Sechs Wochen im Land der Kuehe

Reisezeit: März / April 2010  |  von Malv F.

Reise nach Diu

Im Bus hat sich gleich ein Inder namens Krupal, der eigentlich eher wie ein westlicher Tourist ausgeschaut hat meiner angenommen. Ein ganz netter 31 jähriger Familienvater der aus Ahmedabad stammt und aufgrund eines Projekts seiner Firma zur Zeit in Jaisalmer arbeitet und im Bereich der Windkraft tätig ist. Was der alles mitgehabt hat war nicht ohne: zuerst einmal dieses grausliche Zeug zum Kauen (ich glaub, dass das so was wie Beetelnüsse ist), dann normalen Kautabak, Zigaretten und zu guter Letzt noch eine Flasche Wodka. Den Wodka, so hat er mir erzählt, braucht er zum einschlafen. Befragt nach dem Grund, warum er sonst nicht einschlafen könne hat er gemeint, dass sein Job sehr stressig sei. Nachdem er ca. 0,2 Liter vom Wodka unten gehabt hat hat er sich niedergelegt und ich hab selbiges gemacht.

19.03: Um 4 in der Früh ist der Bus in Ahemdabad angekommen. Irgendein Verrückter hat meinen Rucksack aus dem Gepäcksfach geholt und und ihn gleich auf eine Motor Rikscha (= Tuk Tuk nur halt auf indisch) verladen. Ich hab mich zuerst mal gar nicht ausgekannt und erst jetzt geschnallt, dass hier jemand mit mir offenbar eine Sightseeing Tour durchs nächtlich Ahmedabad oder was auch immer machen wollte. Na gut, hab meinen Rucksack wieder rausgenommen, 10 Minuten lang gar nichts gemacht (außer schön langsam aufzuwachen) und bin dann in den Bahnhof (der da eh gleich um die Ecke war) hineinspaziert.

Bahnhof von Ahemdabad um 4 in der Früh

Bahnhof von Ahemdabad um 4 in der Früh

Günstigerweise ist von dort aus gleich um 5:15 ein Zug nach Rajkot gefahren. Ungünstigerweise war der Zug mehr als übervoll und an einen Sitzplatz war nicht zu denken. Kennengelernt hab ich bei der Zugfahrt eine kleine Familie, die auf dem Weg zum Fest ihrer Kaste in Rajkot war. Obwohl ich gern mehr über das Kastenwesen erfahren hätte hab ich den Eindruck gehabt, dass die mit mir darüber nicht unbedingt reden wollten - war aber auch so ganz nett. In Rajkot (um 11:30) hat mir der Familienvater noch geholfen ein Ticket für meinen nächsten Zug zu kaufen und mir außerdem noch ein paar Tipps gegeben wie man es in Indien anstellt um ein besseres Ticket zu bekommen.

Na gut, nach nur einer halben Stunde Wartezeit bin ich schon wieder im nächsten Zug gesessen, nach Veraval (an der Küste). Ich war zwar schon furchtbar müde, aber die Studenten mit denen ich zusammengesessen bin haben mich bei Laune gehalten.

Um ca. fünf am Nachmittag bin ich endlich in Veraval angekommen und in irgendeinem Hotel eingecheckt. Nach einer ordentlichen Dusche hab ich mich auf die Strasse rausgetraut und festgestellt, dass ich hier offenbar der einzige Tourist bin. Besonders verwunderlich war das aber nicht, weil die Stadt nicht unbedingt dem was man sich als Tourist so wünscht entspricht: der Verkehr ist furchtbar und Dreck ist wieder mal überall. Trotzdem hab ich´s geschafft den Strand zu finden und der war dann ganz o.k. Dort hab ich dann ein paar Kindern, die einen Ball mit dabei gehabt haben die große Kunst des Gaberlns nähergebracht.

20.03.: Eigentlich wollte ich heute die letzten 70km nach Diu schaffen, allerdings hab ich rausgefunden, dass Somnath, eine Pilgerstadt die viel schöner als Veraval sein sollte nur ein paar Kilometer weit weg liegt und noch dazu eh am Weg nach Diu. Deshalb bin ich zuerst mal dorthin gefahren. In Somnath hat dann meine Verdauung die Regie übernommen. Bis zum Abend ist es immer schlechter geworden und z.B. jeder Tropfen Wasser den ich getrunken hab ist sofort wieder auf der anderen Seite rausgekommen. Die Leute im Hotel haben mich unterstützt und mir ein Spezialgetränk zukommen lassen. Das hat allerdings so furchtbar geschmeckt, dass es nicht möglich war das vollständig zu trinken (die Geschmacksrichtung war "Kamelscheiße" oder so was in der Art).

Das Getränk des Grauens

Das Getränk des Grauens

Als es mir aber auch danach nicht besser gegangen ist hab ich mir schön langsam Sorgen gemacht. Ab da haben mich dann die Burschen vom Hotel echt super versorgt (und das obwohl´s schon 11 am Abend war). Zuerst sind wir zu einem Arzt gefahren, der hat mir eine Spritze und ein paar Medikamente gegeben. Dann sind wir weiter zu einer Apotheke die extra für mich aufgesperrt hat und am Ende hab ich noch ordentlich Eiscreme bekommen, weil der Arzt gemeint hat, dass mir auch das gut tun würde.

21.03.: Wieder einigermaßen gesundet hab ich mir die Gegend angeschaut und bin dabei zuerstmal auf eine Horde Kinder gestoßen, die offenbar mit Kaffe oder Red Bull aufgezogen werden. Nach einer Minute waren ca. 30 von denen um mich herum, und als ich den Fotoapparat ausgepackt hab sind die komplett ausgezuckt (ich glaub, dass ich da gar nicht viel dafür konnte, die wollten einfach eine Show machen und haben sich selbst gefeiert).

Ansonsten war ich noch am Strand und im Tempel - beides sehr schön.

Strand und Tempel

Strand und Tempel

Überall wo ich bis jetzt in Indien gewesen bin kommen die Leute auf einen zu und reden einen an (zwar aus unterschiedlichen Gründen, aber meistens schon weil sie einfach freundlich sind, glaub ich). Heute hat mich auf der Straße sogar eine Frau mit Burka mit "Hello, how are you" begrüßt - ich hab das fast nicht glauben können - hat mir aber gefallen.

© Malv F., 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Delhi, Agra, Jaipur, Diu, Mumbai, Goa, Kerala - Aenderungen vorbehalten.
Details:
Aufbruch: 02.03.2010
Dauer: 6 Wochen
Heimkehr: 14.04.2010
Reiseziele: Indien
Der Autor
 
Malv F. berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.