Südamerika, die Dritte ! Ecuador und Bonaire

Reisezeit: November / Dezember 2009  |  von Sabine H.

Spanisch-crash-Kurs und El Tèlèfèrico

07.00 Uhr am 24.11.2009

Ich springe aus dem Bett. Ich muss zur Schule und pünktlich sein ! Seit 22 Jahren bin ich raus aus der Schule und finde es total aufregend, mal wieder die Schulbank drücken zu sollen. Es ist ja freiwillig und sogar geschenkt, aber trotzdem komisch. Ich frühstücke schon ganz ungeduldig und halte die Adresse der escuela dann kurz darauf meinem Taxifahrer unter die Nase. Er fährt mich irgendwohin nach Mariscal Sucre, Neu-Quito. Noch nie in meinem Leben hatte ich Einzelunterricht und auch noch nie Spanisch-Unterricht. Latein, englisch und französisch habe ich damals in der Schule gelernt. Die Latein- und Französisch-Kenntnisse haben mir auch bisher schon sehr geholfen, was das Verstehen und holperige Sprechen von spanisch angeht, aber ich tue mich schwer mit der Grammatik und dem Formulieren von vollständigen Sätzen. Und jetzt bin ich doch sehr gespannt, was 2,5 Stunden Einzelunterricht und anschliessend 1,5 Stunden angewendete Praxis im Beisein des Lehrers auf den Straßen und einem Markt bringen werden.

Und da steht man nun, als eigentlich gestandene Frau, mit fast 42 Lebensjahren auf dem Buckel und entsprechender Erfahrung, weitgereist, belesen und kommt sich vor wie 13 und ´nen Keks. Mein Privatlehrer stellt sich vor, führt mich in einen Klassenraum und legt direkt los. In den nächsten 4 Stunden spricht er ausschliesslich spanisch mit mir und ich selbst greife auch nur höchst selten mal auf englisch zurück. Ich stelle fest, dass ich noch nichtmal Schreibzeugs dabei habe. Brauche ich aber auch nicht. Er macht das perfekt ! Ich lerne in ca. 2,5 Stunden extrem viel ! Ich kann plötzlich vollständige Sätze bilden, Fragen stellen und begreife die Grammatik und unregelmässige Verben. Der Grundstock ist definitiv gelegt und die Vokabeln waren eh nie mein Problem. Das erkennt auch mein Lehrer und lobt mich für mein umfangreiches Vokabular.

Der Frontalunterricht endet abrupt. Ich bekomme einen Test hingelegt, den ich ausfüllen soll. Der ist offensichtlich für Fortgeschrittene. Ich brüte über den Fragen, habe zu wenig Zeit, bin nicht die Zielgruppe dieses Tests und ich schreibe und kreuze an nach Gefühl. Mein Sprachgefühl ist gut, das weiss ich. Mein Lehrer korrigiert. Oh, ich denke, ich habe tausend Fehler gemacht. Ich habe Fehler gemacht, aber die sind marginal. Boah, bin ich gut !

Nach einer kurzen Pause machen wir einen Spaziergang durch die nähere Umgebung hin zu einer Markthalle. Ärgerlicherweise habe ich meine Kamera nicht dabei, aber ich soll ja nun auch nicht fotografieren, sondern sprechen ! Was ich auch tue und mir wirklich leichter fällt, jetzt. Mein Lehrer hat natürlich keine Welt-Wunder vollbracht und ich stolpere immer wieder in gewisse Fallen, wo ich dann nur noch "äh" und "öh" stottere. Aber mir wird sofort auf die Sprünge geholfen und dann flutscht es wieder.

Quito ist übrigens Südamerikas "Hauptstadt", was Spanisch-Kurse (und Salsa-Kurse) angeht. Nirgendwo in Südamerika wird man qualitativ so gute Kurse besuchen können, wie hier. Wer also ernsthaft vorhat, vernünftig spanisch zu lernen, sollte es hier tun. Mein Crash-Kurs ist ja im Prinzip nur just for fun
und noch nichtmal meine eigene Idee, aber ich bin nach wie vor erstaunt, was er gebracht hat !

Ein Taxi bringt mich zurück in die Altstadt Quitos, wo ich mich wieder mit Kamera bewaffne, kurz etwas essen gehe und dann wieder Daniel auf der Plaza Domingo treffe. Wir rasen im üblichen halsbrecherischen Tempo zur Talstation des Tèlèfèrico, einer der jüngsten Attraktionen der Stadt. Die Seilbahn überwindet in ca. 15 Minuten ungefähr 1000 Höhenmeter und spuckt einen dann auf dem Vulkan Pichincha aus. Hier oben kann man wandern zum Krater des aktiven Vulkans, aber das macht man besser morgens, nachmitttags ist der Berg meist verhangen in Dunst und Nebel, wie auch heute. Daniel wird warten, denn auch hier ist es schwierig, an ein Taxi zu kommen für den Weg zurück. 8 USD kostet die Fahrt für Ausländer. Ich löhne und begebe mich zum Einstieg in die Gondeln. Oh, ha, mich beschleicht ja schon wieder meine elende Höhenangst. Und so bin ich einigermaßen froh, dass ausser mir noch 3 ecuadorianische Männer in der Gondel Platz nehmen. Es geht los !

Ausblicke von oben

Ausblicke von oben

Quito

Quito

In der Bergstation gibt es 2 Bars: Eine Getränke-Bar und eine Sauerstoff-Bar ! Innerhalb von 15 Minuten um 1000 Höhenmeter hochkatapultiert werden, ist natürlich eine Herausforderung an die Pumpe. Aber sooo schlimm, dass man sich jetzt gleich an die Sauerstoffflasche hängen muss, ist es nun auch nicht ! Man bewege sich langsam und atme tief durch, dann geht das schon. Sehr lange bleibe ich ohnehin nicht, denn das Wetter lässt zu wünschen übrig. Und so schaukelt mich die Seilbahn sanft wieder hinunter zur Talstation und Daniel, der die Zeit genutzt hat, um sein Taxi zu putzen.

Am Abend packe ich meine Sachen wieder zusammen und gehe früh schlafen, denn mein Flug nach Galapagos geht schon um 07.45 Uhr. Was, wie sich morgen früh zeigen wird, nicht stimmt. Aber da der Angestellte des Hotels die für mich an der Rezeption hinterlegte Nachricht mit der Flugzeitänderung heute abend nicht mehr aushändigt, weiss ich davon nichts und stehe ärgerlicherweise am nächsten Morgen eine ganze Stunde zu früh auf.

© Sabine H., 2009
Du bist hier : Startseite Die Amerikas Ecuador Spanisch-crash-Kurs und El Tèlèfèrico
Die Reise
 
Worum geht's?:
Zum 3. Mal in diesem Jahr nach Südamerika, ich bin ein Südamerika-Freak geworden ! Nach Argentinien und Peru, nun Ecuador mit dem "B" der ABC-Inseln zum Nachtisch...
Details:
Aufbruch: 21.11.2009
Dauer: 16 Tage
Heimkehr: 06.12.2009
Reiseziele: Ecuador
Niederländische Antillen
Der Autor
 
Sabine H. berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors