Rheinradweg Andermatt bis nach Uttwil am Bodensee

Reisezeit: September 2025  |  von Julian H.

Regen, Umstieg Zug, Schaffhausen, Rückreise

Die gesamte Nacht hat es geregnet und auch am Morgen sehen wir zahlreiche Kinder und Jugendliche, die auf ihrem Weg in den Kindergarten oder in die Schule mit Reflektionskleidung, Regenschirmen und Gummistiefeln durch die Nässe gehen. Unsere Motivation an diesem Tag noch weiter bis nach Konstanz oder sogar Schaffhausen zu fahren hält sich in Grenzen. Doch zunächst bedienen wir uns im Frühstückssaal an dem nur für uns aufgetischten reichhaltigen Buffet. Die Entscheidung, wie wir weiterfahren sollen zögern wir kontinuierlich mit einem neuen Kaffee Crema hinaus. Doch irgendwann zwischen neun und zehn Uhr haben wir dann unsere Sachen gepackt, die Regenkleidung angezogen und entschließen die Fahrräder aus dem sich im Erdgeschoss barrierefrei erreichbaren separaten Raum. Nach einem abschließenden Foto vor der Jugendherberge mit den Rädern geht es zur Seepromenade parallel dem Ufer Richtung Nordwesten. All die Touristen vom Wochenende sind verschwunden, die Straßen und Wege sind beinahe ausgestorben. Wir können fahren, doch zwischen dem Starkregen und den Pfützen hält sich die Begeisterung in Grenzen. Schweren Herzens entscheiden wir uns dazu in Uttwil in den Zug umzusteigen. Nachdenklich blicke ich auf das Wasser des vorbeiziehenden Sees während die Regentropfen in langen schnellen Bahnen über das Außen der Scheibe huschen. So gerne wäre ich noch weitergefahren…

Der Zug ab Schaffhausen zurück nach Stuttgart fährt erst am frühen Nachmittag und so legen wir einen Stopp in Kreuzlingen ein, um von dort aus bis nach Konstanz zu fahren. Mit dem Fahrrad ist das Passieren von Landesgrenzen im Regelfall kein Problem und meist deutlich schneller als mit dem Auto. Vergeblich suchen wir in Konstanz eine witterungsgeschützte Abstellanlage und nutzen die ausgespannte Markise eines geschlossenen Klavierladens kurzer Hand dazu, unseren Fahrrädern Schutz zu bieten. Zu Fuß geht es durch die Stadt am Ufer über die die laszive Imperia wacht. Auf der Dominikanerinsel befindet sich an dem Steigenberger Inselhotel eine Erinnerungsplakette zu Ehren Graf Ferdinand von Zeppelins. Dieser bedeutende Mensch wurde am 08. Juli 1838 in diesem Gebäude, einem ehemaligen Dominikanerkloster geboren. Ihm ist es zu verdanken, dass ich am 08. Mai 2024 vom Flugplatz aus in Friedrichshafen auf einem 60-minütigen Rundflug namens „Mainau“ mit dem Zeppelin NT die Städte Friedrichshafen, Meersburg, Konstanz und die Insel Mainau von oben aus der Luft inspizieren konnte. Neben der Imperia-Statue hätte ich in der Vergangenheit in dem Gewirr der Wege zwischen den Gebäuden und Landschaften einen Freund und mich 2015 auf dem Fahrrad von dort aus auf dem EuroVelo 6: Atlantik – Schwarzes Meer bis nach Saint-Nazaire und weiter bis Bordeaux fahren sehen können.

Schweizer Radwegweisung in Schaffhausen mit dem EuroVelo-Logo

Schweizer Radwegweisung in Schaffhausen mit dem EuroVelo-Logo

In einem der zahlreichen Cafés in der Fußgängerzone mit teils sehr schönen inhabergeführten Läden in der Nähe des Brunnens zum Andenken an den Fasnachter der Stadt Karl Steuer wärmen wir uns auf, decken uns mit Souvenir-Schokolade und Kaffeebohnen ein und steuern zurück zum Bahnhof in Kreuzlingen. Es war die richtige Entscheidung den Zug an diesem Tag zu wählen. Egal wie viel Regen bereits auf die Erde gefallen ist, die Wolken verschwinden nicht. Am Schalter löse ich zwei Tickets für zwei Personen und zwei Velos. 90 Schweizer Franken kosten uns die beiden Zugfahrten für die zwei Personen und die zwei Fahrräder an diesem Tag auf dieser verhältnismäßig kurzen Strecke bis nach Schaffhausen. Eine teure Angelegenheit. Auf meine Frage, ob es für Rentner eine Ermäßigung gebe entgegnet der Angestellte der SBB lachend: „Bei der SBB zahlt man den vollen Preis bis man ins Gras beißt.“ Bevor der Zug abfährt entdecke ich am Bahnhof noch eine Informationstafel der ViaJacobi, des Schweizer Jakobsweges. Die ViaJacobi verläuft auf einer Gesamtlänge von 645 Kilometern quer durch die Schweiz bis nach Genf und an die französische Grenze nach Charrot.

Mit Schaffhausen erreichen wir den letzten signifikanten Halt unserer gemeinsamen Radreise 2025. Lange bewegen wir uns durch die Altstadt um die öffentliche Toilette zu finden und radeln dann symbolisch ein letztes Mal auf dem EuroVelo 15: Rheinradweg und dem EuroVelo 6: Atlantik – Schwarzes Meer entlang des Rheins. Wieder ist die Signalisierung der Wege und Fahrradabstellanlagen ausgezeichnet. Ein Miteinander oder vielmehr Nebeneinander im Straßenverkehr kann also gelingen und den Menschen zugute kommen. Mit dem Zug geht es schließlich entspannt zurück in die Baden-Württembergische Landeshauptstadt auch wenn die Ein- und Ausstiege für die Fahrräder mit den uns zugewiesenen Reservierungsnummern nicht barrierefrei sind. Insbesondere für schwere E-Bikes und ältere Menschen ein großes Hemmnis.

© Julian H., 2026
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ein Vater-Sohn-Abenteuer vom Beginn des Rheins durch die Schweiz, Liechtenstein und Österreich bis zum Bodensee
Details:
Aufbruch: 19.09.2025
Dauer: 4 Tage
Heimkehr: 22.09.2025
Reiseziele: Schweiz
Österreich
Deutschland
Der Autor
 
Julian H. berichtet seit 8 Jahren auf umdiewelt.
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