Thailand-Reisebericht :5 Wochen in Thailand

Specials: Scams

Scam, engl.: die Masche, der Betrug.

[Eddie: ] Mit Scams muss man sich wohl in jedem Urlaubsland auseinandersetzen, normalerweise verliert man dabei immer ein paar Mark, mal mehr mal weniger. Und ein Scam sollte natürlich so angelegt sein, dass er funktioniert und nicht die ganze Arbeit umsonst ist.
In Thailand sind Scams offenbar sehr beliebt und zwar nicht nur bei denen, die ihr Brot damit verdienen, sondern auch bei uns, denn der Spaß ist jedes Mal garantiert. Man sollte halt nicht ganz naiv an die Sache heran gehen (was wiederum für beide Parteien gilt).

Prinzipiell kann man sich vorab ganz gut in der einschlägigen Reise-Literatur informieren (Vorsicht: DuMont und Baedeker sind hier ungeeignet und wiegen einen nur in trügerischer Sicherheit). Wir verzichten jedoch in alter Abenteurer-Manier auf diese Informationsquellen, und näheren uns dem sogenannten Scammer gänzlich unvoreingenommen.

SCAM 1:
Der IchBringEuchBisNachAustralien-Für50Pfennig-MussAberNurGanzKurzHaltMachenInLosAngeles-BeiMeinemKrankenBruder-BevorIchEuchAufAlphaCentauri-ImSternbildLuckyBuddha-WasGanzGanzTollesZeige-AberDannBringeIchEuchNachAustralien-WennIhrMichNurAusredenLasst-Bestimmt!!!-Scam.

Unsere erste Tuk-Tuk-Fahrt soll uns zum Wat Pho bringen, eine Strecke von etwa 1,5 km. Wir bekommen auch "WIRKLICH" einen "SPECIAL"-Preis: "Dummerweise ist aber heute Lucky-Buddha-Day und darum sind alle Tempel insbesondere der Wat Pho geschlossen" sagt der Tuk-Tuk-Fahrer und will uns partout woanders hinfahren.
Wir (schlagfertig wie wir zu sein glauben) müssen jetzt natürlich umso dringender dorthin, weil uns plötzlich eingefallen ist, dass wir ja dort unbedingt Freunde treffen müssen. Schließlich sind wir schon 3 Stunden in Bangkok und kennen schon die halbe Stadt...
Man einigt sich dann gütlich auf die 50 Pfennig Fahrtkosten, die der Tuk-Tuk-Mensch uns gewährt und willigt ein, zuerst an einem "SPECIAL"-Tempel zu stoppen und anschliessend noch am "Export"-Center, wo der Fahrer ganz ganz wichtige Tankmarken von der Regierung abholen will. Und natürlich liegt alles auf dem Weg.
Der "SPECIAL"-Tempel ist dann auch ganz besonders "SPECIAL", da geschlossen. "Zufällig" treffen wir dort einen netten Herrn, thailändischer BWL-er, mit Job in London und (JAHAA!) einer langjährigen Freundschaft zum Herrn Schneider in Köln. Was für ein Zufall, herrje ist die Welt klein. Dieser Tempelwächter und vermutliches Vorstandsmitglied eines internationalen Konzerns mit Sitz in Sizilien ist sehr begeistert davon, dass wir mit unserem Tuk-Tuk-Fahrer (der auf der Straße wartet) zum "Government Export Center" fahren, will aber natürlich, dass wir uns die Information verdienen:

"Ihr habt doch sicher Zeitung gelesen, da stand's drin! Gestern!!!" - uuuih, wir schon ganz hibbelig - "Und im Fernsehen erst!!!" - ich ertappe mich, wie mir Speichel in die Schuhe läuft - "Da ist heute SPECIAL-DAY für Touristen, da könnt ihr Saphire kaufen und in Deutschland sind die dann doppelt soviel wert!" - ich taste nach meinem Geld - "Damit könnt ihr euch euren Urlaub verdienen!" - Martin tastet nach seiner VISA-Karte.
Jetzt nix wie los, bevor die Saphire weg sind.
Den Saphir-Shop besuchen wir noch, Martin meint, die Steine seien schön - ich sage, die Verkäuferinnen auch - und dann stehen wir auch schon in einem vollkommen unbekannten Stadtteil auf der Straße haben keine Peilung und vor allem keine Saphire, aber immer noch unsere 50 Pfennig.
Und statt wieder rein zu gehen zu den Frauen und den Saphiren nehmen wir uns ein Taxi zum Wat Pho.
Ich glaube ja, der Tuk-Tuk-Fahrer mochte uns nicht, weil wir nicht an seinem "SPECIAL"-Brautkleid-Shop interessiert waren. Naja.

[Martin: ]
SCAM 2:
Der Ich-vertrau-Dir-denn-Du-siehst-aus-wie-ein-guter-Mensch-Scam

Bei einem unserer Schneiderbesuche in Bangkok treffen wir auch noch zwei (angebliche) Liberier, Tony und Max, die uns so sympathisch finden, dass sie uns 1,2 Millionen Dollar überweisen wollen, um das Geld dann in Deutschland anzulegen. Klar. Wir überweisen auch immer Wildfremden unser Geld, wer tut das nicht.

[Eddie: ] Die Story ist aber in der Tat überzeugend. Also:
Punkt 1: in Liberien ist Krieg. Emotion: erschüttert.
Punkt 2: Tonys Vater war Großbanker in Liberien. Emotion: Vertrauen.
Punkt 3: Tonys Vater ist tot. Emotion: Mitleid.
Am Sterbebett erfuhren Tony und sein Cousin Max (jaja, die Familienbande) vom Geld unter der Villa. Und der Vater verfügt, dass dieses Geld an irgendjemanden im Exil gelangen muss, der ganz wichtig sein wird für die Demokratie, blabla. Und da sie jetzt das Geld herausgeschmuggelt haben, müssen sie es nur noch nach Deutschland bringen, wo alles so toll ist. Und irgendwas Konfuses mit einem Supermarkt, den die beiden gründen wollen - dumm nur dass ich mittlerweile so unkonzentriert bin und nur noch dran denke, wie ich bald im absoluten Reichtum dahinvegetieren werde.
Aus einer Laune heraus entscheide ich mich aber dann doch, dass es nicht gut wäre, die armen Liberier abzuzocken:
[Martin: ] Als Eddie ihnen erklärt, dass man als deutscher Student nur US$1000 auf seinem Konto haben darf, ansonsten würde die Regierung Fragen stellen, Zimmer durchsuchen, Computer pfänden, etc., da sind die beiden dann doch nicht mehr so begeistert von uns und suchen sich ein neues Opfer.

[Eddie: ] Direkt danach haben wir ein langes Gespräch mit einem Ami, der uns wohl eine ganze Zeit lang schmunzelnd zugeschaut hat. Erst denke ich ja, das sei die Fortsetzung des Scams, nach dem Motto: "SPECIAL government promotion". Aber der Kerl hatte wohl einen Freund, den derselbe Trick eine Menge Geld gekostet hat.
Die Fortsetzung der Story ist ganz einfach: Max und Tony haben das Geld in einem Koffer nach Thailand geschmuggelt. Dazu haben sie die Scheine schwarz angemalt. Jetzt brauchen sie Geld von uns, um Chemikalien für die Reinigung zu kaufen. Und die sind teuer. Sie haben sogar einen riesen Stapel schwarzes Geld und zwar genug um uns zu überzeugen. Und nachdem wir gezahlt haben, sind sie auf und davon. Dumm nur, dass wir schon im letzten Absatz dieses Textes ausgestiegen sind...

SCAM 3:
Der SCAM_1-und-SCAM_2-sind-nichts-gegen-diesen-Scam -Scam

Da wir weder Saphire noch Brautkleider bekommen haben und auch keine 1,2 Millionen Dollar um uns Saphire und Brautkleider zu kaufen mussten wir andere Quellen auftun. Und da haben wir diesen ganz ganz tollen Typ kennengelernt, der heißt Bill Gates und gibt jedem der sich ins Gästebuch einträgt US$ 1000 und uns auch!

Hier die offizielle Warnung der Tourist Police vor SCAM 1 und SCAM 2.
SCAM 3 ist unproblematisch.

Hier die offizielle Warnung der Tourist Police vor SCAM 1 und SCAM 2.
SCAM 3 ist unproblematisch.

© Martin Gädeke, Martin O., 2002
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Winter 2002 - die Reise hat gut angefangen: nach einem kleinen Unfall mit einem betrunkenen Tänzer einen Tag vor der Abfahrt wurde ich am Finger mit 5 Stichen genäht. Die Fäden werde ich mir selbst ziehen. Und dass es in Thailand Malaria gibt, war uns schon klar, nur ... ... vielleicht nicht klar genug.
Details:
Aufbruch: 17.02.2002
Dauer: 5 Wochen
Heimkehr: 25.03.2002
Reiseziele: Thailand
Thailand-Packliste
Der Autor
 
Martin Gädeke berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Martin sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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