Ostwärts - immer ostwärts

Reisezeit: September 2019 - März 2020  |  von Janis Dinter

Singapur - Als wär die Zukunft schon da

Ein letztes Mal! Wir saßen im Bus von Kuala Lumpur nach Singapur und dachten so bei uns, wow, das wars! Die letzten Kilometer unserer Über-Land-Weltreise. Wir haben es doch tatsächlich geschafft. Von Siegen in Westfalen über Skandinavien nach Russland, da mit der Transsib bis in die Mongolei und nach China. Dort immer weiter nach Süden und in Schlangenlinien durch Südostasien. Und da sind wir, am südlichsten Zipfel, den wir ohne Flug auf unserer Reise erreichen werden. Das macht schon ein wenig stolz. Was für eine gewaltige Distanz und wir haben es wirklich durchgezogen. Yes!

Ein letztes Mal ab ins Getümmel einer asiatischen Großstadt.

Ein letztes Mal ab ins Getümmel einer asiatischen Großstadt.

Nach nur elf Tagen in Malaysia verließen wir dieses spannende Land schon wieder und hüpften über die schmale Meeresstraße am 13.02.2020 nach Singapur. Der erste Eindruck: Same same but richer. Und ich glaube das trifft es auf den Kopf. Auch hier die drei Ethnien Malaien, Chinesen und Inder, allerdings in einer anderen Gewichtung. 75% der Einwohner sind chinesischen Ursprungs. Das macht sich auch im Stadtbild bemerkbar. Aber eigentlich ist Singapur ein riesiger Melting Pot. Jeder spricht Englisch, alles ist durchorganisiert, jeder hat Rechte und Pflichten und alles ist auf Hochglanz poliert. Spätestens hier haben wir nicht mehr das Gefühl, in Südostasien zu sein. Die Ähnlichkeiten zwischen Singapur und Hanoi scheinen in etwa so groß wie die zwischen Kopenhagen und Lima. Eine komplett andere Welt.

Auf dem Weg zur U-Bahn Station

Auf dem Weg zur U-Bahn Station

Die einzige Stadt, an die wir uns entfernt erinnert fühlen, ist Hong Kong - allerdings nur der reiche Inselteil. Singapur ist ein absolut einmaliges kapitalistisches Erzeugnis. Hier regiert Geld die Welt. Und nicht nur Zeit ist Geld, sondern auch Platz. Und so war die einzig bezahlbare Unterkunft ein "Kapselzimmer" im Stadtteil Little India. Bei unserer Ankunft erfuhren wir, dass das Hotel heute (!) aufgemacht hatte. Wir waren die dritten Gäste, die eincheckten. Das eigenartige an unserem Zimmer war, dass das Bett in eine Nische in der Wand und das Bett des Nachbarzimmers quasi über uns war. Das war zwar etwas gewöhnungsbedürftig, ließ sich für drei Nächte aber gut aushalten.

Unsere Kapsel. Über uns schliefen die Gäste aus dem Nachbarzimmer.

Unsere Kapsel. Über uns schliefen die Gäste aus dem Nachbarzimmer.

Wir verbrachten die drei Tage in der Stadt meist so, dass wir vormittags für ein paar Stunden nach draußen gingen, um dann über die Mittagsstunden, wenn die Hitze zu heftig wurde, wieder in unserer Kapsel zu verschwinden. Am frühen Abend ließ es sich dann in den Straßen wieder aushalten und wir schauten uns meist nochmal etwas an oder gingen zu unserem Lieblingsinder um die Ecke.

Es gibt in Singapur all das zu sehen, was wir schon aus Malaysia kannten: Chinatown, Little India, Britischen Kolonialstil und postmoderne Prunkbauten. Der entscheidende Unterschied ist aber, dass man hier wortwörtlich vom Boden essen könnte. Ich weiß nicht, ob es die Gewöhnung an den Dreck in den anderen Ländern ist, aber wir waren absolut baff von der Sauberkeit in dieser Stadt.

Auch hier wieder das alte Spiel: Kolonialgeschichte meets moderne Großstadt.

Auch hier wieder das alte Spiel: Kolonialgeschichte meets moderne Großstadt.

Kampung Glam, das ehemalige Zentrum Singapurs, ist heute ein bunter Stadtteil mit zahlreichen Kaffees und Restaurants in schmalen Gassen. Was hier sogleich auffällt, ist dass die Angebote nicht für Touristen geschaffen sind. Die Singapurer selbst gehen hier hin, um etwas zu kaufen, herumzuschlendern oder Selfies zu machen. Das ist auch ganz anders als in den Ländern zuvor und es fühlte sich gut an, nicht mehr das Gefühl zu haben, einen Zirkus zu besuchen, der nur für uns reiche westliche Touristen aufgezogen wird.

Die bunten Gassen von Kampung Glam

Die bunten Gassen von Kampung Glam

Eine der größten Gin-Sammlungen der Welt

Eine der größten Gin-Sammlungen der Welt

China Town ist hier ein bisschen lustig, da ja wie gesagt die meisten Singapurer von dort kommen. Vielleicht auch aus diesem Grund wirkt China Town hier auch mehr wie ein ganz normales Viertel mit ein paar Tempeln und Chinarestaurants. Schön ist es aber trotzdem.
Hier gehen alle Stadtteile ziemlich unmerklich in einander über. Es ist nicht so, als würde man in Little India keine Malaien sehen oder als gäb es im Hochhausdistrikt namens Raffles Place nicht auch Chinesische Tempel. Über allem steht aber das wahnsinnig moderne urbane Design, das die Stadt absolut einzigartig macht.

China Town

China Town

Cooler Biker, oder? Ist ein Fahrrad!

Cooler Biker, oder? Ist ein Fahrrad!

Little India

Little India

Die Leute auf dem Bild lassen erkennen, wie gigantisch dieser Parkbaum ist.

Die Leute auf dem Bild lassen erkennen, wie gigantisch dieser Parkbaum ist.

Das Bestreben hier alles so futuristisch wie möglich aussehen zu lassen, gipfelt ohne Frage in den anderweltlichen "Gardens by the Bay". Hierhin sind wir am zweiten Abend gegangen, um uns die Lightshow und das weltberühmte Marina Bay Hotel anzusehen. Ich weiß nicht wie viele Gärtner hier beschäftigt sind, aber das Ergebnis ist der absolute Hammer: eine riesige Fläche mit gewundenen Wegen durch Palmendschungel, künstlichen Lagunen und verträumter Musik aus Lautsprechern. Sogar Fahrradwege wurden hier quer durch den Park angelegt. Für mich waren die Gärten eindeutig das Highlight von Singapur.

DIE Wahrzeichen von Singapur: Das Marina Bay Hotel...

DIE Wahrzeichen von Singapur: Das Marina Bay Hotel...

... und die Gardens by the Bay (mit dem Hotel im Hintergrund)

... und die Gardens by the Bay (mit dem Hotel im Hintergrund)

Eine perfekte Dschungelszenerie als Park angelegt. Wer hat, der kann, schätze ich.

Eine perfekte Dschungelszenerie als Park angelegt. Wer hat, der kann, schätze ich.

Und dann war der Tag gekommen. Unser Abenteuer quer durch Asien ist zu Ende. Hätte uns das einer vor einem halben Jahr gesagt... Dann hätte ich wahrscheinlich gesagt, jop so hatten wir das ja auch geplant. Nein, aber im Ernst, es ist der Hammer, dass alles exakt so geklappt hat, wie wir es uns vorgestellt haben. Kein Diebstahl, kein Unfall, keine größere Krankheit. Machen wir glaub ich nächstes Jahr mal grad wieder.

Ein Highlight hatte Singapur allerdings noch auf Lager. Denn am Flughafen steht seit kurzer Zeit zwischen den Terminals ein Luxuseinkaufszentrum namens The Jewel. In dessen Mitte befindet sich ein Springbrunnen. Alles klar, so weit so normal. Aber wir wären ja nicht in Singapur, wenn der Springbrunnen nicht ein gigantischer kreisrunder Wasserfall wäre, umgeben von einem angelegten mehrgeschössigen Wald, während der Shuttlezug zwischen den Terminals auf Augenhöhe mit dem fallenden Wasser durch das Jewel fährt.
Wenn es eine Möglichkeit gibt, wie Singapur uns perfekt aus Asien verabschieden könnte, dann so. Wahnsinn!

The Jewel: Ein Einkaufszentrum. Am Flughafen. Mit gigantischem künstlichem Wasserfall. Und mehrstöckigem Wald. Absolut irre!

The Jewel: Ein Einkaufszentrum. Am Flughafen. Mit gigantischem künstlichem Wasserfall. Und mehrstöckigem Wald. Absolut irre!

Das Fazit für Singapur fällt kurz aus. Der kleine Inselstaat hat rein gar nichts mit dem Rest Südostasiens gemein. Alles ist perfekt und perfekter. So sauber wie es hier ist, habe ich es noch nie in einer Großstadt erlebt. Die Menschen machen einen extrem arbeitsamen und zielstrebigen Eindruck. Jeder spricht Englisch und mindestens zwei weitere Sprachen.
Singapur ist für Reisende ein echter 'jaw-dropper', aber zum Leben wäre es für uns definitiv nichts. Zu steril wirken die Hochhausschluchten, in denen alles künstlich ist und nichts dem Zufall überlassen wird.

Good Bye Asia! Ab geht's zu den Kiwis.

Good Bye Asia! Ab geht's zu den Kiwis.

© Janis Dinter, 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Eine (halbe) Weltreise! Sechs bis sieben Monate überwiegend mit Bus und Bahn von Deutschland aus in Richtung Osten, dann Süden, dann wieder Osten. Unsere Reise führt uns durch Skandinavien, das Riesenreich Russland, die Mongolei und China, nach Südostasien und zuletzt nach Neuseeland. Ein halbes Jahr haben wir dafür grob eingeplant - ob es noch mehr wird, wer weiß?
Details:
Aufbruch: 04.09.2019
Dauer: 7 Monate
Heimkehr: 22.03.2020
Reiseziele: Deutschland
Dänemark
Schweden
Finnland
Russland / Russische Föderation
Mongolei
China
Hongkong
Vietnam
Kambodscha
Laos
Thailand
Malaysia
Singapur
Australien
Neuseeland
Der Autor
 
Janis Dinter berichtet seit 4 Jahren auf umdiewelt.
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