12 (?) Monate in Benin - ein Leben in einer anderen Welt

Benin-Reisebericht  |  Reisezeit: Oktober 2007 - Oktober 2008  |  von Johanna Hoffmann

15.-28..11.

Wie schnell die Zeit doch immer vergeht, unglaublich... Es ist schon wieder so viel passiert. Schön!!
Von Do, 15., bis So, 18.11. war Rahel bei uns. Es ging ihr gar nicht gut und da haben alle gesagt sie müsse zu uns kommen und sich ein bisschen ablenken und so. Das ist uns soweit auch gut gelungen. Am Sonntag hat sie sogar wieder Witze gemacht und gesagt, ich sei ganz sicher ein kleiner Engel, der ihr geschickt worden ist. Die Geschichte war dass sie 2 Wochen lang in Parakou und Umgebung, sprich Mitte bis Norden des Landes, unterwegs war und mit einer Freundin die beim DED arbeitet Dörfer und Projekte besucht hat. Da haben sie meistens in den buvettes gegessen, wo man nicht immer sicher sein kann, dass alles gut gewachsen und bedeckt (wegen Fliegen uns Staub) ist und so. Tja, End vom Lied war dass sie sich irgendwelche Würmer eingefangen hat. Und weil die gute eine Woche lang nichts zu Mensah gesagt hat, war ich am Samstag diejenige welche sie ins Krankenhaus gezwungen hat. Worüber sie am Ende sogar froh war. Verständlicherweise. Aber abgesehen davon war es echt ein tolles Wochenende. Der große Bruder von Mireille, Romuald, ist auch gekommen um mich zu besuchen. Am Samstag Nachmittag für ein paar Stunden. An ihm mag ich dass er immer wenn er kommt erstmal mind. 30Min mit der Großmutter redet bevor er sich an wen anders wendet. Das gefällt mir.
Ein unschönes Ereignis war dass Papa Serge (sprich Francis) eine Autounfall hatte bei dem er hätte sterben können weil er in einen Stand mit Benzin rein gefahren ist. Aber er ist ohne die geringste Verletzung aus der Sache hervor gegangen. Alle sagen, dass er die richtige Art gefunden hat, zu seinem Gott zu beten dass dieser ihn so beschützt. Aber das mit dem Fahren ist hier echt so ne Sache. Man braucht ja auch nur für die Autos einen Führerschein, Moped und Mofa und was auch immer kann bzw. darf jeder fahren. Und manche können es eben nicht. Und überhaupt ist hier alles ziemlich chaotisch auf der Straße. Kommen ja auch noch die ganzen Schlaglöcher und Kram hinzu!! Wenn ich jemals hier fahren werde, da irgendwo im Hinterland wo fast kein Verkehr ist. Vraiment!!

Am Sonntag gab es dann Igname pilée, gestampftes Igname. Igname sind so Wurzeln, ein bisschen wie Kartoffeln nur halt viel größer und anders im Geschmack. Igname und Maniok werden hier viel gegessen. Und sind ewig lecker. Und machen gut dick Igname pilée ist aber relativ viel Arbeit, weil das rohe Igname in diesen schönen afrikanischen Holztrögen gestampft werden muss. Das braucht ziemlich viel Kraft und Ausdauer. Normalerweise wird es frittiert, wobei ich es einfach in Wasser gekocht immer noch am besten finde. Mhmm...
Jedenfalls isst man Igname pilée mit der Hand und das war mein erstes Mal offiziell mit der Hand essen. Und es ist echt einfach einfacher weil man dann sie Soße gescheit kriegt. Von der Gabel fließt immer alles runter. Ich hab davor auch schon mit der Hand gegessen, aber halt dann andere Sachen. Naja, wie auch immer...

Die Woche war ich dann in einer Klasse in der section des grands. Bei Maitresse Andréa, einer echt Lieben. Mir ist aufgefallen, dass in ihrer Klasse kaum geschlagen wird, weder Lehrer-Kind noch Kind-Kind. Das finde ich sehr gut. Andererseits kann sie auch sehr launisch sein, das lässt sie dann doch wieder an den Kindern aus indem sie sie anmotzt. Auch nicht das beste. Aber die Erziehung hier ist eben sehr autoritär. Ach was, extrem autoritär. Ist die Maitresse da, läuft alles. Aber die Sekunde in der sie die Klass verlässt zerfällt alles ins totale Chaos. Die Kinder lernen Autorität zu respektieren, aber keine Selbständigkeit. Nicht die deutsche Erziehungsmethode, aber eben die beninische.
Jedenfalls war das auch eine Erfahrung. Am Montag hatte Faith, ein Mädl in der Klasse, Geburtstag und da kamen dann die Eltern mit Geschenken für alle und Photograph und pipapo. Vraiment! Wir haben an dem Tag quasi nichts gearbeitet weil Foto hier und Foto da und umziehen und posieren. Aber das wird dann auch von dem KiGa mitgemacht und unterstützt - denn das ist Benin: Bei Festen oder irgendeinem, dem geringsten Anlass und Grund zu Feiern wir gefeiert und gefilmt und getanzt und genossen. Gut einerseits, in der Schule aber wohl eher unangebracht. Aber so sind sie eben...

Ja, die Namen, das ist hier auch so ein Phänomen. Faith, Peggy, Joyce, Ashley. Und das ist nur ein kleiner Teil der englischen Vornamen die die Kinder hier en masse haben. Dabei werden sie aber bitte französisch ausgesprochen, ja?! Aus "Äschliii" wir quasi "aschlee" mit Betonung auf der letzten Silbe. Und "Faith" heißt hier "Fätt". Die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden...

Dann ist Mireille zwischendurch an Typhus erkrankt und hat sich keinen einzigen Tag Ruhepause gegönnt. Inzwischen geht's ihr wieder gut. Bis auf die Müdigkeit die durch die Medikamente bedingt ist. Und sie hat ständig Hunger hehe

Am Donnerstag, 22.11. war ich mal wieder schwimmen. Wir sind jetzt nicht mehr im Olympiastadion sondern in einem Schwimmbad ca. 1 Gehminute vom Strand entfernt und dass Wasser im Becken ist Meerwasser. Klar, die Anlage gehört einer Deutschen und keinem Afrikaner, aber daran habe ich mich eigentlich schon gewöhnt, dass die außergewöhnlichen und besseren, schickeren, saubereren Dinge Ausländern gehören die das Geld haben. Traurig, aber Realität.

Das Wochenende 24./25.11. habe ich dann relativ ruhig zu Hause und in der Boutique verbracht. War auch nötig, denn Montag und Dienstag haben die Kids völlig abgedreht. Ich habe so viel geredet und teilweise leider auch gerufen und gemotzt, dass ich abends echt Halsschmerzen hatte. Die Maitresse ebenso. Kurzer Einblick: Wir sind am Klo, alle stehen in einer Reihe und warten dass sie dran kommen, keine 3 Schritte von der WC Schüssel entfernt. Da hört man plötzlich das leise Plätschern des Urins eines Kindes das sich im Stehen in die Hosen macht. Okay, alles ausziehen, Kind waschen, Kleidung waschen, während die andren Kinder gleichzeitig geordnet aufs Klo gehen müssen. Gut, okay. Dann das 10Uhr Essen, Händewaschen, umziehen (Sportsachen aus, Uniform an) und Pause. Die eine Hälfte der Kinder hat schon fertig gegessen, die andere Hälfte isst noch, als Cyrille kommt und meint, er müsse Kaka machen. Okay, Klopapier gegeben. Er geht aus der Klasse, 2 Sekunden später schreit die Maitresse und ich denke nur "Bitte nicht!", gehe raus und... Kinderkacke verteilt auf 2m² Boden. Leider war es schon zu spät und er konnte es nicht mehr halten bis zum Klo. Also wieder alles sauber machen, Kind waschen, Kleidung waschen, während sich 24 andere Kinder einbilden, sich alle gleichzeitig umziehe zu müssen. Das Problem liegt darin, dass alle Uniformen gleich aussehen und immer irgendwer was vom anderen einsteckt, wenn man nicht wirklich genau hinschaut. Tja, war an einem solchen Tag eigentlich klar, dass man es ncht schafft, den Überblick zu wahren...

Naja, aber ich liebe sie trotzdem. Meine Kinder, jedes einzelne. Manche mehr manche weniger, klar. Aber alle irgendwie. Ich finde sie einfach immer wieder beeindruckend. Bienvenu z.B. ist heulend, plärrend, angekommen und hat nicht mal reden können. Okay, ins Klo gehen, den Sand vom Gesicht waschen, Kuss auf die Stirn - es hat keine 2 Minuten gedauert und er hat sich losgemacht und is zurück zum Karussel gelaufen von dem er vorhin gefallen war. Kinder eben...

Heute war wieder ruhig, war daheim bis auf 2 Mal zu SOS gefahren aber beide Male umsonst. Das hat mich ein bisschen genervt, aber gut. Passé. Hab den SOS Stoff gekauft. Mein SOS, meine Kinder, da muss ich doch auch ein Angeziesel von SOS haben, oder? Am Samstag wieder zur Schneidern, Kleideranprobe. Juhuu!!

© Johanna Hoffmann, 2007
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Endlich wird ein Traum wahr: Mama Africa, ich komme!! Für voraussichtlich 12 Monate werde ich in Abomey leben, davon 6 Monate in einem SOS Kinderdorf, die anderen 6 in einem Krankenhaus ein freiwilliges Praktikum machen.
Details:
Aufbruch: 07.10.2007
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: Oktober 2008
Reiseziele: Benin
Ghana
Der Autor
 
Johanna Hoffmann berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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