Na nga def? - 4 Monate Senegal

Reisezeit: September 2008 - Januar 2009  |  von Yvonne Ndiaye

Dakar: La Corité

Während der ersten Woche unseres Senegalaufenthaltes wurde noch Ramadan gefeiert. Für uns hieß das zwar nicht, dass wir tagsüber nicht essen und trinken durften, aber es machte das Trinken in der Öffentlichkeit sehr unangenehm. Ich finde es wirklich erstaunlich wie es die Senegalesen bei dieser Hitze schaffen, den ganzen Tag ohne etwas zu trinken aushalten!
Am 1.10. wurde dann das Ende des Ramadans gefeiert. Matar, den wir über Jona (sie hat vor 2 Jahren im Rahmen des ASA Programms an unserem Vorgängerprojekt gearbeitet) erst am Vorabend kennen gelernt hatten, lud uns spontan ein das Fest mit ihm und seiner Familie zu verbringen.
Leider hatte Stefan wohl irgendwo etwas Falsches gegessen und war morgens noch nicht fit genug um mit zu kommen. So ging ich also alleine zu Matars Haus in Caberène, dem Stadtteil neben Parcelles Assainies. Kurz bevor ich das Haus erreicht hatte, bot sich mir auf einmal ein überwältigender Anblick: links von der Straße war eine riesige Mosche deren sandiger Vorplatz über uns über mit betenden Menschen in weißen Gewändern bedeckt war. Der Platz ging direkt über in den Strand, so dass im Hintergrund der tosende Atlantik zu sehen war. Ich blieb einige Sekunden stehen und genoss den Anblick. Liebend gerne hätte ich ein Foto gemacht, aber das hätte ich irgendwie respektlos gefunden und es wäre mir sehr unangenehm gewesen.
Als ich am Haus ankam, war Matar gerade in der Mosche. Er hätte uns wohl gerne mitgenommen, aber ich war leider etwas zu spät dran, da ich zu lange auf Stefan gewartet und gehofft hatte, dass er doch noch mit kommen kann. Nun saß ich zunächst alleine mit Matars Schwester im Haus und war damit beschäftigt ihre kleinen Zöpfe aufzufriemeln, während die Anderen nach und nach vom Beten wieder kamen. Jeder der zu uns ins Zimmer kam sagte (wenn ich das richtig behalten hab):"Bal ma" (vergib mir) und wir erwiederten als Antwort: "Balnal" daraufhin sagten der Andere wieder etwas und unsere Antwort war "Amin". Nach dem fünften sechsten Mal hatte ich das dann auch endlich drauf und jeder den ich traf war begeistert, dass ich ein paar Worte Wolof konnte.

Die nächste Stunde verbrachte ich im Kreis der Familie damit irgendwas zu tun und mich vom Geschehen etwas orientierungslos treiben zu lassen. Wir tranken Tee und guckten dabei Fernsehn, machten Zöpfe auf und knoteten wieder andre Zöpfe zusammen.
Als Matar dann irgendwann kam, nahm er mich auf einen ersten kleinen Streifzug durch das Viertel mit. Er schien jeden einzelnen auf der Straße zu kennen und jeder wurde anständig begrüßt, was meist so, oder so ähnlich ablief:
-Salam malekum (Friede sei mit dir)
-Malekum Salam (Friede auch mit dir)
-Na nga def (Wie geht´s?)
-Ma ngi fi rek (gut geht´s ->wörtlich: ich bin einfach nur da)
-Bal ma (vergib mir)
-Balnal (??)
-???
-Amin(?)
Und dann folgten meist noch eine Reihe von Fragen und Antworten denen ich leider nicht mehr folgen konnte. Zwischen drin, das konnte auch nach einem 5 minütigem Gespräch der Fall sein, wurde sich dann auch immer wieder nach dem Befinden erkundigt (Ca va?).
Zurück bei der Familie gab es zunächst Tee (Atai, einen ganz starken, süßen grünen Tee der in kleinen Gläsern serviert wird. Seine Zubereitung ist eine Kunst an sich!) und dann etwas zu essen. Zur Corité ist es wohl üblich, dass man Hähnchen ist. Serviert wurde es, wie hier üblich, auf einem riesigen Teller, der auf dem Boden gestellt wurde und um den sich die gesammte Familie versammelte. Na ja, besser gesagt waren es 2 Teller, denn die etwa 15 Anwesenden hätten nun wirklich nicht an einen Teller gepasst. Gegessen wurde mit den Händen, was etwas Geschick erfordert, was ich aber ganz spaßig finde. Von Zeit zu Zeit schmiss mir der Vater des Hauses, der mir gegenüber saß, immer ein kleines Stück Hähnchen auf meine Seite des Tellers, ohne mich dabei anzugucken oder die Mime zu verziehen. Das finde ich immer sehr lustig und ungewohnt, ist mir hier inzwischen aber schon öfters passiert. Als Gast bekommt man immer von irgendjemandem, vorzugsweise der Hausherrin, das Essen zugeschoben oder geschmissen.
Gegen 3 kam dann Stefan auch noch vorbei, der sich in der Zwischenzeit etwas erholt hatte.
Für einen Zweiten ausgiebigen Streifzug durch die Nachbarschaft würden wir in schicke traditionelle Gewänder gesteckt, was total lustig war!

Es waren sehr viele Leute auf den Straßen, die alle unterwegs waren um Freunde und Verwandte aufzusuchen und man hatte den Eindruck als würde Matar jeden einzelnen von ihnen kennen und mit Handschlag begrüßen, was lustig zu sehen, aber nach einiger Zeit auch recht ermüdend war. Als wir wieder bei ihm zu hause waren, war es bereits dunkel geworden.
Es war ein sehr schöner Tag an dem wir viele nette Leute getroffen und einen ersten Einblick in das senegalesische Leben bekommen haben!
*Yvonne*

© Yvonne Ndiaye, 2008
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Dieser Bericht beschreibt unseren Aufenthalt im Senegal, der aus 3 Monaten Projektarbeit in Dakar und einem Monat Reisen besteht. Hiermit moechten wir vor allem unsere Freunde und Familien auf dem Laufenden halten, aber auch allen anderen Senegal interessierten vesuchen das Land ein kleines bisschen naeher zu bringen. Viel Spass beim Lesen!
Details:
Aufbruch: 25.09.2008
Dauer: 4 Monate
Heimkehr: 24.01.2009
Reiseziele: Senegal
Der Autor
 
Yvonne Ndiaye berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.