Patagonien - Auf der Straße nach Süden

Argentinien-Reisebericht  |  Reisezeit: Januar / Februar 2018  |  von Diana & Pavla

Teil 14 - Im ewigen Eis

09.02.2018 - Was für ein Service!

Der Bus zum Los Glaciares National Park holte uns unmittelbar am Hotel ab und ersparte uns somit den morgendlichen Fußweg zum Busbahnhof. Dafür, dass wir eigentlich zum Wandern her kamen, waren wir irgendwie schon reichlich bequem geworden.

Nun sollte aber der Hauptattraktion des Parks, dem berühmten Perito Moreno-Gletscher, heute die Ehre unseres Besuches zuteil werden!

Vor das Vergnügen hat der liebe Gott selbstverständlich immer noch etwas Bürokratie in Form einer Registrierung und diverser Verhaltensmaßregeln (nein, wir hatten auch ohnedies nicht vor, hier Abfall zu hinterlassen!) gesetzt. Aber dann konnten wir bereits ziemlich genau zur Mittagszeit einen ersten, atemberaubenden Blick auf den gewaltigen Gletscher werfen. Wenn auch noch weiter Ferne.

Ganz da hinten beginnt der Gletscher!

Ganz da hinten beginnt der Gletscher!

Am nächsten Stopp kamen wir ihm schon recht nahe.

Wissen Sie, trotz professioneller Erschließung und natürlich etlicher anderer Besucher --- wir waren von der schieren Größe und Mächtigkeit dieser Eismassen vollkommen beeindruckt.

Tausende von Zinnen, Spalten und Türmchen erhoben sich vor uns! Gelegentlich durchdrang ein Krachen die andächtige Stille, als wolle das jahrtausendealte Eis mit einem Male seine Geheimnisse preisgeben - oder uns alle miteinander verschlingen. Der Gletscher schien zu leben!
Ab und zu brach mit donnerndem Tosen auch mal so ein ganzes Stück Eis ab und verschwand vor unseren Augen einfach im Meer, wo es dann für beachtliche Wellen sorgte.
Was für ein gewaltiges Schauspiel.

Dennoch ist der Perito Moreno, so erklärte man uns, einer der wenigen Gletscher, die trotz des Klimawandels nicht im Schrumpfen begriffen sind.

Zum Schutze der empfindlichen Natur sind hier übrigens Teile des Weges mit Stahlstegen angelegt, von denen aus man die rund 70 m aus dem Wasser ragende Gletschervorderseite ausgiebig, aber noch mit gebührendem Abstand, bewundern kann.

Eis, soweit das Auge reicht …

Eis, soweit das Auge reicht …

Aber dann war es endlich so weit:

Am Nachmittag durften ein Boot besteigen und dem ewigen Eis zu Leibe rücken.
Wie Sie sich vielleicht vorstellen können, kam man sich gegen die gewaltige Eiswand nun doch recht winzig vor.

Unter Anleitung erhielten unsere Schuhe Steigeisen und dann folgten wir unserem Guide wie eine Schar Enten hinauf in diese weiße, magische, ganz und gar ergreifende Märchenwelt.
Das Glitzerweiß wechselt sich mit unergründlichen, tiefblauen Wasserlöchern ab. Dazwischen immer wieder auftauchende graue Staubschichten zeugten von der ständigen Bewegung des Eises, das alles im Wege befindliche Gestein regelrecht zermalmt.

An die Angelegenheit mit den Steigeisen hatte man sich verhältnismäßig schnell gewöhnt, man brauchte nur noch etwas Acht geben, wo man hintrat. Manche Wege müssen tatsächlich täglich neu im Eise geschaffen und kontrolliert werden, bevor man Besuchergruppen hier heraufgeleite, erklärte man uns. Gletscherspalten entstünden gelegentlich innerhalb weniger Minuten (das war das Knacken und Krachen!) und machten somit in kürzester Zeit alles wieder unpassierbar.

Wir hatten Bekanntschaft mit Oli, einem jungen Münchener, gemacht, der gerade für einige Monate auf eigene Faust Südamerika erkundete. Faszinierend, von was für Reisen und Erlebnissen einem die Menschen unterwegs immer wieder berichten. Hier nun konnte man sich gegenseitig ein wenig fotografische Unterstützung leisten.
Der Gletscher gehörte für uns auf jeden Fall zu den äußerst faszinierenden Erlebnissen auf dieser Reise.

Rund zwei Stunden sowie Hunderte von Fotos später überreichte man uns allen zum krönenden Abschluss noch je einen Scotch mit originalem, hier frisch geschlagenen Gletschereis.
Ein Traum.

Scotch auf Gletschereis!!

Scotch auf Gletschereis!!

Gegen 20.00 Uhr glücklich und voller Eindrücke wieder zurück in El Calafate, erwartete uns im urigen "Café & Bar Pietros" jeden ein saftiges Omelette (heute mal fleischlos ...)

Und nicht zu vergessen natürlich der anschließende, obligatorische Besuch in der Heladeria. Heute stand, zur Feier des Tages, selbstverständlich die hellblaue Eissorte „Crema del glaciar“ auf dem Programm!

© Diana & Pavla, 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Eine Idee, zwei Frauen, drei Wochen, viertausend Kilometer - und wieder zurück. Ein kleines, feines Abenteuer zwischen Santiago und Feuerland.
Details:
Aufbruch: 28.01.2018
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 21.02.2018
Reiseziele: Chile
Argentinien
Der Autor
 
Diana & Pavla berichtet seit 12 Wochen auf umdiewelt.
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