12 (?) Monate in Benin - ein Leben in einer anderen Welt

Benin-Reisebericht  |  Reisezeit: Oktober 2007 - Oktober 2008  |  von Johanna Hoffmann

März 2008 - 2.Hälfte

Am 15. war ich auch mal richtige typische Jovo-Touristin. Rahel und ich haben uns aufgemacht um nochmal nach Ouidah zu fahren. Da ich mit Ghislain in den Weihnachtsferien nicht alle Sehenswürdigkeiten gesehen hatte, blieben noch ein paar Sachen übrig. z.B. der Heilige Wald. Der Legende nach hat ein König sich dort in einen Baum verwandelt und dieser Baum ist jetzt heilig. Alle anderen Bäume sind drum herum gewachsen und somit gehören sie zum Wald dazu - la forêt sacrée. Im Wald aufgestellt sind Voodoo-Figuren. Also, es ist ja im Voodoo auch so dass man die eigentlichen Götter nicht sehen kann aber sie einem in Erscheinung treten oder durch plastische Methapern dargestellt werden können. Also sind diese Statuen quasi Symbole für eine Gottheit. Es gibt z.B. einen Gott der oft in Form eines Regenbogens erscheint. "Aber den eigentlichen Regenbogen kannst du nicht sehen!" meinte der Führer zu mir. Sowieso wollte er nicht viele Erklärungen abgeben, meinte, wir könnten das eh nicht verstehen weil das alles viel zu komplex sei.
Dann gibt es noch die Tempel für die Gottheiten. Fast jeder Gott hat seinen eigenene Tempel, der dann auch beschriftet ist und je nach dem was für ein Anliegen man hat geht man zu dem jeweiligen Gott. Oder aber bei festlichen Anlässen o.ä.

bei uns sogn. Voodoopuppe

bei uns sogn. Voodoopuppe

Die Voodoopuppe ist nicht so gemeint wie man das in unseren Kulturkreisen versteht. Der Gedanke dahinter ist, dass man jemandem Schmerzen schickt, die ihn daran erinnern sollen wo er her kommt und dass er dort noch Dinge zu erledigen hat. Wenn z.B. ein Herrscher flieht, kann ihm der Boconon (derjenige der die Fähigkeit hat, das Orakel zu befragen) Dinge senden indem er sie an der ihn repräsentierenden Puppe verrichtet. Das ist aber nicht um ihn zu quälen sondern eben um ihm Botschaften aus seinem Reich zukommen zu lassen. eine Art "Besinne dich!" UNd erst wenn er wieder kommt oder wenn er das tut was der Boconon möchte, dass er tut, hört man mit der "Behandlung" auf.

Dann waren wir im historischen Museum von Ouidah. Das ist auch ein altes KOlonialgebäude, wie die meistens Museen in den Küstenländern Westafrikas. IN diesem Falle ein ehem. portugiesisches Herrenhaus mit dazugehörigem Hof. Im Keler des Gebäudes ist inzw. eine Kunstsammlung zusammengetragen. Es gibt Tagmasken und Nachtmasken für Voodoo-Riten und -Tänze, wurde uns erklärt. Man erkenne das da und da dran, ein sehr eindeutiger Unterschied, der für uns beide völlig unsichtbar war Und für jeden Anlass eine Maske, mit Bildern und Figuren drauf. Teilweise sind die Dinger (sie werden quasi als Hut auf dem KOpf getragen) einfache Platten, teilweise sind sie fast einen Meter hoch.

Das Haupthaus. Dieses ist ein sehr kleines Sklavenfort

Das Haupthaus. Dieses ist ein sehr kleines Sklavenfort

Zwischendurch sind der Rahel die Schuhe kaputt gegangen. Da sie in FlipFlops nicht laufen kann, hat sie kurzerhand meine gekriegt und ich habe wunderhübsch hässliche dunklepink marmorierte FlipFlops bekommen. Die hat sie mir dann sogar geschenkt Alle haben uns nur komisch angeschaut. Jovos, aso weiße Menschen mit Geld, tauschen mitten auf der Straße die Schuhe um dann in tapètes rum zu laufen. Dann wollte ich auch noch auf die Toilette. Naja, da wurde ich dann ins Dorfinnere geführt, um 30Häuser drum rum, alles Roterde natürlich, um dann mitten auf einem großen Platz hinter einem Sichtschutz aus Schilf zu verschwinden. Ey, ich liebe Benin!! Sowas würde es bei uns nie geben! MAn rennt quer durch die Höfe der anderen, vorbei an Wäscheleinen und Herden. Und alle sind nett und freuen sich über den Besuch.

ein typischer beninischer Verkaufsstand am Straßenrand. Bisschen von dem, bisschen von dem und fertig.

ein typischer beninischer Verkaufsstand am Straßenrand. Bisschen von dem, bisschen von dem und fertig.

Naja, dann wieder mit dem Taxi heim. Das ist immer ganz einfach: Einfach an den Straßenradn stellen und nach keinen 2 MInuten sitzt man schon in nem Auto. Genauso ging es uns als wir aus dem Museum kamen. Rahel meint noch so "Und wie finden wir jetzt hier ein zém?" (in Ouidah tragen die zémidjans kein Uniform). Das Ende des Satzes verschwand schon in Motorengeheul, denn alle Zéms verastalteten ein Wettrennen um zuerst bei den Jovos zu sein
Alles in Allem ein super genialer Ausflug!!

Am nächsten tag habe ich dann auch mal Rastazöpfe ausprobiert. UNd ich muss sagen, ich war sogar positif von dem Ergebnis überrascht. Klar, hab kein Kunsthaar verwendet sondern mein eigenes. Sie sagen mir eh immer alle "Tu as de la mèche naturelle!" (Du hast natürliches Kunsthaar!) Hat ziemlich ewig gedauert und dann hat es nur 3 Tage gehalten. ABer der Aufwand hat sich gelohnt. Allen, wirklich allen ist es aufgefallen und sie fanden es großartig. "Jetzt bist du wirklich Afrikanerin!" wurde mir mehrmals mit einem strahlen in den Augen verkündet.

im Dorf mit zwei der Drillinge (Elisa und Elise)

im Dorf mit zwei der Drillinge (Elisa und Elise)

Wieder einen tag später hat mein Söhnchen seinen Gips abgenommen bekommen. Da war er natürlich froh! Endlih wieder rum rennen. GLeichzeitig hatte er jetzt keine Ausrede mehr sich ständig von mir rumtragen zu lassen... Schade eigentlich... Wir waren immer immer zusamen gewesen und jetzt plötzlich nicht mehr. UNschönes Gefühl...

Abends bin ich mit Maman 10 ausgegangen. Sie war grade auf Urlaub, die 4 Tage, und da waren wir bisschen weg, Bierchen trinken, und dann hab ich bei ihr geschlafen. Am nächsten MOrgen haben wir uns ewig Zeit gelassen, wollten dann frühstücken gehen - das Lokal hatte zu und auf dem Rückweg hats zu regnen begonnen. Naja, da ist uns zum Glück eine Frau mit Akassa auf dem Kopf (dieser Maisbrei. Die kochen das daheim, mit Soße und allem, und laufen dann rum in der Hoffnung einen Käufer zu finden. Fast food sozusagen) über den Weg gelaufen. Somit war das Problem des HUngers gelöst. Dann kam auch die SOnne schon wieder raus und die Friseuse vorbei und alles war gemütlich. Irgendwann bin ich dann zu SOS, von Maman aus keine 5 Minuten zu Fuß. EIn weiterer schöner MOrgen mit dieser lieben Person!

Abends gab es dann ein kleines Theater im Dorf. Seit einer Woche waren Schauspieler (Maskenkünstler) aus der frz. Schweiz im Dorf. Die haben selbst ein paar Auftritte in Cotonu und Porto Nvo gehabt und wollten im Dorf mit den Kindern auch ein bisschen spielen. Da wurde dann auf dem Fußballfeld provisorisch zwischen die Mangobäume ein kleiner Vorhang gespannt und alle haben sich versammelt. Es war eine wunderbare Spannung in der Luft, viele von den Kindern haben sowas noch nie gesehen. Das war total toll. Bienvenu aber, wie auch z.B. die Drillinge, hatten Angst vor den Masken. Aber das hat sich dann mit der Zeit auch gelegt. Gespielt wurde eine sehr nette GEschichte über einen multicoloren Büffel und echte Freundschaft. Total süß...

Am nächsten Tag habe ich mit zwei Jungs im Dorf eine kleine Näh-Session gemacht. Sie haben nämlich alle vier Jungs die gleiche KLeidung (gleicher Stoff, gleiche Größe). Eine Hose war zerrissen. Natürlich hat die keinem gehört. Also hab ich mir kurzerhand die Jungs geschnappt und ihnen erklärt, dass ich mit ihnen Nähen würde wenn sie aufhören zu motzen. Da kam ein Leuchten in die Augen, meine Herrn!! Endlich mal was lernen, was Neues, Nützliches. v.a. Moulésim ist ein sehr intelligenter und schlauer Kerl. Er langweilit sich nur bei der Nachhilfe und im Unterricht. Schrecklich. Naja, da hben sie es dann ausgenutzt und gleich ALLES was kaputt war angeschleppt Aber selber auch mit geholfen. Ganz toll!

Dann war ich mal wieder krank. Aber pünktlich zu Ostern wieder gesund. Am Ostersamstag hat mich ein Freund mit zu den Zeugen Jehovahs in die Messe genommen. SO VIELE WEISSE!! Also, Zeugen gibt es dort eh viele. Aber so viele Weiße. Der Tempel ist direkt neben meinem Haus, in meinem VIertel. Und es gibt in jedem Viertel hier Zeugen Jehovahs. ABer keinen einzigen von den WEißen hatte ich jemals gesehen. NAja.. Der GOttesdienst war ganz ineressant. Aber halt auch: Vorpredigen und NAchquatschen. Kirche und Gottesdienst ist einfach nichts für mich...

Den Ostersonntag habe ich in einem Boot verbracht und mir den ersten Sonnenbrand seit Afrika geholt. Ich bin mit Battiford, auch einem Internatsschüler (ich glaub aus Zentralafrika)nach Ganvié gefahren. Das ist das Fischerdorf auf dem Lac (See) bei Calavi. Ein Pfahlbautendorf. Wunderschön. Leider war Sonntag also war der Markt nicht aktiv. Ganvié wird das Venedig Afrikas genannt, denn es gibt quasi kein Festland. Alles spielt sich auf Pirogen ab. Gewohnt wird eben auf Pfahlbauten. Der Markt Läuft so ab, dass die Marktfrauen ihre waren in ihren Pirogen gestapelt haben und die Käufer auch in Booten kommen und sich reinfädeln und kaufen und weiter fahren. Ich hab es leider nich gesehen, aber ich stelle mir das crass vor. Die Pirogen sind mind. 3m lang und dann bis zu 6, 7 Metern. Auch in dieKriche gehts so, klar, überall hin. Und das in der Mitte von Benin, wo die meisten Leute Wasserangst haben. Naja, vieles hängt eben von der Umgebung ab in der man aufwächst.

der Marktplatz

der Marktplatz

Taxi

Taxi

Wir sind dort quasi einfach auch in einer Piroge sitzend rumgefahren und haben uns das Dorf angeschaut. Wie pervers das eigentlich ist. Ein stinknormales Dorf. Und ständig kommen Touristen vorbei und glotzen doof. Im Nachhinein komm ich mir richtig dämlich vor...

Am Ostermontag sind wir an den Strand gefahren. Aber das war schon wieder ein Act, mannomann!! Romaric hatte mir das seit 4 Tagen versprochen. Also, der Tag Vortag kommt und er meldet sich nicht also denke ich, dass es nix wird. Sag der Rahel bescheid und sie meint nur, er wäre gerade ebi ihr gewesen um alles auszumachen und hätte gesagt,ich wisse bescheid. naja, also mal morgen abwarten. So Ostermontag: er meldet sich und sagt was von 10 uhr. er kommt dann um 11 nur um nochmal kurz weg zu müssen. ich ahne schon was und ruf die rahel an, sie solle lieber zu mir kommen, dann könnten wir gemeinsam warten. da kommt er dann um 14 uhr nochmal und meint, ob alles klar sei. er führe noch schnell heim um sich umzuziehen und dann ginge es los. aber nur umziehen, keine halb stunde brauchen!! Naja, gekommen ist er dann um nach 16uhr. Die Beniner halt.... und Romaric ganz besonders... Aber war noch lustig. Der Strand war voll. der wahnsinn. kaum ein fleckchen mehr frei. tota irre.irgendwie kommen an religiösen feiertagen die leute an den strand. vielleicht ist man dem himmel dort näher, keine ahnung. aber die Céleste-Anhänger beten auch sehr sehr oft am Strand. hab gefragt wieso. "Das macht man eben so!" naja, typische Antwort. was soll man machen?! Wir sind dann in eine Strandbar gegangen. Also, stellt euch bitte nichts romantisches mit Stroh und Palmen vor.es waren einfach Plastiktische und -stühle in den Sand gestellt, laute Musik, und ein Klo das übergelaufen ist. Aber gefeiert haben wir trotzdem ganz ordentlich! Und auf dem Rckweg haben wir dann, bei offenen Fenstern und ordentlich sommerlicher Stimmung, saulaut im Auto Black Music und dann " "Where is the love?" gehört. Der Wahnsinn!! SOmmer, ich liebe ihn!!
Auf dem Heimweg haben wir dann noch bei SOS angehalten. Ich musste einfach mein Kind noch schnell sehen bevor ich ins Bett gehe. DAs ging einfach nich anders!! Ich lieb ihn einfach, den kleinen Knirps!

© Johanna Hoffmann, 2007
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Endlich wird ein Traum wahr: Mama Africa, ich komme!! Für voraussichtlich 12 Monate werde ich in Abomey leben, davon 6 Monate in einem SOS Kinderdorf, die anderen 6 in einem Krankenhaus ein freiwilliges Praktikum machen.
Details:
Aufbruch: 07.10.2007
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: Oktober 2008
Reiseziele: Benin
Ghana
Der Autor
 
Johanna Hoffmann berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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