es einfach tödlich. Da fehlt Übung, da muss man sich halt mal zwingen, die Einheimischen schaffen's doch auch!

Beim anschließenden gemeinsamen Singha-Bier-Vernichten mit anderen Travellern und Einheimischen nutze ich die gute Gelegenheit, endlich mal Vokabeln zu lernen und schnappe mir dafür den wichtigsten Mann der Stadt. Warum er das ist, werde ich vermutlich nie verstehen, aber jeder Polizist der vorbeikommt grüßt ihn unterwürfigst mit dem thailändischen Gruß, dem "Wai". Dabei ist der Mann gerade mal 23. Egal, nach so-und-so-viel Bieren ist mir jeder Respekt schnuppe und so lasse ich mir von ihm diesen sogenannten Wai genau erklären:
die thailändische Gesellschaft ist streng hierarchisch aufgebaut, je nach Einfluss, Vermögen, Alter oder religiösem Status des Einzelnen. Der Wai erfolgt also mit vor sich zusammengelegten Händen und gegebenenfalls mit Verbeugung. Je höher der soziale Status des Gegenübers im Vergleich zum eigenen Status, desto höher wandern die Hände und desto tiefer wird die Verbeugung. Gleichgestellte und Freunde werden also mit Händen vor der Brust gegrüsst, Eltern und Mönche mit Händen vor der Stirn und SEHR tiefer Verbeugung. Der König ist dann noch ein Spezialfall, denn bei ihm ist zusätzlich Kriechen angesagt.

[Martin: ] Der nächste Tag führt uns nach einem ausgedehnten Katerfrühstück zunächst per Zug weiter gen Norden nach Lopburi. Neben einer ganzen Menge Tempel, auf die wir aber eigentlich nach dem gestrigen Tag gar keine Lust haben, gibt es hier vor allem eins: Affen. Massenhaft Affen! Die Viecher hangeln sich an Telefonleitungen, klettern auf Straßenschilder, tummeln sich auf Verkehrsinseln und Tempelanlagen. Als ich für ein Foto neben einem kleinen Makaken posieren will, springt mir dieser auf den Rücken und versucht nach kurzer Zeit, sich meiner Haare zu bemächtigen. Man glaubt nicht mit welcher Kraft so ein kleines Tier einem an der Matte zerren kann. Dank unseres Körpereinsatzes und der Tatsache, dass meine Haare völlig ungenießbar sind, gelingt es uns schließlich, den Affen in die Flucht zu schlagen. Ich habe noch alle Haare, dazu wahrscheinlich noch eine Menge Läuse und ein Schleudertrauma. Aber das Foto ist gut geworden.

In Lopburi mit rasendem Affen.

In Lopburi mit rasendem Affen.

[Eddie: ] Per vollklimatisiertem (und deshalb eiskaltem) Nachtzug geht's direkt weiter nach Chiang Mai, der mit 160.000 Einwohnern zweitgrössten Stadt Thailands. Ziemlich verkühlt suchen wir uns frühmorgens nach 11 Stunden Fahrt ein Guesthouse (das Smile House ist hier sehr zu empfehlen) und haben gleich einen recht schlechten Start unseres Besuchs: wir legen uns hin und verpennen den ganzen Tag. Nachdem so unser Tagesrhythmus ziemlich durcheinander geraten ist, haben wir während der nächsten Tage gewisse Schwierigkeiten, produktiv zu werden und sehen leider nicht richtig viel von Chiang Mai. Außerdem ist mir mein umdiewelt-Mailclient abgeschmiert, wegen gewisser Probleme mit thailändischen Sonderzeichen.

[Martin: ] So einige Stunden verbringen wir darum im Internet-Cafe: Eddie muss seinen abgeschmierten Mailserver reparieren und deshalb sitzen wir am ersten Tag länger vor dem Computer als so manch ein Informatik-Student im ganzen Semester (ohne hier Namen nennen zu wollen). Zwar werden wir wahrscheinlich von den anderen Reisenden als Sonderlinge abgestempelt, dafür werden wir die besten Freunde der Inhaberinnen des Internet-Cafes und Eddies Maildingens geht mittlerweile auch wieder.

[Eddie: ] Trotz unserer akuten Faulheit schaffen wir es immerhin auf den Night Market, der zeitlich, weil abends, ganz gut reinpasst. Der Night Market ist ein recht touristisches Eck, man bekommt hier jedoch eine ganze Menge Gebrauchsartikel, wie Nike-Badeschlappen oder hübsche bunte Jute-Täschchen zum daheim an die Wand nageln. Hier steht auch eine etwa 30 Meter hohe Kletterwand, die Spaßmäßig für Einsteiger sehr zu empfehlen ist.

[Martin: ] Unser Kaufrausch in Sachen Badeschlappen und Juteplakate wird zum Glück von der ersten Kneipe gezügelt, und so lernen wir unter anderem die Sängerin des Ladens, einen total bekifften thailändischen Wander-Führer und eine neue kulinarische Köstlichkeit kennen:

  • die Sängerin sieht beinahe zu gut aus, ist wahrscheinlich ein Mann (s. Kapitel "Gathoeys")

  • der Wanderführer ist Vier-Gewinnt-süchtig und spielt uns in Grund und Boden

  • die frittierten Würmer schmecken wie Erdnussflips

[Eddie: ] In Chiang Mai ziehe ich mir ausserdem endlich die Fäden meiner Schnittwunde, was eigentlich kein Problem wäre und schon garnicht schmerzhaft, wenn die Stiche nicht dermassen miniaturistisch wären, dass ich mit der Schere kaum drunter komme. Aber irgendwie passt es (vor allem mit der Assistenz Martins), also noch einen Liter Alkohol drüber und ein steriles Pflästerchen, fertig. Dschungellazarett für Pseudomediziner. Hätte ich mir auch dramatischer vorgestellt.
Um dem Teufelskreis des Nichts-Tuns zu entkommen, entschließen wir uns, eine geführte 3-Tages-Trekking-Tour durch den umliegenden "Urwald" zu buchen. Wie alle anderen Touristen auch.

[Martin: ] Am nächsten Morgen werden wir also im Guesthouse abgeholt, die einzige bisher anwesende Teilnehmerin schätzen wir auf Mitte 60, aber vielleicht hatte sie ja auch nur eine anstrengende Nacht und sieht deshalb so mitgenommen aus. Die anderen sind dann aber doch wesentlich jünger und die Old Lady erweist sich letztlich auch als recht cool. Zuerst einmal geht es per 3-stündiger Fahrt mit einem Pickup-Truck zum Wasserfall, wo Mittagessen und Baden geplant ist. Als wir ankommen, sind schon drei andere Trek-Gruppen anwesend, die fröhlich planschen und ihre bleichen Bierbäuche vergleichen. Tja, "menschenleer" ist was anderes, aber so sterben wir wenigstens nicht an Einsamkeit. Auch eine Gruppe Thailänder vergnügt sich im kühlen Nass, wohl um die Authentizität zu wahren. Das erste Mittagessen wird in Styroporbehältnissen serviert,da freut sich das Ökoherz.

Bis auf die erste Mahlzeit wird die Nahrung ökologisch verpackt, nämlich in Bananenblättern, angereicht.
Selbst das Besteck ist wiederverwendbar.

Bis auf die erste Mahlzeit wird die Nahrung ökologisch verpackt, nämlich in Bananenblättern, angereicht.
Selbst das Besteck ist wiederverwendbar.

[Martin: ] Nach der Baderei wird endlich gewandert. Klar wussten wir, dass es sich beim nordthailändischen Dschungel tatsächlich nicht um einen Affen-Tiger-Palmen-Dschungel handelt, in dem von Affen aufgezogene Mitteleuropäer von Liane zu Liane turnen, sondern eher um etwas, was an einen größenwahnsinnigen deutschen Mischwald erinnert. Aber selbst die 400 Vogelarten, die auf dem Doi Inthanon (dem höchsten Berg Thailands) zuhause sein sollen, lassen sich nicht blicken. Verübeln kann man es ihnen kaum, ich würde mich auch verkriechen, wenn fünfzehn Touristen, mit Kamera bewaffnet, durch mein Wohnzimmer stapfen würden.

Touristen und Mischwälder.

Touristen und Mischwälder.

[Martin: ] Nach dem ersten ernüchternden Eindruck haben wir aber viel Spaß am Wandern, die Natur ist wirklich schön, und die Lagerfeuer am Abend stets feucht fröhlich. Nur die Besuche bei den sogenannten Hill-Tribes sind etwas nervig. Die Bewohner dieser Stämme sind in den letzten 200 Jahren von Tibet, China und Myanmar nach Thailand geflüchtet, um sich hier eine neue Existenz (Landwirtschaft und Opium-Anbau) aufzubauen. Seitdem werden sie regelmässig von Touristenkarawanen heimgesucht, und müssen sich wie Affen im Zoo fotografieren lassen. Das ist nicht so unser Ding, deshalb beschränken wir die Fotografiererei in diesen Orten auf Schweine und Hühner (endlich Vögel!).
Übernachtet wird in kleinen Bambushütten auf dem Boden, in der Nähe von Wasserfällen und auf Lichtungen. Alles sehr idyllisch, um nicht zu sagen .. äh .. pittoresk. Nachts wird es dann sogar richtig kalt, auch wenn gewisse Leute (!) uns abgeraten haben, lange Klamotten mitzunehmen, da man in Thailand ja höchstens beim Duschen friert...

[Eddie: ] ...dank meines Schlafsacks und vor allem dank meiner Therm-A-Rest-Isomatte bin ich offensichtlich der einzige der Gruppe, der perfekt schlafen kann.

Unsereins kennt Reisfelder ja nur aus diversen Kriegsfilmen. Schön, das Ganze mal ohne Geballer zu erleben.

Unsereins kennt Reisfelder ja nur aus diversen Kriegsfilmen. Schön, das Ganze mal ohne Geballer zu erleben.

[Eddie: ] Neben der wunderschönen Natur und den netten Mitreisenden müssen wir uns aber leider auch noch mit unserem Trekführer, einer Art Crocodile Dundee für den Südost-Asiatischen Raum auseinandersetzen. Dieser ist, um es freundlich auszudrücken, recht introvertiert, wenn man es jedoch genau nimmt könnte man auch sagen, er ist ein wahnsinniger Psycho und man sollte ihn tunlichst von Alkohol fernhalten.
Durch seine Aktionen ist er definitiv der absolute Höhepunkt der ganzen Tour: ein beeindruckendes Gegenbeispiel zum thailändischen Gleichmut und zum praktizierten Buddhismus.
Von Anfang an wahrt er klare Distanz zur Gruppe und gibt trotz seines guten Englisch keinerlei Erklärungen ab. Fragen beantwortet er nur kurz angebunden und undeutlich und meistens sind die Antworten so unwahrscheinlich, dass man sich nur verarscht vorkommt:
"Warum liegen im Wald EINZELNE verkohlte Bäume herum?"
"So gewinnen die Bauern Ackerland."
Häh?
Bei unserer ersten abendlichen Lagerfeuer-Unterhaltung stellt sich heraus, dass er in gewisser Weise ein Problem mit uns Fremden hat, allerdings ohne dass wir sagen könnten, was genau das Problem ist. Es geht ihm wohl um ärmellos rumlaufende Touristinnen, die selber schuld daran seien, wenn sie vergewaltigt würden und die ausserdem am Aussterben des Buddhismus schuld seinen und überhaupt seien wir alle das Letzte, vor allem die Deutschen. Mmmm-ja.
Am nächsten Abend dürfen wir erleben, wie er am Lagerfeuer sitzend vollkommen austickt und rumbrüllt. Richtig beängstigend, die Mädels jedenfalls sind recht verängstigt. Er wirft uns vor, wir ALLE würden ja nur an diesem Trek teilnehmen um SEX zu haben und wir würden uns für nichts anderes interessieren. Komischerweise war garnichts derartiges passiert, außer, dass wir ihn zwei Tage lang mit interessierten Fragen gelöchert hatten, die er partout nicht beantworten wollte oder wenn, dann vollkommen sinnfrei.

Dass man als Thai nicht unbedingt gut auf den vor allem in Bangkok boomenden Sextourismus zu sprechen ist, ist mehr als verständlich, aber man sollte doch unterscheiden können, wer zu welchem Zweck in Thailand ist.
Nach allem, was ich bisher gelesen habe, ist eines der Hauptziele des Buddhismus die Beherrschung der eigenen Begierde und ein anderes ist Toleranz. Bei unserem Führer hatte ich den Eindruck, dass er seine Begierde nicht von innen heraus zu beherrschen bestrebt war, wie es eigentlich sein sollte, sondern durch Maßregelung seiner Umwelt, also eben gerade nicht durch Toleranz.

Und nach allem was ich über Thailand gelesen habe, gilt es als erstrebenswert, nicht "sein Gesicht zu verlieren". Da Thailand eine sehr hierarchisch strukturierte Gesellschaft ist, wobei der Status des Einzelnen zuallererst am Erscheinungsbild (BMW oder Lumpen?) festgemacht wird, ist es sehr wichtig, niemals "sein Gesicht zu verlieren". Sein Gesicht jedoch verliert der, der zu viele Schwächen zeigt. Der, der andere kritisiert, also nicht der Kritisierte. Und vor allem der, der schreit. Und all dies hat unser Führer innerhalb kürzester Zeit mehrmals getan.
Natürlich kann ich als Außenstehender Farang das Ganze nicht lupenrein beurteilen, aber ganz kosher war das nicht.

Unser Führer hat sich am nächsten Morgen zwar vor der gesamten Gruppe demütigst entschuldigt, wozu meiner Meinung nach einiges gehört, das Verhältnis blieb aber nach diesem Ausbruch doch etwas gespannt.
Im Nachhinein habe ich zu meiner Erbauung gelesen, dass es in Thailand reichlich oft zu Morden kommt, nachdem jemand sein Gesicht verloren hat. Dabei geht es wohl darum, dass dieser Makel nur mit der Beseitigung der Zeugen beseitigt werden kann. Wir jedenfalls haben hervorragend geschlafen, in einem Haus, dessen dünner(!) Boden einen Meter über dem Erdboden lag und in einem Dorf, in dem sogar die Kinder mit Macheten spielten. Naja, alles Gute kommt von unten...

Desweiteren (neben den bereits beschriebenen Gefahren) drohen uns noch River-Rafting und Elefantenreiten. Obwohl beides zum Standardprogramm für Großstadttouristen gehört, ist es SEHR zu empfehlen. Ich als Stadtkind kenne Elefanten ja eh nur von Walt Disney, bin also vollkommen begeistert. Wer mal ausprobieren will, wie es ist, einem solchen Vieh eine Banane zu verfüttern, der nehme seinen Staubsauger und tunke ihn in irgendwas feuchtes, schleimiges

[Martin: ] Vor Beginn des Elefantenritts wird uns erklärt, dass jeweils zwei aus unserer Gruppe sich einen Elefanten teilen. Da wir jedoch eine ungerade Anzahl von Teilnehmern in unserer Gruppe haben, habe ich die Ehre, nicht auf dem fest montierten Sitz sitzen zu "müssen", sondern im Nacken des Elefanten. Alles sehr wackelig, vor allem bei so einem neurotischen Elefanten, der auch gerne mal neue, unbenutzte und sehr steile Wege ausprobiert. Aber ich habe ja vor mir noch den Elefantenführer auf dem Kopf des Tieres sitzen, also wird schon nix schiefgehen. Denkste. Nach ein paar Metern springt der Junge ab, und ich bin mit den beiden Damen hinter mir, dem grossen grauen Kopf vor mir und meiner Hoehenangst in mir ganz alleine. Aber ich bin ja tapfer. Besonders spaßig wirds immer dann, wenn der Führer, mittlerweile irgendwo hinter/unter/neben mir, den Elefanten antreibt, so dass der wie wild durch die Pampa jagt. So haben die Einheimischen ihren Spaß und ich den nötigen Adrenalinkick. Während des Rittes keimt in mir ein tiefes Verständis fuer das weibliche Bedürfnis nach rasierten Männerköpfen. Mein Dickhäuter ist nämlich nicht rasiert und hat am Kopf lauter circa fünf Zentimeter lange Bartstoppeln, die böse an den Oberschenkeln scheuern. Aber das alles war's wert, falls das mit Informatik nicht klappen sollte, werde ich eine Karriere als Elefantentreiber anstreben.

Beim Jumbo-Füttern.

Beim Jumbo-Füttern.

[Eddie: ] River-Rafting ist im Grunde nichts anderes als Stocherkahnfahren (wie in Tübingen im Stuttgarter Raum üblich): man nehme acht lange, dicke Bambusrohre und binde sie aneinander. Dann nehme man ein paar dumme Touristen, die mit allem zu begeistern sind, drücke ein paar von ihnen, also mir und Martin, eine Bambuslatte in die Hand und lasse das Floß einen wilden Fluss runterschwimmen. Lustig wirds immer bei Stromschnellen, oder wenn sich die Flöße gegenseitig rammen. Das ganze macht richtig viel Spass, man wird gut nass dabei, kann aber die anderen, die vor einem auf dem Floss sitzen noch viel nasser machen.

Im Nachhinein war der Trek eine durchaus lohnende Aktion, aber vor allem durch die Dynamik unserer Gruppe - allesamt sehr lustige Zeitgenossen. Das recht lahme Wandertempo war eher entnervend und die Orientierungslosigkeit in der uns unser distanzierter und schweigsamer Führer ließ machte es auch nicht gerade besser.

Zurück in Chiang Mai geht unser Leben gerade so weiter, wie schon zuvor in derselben Stadt: wir haben einige körperlich sehr anstrengende abendliche Nachtreffen mit unserer Trekkinggruppe, müssen sehr viel Bier trinken und sehr spät ins Bett gehen. Ein Teufelskreis.

[Martin: ] Merke: Geht niemals mit anderen Travellern auf ein Bier, wenn ihr am nächsten Tag etwas vorhabt. Andere Traveller sind böse. Andere Traveller verführen Euch zu viel zu viel Alkohol und machen so ein zeitiges Aufstehen am folgenden Tag unmöglich.

[Eddie: ] Trotz allem schaffen wir es, vor unserer Abreise noch einige sehr schöne Tempel zu besichtigen, unter anderem das absolute Highlight unter den bisherigen Tempeln, den Wat Phra That Doi Suthep, der über eine 300-stufige Drachen-Treppe zu erreichen ist.

Der schönste Tempel unserer Reise: Wat Phra That Doi Suthep.

Der schönste Tempel unserer Reise: Wat Phra That Doi Suthep.

[Martin: ] Nach zwei Tagen in Chiang Mai beschließen wir schließliech, den Fängen der bösen, Alkohol und Kopfweh verbreitenden anderen Traveller zu entfliehen und mit dem Zug ins südlichere Lampang zu reisen. Als wir nachts ankommen gibt es keine Traveller weit und breit, eine frühe Nachtruhe scheint gesichert. Aber tatsächlich gibt es überhaupt keine Menschen weit und breit. Niemanden. Wir sind alleine. In einer mit bellenden Hunden bevölkerten Stadt. Einsamkeit macht sich breit. Wir vermissen die anderen Traveller. Zu Fuss machen wir uns auf die Suche nach einer Herberge oder einer anderen Schlafstätte. Als endlich ein Taxi auftaucht und uns mitnimmt, fährt es uns jedoch nicht zu dem Gästehaus, zu dem wir ursprünglich wollten, sondern zu einem anderen, wo wir sogleich von einem netten, gegelten jungen Mann im Anzug und mit Spiegelsonnenbrille (nachts, da braucht man das) begrüßt werden. Irgendwie erinnert uns das alles an eines dieser Häuser, von denen unsere Mamis immer gesagt haben, dass wir da nicht reingehen sollen, wegen der nackten Mädchen. Also verabschieden wir uns freundlich und suchen uns ein anderes Quartier. Eins mit dreckigen Matratzen und Eidechsen an der Wand, aber ohne nackte Frauen. Irgendwie haben wir seltsame Prioritäten.

Nicht ganz so perfekter doch trotzdem schöner Buddha im sehr alten Tempel Wat Phra That Lampang Luang bei Lampang.
Wahrscheinlich ein Schulprojekt ...

Nicht ganz so perfekter doch trotzdem schöner Buddha im sehr alten Tempel Wat Phra That Lampang Luang bei Lampang.
Wahrscheinlich ein Schulprojekt ...

[Eddie: ] Im südlicheren Sukothai, der ersten Hauptstadt Thailands während des 13. und 14. Jahrhunderts machen wir unsere ersten "Erfahrungen" ("Erfahrungen", nicht Erfahrungen!)mit thailändischen Transvestiten, den sogenannten Gathoeys: s. Extrakapitel "Gathoeys".

[Martin: ] Natürlich kommt auch die Altstadt von Sukhothai nicht um unseren Besuch herum und so erkunden wir mit geliehenen Fahrrädern die Tempelruinen. Auch hier finden sich zahlreiche Wats, manche besser, manche schlechter erhalten und einige wirklich unglaublich beeindruckend. Allerdings sind wir wahrscheinlich schon so übersättigt von Tempeln und Buddhas, dass unsere Euphorie beim Anblick einer neuen Buddhastatue mittlerweile nicht mehr viel größer ist als die Begeisterung eines Stadtmenschen, der nach zwei Wochen Landurlaub mal wieder eine Kuh sieht.
Zu erwähnen sind allerdings noch der sehr schoene Wat Mahathat und ein anderer Tempel, dessen Name so lang und vokalgespickt war, dass ihn sich ein normaler Europaeer nicht merken kann.

Mitten zwischen Tempeln fallen thailändische Pfadfinder(innen) über uns her und schenken uns (JAHA!!!) Luftballons! Toll!

Mitten zwischen Tempeln fallen thailändische Pfadfinder(innen) über uns her und schenken uns (JAHA!!!) Luftballons! Toll!

Die 3 Türme des Wat Si Sawai im Khmer-Stil

Die 3 Türme des Wat Si Sawai im Khmer-Stil

Der große Buddha des Wat Si Chum, schwer zu fotographieren, dafür umso schöner.

Der große Buddha des Wat Si Chum, schwer zu fotographieren, dafür umso schöner.

[Eddie: ] Die Baustile der verschiedenen Tempel unterscheiden sich schon, sind aber mangels Fachwissen schwer zu verinnerlichen - da fehlen einfach DuMont und Baedeker.

Aus Zeitgründen wird dieses Kapitel jetzt abgeschlossen, zugunsten des Südens, denn ein paar Strände wollen wir auch noch sehen.

© Martin Gädeke, Martin O., 2002
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Winter 2002 - die Reise hat gut angefangen: nach einem kleinen Unfall mit einem betrunkenen Tänzer einen Tag vor der Abfahrt wurde ich am Finger mit 5 Stichen genäht. Die Fäden werde ich mir selbst ziehen. Und dass es in Thailand Malaria gibt, war uns schon klar, nur ... ... vielleicht nicht klar genug.
Details:
Aufbruch: 17.02.2002
Dauer: 5 Wochen
Heimkehr: 25.03.2002
Reiseziele: Thailand
Thailand-Packliste
Der Autor
 
Martin Gädeke berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Martin sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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