Frankreich - Im wilden Vercors

Reisezeit: September 2013  |  von Ralf Beelitz

Montvernier Serpentinenstraße

Die ersten Sonnenstrahlen klettern langsam über die Gipfel der umliegenden Berge und verkünden den neuen Tag. Der morgendliche Dunst schwebt im Gegenlicht über den Hängen von Vaujany. Wunderschön. Die Straße ist noch feucht, als wir erneut dem Col de la Croix de Fer entgegenfahren. Schafherden ziehen über die Berghänge und einzelne Tiere versperren sogar unseren Weg. Kleine weiße Wolken hängen über den Bergrücken und gleißende Gletscher funkeln im Hintergrund. Kitschig wie auf einer Postkarte.

Wenige Kilometer vor St-Jean-de-Maurienne verlassen wir die D926 und streben dem Skigebiet "Le Corbier" und dem Pass La Toussuire (1.056m) zu. Der Übergang ist zwar nicht so bekannt wie die nahe gelegenen Pässe Galibier und Glandon, war aber immerhin schon Ziel einer Etappe der Tour de France. Die Auf- und Abfahrt bietet nur wenige landschaftliche Reize. Ein Erlebnis der abschreckenden Art ist jedoch der Ort Le Corbier" - eine Bettenburg für Touristen, gekrönt von den drei Zacken der 3.510 Meter hohen Aiguilles d'Arves. Da lohnt sich auch kein noch so kurzer Stopp. Also schnellstens weiter. Auf dem Weg zum Glandon machen wir noch einen kurzen Abstecher ins Landesinnere und gelangen so "versehentlich" zu einer der spannendsten Strecken in den französischen Alpen, der Montvernier Serpentinenstraße. Vom Bergdorf Montvernier schraubt sich die Traumstraße D77B über 18, sehr (!) dicht übereinander liegende Serpentinen auf nur 3 km nach Pontamafrey-Montpascal den Steilhang hinab. Die Kehren sind extrem eng und unübersichtlich. Nur ein wackeliges Geländer schützt - optisch - vor dem Abgrund. Das ist nichts für schwache Nerven. Das Wort "Fahrbahnbreite" kann man hier getrost vergessen. Wenn hier drei Leute nebeneinander laufen hat der Vierte schon ein Problem. Extreme Vorsicht ist angesagt. Meine beste Sozia hofft inständig, dass kein Gegenverkehr kommt und bekommt Schnappatmung. Wir sind beide durchgeschwitzt, als wir schließlich das Arc-Tal erreichen.
Die 22 km lange Auffahrt von La Chambre hinauf zum Col du Glandon (1.924m) ist dagegen für meine Silver Wing eine entspannte Bummeltour. Verlässt man den Lauf der Glandon, die uns zunächst begleitet, müssen Steigungen von 13 Prozent überwunden werden. In mehreren Serpentinen erklimmt das Teerband den letzten Kilometer. Oben angekommen geht der Blick zurück über die Nordostrampe talwärts, wo sich hinter dem Col de la Madeleine majestätisch der weiße Berg der Alpen, der Mont Blanc (4.810m), erhebt. Man glaubt es kaum, aber einige Reisebusse stören hier oben den weiteren Blick auf die Schönheit der Bergwelt.
Bei der Abfahrt nach Vaujany, entlang des Lac de Grand Maison, lasse ich zum Abschluss des Tages, meiner Siwi noch einmal freien Lauf. Nicht zu enge, geschwungene Kurven, die wunderbar zu fahren sind, geleiten uns talwärts. Auf den verkehrsarmen Straßen kann ich jetzt auch einmal die Gashand arbeiten lassen. Da macht "Kurven räubern" Spaß!

© Ralf Beelitz, 2014
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Der Gebirgsstock des Vercors, im äußersten Westen der französischen Alpen, wirkt wie eine überdimensionale Trutzburg. Eine Landschaft mit tiefen, schroffen Schluchten und wilden Felsabstürzen, weit verzweigten Höhlensystemen und verträumten kleinen Örtchen. Dieses schwer zugängliche Gebirge mit Gipfeln bis zu 2.350m Höhe kann man auch heute noch nur über schmale und kühne Straßen erkunden.
Details:
Aufbruch: 16.09.2013
Dauer: 7 Tage
Heimkehr: 22.09.2013
Reiseziele: Frankreich
Der Autor
 
Ralf Beelitz berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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