Slowakei von ihrer schönsten Seite

Reisezeit: August / September 2015  |  von Manfred Sürig

Finale bei mäßigeren Temperaturen

Der Zug hat sich in der Sonne in Margecany kräftig aufgeheizt, wir erklimmen ihn und landen in einer Sauna, die auch der Durchzug so schnell nicht abkühlt. Es geht sachte hinauf , etwa 70 km im Tal des Hlinec. Erst im letzten Drittel werden die Temperturen erträglicher, es braut sich aber auch ein Gewitter zusammen. Für heute jedenfalls haben wir genug geleistet und freuen uns über die freundliche Aufnahme im U'Hanky.
Eine Bergtour morgen auf den Krahola Vola werden wir streichen müssen, schon heute abend hüllt er sich in Wolken und kalte Böen fallen herab. Aber richtig schlechtes Wetter wird es auch morgen noch nicht geben.
Da können wir von Telgart aus noch einmal die schönsten Ecken des Slowakischen Erzgebirges erradeln

in der Nähe von Stratena hat man neu einen zünftigen Eingang ins Slowakische Paradies errichtet.

in der Nähe von Stratena hat man neu einen zünftigen Eingang ins Slowakische Paradies errichtet.

Alle Schnitzer der Gegend haben sich hier verewigt

Alle Schnitzer der Gegend haben sich hier verewigt

Von hier aus läßt sich das Slowakische Paradies auch von Süden erwandern oder erradeln - das ist neu für uns.

Von hier aus läßt sich das Slowakische Paradies auch von Süden erwandern oder erradeln - das ist neu für uns.

Diese malerische Badestelle kennen wir schon von früheren Touren, aber heute riskieren wir einmal den Aufstieg mit den Rädern nach Norden.

Diese malerische Badestelle kennen wir schon von früheren Touren, aber heute riskieren wir einmal den Aufstieg mit den Rädern nach Norden.

Die Karte haben wir ungefähr im Kopf. da müßte man auf etwa 1050 Meter Höhe kommen und von der Bergstation eines Sesselliftes wieder herunter an den Stausee von Dedinky.
Bei den heutigen Temperaturen ist das keine zu große Anstrengung. Das erste Stück geht es auf einem Asphaltweg an einem Bach bergauf, ohne Gepäck schaffen wir selbst 10 % Steigung spielend. Dann müssen wir rechts, der Weg ist sogar ebener und führt durch Wald - ebenfalls ein Genuß.
Warum dieser Weg nicht als Radweg gekennzeichnet ist, wird uns erst klar, als es links steil bergauf gehen soll. Die Markierungen sind eindeutig, Fußspuren zeigen die Route auch an.
Aber nun mit Rädern ?
Es sind doch nur noch 80 Höhenmeter, dann müßten wir schon oben sein. Auf halbem Weg kommen uns leise Zweifel, wie das nur weiter gehen soll.
Ich steige erst einmal ohne Rad die letzten 30 Höhenmeter und tatsächlich, oben ist wieder ein Weg, auf dem sogar Geländewagen gefahren sein müssen.
Wir treffen einen deutschen Wanderer, der meine Beobachtungen bestätigt. Aber auf unsere Frage, wie man runter kommt, rät er von einem Weg durch eine Klamm dringend ab, aber der Weg unter dem Lift müßte im Prinzip begehbar sein, wie allerdings mit Rädern, das kann er uns nicht sagen. Seine Frau würden wir dort vielleicht treffen, sie komme diesen Weg rauf.

Der Abstieg wird dann noch zu einem Balanceakt. An Fahren ist ohnehin nicht zu denken, aber auch Schieben wird halsbrecherisch. Streckenweise gehen wir ein Stück Hang erst ab, bevor wir uns zu zweit die Räder herunterreichen. Rollsplit am Hang macht das zusätzlich riskant.

Der Abstieg wird dann noch zu einem Balanceakt. An Fahren ist ohnehin nicht zu denken, aber auch Schieben wird halsbrecherisch. Streckenweise gehen wir ein Stück Hang erst ab, bevor wir uns zu zweit die Räder herunterreichen. Rollsplit am Hang macht das zusätzlich riskant.

Wäre der Weg etwas breiter und wären da nicht die großen Steine, dann könnte man da vorsichtig runterfahren. Aber die Knie zittern auch so !

Wäre der Weg etwas breiter und wären da nicht die großen Steine, dann könnte man da vorsichtig runterfahren. Aber die Knie zittern auch so !

In Dedinky angekommen, entspannen wir bei einem schönen Bier. Das schmeckt uns so gut, dass ich erst zum Knipsen komme, als das Glas schon leer ist.

In Dedinky angekommen, entspannen wir bei einem schönen Bier. Das schmeckt uns so gut, dass ich erst zum Knipsen komme, als das Glas schon leer ist.

Trocken ist das Wetter noch, aber deutlich kühler als bisher. So können wir uns das Nickerchen auf einer Wiese am Stausee von Dedinky sogar in der Sonne leisten, und die scheint gerade so oft und so lange, wie wir es noch aushalten können.
Dann wählen wir die bequeme Route zurück - mit dem Nachmittagszug von Dedinky nach Telgart Penzion, mit dem wir gestern schon angekommen waren.
So sind wir gerade pünktlich zum Abendessen wieder im U'Hanky.
Leider ist morgen unser vorletzter Urlaubstag, wir müssen übermorgen früh in Banska Bystrica unseren Zug zurück nach Prag bekommen.
So planen wir den Tag für Banska Bystrica ein und lassen uns überraschen- vom Wetter und von der Stadt.
Banska Bystrica empfängt uns mit strahlender Sonne, obwohl der Wetterbericht für alle andern Regionen einen Regentag voraussagt. Hier haben wir Föhn, die Sicht ist besonders gut und kühl ist es auch nicht.

Soviele Kirchtürme wie möglich auf einem Bild. Einer davon hat einen leichten Linksadrall, welcher wohl ?

Soviele Kirchtürme wie möglich auf einem Bild. Einer davon hat einen leichten Linksadrall, welcher wohl ?

Den ersten Bummel durch die Stadt machen wir langsam auf den Rädern ohne Gepäck, die Kathedrale können wir kurz vor dem Gottesdienst besichtigen. Unsere Unterkunft liegt direkt am Friedhofshang mitten in der Stadt, der große Marktplatz im Zentrum ist voller Leben, Plattenbauten gibt es nur südlich in den Vorstädten.
Ein kleiner Imbiß zu Mittag täte uns gut. Wir studieren eine Speisekarte an einem alten, wohl denkmalgeschützten Haus: Menü für 3,49 €. Das testen wir mal.
Schon auf dem Weg durchs Treppenahus kommen wir aus dem Staunen nicht heraus: herrliche Gewölbe, bunt ausgemalt und sehr repräsentativ. Das Haus einer früheren Bergwerksgesellschaft, das von den Fuggern übernommen wurde und als Geschäftshaus über Jahrhunderte diente. Jetzt ist es als Kulturdenkmal geschützt und das gesellschaftliche Zentrum der Stadt mit Gastronomie und großen Veranstaltungen.

Ein Schmuckstück, in einem Restaurant hatten wir so etwas nicht erwartet

Ein Schmuckstück, in einem Restaurant hatten wir so etwas nicht erwartet

Blick von einem Balkon des Fuggerhauses auf den Marktplatz

Blick von einem Balkon des Fuggerhauses auf den Marktplatz

Südlich von Banska Bystrica soll noch eine der größten Holzkirchen der Slowakei stehen, 13 km mit dem Rad dorthin, das machen wir noch. Hin rasen wir mit kräftigem Föhn im Rücken über Hauptverkehrsstraßen um die Wette mit Autos und Bussen, dabei fahren wir aber offensichtlich nicht den kürzesten Weg. Nach 22 Kilometern auf dem Tacho stehen wir in Hronsek abseits von einer Hauptstraße vor einer riesigen Holzkirche .Wir können sogar hinein und uns vom Tonträger in deutsch die Erklärungen anhören.

Auch diese Kirche durfte in nur 370 Tagen nur aus Holz ohne Verwendung von Nägeln, dazu noch abseits von menschlichen Siedlungen auf einer Insel im Fluß Hron gebaut werden, das hatte der Landesherr den evangelischen Christen zugestanden, und die schafften es auch hier, dieses Bauwerk zu errichten, das heute Weltkulturerbe ist.

Auch diese Kirche durfte in nur 370 Tagen nur aus Holz ohne Verwendung von Nägeln, dazu noch abseits von menschlichen Siedlungen auf einer Insel im Fluß Hron gebaut werden, das hatte der Landesherr den evangelischen Christen zugestanden, und die schafften es auch hier, dieses Bauwerk zu errichten, das heute Weltkulturerbe ist.

1100 Plätze im Innern der Kirche, und alles aus Holz !

1100 Plätze im Innern der Kirche, und alles aus Holz !

Den Rückweg nach Banska Bystrica wählen wir auf einer Radroute, die an einem Campingplatz vorbeiführt. Hier hätten wir uns für die letzte Nacht in Weinfässern zur Übernachtung einmieten können.

Den Rückweg nach Banska Bystrica wählen wir auf einer Radroute, die an einem Campingplatz vorbeiführt. Hier hätten wir uns für die letzte Nacht in Weinfässern zur Übernachtung einmieten können.

Wir haben aber schon eine Unterkunft im Hotel Kuria, das für seine guten Fischgerichte berühmt ist.
Die gebratene Forelle, die wir uns dort bestellen, übertrifft in der Tat alle Genüsse, die wir bisher hatten: entgrätet und in reiner Butter gebraten und milde gewürzt mit frischen Kräutern, der Koch verdient dafür eine Auszeichnung.
Bei einem slowakischen Cabernet Sauvignon lassen wir den Abend ausklingen.
Wir sind uns jetzt schon einig: Wir haben die Slowakei von ihrer schönsten Seite kennen gelernt und kommen bestimmt wieder.

© Manfred Sürig, 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
2012 war ich zuletzt dort. Darum fehlt mir etwas. Hinfahren und Genießen, die Fahrtroute spontan an Hand des Wetters festlegen und dann erst beschließen, ob das Rad, die Wanderstiefel oder die Bahn benutzt wird. Kann man da Neues erleben ?
Details:
Aufbruch: 23.08.2015
Dauer: 15 Tage
Heimkehr: 06.09.2015
Reiseziele: Slowakei
Der Autor
 
Manfred Sürig berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.