Indien - Zwischen Wüste und Himalaya

Reisezeit: Juli - September 2004  |  von Daniel Rössler

Diu - Meer, Strand und Monsun

Diu, 1 August

Also wenn mir hier in Indien irgendetwas zustossen sollte, dann ganz bestimmt in einem Bus. Ich hab mir hier on the road zwar schon öfter Sorgen gemacht, aber die letzte Fahrt von Jaisalmer nach Diu, der kleinen Insel auf der ich mich im Moment befinde, war ein einziger Horrortrip.

Nicht nur, dass ich 28 stunden nonstop unterwegs war und die holprigen Wege meinem Arsch mehr zugesetzt haben als ein einmonatiger Kamelritt dazu im Stande wäre, ich wurde auch
Zeuge eines grausigen Vorfalls, der meine (in den letzten Wochen entwickelte) Angst vorm Busfahren nochmals um
ein Vielfaches verstärkt hat. So gegen 2 Uhr nachts, als ich gerade beschloss dem halsbrecherischen Fahrstils unseres Busfahrers einfach keine Beachtung mehr zu schenken, hielten wir ploetzlich an. Vor uns war ein Unfall passiert, und natuerlich bin auch ich hinaus um dem ganzen
beizuwohnen. Um die Wracks herum standen schon dutzende wild gestikulierende Inder, alle versuchten irgendwie zu helfen. Doch es gab nichts mehr zu helfen, die Insassen waren tot. Es
war grauenhaft, einer lag am Boden und der andere war noch im Auto eingeklemmt. Natuerlich waren weder Polizei, Rettung noch Feuerwehr da, und so versuchte man mit einem zufällig in der Nähe stehenden Kran, den Toten zu bergen. Sie ruettelten solange an dem Wagen herum, bis die Leiche dann
endlich irgendwann herausfiel. Das war einer der seltenen Momente, in denen ich die Fortschritte der westlichen Zivilisation bewusst zu schätzen wusste...

Na ja, irgendwann bin ich dann aber doch hier in Diu angekommen. Und obwohl es hier (allen weisen Voraussagen zum Trotz) jeden Tag ohne Pause wie aus
Kübeln schüttet, ist es wunderbar!

Diu war bis 1961 portugisische Kolonie, und so hat hier alles einen verfallen- europäischen Stil. Touristen gibts im Moment gar keine, trotz der wunderschönen kilometerlangen Sandstraende. Ich habe mir für einige Tage ein Motorrad gemietet und bin die ganze Insel abgefahren. Eigentlich hatte ich ja vor, mir mein tägliches Essen selbst zu fangen, aber mit dem Angeln klappt es hier nicht wirklich. Die Wellen sind einfach zu hoch, die See zu stürmisch.

Lediglich heute wars ein wenig ruhiger- ich fuhr also zuerst zum Fischmarkt, um mir kleine Garnelen als Koeder zu kaufen, und bin dann zu einer verlassenen Bucht am Ende der Insel gefahren. Zuerst habe ich mir (mit meinem kleinen Kocher) Kaffe zugestellt, dann die Angel fertig präperiert
und dann festgestellt, dass die Moewen meinen Sack mit den Ködern geklaut hatten und sich nun die Beute in sicherer Entfernung untereinander aufteilten. So bin ich dann fluchend (im strömenden Regen) wieder nach Hause gefahren.

Mein "Zuhause" ist diesmal auch nicht so toll, das Zimmer ist voll von Tieren (riesigen Ameisen, kleinen Fröschen und Mosquitos, Mosquitos, Mosquitos) und beim Berühren der meisten Schalter bekommt man einen Stromschlag. Ausserdem sind alle meine Sachen durchnässt, und sie
werden und werden einfach nicht mehr trocken- kein Wunder, die
Luftfeuchtigkeit betraegt hier mindestens 99,9 Prozent, wenn nicht noch mehr...

© Daniel Rössler, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Zwei Monate mit dem Rucksack durch Indien!
Details:
Aufbruch: 10.07.2004
Dauer: 9 Wochen
Heimkehr: 10.09.2004
Reiseziele: Indien
Dharamsala
Manali
Spiti
Der Autor
 
Daniel Rössler berichtet seit 19 Jahren auf umdiewelt.
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