Back in Namibia 2014

Reisezeit: August - Oktober 2014  |  von Onkel Achmed

Namibias reizvoller Süden - Eine Rundreise: Lüderitz & Kolmannskuppe

Lüderitz

Da die Fahrt gestern länger gedauert hat als gedacht und wir erst im Dunkeln angekommen sind, sehen wir heute Morgen zum ersten mal den Campingplatz auf Shark Island. Kein Wunder, dass es in der letzten Nacht so verdammt kalt war: wir campen direkt am Atlantik.
Der dicke Schlafsack, das Inlet des Schlafsacks und die zusätzliche Decke sind komplett klamm. Ich freue mich auf eine heiße Dusche. Aber Fehlanzeige. Da war ich nicht schnell genug. Das warne Wasser ist aus. Dann eben Katzenwäsche mit kaltem Wasser und im Anschluss einen heißen Tee zum Frühstück.
Langsam werde ich wieder warm.

Als Entschädigung fürs Frieren gibt es dann eine Vorführung von hunderten von Vögeln, die in nur wenigen cm über dem Meer ihre Formationen fliegen. Welche Vögel das waren?
Schwarze und ganz viele.

Nach der langen Fahrt gestern kann ich es kaum erwarten ein wenig zu laufen. Da Shark Island heute dank diverser Landaufschüttungen keine Insel mehr ist, laufen Fenny und ich quer über die (Halb)Insel, dann vorbei am Robert Harbour, dem Frachthafen, bis hin zur Waterfront.

Die Jetty / Landungsbrücke ist die Flaniermeile der Waterfront in Lüderitz. Dieses Bild Könnte auch am Mittelmeer aufgenommen worden sein, oder? 
Ist es aber nicht.

Die Jetty / Landungsbrücke ist die Flaniermeile der Waterfront in Lüderitz. Dieses Bild Könnte auch am Mittelmeer aufgenommen worden sein, oder?
Ist es aber nicht.

Fast wäre ich drauf getreten.

Fast wäre ich drauf getreten.

Schlagseite

Schlagseite

Der Kahn fährt unter südafrikanischer Flagge.

Der Kahn fährt unter südafrikanischer Flagge.

Neben fangfirschem Fisch wird hier so einiges von Wert verschifft.

Neben fangfirschem Fisch wird hier so einiges von Wert verschifft.

Ganz ungefährlich ist die Produktion von Zink allerdings nicht.

Ganz ungefährlich ist die Produktion von Zink allerdings nicht.

Lüderitz: für die, die es genauer wissen wollen

Lüderitz (ehemals Lüderitzbucht) ist eine namibische Hafenstadt am Atlantik. Die Gemeinde liegt an einer der wenigen natürlichen Buchten der ansonsten unwirtlichen, durch die Namib geprägten Wüste der Diamantenküste. Die Lüderitzbucht ist eine natürliche offene Meeresbucht und wird gen Süden durch die Lüderitzhalbinsel geschützt. Das Klima in Lüderitz wird wesentlich durch den Benguelastrom bestimmt. Die Wassertemperatur des Atlantiks liegt hier meist zwischen 10 und 16 °C. Dabei verhindert die Abkühlung der Lufttemperatur über dem Meer die Bildung aufsteigender, feuchterer Luftmassen und führt zu ablandiger Windströmung. So herrscht in Lüderitz arides also trockenes Klima. Niederschläge sind äußerst selten.

Hier an der Lüderitzbucht begann die Geschichte der Kolonie "Deutsch-Südwest" (1883), als der Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz die Bucht für 10.000 Mark und 260 Gewehre vom Nama-Häuptling Joseph Fredericks kaufte. Nach Vertragsabschluss wurde Fredericks klargemacht, dass es sich nicht um englische Meilen von zirka 1,6 Kilometern, sondern natürlich um preußische Meilen, also um 7,5 Kilometer, handelte und er damit den Großteil seines Stammesgebietes verkauft hatte. Dieser Handel ging als "Meilenschwindel" in die Geschichte ein.

Ein Jahr später gab die deutsche Reichsregierung dem Ansinnen Lüderitz' statt, seine Erwerbung vor britischen Ansprüchen zu schützen. Am 7. August 1884 wurde in der Lüderitzbucht die deutsche Flagge gehisst und das Land offiziell unter den Schutz des Deutschen Reiches gestellt. Die ersten deutschen Soldaten kamen in das heutige Namibia. Als Lüderitz' umfangreiche und teure Suche nach den erhofften Bodenschätzen erfolglos blieb, geriet er in wirtschaftliche Bedrängnis und musste Lüderitzland 1885 an die Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika verkaufen. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde Lüderitz im September 1914 kampflos von südafrikanischen Truppen besetzt. Mit Ende des Krieges wurde Lüderitz Teil des von Südafrika verwalteten Mandatsgebiets Südwestafrika.

Heute findet sich in der Kleinstadt (ca. 13.000 - 20.000 Einwohner je nach Quelle) hauptsächlich Fischindustrie. Als weiteres Standbein soll, wie die Waterfront als erster Schritt eindrucksvoll zeigt, der Tourismus angekurbelt werden.

Kolmannskuppe

Nach dem Besuch am Wasser geht es ein paar Kilometer raus aus der Stadt in die Wüste, mitten ins Diamantensperrgebiet. Hier schauen wir uns eine Geisterstadt an. Dass es sich um eine ehemalige "deutsche Stadt" handelt, wird schnell klar. Ich muss zwischendurch so lachen und kann es kaum glauben. Aber seht selbst.

Besser als jede Kulisse im Film!
Von der Kaiser-Wilhelm-Str. ist heute nicht mehr viel zu sehen. Und hier auf der ehem. Hauptstr. hat noch 1927 ein Karnevalsumzug stattgefunden! 
Aber: Die Wüste holt sich zurück, was ihr gehört.

Besser als jede Kulisse im Film!
Von der Kaiser-Wilhelm-Str. ist heute nicht mehr viel zu sehen. Und hier auf der ehem. Hauptstr. hat noch 1927 ein Karnevalsumzug stattgefunden!
Aber: Die Wüste holt sich zurück, was ihr gehört.

Es durfte auch gesportelt werden.

Es durfte auch gesportelt werden.

Und neben dem Theater...

Und neben dem Theater...

...gab es natürlich auch eine Kegelbahn...

...gab es natürlich auch eine Kegelbahn...

...mit dazugehörigen Kegelverein.

...mit dazugehörigen Kegelverein.

Kolmannskuppe: für die, die es genauer wissen wollen

Kolmannskuppe ist eine aufgegebene Siedlung im Diamantensperrgebiet und liegt ungefähr zehn Kilometer östlich der Hafenstadt Lüderitz. Benannt ist sie nach dem Nama Coleman, der dort 1905 mit seinem Ochsenkarren in einer Düne stecken blieb. Er wurde gerettet, seinen Ochsenkarren und seine Ochsen musste er jedoch zurücklassen.

Der Eisenbahnbau erreichte den Ort ebenfalls 1905. Kolmannskuppe verdankt seine Entstehung den Eisenbahnarbeitern August Stauch und Zacharias Lewala, die 1908 zufällig die ersten Diamanten fanden. Der dadurch ausgelöste Boom sorgte für ein schnelles Wachstum der Siedlung, die eigentlich nur als Diamantsucher-Camp gedachten war. Trotz der lebensfeindlichen Wüstenumgebung lebten hier bis zu 400 Menschen und es entstanden hochherrschaftliche Steinhäuser nach deutschem Vorbild.

Typisch für eine deutsche Kleinstadt wurden neben den teils sehr exklusiven Wohnhäusern auch eine Schule und ein Krankenhaus gebaut. Diamanten machten es möglich, was für Geld zu bekommen war wurde hierher gebracht: Baumaterial (auch Marmor aus Italien), Einrichtung (Kühlschränke von Linde) und Maschinen (erste Röntgenstation im südlichen Afrika) kam aus dem entfernten Deutschland. Wasser und vieles Weitere wurde aus dem 1.000 km entfernten Kapstadt geholt.
An einem Ort wi ediesem, ganz ohne Wasser, ohne Pflanzen und Infrastruktur, dafür mit heftigen Sandstürmen und der Hitze der Wüste wirkt dieser Luxus unglaublich.

Insgesamt über 1.000 kg Diamanten wurden hier hauptsächlich bis zum ersten Weltkrieg gefunden. Als die Zahl der Diamantenfunde zurückgingen und zudem weiter südlich noch größere Diamanten gefunden wurde, verließen die Menschen Kolmannskuppe. 1930 wurde die Förderung ganz eingestellt und der Ort wurde zur Geisterstadt, die von der Wüste zurückerobert wurde.

© Onkel Achmed, 2014
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Seit 2001 bereise ich nun schon in unregelmäßigen Abständen immer wieder Namibia. Bei der diesjährigen Reise wird einiges anders sein, als bei den Reisen zuvor. Ihr werdet sehen.
Details:
Aufbruch: 15.08.2014
Dauer: 11 Wochen
Heimkehr: 31.10.2014
Reiseziele: Namibia
Der Autor
 
Onkel Achmed berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt.
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