12 (?) Monate in Benin - ein Leben in einer anderen Welt

Benin-Reisebericht  |  Reisezeit: Oktober 2007 - Oktober 2008  |  von Johanna Hoffmann

01.-17.04.08

Von der Beerdigung heim gekommen bin ich erstmal krank geworden. Richtig krank. Arcade, ein großer Bruder von Haus 10 (er wohnt inzwischen mit seinem Bruder in einem eigenen Apartement) nach Cotonou gefahren. Wir haben uns eine Fotoausstellung von Malick Sidibé , einem mailinischen Fotografen angeschaut. Die ganze Ausstellung ist eigentlich dreigeilt, an drei verschiedenen Orten in der Stadt. Wir waren bei der Hauptausstellung in der Fondation Zinsou. Das ist eine private, von der Familie ZINSOU gegründete... eine Art Stiftung, der Kunst unterstützt. v.a. afrikanische Kunst natürlich. Diese Asstellung war auch kostenlos, damit jeder Bürger sich das anschauen kann und nich nur die die es sich leisten können.
Sidibé hat durchaus eiige schöne Bilder gemacht, dem Link zu folgen lohnt sich.

Dann sind wir noch an einen Privatstrand gefahren. Der gehört quasi zu einer Hotelanlage dazu. Man zahlt für Swimmingpool, Zimmer, oder eben einen simplen Strandbesuch. Dafür ist der Strand sehr sauber, wunderschön, und es gibt nicht viele Leute dort.

Arcade

Arcade

Genannt wird der Strand "El Dorado". Fand ich nett.

Danach sind wir noch zu seiner Cousine. Die hat für uns gekocht. Auch sowas typisches. SIe kennt mich nicht und er bringt mich einfach vorbei, erklärt wir hätten Hunger und sie darf dann was machen. Ich finde das total dreist und fühle mich bei sowas unwohl. Aber das ist hier normal.
Naja, das ganze wurde noch schlimmer dadurch, dass außer Schwindel und Fieber jetzt auch total crasse Magenschmerzen eingesetzt hatten. Ich habe nur 3 oder 4 Gaben gegessen. Schade eigentlich, das Essen war echt gut
Naja, auf dem Heimweg sind wir dann noch bei ihm vorbei weil er mir was geben wollte. ICh bin natürlich gleich auf seinem Sofa eingepennt.Endlich daheim bin ich gleich ins Bett. Als Serge von der Schule heim kam ist er gekommen, wie üblich, um mich zu begrüßen. Als er mich so im Bett fand, kaum in der Lage zu sprechen (ich übertreibe nicht!) hat er Handtücher nass gemacht und mich überall abgetupft unf das war so süß!! Mein kleines Brüderchen, da hab ich richtig gemerkt, dass er plötzlich viel älter geworden ist. Er hat sich so rührend um mich gekümmert. Naja, als papa heim gekommen ist haben wir das Fieberthermometer geholt und ich hatte 40,2°C Also ab ins Krankenhaus. Wenn die Temperatur steigt erhöht sich die Anzahl der weißen Blutkörperchen und man ist ziemlich bald hinüber. Alle dachten natürlich, mich hätte die Malaria erwischt. Wäre ja auch endlich mal Zeit, nach einem halben Jahr. Im Krankenhaus angekommen (Rahel ist mit. Glückicherweise hatte sie das Praktikum beim Hôpital de zone beendet und war jetzt in der clinique coopérative - die Privatklinik wo wir hin sind. Also kannte sie alle, das war irgendwie angenehm. SOnst machen di mit dir als Weißem in Kliniken was sie wollen. Jedenfalls war es ja inzwischen bestimmt 22Uhr, also wurde ich in ein Zimmer gelegt, Tropf dran und fertig. Der Tropf hat 3 oder 4 Stunden gedauert. Die Rahel ist zum Glück die ganze Zeit bei mir geblieben. Das doofe an der Medizin war dass man ständig aufs KLo musste. Mindestens alle halbe Stunde. Also nix mit schlafen... Aber die Schwester war ne ganz ne liebe, Rahels Lieblingskollegin. Die Frau, die mit im Zimmer lag, hat ewig laut geschnarcht und als wir endlich hätten schlafen können, weil der Tropf leer war, war ich wieder fitter und uns haben die Kicherattacken geschüttelt. Naja, also war es keine sehr erholsame Nacht. In der Früh habe ich gleich die Ergebnisse der UNtersuchung bekommen - Salmonellenvergiftung, kein Malaria. Naja, noch schlimmer. Bei mir ist es immer die Variante "noch schlimmer". (Remember the Typhus...)

Bin dann jedenfalls nach Hause une igentlich müsste alles wieder klar gehen meinte der Arzt. Naja, kaum zu Hauseist das Fieber wieder über 40° gestiegen. Also zurück ins Krankenhaus. Diesmal mit Mireille, Rahel ist aber gleich nach gekommen. Da habe ich richtig gemerkt, dass eine fürsorgliche Mami doch was tolles ist. Mimi hat zwar alles für mich erledigt, sich aber nicht um mein Wohl und mein Herz gekümmert wohingegen Rahel gleich kam "Mensch, Maus, was machst du denn?! Was kann ich dir Gutes tun?" So eine Liebe!! (Hätt ich ja auch am Anfang nie gedacht, dass das mal so eine Freundschaft wird mit uns beiden...)
Dann wollten sie mich in so ein allgemeines Krankenzimmer legen (ich habe wieder zwei Infusionen bekommen). Aber da inzwischen auch die Scheißerei angefangen hatte ging das nicht... Naja. Und dann kamen die krankenbesuche. Arcade (der sich ja in mich verliebt hat. Ein wirklich lieber Kerl!), Romaric, Mohammed, und wie sie alle heißen. Nur Männer, da musste ich schon grinsen. Mimi ist zwischendurch heim, mir was zu essen kochen. Man bekommt dort ja nichts außer einem Bett, keine Decke, kein Kissen, kein KLopapier, kein Wasser, kein Nichts. Naja. Und irgendwann bin ich dann heim, gegen 19 Uhr. Auf der Hiemfahrt (hinten drauf auf Arcades Moto) hab ich noch recht elegant vom Motorrad runterge***. Und daheim angekommen wurde ich empfangen mit den WOrten "Mireille ist gerade ins Krankenhaus gefahren!". Ach, die Süße, dachte ich. Doof nur, da hat sie mich verpasst. Bis ich kapiert habe, dass sie selber eingeliefert wurde. Natürlich in die Öffentliche, also viel schlechtere Bedingungen. Krankheit hatte sie Amnesie, Blutarmut. Dadurch hat sie auch ständig diese Kopfschmerzen und so.
Naja. das war jedenfalls ein Erlebnis. Mimi kam nach zwei Tagen wieder heim, immer noch schwach wie Hans. Mir gings bald wieder besser. Aber langsam keimte doch der Wunsch in mir auf, wieder gesünderen und stressfreieren Boden unter den Füßen zu haben...

Am Freitag bin ich dann schon wieder zu einer spirituellen Gebetsnacht im Stade de l'amitié gegangen. MIt Yannick, dem Keller von der Beerdigung. Das war eine Nacht, genannt Opération Sauvons le Bénin, organisiert von Mme Chantal BONI, der Gattin des Präsidenten. Es ging quasi drum, Frieden zu bewahren und bei den Kommunalwahlen nicht durchzudrehen, etc. Naja, ich war geistig eher woanders und bin dann spontan um Mitternacht von Arcade abgeholt worden. War dann trotzdem eine sehr schöne Nacht...

wenn man von oben runter schaut hat er eine Pigmentstörung (haben viele Schwarze) in der Form des afrikanischen Kontinents

wenn man von oben runter schaut hat er eine Pigmentstörung (haben viele Schwarze) in der Form des afrikanischen Kontinents

Am nächsten Tag bin ich dann mit Mireille und ihrer Mutter nach Cotonou in deren maison familiale, wo ich an Weihnachten schon mal war, gefahren. Ein Freund ihres Vaters ist ein guérisseur, ein Heiler. Er salbt mit Kräutersud und Natursalben und verjagt dadurch die bösen Geister, die die körperlichen und seelischen Leiden verursachen. Damit wollten sie quasi etwas gegen die Blutarmut und die Kopfschmerzen machen. Mireille selber stand dem Ganzen skeptisch gegenüber, aber man soll ja nichts unversucht lassen. Er kam dann auch und hat ihr mit der Rasierklinge Narben in Kopf, Stirn und Dékolleté verpasst. Darauf immer irgendwelche Dinge gerieben und auf Fragen immer nur geantwortet "Das verjagt die bösen Geister!" Naja. Also, sie hat das Ganze dann eine Woche drauf nochmal wiederholt. Ob sie jetzt dadurch gesund geworden ist oder durch die Medikamente, die sie genommen hat, weiß ich nicht.
Den nächsten Tag haben wir genützt um ein bisschen in Cotonou rumzustreunen. Mireille kommt ja niemals nie raus,muss immer nur lernen und arbeiten daheim in Calavi. Da ihre Mutter das selber nicht gut findet, aber nichts dagegen tun kann, weil sie das Kind nunmal nicht finanzieren kann und es daher zu ihrem Bruder schickt, muss MIreille in Cotonou nie etwas machen. Außerdem ist sie die große Schwester des Hauses, hat also Freiheiten.
Naja, wir haben Freunde besucht, u.a. Carlos, meinen lieben Journalisten den ich in Ghana kennen gelernt hatte. Er war inzwischen aus Accra zurück in die Heimat gekommen. Er ist so ein GOLDENGEL!!!

Am Montag bin ich dann nach einer viel zu langen Pause enldich wieder zu SOS gegangen. Ich hatte keine Lust mehr zu gehen wegen der ganzen Geschichten, aber gleichzeitig fehlten mir die Kinder so unbeschreiblich!!

Crépin

Crépin

Gaston le grand

Gaston le grand

Ich hatte das Praktikum schon abgebrochen, weil es mich einfach zu sehr genervt hat und ich inzwischen wusste, dass ich im Mai fliegen wollte. Aber seitdem ich nicht mehr die Verpflichtung hatte, jeden Tag dort zu sein, war ich tatsächlichjeden Tag dort, meistens sogar schon früher und noch länger als davor. Gerade im letzten MOnat bin ich mit den Kindern richtig fest zusammen gewachsen. Auch dadurch dass ich frei war mich zu bewegen wie ich wollte. Ich hatte nicht mehr die Pflicht, in jedem Haus eine Woche zu machen sondern konnt einfach immer beim Haus 10 bleiben. Und hier pulsiert auch das Leben. Das Sportfeld ist direkt vor der Terasse und man hält sich einfach hier auf. Ach, der letzte Monat war einfach wuderbar!!

Am Freitag, meinem Geburtstag, sind wir mit Mensah, seiner Frau Yvette und den beiden Kleinsten zu den SONAFA-Dörfern gefahren. SONAFA ist der von Mensah selbst gegründete Verein, der in Dörfern Grundschulen baut und Lehrer engagiert, damit alle Kinder zumindest die Grundausbildung haben. Schon lange wollte er mich mitnehmen in die Dörfer und es war wirklich interessant. Alle Kinder waren eigentlich ganz ruhig, denn Mensah kommt öfter vorbei. Er wird von allen nur "Sonafa" genannt. Nett...

eines der Schulgebäude

eines der Schulgebäude

eine Ananas, die in einem der Schulhinterhöfe wuchs

eine Ananas, die in einem der Schulhinterhöfe wuchs

Danach sind wir noch in sein Geburtsdorf gefahren, Kinta. Da haben wir gesehen wo er geboren wurde, wo er aufgewachsen ist, seine "Studentenbude". Alles ist rote Erde (terre rouge), diese typischen afrikansichen Dörfer. Ziehbrunnen, Feuerstellen, überall Obstbäume, wunderbar.

Kinta

Kinta

Natürlich mussten wir was Trinken. Da wir kein Brunnenwasser nehmen (Rahel und ich) haben sie Limo gesucht, irgendwo aus einer alten Kiste rausgezogen. Dabei wollten wir eigentlich gar kein Limo mehr, hatten ohnehin schon so viel davon gegessen heute!! Zu MIttag und als Pause und hier und beim nächsten Besuch (sein Bruder) natürlich auch. Das ist so lieb gmeint, man will seinen Gästen nur das beste geben. Aber nach 3Litern Limo am Tag kann man irgendwann nicht mehr.

"Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Tröpfchen"
das mühsame Sortieren von Ölnüssen

"Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Tröpfchen"
das mühsame Sortieren von Ölnüssen

Dann sind wir noch in eine Art Zoo gefahren. Der war in Bohicon, also nicht weit von den Dörfern. Der Zoo lag in einem königlichen Garten, überall standen noch die Hütten von den Frauen und den Bewohnern. Auch eine heilige Stelle gibt es, einen rießige Baobab-Baum. Wunderschön!!

darf ich hier verweisen an unseren Verein in Kenia Baobab Family Project

darf ich hier verweisen an unseren Verein in Kenia Baobab Family Project

Danach sind wir in aller Gemütlichkeit heim gefahren. ICh habe auf der Heimfahrt alle Songs von mir gegeben, die mir irgendwie in den Sinn gekommen sind. Von BSB über Aqua und ärzte bis hin zu Frank Sinatra. ALLES!! Das war so toll und die Rahel hat es auch genossen. Ich bin ja schließlic ihre verrückte Nudel!!
Beim Aussteigen bin ich dann gleich René und Carin in die Arme gelaufen. Schön, musste ich nicht allein heim laufen.

Am nächsten Tag waren dann die KOmmunalwahlen. Wahlkampf sieht hier so aus, dass man möglichst viel Lärm auf der Straße macht. Am besten alle ziehe sich einheitlich an und haben ein Trasnparent und Trommeln und gehen dann auf der Farhbahn so entlang dass nicht mal mehr ein Motorrad vorbei kommt. Das ist auch alles legal, nur sehr nervig. Aber naja, der Spuk war dann auch nach ca. einer Woche vorbei. Wer gewonnen hat weiß ich leider nicht, mich konnte nämlich auch keiner aufklären, welche Partei und somit welcher Bürgermeister eigentlich für was plädiere. Das wussten sie ale nicht so genau. Naja, soviel zum Thema Demokratische Regierung die funktioniert...

Am Samstag gabs oben ein kleins Fest anlässlich des Geburtstages von maman und papa. Es waren nicht viele Leute da, denn ohne Geld kann man nicht feiern. Maman MIreille hat sich eh schon aufgeregt dass das respektlos sei gegenüber Grandpa. Aber naja, was soll man machen. Das Leben geht ja trotzdem weiter. Ich bin jedenfalls erst nach 3Uhr ins Bett gekommen und habe somit den Ausflug am FOlgetag nicht recht genießen können. Ich bin mir Judicael, einem der Jungs aus Bienvenus KiGa-Klasse, seinem Bruder und seinem Vater noch einmal nach Ganvié und Dchohoué, die beiden Pfahlbautendörfer. Es war total nett, v.a. weil die Jungs so interessiert waren. Nur leider habe ich kaum die Augen offen halten können. War aber trotzdem ein netter Vormittag. Den Rest des Tages hab ich allerdings verschlafen

In der nächsten Woche hat es dann Stromausfälle gehagelt. Ständig. Bei SOS merkt man davon nicht weil die einen Stromaggregator haben. Wir zu Hause auch, aber der ist irre laut und manchmal ist das Benzin halt auch aus. Dann bin ich ständig mit zéms gefahren denen dann irgendwas an der Maschine kaputt gegangen ist. Also anhalten, zahlen, neuen anhalten und weiterfahren. Bisschen nervig.

Am MIttwoch bin ich dann mit Rahel nach Cotonou und wir wollten eigentlich nur schnell mein Flugticket kaufen. Aber naja, da kamen dann noch einige Wartezeiten, Teefonate mit Deutschland und Gerenne zur Bank dazwischen - letztendlich ging ich ohne Geld und ohen Ticket nach Hause. Verbindungsprobleme. Deswegen hier mein Tipp an alle: Wenn ihr verreist, haltet euch immer das Geld für euer Rückflugticket in bar irgendwo bereit. Man weiß ja nie. Bei mir wäre das beinahe eine langwierige Prozedur von Geldüberweisen und zurück und blabla geworden. Tut euch das selbst nicht an!
Aber es hat dann, am nächsten Tag, doch noch alles geklappt. Weil der Regen eingesetzt hat und ich somit bei der Bank festsaß. Da hab ich aus Trotz einfach nochmal versucht das Geld abzuheben - und siehe da. Youppieh!!

© Johanna Hoffmann, 2007
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Worum geht's?:
Endlich wird ein Traum wahr: Mama Africa, ich komme!! Für voraussichtlich 12 Monate werde ich in Abomey leben, davon 6 Monate in einem SOS Kinderdorf, die anderen 6 in einem Krankenhaus ein freiwilliges Praktikum machen.
Details:
Aufbruch: 07.10.2007
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: Oktober 2008
Reiseziele: Benin
Ghana
Der Autor
 
Johanna Hoffmann berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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