Historische Stätten in Libanon und im Königreich Jordanien

Libanon-Reisebericht  |  Reisezeit: Oktober / November 2019  |  von Thalia&Christine R

20.10.2019: Beirut - Byblos

Wie immer google ich gleich nach dem aufwachen und erfahre zu meinem Entsetzen, dass es gestern keinesfalls eine Siegesfeier gab—vielmehr waren es neue Demonstrationen.
Das Volk will die Regierung kippen. Hintergrund ist die Ausbeutung des Volkes zugunsten der oberen Schicht.
Vieles soll zu hoch besteuert werden. Aber trotz der hohen Steuern erält das Volk keine Gegenleistung dafür. Es gibt keine Sozialleistungen, keine Krankenversicherungen. Außerdem wird der US$ als attraktivse Währung bestimmt-jedoch erhalten die Menschen von den Banken keine Dollar.

Guten Morgen Beirut, Tag 2 beginnt, das Tinsche schaut nachdenklich und ihre Blicke schweifen in die Ferne.

Guten Morgen Beirut, Tag 2 beginnt, das Tinsche schaut nachdenklich und ihre Blicke schweifen in die Ferne.

Da in unserem Gammelhotel kein Frühstück dabei ist—lohnt sich wohl auch kaum für die 4-5 belegten Zimmer des Riesenbunkers—gehen wir erstmal auf Nahrungssuche.

Ohne Worte, Müll...Müll...Mülll, hauptsächlich Bierflaschen und -dosen sowie teuere geleerte Schnapsflaschen—sogar guten Whiskey hat man hier gesüppelt

Ohne Worte, Müll...Müll...Mülll, hauptsächlich Bierflaschen und -dosen sowie teuere geleerte Schnapsflaschen—sogar guten Whiskey hat man hier gesüppelt

Da liegt was...ein Mann, ja, auch hier ist der krasse Gegensatz allgegenwärtig

Da liegt was...ein Mann, ja, auch hier ist der krasse Gegensatz allgegenwärtig

"reife Männer" beim morgentlichem Workout...für jeden ist was dabei, auch gut durchtrainierte "Schnuckelchen" joggen hier mit freiem Oberkörper die Strandpromenade entlang

"reife Männer" beim morgentlichem Workout...für jeden ist was dabei, auch gut durchtrainierte "Schnuckelchen" joggen hier mit freiem Oberkörper die Strandpromenade entlang

Hier gab es den teuersten Instandkaffee der Welt, Verarschung pur und ca. 5 Kellner bedienten uns, zum Schluss waren wir auch restlos bedient!!!

Hier gab es den teuersten Instandkaffee der Welt, Verarschung pur und ca. 5 Kellner bedienten uns, zum Schluss waren wir auch restlos bedient!!!

Cafe No. 2 an unserer Lieblingstanke, datt war viel gemütlicher und auch wesentlich preiswerter, dem Eigentlichen angepasst

Cafe No. 2 an unserer Lieblingstanke, datt war viel gemütlicher und auch wesentlich preiswerter, dem Eigentlichen angepasst

...Tine überlegt kurz, ob sie dort einziehen will...meinen Segen hat sie, da kann sie doch etwas von ihrem Alltagsstress abschalten.

...Tine überlegt kurz, ob sie dort einziehen will...meinen Segen hat sie, da kann sie doch etwas von ihrem Alltagsstress abschalten.

Neben unserem Hotel befindet sich die Irakische Botschaft.
Mit riesigen Betonmauern umgeben und mit Maschinengewehren bewaffneten Soldaten. Am Eingang standen junge Botschaftsangehörige mit karierter Schlafanzughose...unglaublich aber so war es.

Neben unserem Hotel befindet sich die Irakische Botschaft.
Mit riesigen Betonmauern umgeben und mit Maschinengewehren bewaffneten Soldaten. Am Eingang standen junge Botschaftsangehörige mit karierter Schlafanzughose...unglaublich aber so war es.

Wir sind etwas unschlüssig, ob wir es wagen sollen die Stadt zu verlassen.
Eine Travel agency, die ich über Facebook kontaktiere sagt im Klartext:
„Bleibt wo ihr seid—die Lage hier ist sehr kritisch“
Faydi von der Rezeption meint , es könnte möglich sein, bis zum 40km entfernten Byblos zu kommen. Aber weiter nicht—
Bei „Uber“ können wir ein Taxi nach Byblos bestellen—für 28 US$
Wir wagen es.
Fix ist der Wagen da und der Fahrer fragt uns noch einmal nach dem Ziel:
„Byblos—-are you sure???“
Yes—-aber mein Mut sinkt—wir starten und eine aufregende Fahrt beginnt

Werbung: Der neue Joker-Film läuft auch hier in den Kinos!

Werbung: Der neue Joker-Film läuft auch hier in den Kinos!

Auch solche schnuckligen Gebäude stehen dort rum.

Auch solche schnuckligen Gebäude stehen dort rum.

Schnellstraße nach Norden—überall sehen wir die Brandstellen von letzter Nacht

Schnellstraße nach Norden—überall sehen wir die Brandstellen von letzter Nacht

Schon nach wenigen Kilometern die erste Barrikade—umdrehen!

Schon nach wenigen Kilometern die erste Barrikade—umdrehen!

Dann die nächste....mir wird mulmig. Dabei stehen auch immer vermummte junge Männer. Einige tragen Tücher um Mund und Nase und viele die „Anonymus“ Masken—die sehen besonders gruselig aus

Dann die nächste....mir wird mulmig. Dabei stehen auch immer vermummte junge Männer. Einige tragen Tücher um Mund und Nase und viele die „Anonymus“ Masken—die sehen besonders gruselig aus

Aber wie auch schon bei unserer Ankunft kurbelt unser Fahrer die Scheibe hinunter und spricht mit den jungen Männern. Die erklären, welche Straßen man noch nehmen kann.
Ich werde auf dem Rücksitz immer kleiner und denke dass unser Fahrer gleich sagt, dass wir hier bleiben müssen.
Aber er fährt und fährt—-dreht an den Barrikaden um—manchmal um Haaresbreite an den Steinblockaden vorbei.
Ich habe das Gefühl, wir fahren im Kreis und kommen nicht voran—der Ort scheint kein Ende zu nehmen und die Barrikaden auch nicht.
Teilweise fährt er auch als Geisterfahrer entgegen der Fahrtrichtung. Hupen und Sirenen begleiten uns.
Ich schaue auf mein Navi und staune, dass wir doch langsam voran kommen.
Immer wieder wechselt er von der Schnellstraße auf Nebenwege und wieder zurück.

Nach aufregenden 1,5 Stunden kommen wir in Byblos an. Ich habe ein Hotel ausgesucht, in der Nähe lassen wir uns absetzen und wollen etwas zu Fuß gehen.

Nach aufregenden 1,5 Stunden kommen wir in Byblos an. Ich habe ein Hotel ausgesucht, in der Nähe lassen wir uns absetzen und wollen etwas zu Fuß gehen.

Das „Hotel Amada“ , welches ich rausgesucht—aber noch nicht gebucht habe befindet sich auf der Anhöhe, welche wir nun erklimmen

Das „Hotel Amada“ , welches ich rausgesucht—aber noch nicht gebucht habe befindet sich auf der Anhöhe, welche wir nun erklimmen

Hier werden wir sofort von einem netten Herrn—-Fahdi —empfangen.
Er bietet uns ein Zimmer zum selben Preis wie im net und wir werden schnell handelseinig, als er uns auch noch ein Frühstück verspricht.

Hier werden wir sofort von einem netten Herrn—-Fahdi —empfangen.
Er bietet uns ein Zimmer zum selben Preis wie im net und wir werden schnell handelseinig, als er uns auch noch ein Frühstück verspricht.

Er meint schmunzelnd, dass er alle Einnahmen wieder nach Deutschland bringt und zeigt dabei stolz auf seinen riesigen Mercedes aus den 70igern.
Den hat ihm sein Bruder in Germany gekauft auf dem Landweg bis nach Libanon gebracht.

Er meint schmunzelnd, dass er alle Einnahmen wieder nach Deutschland bringt und zeigt dabei stolz auf seinen riesigen Mercedes aus den 70igern.
Den hat ihm sein Bruder in Germany gekauft auf dem Landweg bis nach Libanon gebracht.

Fahdi hat sehr viel Klimmbimm aus Deutschen Landen dort im Hostel rumliegen und zu jedem Teil eine Geschichte parat

Fahdi hat sehr viel Klimmbimm aus Deutschen Landen dort im Hostel rumliegen und zu jedem Teil eine Geschichte parat

...besonders war die Geschichte über seine Deutung des Firmenlogos auf der Singernähmaschine—die gespreizten Beine einer Frau und das gute Teil des Mannes soll da zu sehen sein. Da braucht man aber schon SEHR viel Phantasie!

...besonders war die Geschichte über seine Deutung des Firmenlogos auf der Singernähmaschine—die gespreizten Beine einer Frau und das gute Teil des Mannes soll da zu sehen sein. Da braucht man aber schon SEHR viel Phantasie!

Hier oben ist es gemütlich und alles wirkt so friedlich nach dem Tumult der hinter uns liegt...

Hier oben ist es gemütlich und alles wirkt so friedlich nach dem Tumult der hinter uns liegt...

Fahdi möchte uns aber sehr gerne bei seiner Schwester, die unten am Meer ein Hotel hat unterbringen. Wir sind einverstanden und bekommen noch einen Kaffee.
Es entsteht ein nettes Gepräch—wir müßten unbedingt Baalbek sehen!
Ja—wollen wir ja auch—aber wie—wenn alle Straßen gesperrt sind?
Fahdi ruft die Busgesellschaft an, die regelmäßig nach Bischarri fährt. Von dort kann man weiter nach Baalbek.
Aber Fehlanzeige—natürlich fahren die Busse nicht. Er verspricht uns aber, am Ball zu bleiben—
Mit seinem Mercedes fährt er uns dann runter ins Hotel seiner Schwester.

Hier sind außer uns tatsächlich noch 2 weitere Gäste aus Frankreich untergebracht.
Seine Schwester empfängt uns herzlich und wir bekommen unser Zimmer mit Meerblick und Balkon

Hier sind außer uns tatsächlich noch 2 weitere Gäste aus Frankreich untergebracht.
Seine Schwester empfängt uns herzlich und wir bekommen unser Zimmer mit Meerblick und Balkon

Eine süße kleine Kirche oder Kapelle sehen wir hier auch

Eine süße kleine Kirche oder Kapelle sehen wir hier auch

Blick nach links vom Parkplatz (öffentlicher Strand) ist eh kaum jemand hier im Lande...schon garnicht Touris

Blick nach links vom Parkplatz (öffentlicher Strand) ist eh kaum jemand hier im Lande...schon garnicht Touris

Das erste Mal ein Doppelbett im Libanon...heute Abend gibt's da bestimmt "Unruhen"...

Das erste Mal ein Doppelbett im Libanon...heute Abend gibt's da bestimmt "Unruhen"...

Fahdi verabschiedet sich—er verspricht uns morgen früh das Frühstück zu bringen—wir bleiben über WhatsApp in Kontakt und sollen ihn bei allen Problemen oder Fragen UNBEDINGT kontaktieren!
Wir machen uns auf den Weg und möchten das Castle besuchen.
Inzwischen ist es 14.30 Uhr und heiß.

So, Dirk muss erstmal etwas baggern (wenn's dem Bau dient)

So, Dirk muss erstmal etwas baggern (wenn's dem Bau dient)

Unterwegs eines der vielen Luxushotels—natürlich leer!

Unterwegs eines der vielen Luxushotels—natürlich leer!

Da- ganz weit hinten ist das Castle—wir haben fast 3km zu laufen.
Hier wirkt alles so ruhig und friedlich!!

Da- ganz weit hinten ist das Castle—wir haben fast 3km zu laufen.
Hier wirkt alles so ruhig und friedlich!!

Wir erreichen das Zentrum von Byblos—eine einstige Touristenstadt—tatsächlich sehen wir hier auch einige Touris—zu Glanzzeiten muss es hier nur so von Gästen gewimmelt haben—es gibt immer noch Restaurants, Souvenirgeschäfte, Bars...so sehr ich die Orte ohne Touris liebe—hier ist es deprimierend!!

Wir erreichen das Zentrum von Byblos—eine einstige Touristenstadt—tatsächlich sehen wir hier auch einige Touris—zu Glanzzeiten muss es hier nur so von Gästen gewimmelt haben—es gibt immer noch Restaurants, Souvenirgeschäfte, Bars...so sehr ich die Orte ohne Touris liebe—hier ist es deprimierend!!

Ich besichtige das Castle allein—Dirk hat keine Lust—der Eintrittspreis von knapp 5Euro ist angemessen

Ich besichtige das Castle allein—Dirk hat keine Lust—der Eintrittspreis von knapp 5Euro ist angemessen

Ich klettere die baufälligen Stufen zur Burg hinauf und habe eine tolle Aussicht

Ich klettere die baufälligen Stufen zur Burg hinauf und habe eine tolle Aussicht

Die Reste eines Tempels am Meer

Die Reste eines Tempels am Meer

Viele Ruinen von Tempeln

Viele Ruinen von Tempeln

Ein Amphitheater...

Ein Amphitheater...

Gut erhaltene und restaurierte Säulen

Gut erhaltene und restaurierte Säulen

2 Geckos

2 Geckos

Hier fand man viele Schätze, die wir zuvor schon im Nationalmuseum von Beirut gesehen haben: die Sphinxe, einige Sarkophage und die ganze Reihe der Mumiensärge—die habe ich auch fotografiert—

Hier fand man viele Schätze, die wir zuvor schon im Nationalmuseum von Beirut gesehen haben: die Sphinxe, einige Sarkophage und die ganze Reihe der Mumiensärge—die habe ich auch fotografiert—

Ich bin nach einer guten Stunde fertig mit der Besichtigung und nun möchten wir irgendwo einkehren und was essen.
Jedes der vielen leeren Restaurants wirbt verzeifelt um Kunden.
Aber uns zieht es zu einem kleinen gemütlichen Imbiss.

Eine hübsche, gemütliche Bar—-auch keine Gäste...

Eine hübsche, gemütliche Bar—-auch keine Gäste...

Vegetarisch gefüllte , knusprige Fladentaschen

Vegetarisch gefüllte , knusprige Fladentaschen

Innen läuft der Fernseher—natürlich Thema No1: die Aufstände und die Revolution.
Das Mädel zeigt auf ein Bild und in die Richtung Zentrum auf dem Berg—da ist auch was los! Da wir eh noch zum Supermarkt müssen, wollen wir uns das näher anschauen

Innen läuft der Fernseher—natürlich Thema No1: die Aufstände und die Revolution.
Das Mädel zeigt auf ein Bild und in die Richtung Zentrum auf dem Berg—da ist auch was los! Da wir eh noch zum Supermarkt müssen, wollen wir uns das näher anschauen

Es ist greulich: Ganz oben die Fußgängerdemos und hier die immer mehr wachsende Autoschlange, welche die Straßen verstopft. Hupen und schwenkende Libanon Fahnen—Protestrufe. Dazwischen schwer bewaffnetes Militär auf ihren Militärfahrzeugen

Es ist greulich: Ganz oben die Fußgängerdemos und hier die immer mehr wachsende Autoschlange, welche die Straßen verstopft. Hupen und schwenkende Libanon Fahnen—Protestrufe. Dazwischen schwer bewaffnetes Militär auf ihren Militärfahrzeugen

Wir kaufen uns im Supermarkt noch ein paar Kleinigkeiten und sehen wieder Jugendliche, die Alkohol einkaufen.
Ich denke, Alkohol ist hier ein echtes Problem!

Wir machen uns auf dem Heimweg und beobachten hier noch eine Weile ein Filmteam, welches vor einem Hotel dreht

Wir machen uns auf dem Heimweg und beobachten hier noch eine Weile ein Filmteam, welches vor einem Hotel dreht

Jetzt—um 22Uhr höre ich in der Ferne wieder Sirenen und Geschrei—es ist immer noch nicht vorbei.
Aber ich habe auch gelesen, dass das Land nach einem Regierungssturz noch nicht gerettet ist. Für die hohe Verschuldung ist damit noch keine Lösung gefunden.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Da bietet sich ein Feiertag mit ein paar Brückentagen wieder für einen kleinen Ausflug in den mittleren Osten an. Die Flüge sind nicht so weit und sehr günstig und hier gibt es viele historische Stätten zu besichtigen.Das Land "Libanon" schreckt erstmal viele ab--aber bei näheren Recherchen erweist es sich als ein interessantes Land, welches gut zu bereisen ist. Von der Hauptstadt Beirut ist es nur ein Katzensprung zum Nachbarland Jordanien um die sagenumwobene Stadt Petra zu sehen.
Details:
Aufbruch: 18.10.2019
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 05.11.2019
Reiseziele: Libanon
Jordanien
Der Autor
 
Thalia&Christine R berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Aus dem Gästebuch (3/6):
Hanna 1573813660000
Liebe Chris­ti­ne,­
wie es der Zufall will, lese ich gerade die Au­to­biog­rap­hie von der Königin Noor von Jor­da­nien: "Im Geist der Vers­öhnung. Ein Leben zwischen zwei Wel­ten­"
Sie hat als A­meri­ka­nerin mit a­ra­bischen Wurzeln mit 26 Jahren König Hussein von Jor­da­nien ge­hei­ra­tet. Durch ihr Buch habe ich sehr viel über mehr die po­li­tische Si­tua­tion im a­ra­bischen Raum - spe­ziell der Pal­ästi­ners und Israel - vers­tan­den. Ich kann es dir zur "Nach­ve­rar­bei­tung" sehr ans Herz le­gen.­
Und danke euch, dass ich "dabei" sein durfte.
Martin 1572970167000
Liebe Chris­ti­ne,­

ich wollte jetzt mal - nach so vielen Jahren - schrei­ben, was für eine große Freude es ist, Dich als Autorin auf www.um­die­wel­t.de dabei zu haben! Danke, Chris­ti­ne!­!!

Lie­be Grüße,­
Dein Web­mas­ter
Hanna 1572539977000
Sehr ein­druck­svol­le Bilder von PETRA! Muss gleich mal etwas mehr über diesen Ort in Wi­ki­pe­dia lesen.