Slowakei von ihrer schönsten Seite

Reisezeit: August / September 2015  |  von Manfred Sürig

Training im Bergfahren und Bergsteigen

Der Vormittag des nächsten Tages vergeht erst einmal mit Bahnfahren, in Kralovany müssen wir umsteigen, mit Gepäck und Rädern bei Zugverspätung auf die Schnelle den Anschluß nach Trstena erreichen - die ersten Schweißtropfen triefen schon im Anschlußzug bei 30 und mehr Grad.

Endstation Trstena im oberen Tal der Orava.
Von hier gibt es einen sanft ansteigenden Weg im Flußtal hoch nach Oravice, für den ersten Radeltag eine nicht zu große Herausforderung, haben wir uns gedacht. Wir schwitzen auch bei leichtem Gegenwind wie lange nicht mehr. Da kommt das Bad in Oravice gerade gelegen.

In Oravice ist eine Warmwasserquelle. Man kann hier entweder den ganzen Tag für teures Geld in einem großen Aquadom zubringen oder nebenan ins
Freibad für 5 € gehen. Das machen wir spontan.

In Oravice ist eine Warmwasserquelle. Man kann hier entweder den ganzen Tag für teures Geld in einem großen Aquadom zubringen oder nebenan ins
Freibad für 5 € gehen. Das machen wir spontan.

Aber niemand schwimmt hier. Alle suhlen sich genüßlich im Wasser und halten sich am Beckenrand fest.
Auch unsere sportlichen Ambitionen lassen schnell nach, denn das Wasser ist 32 Grad warm, und das bei ohnehin 30 Grad Außentemperatur. Erfrischung sieht da anders aus, aber unserer beanspruchten Muskulatur tut das Kurbad doch gut. Hier mal bei kälteren Lufttemperaturen oder gar im Winter (bei dann 34 Grad Wassertemperatur) ausspannen, könnte durchaus attraktiv sein.

Nach gut 30 Minuten Aufweichen liegen wir noch etwas im Schatten auf der Wiese und sind anschließend fit genug, den Anstieg nach Habovka mit bis zu 12 % Steigung in Angriff zu nehmen. Jonas schafft das locker auch mit Gepäck, ich muß ein paar Pausen einlegen und das steilste Stück schieben. Aber die Belohnung kommt auf der Talfahrt anschließend: Noch nie war Fahrtwind so angenehm!
Der Wirt in der Pension Monika weiß gut, was Radfahrer brauchen: Viel Flüssigkeit und bei der Hitze nicht zu schnell das kalte Bier reinziehen.
Eine Riesenterrine leckerer warmer Suppe bekommt uns vor dem ersten Bier tatsächlich besser als ein hastiger Schluck. Den genießen wir dann zum leckeren Abendessen.
Durchwachsen soll das Wetter am nächsten Tag werden, zunächst aber erst einmal trocken.
Also sofort Start mit dem Rad bis Zuberec-Chata.Zverovka auf knapp 1000 m Meereshöhe und dann zu Fuß den steilsten Weg zu den Rohace-Seen auf 1720 m Meereshöhe!

Ein großer Parkplatz an der Talstation eines neu gebauten Sessellifts lockt viele Besucher an, aber den Fußweg zu den Rohaceseen nehmen nur wenige

Ein großer Parkplatz an der Talstation eines neu gebauten Sessellifts lockt viele Besucher an, aber den Fußweg zu den Rohaceseen nehmen nur wenige

Touristisch gut erschlossen sind alle Wege in der Hohen Tatra, aber das Aufsteigen bleibt einem nicht erspart. Noch scheint keine Sonne, für uns umso angenehmer.

Touristisch gut erschlossen sind alle Wege in der Hohen Tatra, aber das Aufsteigen bleibt einem nicht erspart. Noch scheint keine Sonne, für uns umso angenehmer.

Im kleinsten Hochgebirge der Welt sind auch die Gletschseen winzig, aber dennoch zahlreich.

Im kleinsten Hochgebirge der Welt sind auch die Gletschseen winzig, aber dennoch zahlreich.

Die Passhöhe mit 1719 m ü.M ist ereicht, jetzt könnte es aufklaren. Windstill ist es, aber Wolken und Nebel bewegen sich auch nicht

Die Passhöhe mit 1719 m ü.M ist ereicht, jetzt könnte es aufklaren. Windstill ist es, aber Wolken und Nebel bewegen sich auch nicht

Nur wenige Meter hinter der Passhöhe die Überraschung: ein Gletschersee fast auf gleicher Höhe !

Nur wenige Meter hinter der Passhöhe die Überraschung: ein Gletschersee fast auf gleicher Höhe !

Hier legen wir unsere Mittagspause ein, ein dickes Brett zum Sitzen steht bereit. Zwischen Wolkenlücken erkennen wir die wilde Bergwelt um uns herum, nach unten hat man ab und zu den Blick frei auf zwei weitere Seen - die Rohace Plesa, einmalig schön, dazu eine Pflanzenwelt, die es teilweise nur hier geben soll. Das einzige, was fehlt, wäre etwas Sonne.

Immerhin können wir die Bilder auf den Schildern am Weg mit der echten Natur vergleichen. Gut, dass es trocken bleibt.

Immerhin können wir die Bilder auf den Schildern am Weg mit der echten Natur vergleichen. Gut, dass es trocken bleibt.

Deutlich kann man von oben die Moräne erkennen, die einst ein Gletscher aufgeschoben hat.

Deutlich kann man von oben die Moräne erkennen, die einst ein Gletscher aufgeschoben hat.

Wir sehen auf unsere Wanderkarte. Zunächst müssen wir an den Seen entlang absteigen, aber unten angekommen, bieten sich neue Möglichkeiten für einen abwechslungsreichen Rückweg. Da müßte man noch mal 300 Meter hoch über einen weiteren Sattel (Sedlo Zabrat), um dann im Latana Tal nach Zverovka zurückzuwandern. Bei einer Hütte mit Bierausschank (Tatliakova chata) müßte der Weg abzweigen. Die Hütte finden wir, selbstverständlich kosten wir auch das Bier, aber schon beim Trinken müssen wir enger zusammenrücken, es tropft vom Dach und wird immer dunkler. Wir sind fest entschlossen, den Abzweig zu suchen, aber es regnet in Strömen und ein Ende ist nicht abzusehen. Da ist es einfacher, den asphaltierten Weg bergab im Rohace Tal zu nehmen.
..

Auf dem Weg laufen wir mit dem abfließenden Regenwasser um die Wette. Einziges Erfolgserlebnis: Wir sind schneller. Aber das Wasser an unserer Kleidung findet Wege nach innen, die uns gar nicht gefallen.

Auf dem Weg laufen wir mit dem abfließenden Regenwasser um die Wette. Einziges Erfolgserlebnis: Wir sind schneller. Aber das Wasser an unserer Kleidung findet Wege nach innen, die uns gar nicht gefallen.

Unsere Räder stehen noch da, wo wir sie abgestellt hatten, das Aufsteigen in nasser Hose fällt etwas schwer, aber von nun an geht es ja immer bergab. Wir lassen uns rollen, ab und zu müssen wir etwas zusätzlich treten, aber Tempo 30 ist locker zu halten. Doch die Außentemperaturen sind alles ander als sommerlich, klamme Finger bekomme ich, auch, als wir das letzte Stück nach Habovka noch mal über eine Steigung müssen. Als wir in unserer Pension ankommen, sind die Wirtsleute ganz erstaunt, wie naß wir sind, hier hatte es kaum geregnet und der Wetterbericht hatte auch nichts von Regen erwähnt.
Man nimmt uns unsere Klamotten ab, trocknet sie im Heizungskeller und zehn Minuten später steht eine riesige Terrine warme Suppe auf dem Tisch.
Die schlürfen wir genüßlich, erst dann folgt das erste Bier.
Unsere einzige Frage an den Wirt: Wie wird das Wetter morgen ?

© Manfred Sürig, 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
2012 war ich zuletzt dort. Darum fehlt mir etwas. Hinfahren und Genießen, die Fahrtroute spontan an Hand des Wetters festlegen und dann erst beschließen, ob das Rad, die Wanderstiefel oder die Bahn benutzt wird. Kann man da Neues erleben ?
Details:
Aufbruch: 23.08.2015
Dauer: 15 Tage
Heimkehr: 06.09.2015
Reiseziele: Slowakei
Der Autor
 
Manfred Sürig berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.