Ostwärts - immer ostwärts

Reisezeit: September 2019 - März 2020  |  von Janis Dinter

Malaysia - Drei Kulturen unter einem Dach

Penang & George Town

Malaysia! Man was waren wir gespannt, was uns wohl erwartet. Ich hatte vor der Reise einiges über das Land gelesen, z.B. dass es hier absolut kunterbunt sein soll, mit Menschen verschiedener Religionen und Herkünfte friedlich zusammen in einem Land. Die Erwartungen waren daher also schon mal recht groß.
Allerdings hatten uns während unserer Reise auch ein paar Mal Leute etwas unschönere Anekdoten über Malaysia erzählt, dass man sich hier vor den Männern in Acht nehmen soll und Ähhnliches. Nach unseren teilweise etwas irritierenden Erfahrungen in Südthailand, waren wir also verhalten vorsichtig...
Aber gleich vorweg: Wir hatten keinerlei Probleme, nichts also, worüber man sich Sorgen machen müsste.

Wir reisten am 02.02.2020 mit dem Bus in Malaysia ein. Es ging von Ko Lanta zuerst in die Stadt Trang, wo wir den Bus wechselten. Dann nach Hat Yai und dann über die Grenze. Nach etwa 150km auf malaysischer Seite hatten wir unser erstes Ziel erreicht: Die Insel Penang. Allerdings hatte diese Insel und die auf ihr befindliche Stadt George Town rein gar nichts mit den Inseln Thailands gemein. Mit rund 1,5 Mio. Einwohnern leben hier alleine wahrscheinlich so viele Menschen wie in ganz Südthailand. George Town ist eine alte Kolonialstadt der Briten, die hier einen strategisch günstig gelegenen Handelsstützpunkt aufgebaut hatten. Dementsprechend ist die Stadt auch heute noch voll mit historischen Gebäuden verschiedenster Stile. Hier mischt sich so einiges: Britischer Baustil der Jahrhundertwende mit chinesischen Schnitzereien und dazwischen indische und malaiische Elemente wie Gewürzgeschäfte oder Moscheen.

Eine typische Straße im Stadtzentrum von George Town

Eine typische Straße im Stadtzentrum von George Town

Das Handelsviertel aus Britischen Zeiten

Das Handelsviertel aus Britischen Zeiten

Das Haus eines chinesischen "Baba" (=Mafiosi?). Hier ist ganz viel Geld!

Das Haus eines chinesischen "Baba" (=Mafiosi?). Hier ist ganz viel Geld!

Anders in den sog. Jettys. Auf Stegen über dem Meer gebauten Holzhäusern.

Anders in den sog. Jettys. Auf Stegen über dem Meer gebauten Holzhäusern.

Malaysia besteht zum Großteil aus drei Kulturen. Den Malaien, den Chinesen und den Indern. Letztere beide sind bereits vor über hundert Jahren nach Malaysia ausgewandert, haben sich aber bis heute ihre jeweiligen Kulturen und Sprachen erhalten. Zusammen ergibt das ein unfassbar interessantes Gemänge unterschiedlichster Einflüsse. Am prominentesten ist allerdings der malaiische bzw. muslimische Einfluss, besonders wenn fünf Mal am Tag der Muezzin zum Gebet ruft. Ich weiß, das gehört hier einfach dazu, schön anzuhören finde ich es allerdings ehrlich gesagt nicht.
Ja, und mittendrin haben wir uns drei Tage lang so alles mögliche in der Stadt angesehen. Es gibt in George Town eine sehr aktive Street Art Szene, die mit ziemlich orginineller Kunst, die Gassen verschönert. Es lohnt sich, einfach für mehrere Stunden durch die Straßen zu schlendern und den internationalen Flair aufzunehmen. Für uns war das nochmal eine willkommene Abwechslung nach den in der Mehrheitsbevölkerung doch sehr ethnisch homogenen Ländern zuvor.

Ein Tempel wie er auch in China stehen könnte.

Ein Tempel wie er auch in China stehen könnte.

Die größte Moschee der Insel, die Kapitan Keling Mosque

Die größte Moschee der Insel, die Kapitan Keling Mosque

Und Street Art...

Und Street Art...

... überall.

... überall.

An unserem letzten Tag auf Penang fuhren wir mit dem Bus in den westlich gelegenen Nationalpark der Insel und unternahmen eine kleine Wanderung mitten durch absolut wilden und unberührten Dschungel. Angeblich sollte es dort wilde Tapire geben. Gesehen haben wir diese allerdings leider nicht. Dafür aber erneut ein paar Affen. Nach gut einer Stunde erreichten wir einen Strand, der zwar zum baden völlig ungeeignet war - Quallengefahr! - dafür aber eine Meeresschildkrötenaufzuchtstation (was für ein Wort!) enthielt. Hier werden die frisch gelegten Eier aus dem Sand geholt, manuell ausgebrütet und die kleinen Schildis zum Schlüpfen gebracht. Nachdem sie für ein paar Wochen großgezogen werden, geht es ab in die Fluten. So wird die Überlebenschance der Tiere deutlich erhöht. Und mein Gott, was sind die putzig!

Bäby-Schildis

Bäby-Schildis

Und zack, waren die drei Tage hier auch schon wieder vorbei. Unser erster Eindruck von Malaysia war richtig toll, besonders die Menschen haben uns sehr überrascht. Wir sind mit einem Chinesen ins Gespräch gekommen, der hier eine Bäckerei betreibt und der wahnsinnig interessiert daran war, was wir Europäer so am liebsten mögen. Das sollte nicht das letzte Mal geblieben sein, dass wir uns verwundert ansahen, ob das wohl die gleichen Chinesen sind, die wir in ihrem Mutterland erlebt hatten. Und die Antwort ist natürlich nein, es sind die Chinesen, deren Vorfahren zu ihrem eigenen Glück das Land verlassen hatten, bevor die Kommunistische Partei das Gesellschaftssystem und jeden einzelnen Menschen darin komplett unter seine Kontrolle gebracht hatte. Hier in Malaysia stellen wir erst fest wie liebenswert und aufgeweckt die Chinesen eigentlich sein können.
Auch der indische Einfluss ist wahnsinnig interessant, für uns natürlich besonders wegen der von uns heiß geliebten indischen Küche. Für keine zehn Euro kann man hier nach Lust und Laune zu zweit schlemmen, was das Zeug hält. Herrlich! Aber bevor der Gürtel zu eng wird, schnell weiter zum Wandern in die Berge.

Vielleicht der wissbegierigste Bäcker der Welt

Vielleicht der wissbegierigste Bäcker der Welt

Cameron Highlands

Wieder rein in den Bus, dieses Mal aber nur für ein paar Stündchen, rüber aufs Festland und ins feucht-kühle Bergland im Zentrum der Malaiischen Halbinsel. Hier gibt es eigentlich nur zwei Sachen zu tun, und zwar wandern und Tee trinken. Das haben wir uns auch beides vorgenommen und planten deshalb auch nur zwei Nächte und einen Tag für die Region ein.
Auf dem Weg in die Cameron Highlands fuhren wir an zahlreichen gigantoesken Hotelanlagen vorbei, die mal so gar nicht in die dschungelige Bergkulisse passen wollen. Zum Glück standen die geschätzt zu 90% leer (wegen des Coronavirus?). Auch der Hauptort in dieser Region Tanah Rata ist absolut keine Schönheit. Alles ist auf den Tourismus ausgelegt, es wurde versucht, das ganze in so etwas wie einen europäischen Fachwerkstil zu bringen und rausgekommen ist ein Ort, in dem man so wenig Zeit verbringen möchte wie möglich.

Von unserer Unterkunft bei einem schrulligen, aber super lieben Chinesen ging direkt ein Wanderweg los, den wir am nächsten Morgen auch laufen wollten. Ab in den Dschungel. Hier war die Vegetation noch einmal eine Stufe feucht-tropischer als an den Stationen zuvor. Nach rund einer halben Stunde bergauf waren wir warm und es hätte gerne so weitergehen können, aber leider verengte der Weg sich dann bis auf einen winzigen Trampelpfad im Gestrüpp. Außerdem wurde es extrem rutschig und ich bin einmal sogar ausgerutscht und natürlich genau auf einen spitzen Baumstumpf gefallen. Das tat weh, aber außer ein paar Abschürfungen ist nichts passiert.
Nach einer gefühlten Ewigkeit ging es in die versprochenen Teefelder und hier war das versprochene Landschaftsbild: Mittelhohe Hügel über und über voll mit Teepflanzen, hier und da ein Arbeiter und sonst viel Gegend zum Genießen. Wir genehmigten uns einen Tee, der, um ehrlich zu sein, nicht viel anders schmeckte als überall anders auch, und fuhren mit dem Taxi zurück in den Ort.

Tanah Rata ist wahrlich keine Perle.

Tanah Rata ist wahrlich keine Perle.

Der Beginn unserer Wanderung verlief quer durch den tropischen Bergwald.

Der Beginn unserer Wanderung verlief quer durch den tropischen Bergwald.

Und dann plötzlich bergab durch Gestrüpp und über schlammige Wege

Und dann plötzlich bergab durch Gestrüpp und über schlammige Wege

Bis wir schließlich die ersehnten Teefelder erreichten.

Bis wir schließlich die ersehnten Teefelder erreichten.

Könnte auch in Italien sein, oder?

Könnte auch in Italien sein, oder?

Damit war das Kapitel Cameron Highlands auch schon zu Ende. Mal ein kurzes Kapitel, auch mal eine schöne Abwechslung, hehe.

Ipoh

Wobei dieses Kapitel wohl noch kürzer wird. Denn die Stadt Ipoh, der wir als nächstes einen Besuch abstatteten, hätten wir getrost überspringen können. Wir fuhren nur rund 70km und waren in der 700.000 Einwohner zählenden Stadt angekommen. Leider gab es hier wirklich nicht sonderlich viel interessantes zu sehen.
Einzig das abermals fantastische indische Essen bleibt uns hier wohl noch lange im Kopf! Keine Ahnung wie die das immer schaffen, aber die Gerichte sind alle so unglaublich geschmackvoll. Viel intensiver und hochwertiger als das südostasiatische Essen. Scharf, aber nicht zu scharf. Ein Träumchen!

Mitten in der Stadt versperren uns ein paar Rindviecher den Weg.

Mitten in der Stadt versperren uns ein paar Rindviecher den Weg.

Eine ernüchternde Beispielimpression aus Ipoh

Eine ernüchternde Beispielimpression aus Ipoh

Und überall unfassbar riesige Bäume

Und überall unfassbar riesige Bäume

Kuala Lumpur

Aber wie schon des öfteren auf dieser Reise scheint uns das Schicksal einen besonders sehenswerten Ort als Entschädigung für eine Flaute schenken zu wollen. Kuala Lumpur (oder KL wie man hier sagt) war nämlich das glatte Gegenteil von Ipoh. In drei Worten: reich, sauber und hoch! Hier gibt es alles, was wir seit China nicht ein einziges Mal gesehen hatten. Gigantische Tower im Business Distrikt, gepflegte Parks mit Menschen im Anzug, eine moderne U-Bahn und wieder das spannende malaysische Potpourri aus Chinesen, Indern und Malaien.

Wir hatten zudem mit unserem Hotel einen absoluten Volltreffer erzielt. Ein Hotel, wie wir es uns in Europa nicht mal erträumen könnten, weil es viel zu teuer wäre. Hier ist es bezahlbar, mit smarter Zimmersteuerung und farbwechselnder Duschbeleuchtung. Was man halt so braucht! Viel wichtiger aber, wir waren mitten im Geschehen und von dem Hotel waren alle interessanten Stadtteile quasi fußläufig erreichbar.
Wir fingen an mit dem super modernen neuen Stadtzentrum namens Bukit Bintang. Hier läuft man ähnlich wie in Hong Kong quasi ständig von Shopping Mall zu Shopping Mall und durch Straßenschluchten zwischen den dreißig Stockwerke hohen Wolkenkratzern. Ja, wenn die vielen Asiaten nicht wären, könnte man wirklich meinen, man wäre im Finanzdistrikt von London oder in Manhattan, als es noch modern war. Das glasklare Highlight sind hier die Petronas Towers. Die Zwillingstürme sind mit 452 Metern die achthöchsten Gebäude der Welt. Ganz schöne Dinger also. Man kann da auch rauf und für läppische 24€ pro Person über die Stadt gucken. Ooooder man macht es wie wir, geht in ein anderes Hochhaus rund 500m entfernt, wo der Eintritt gratis ist, und kann so nicht nur über die Stadt blicken, sondern sieht dabei auch noch die Tower selbst. Clever!

Bukit Bintang

Bukit Bintang

Hier ist alles so modern, wie wir es seit Monaten nicht gesehen hatten.

Hier ist alles so modern, wie wir es seit Monaten nicht gesehen hatten.

Die Petronas Towers

Die Petronas Towers

Und wir, mit Bierchen und Mocktail und Blick auf die Skyline von KL

Und wir, mit Bierchen und Mocktail und Blick auf die Skyline von KL

Das genaue Gegenteil erlebten wir nur einen knappen Kilometer nördlich der Petronas Tower. Der Stadtteil Kampung Baru ist so etwas wie der letzte Außenposten dessen, wie Kuala Lumpur wohl einmal ausgesehen haben muss. Kleine, maximal zweistöckige Häuser, ab und zu eine kleine Garküche und wieder über allem der Ruf des Muezzins. Wie wir später von einem Taxifahrer erfahren hatten, ist die Nachbarschaft offiziell der Ethnie der Malaien vorbehalten. Und die haben sich bisher nicht entschlossen, ihre Grundstücke zu verkaufen. Das soll allerdings bald der Fall sein. So lange besteht die lustige Gegebenheit, dass fast direkt neben einem der höchsten Gebäude der Welt ein Stadtviertel besteht, das überall anders auch in Südostasien sein könnte.

Kampung Baru

Kampung Baru

Zu guter Letzt schauten wir uns noch den Stadtteil rund um China Town und Little India an. Wie schon in George Town und Ipoh wieder das eigenwillige Nebeneinander von Chinesen und Indern. Und es fällt auf, wie extrem unterschiedlich diese sind. Da die immer freundlich lächelnden und wahnsinnig wissbegierigen Chinesen, dort die stoischen Inder, deren eiserne Miene nur äußerst selten etwas aufhellt.
Der Stadtteil ist das alte Zentrum und wird daher auch sehr gerne von Touristen besucht. Rieke hatte allerdings noch mit den Nachwehen einer Erkältung zu kämpfen und uns beiden machten die 35 Grad und die gleißende Sonne ziemlich zuschaffen. Daher drehten wir eine ausgedehnte Runde, die wir aber nach ein paar Stunden total entkräftet beendeten.

Zwischen den Hochhäusern sieht die Moschee fast aus wie eine Miniatur.

Zwischen den Hochhäusern sieht die Moschee fast aus wie eine Miniatur.

Der Hindutempel Sri Maha Mariamman

Der Hindutempel Sri Maha Mariamman

Malaysia ist spannend anders! Wir sind froh, das Land auf unserer Route mit dabei gehabt zu haben, weil es wenig mit den Nachbarländern im Norden gemein hat. Viel mehr hat man hier den Eindruck, dass hier der Übergang in einen ganz eigene Subregion Asiens beginnt, welche sich in Indonesien fortsetzt. Klar, wie könnte es auch nicht komplett anders sein. Die Bevölkerung setzt sich zusammen aus Chinesen, hinduistischen Indern und muslimischen Malaien, überzogen von britischem (statt wie andernorts französischem) Kolonialismus.
Malaysia hat nicht die gleichen Reize als Urlaubsland wie etwa Thailand. Deshalb ist es auch verständlich, dass es bei uns selten ganz oben auf der Liste steht. Aber kulturell war es aus unserer Sicht spannender als einige der Länder davor.
Auch wenn wir gewarnt worden sind, wir sollten uns vor den malaysischen Männern in Acht nehmen, haben wir zum Glück nicht eine schlechte Erfahrung gemacht. Trotzdem ist die Vorsicht sicher nicht von der Hand zu weisen, denn mit unseren europäischen Vorstellungen von Dingen wie einem gleichberechtigtem Frauenbild haben die Länder in diesem Teil der Welt allesamt nicht viel am Hut.
Zu guter Letzt war Malaysia auch für unser Portemonnaie noch einmal ein Land zum Durchatmen. Die deutlich geringere Zahl an Touristen hat hier zum Glück noch nicht für einen Anstieg der Preise auf ein europäisches Niveau gesorgt.

© Janis Dinter, 2019
Du bist hier : Startseite Asien Malaysia Malaysia - Drei Kulturen unter einem Dach
Die Reise
 
Worum geht's?:
Eine (halbe) Weltreise! Sechs bis sieben Monate überwiegend mit Bus und Bahn von Deutschland aus in Richtung Osten, dann Süden, dann wieder Osten. Unsere Reise führt uns durch Skandinavien, das Riesenreich Russland, die Mongolei und China, nach Südostasien und zuletzt nach Neuseeland. Ein halbes Jahr haben wir dafür grob eingeplant - ob es noch mehr wird, wer weiß?
Details:
Aufbruch: 04.09.2019
Dauer: 7 Monate
Heimkehr: 22.03.2020
Reiseziele: Deutschland
Dänemark
Schweden
Finnland
Russland / Russische Föderation
Mongolei
China
Hongkong
Vietnam
Kambodscha
Laos
Thailand
Malaysia
Singapur
Australien
Neuseeland
Der Autor
 
Janis Dinter berichtet seit 4 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors