Patagonien - Auf der Straße nach Süden

Chile-Reisebericht  |  Reisezeit: Januar / Februar 2018  |  von Diana & Pavla

Teil 15 - "Antarktisregion" - jetzt wirds frisch

10.02.2018 - Aufbruch nach Pandora ...nein, nach Puerto Natales!

Falls jemand von Ihnen meint, wir sollten allmählich Packprofis geworden sein, den muss ich leider enttäuschen. Ständig wurde gesucht und geflucht, man öffnete grundsätzlich den falschen Reißverschluss, immer stand irgendeine Tasche auf - und falls sich auf Anhieb alles problemlos schließen ließ, hatte man garantiert etwas draußen vergessen. Insbesondere weil sich unserer Rucksäcke ja auch zunehmend mit Souvenirs füllen.
In weiser Voraussicht hatten wir aber diesmal das bekannte, sich stets wiederholende Schauspiel bereits auf den Vorabend verschoben.

Und so verabschiedeten wir gegen 5.30 Uhr, bei morgendlicher Dunkelheit und 4°C, doch recht entspannt unser 'Schwedenhaus'.

Im ruhigen Schaukeln des Busses ließ sich etwas Schlaf nachholen. Gegen 11.00 Uhr hatten wir die argentinische Grenze passiert, bald darauf auch das berühmte kilometerlange Niemandsland, diesmal wenigstens nicht zu Fuß. Wieder an der Grenze zu Chile. Alle raus aus dem Bus, inklusive Gepäck. Man reihte sich noch schlaftrunken-ergeben in die Menge der Einreisenden ein, den mittlerweile recht ramponierten Pass im Anschlag.

Nun die Schrecksekunde, die mich aus meinem Delirium riss. Ausgerechnet ich wurde von einer dicken Madame Grenzerin erkoren, meinen nicht minder prall gefüllten Rucksack doch jetzt bitteschön zu öffnen. Allseitige Begeisterung, ganz besonders meinerseits - Sie ahnen es.
Wissen Sie, es gibt diese Art von Aufmerksamkeit, auf die auch die größte Selbstdarstellerin sehr gerne verzichtet.

Zur ohnehin bereits unschönen Packerei – nun dazu öffentlich, unter vielen neugierigen Augen – gesellte sich nämlich jetzt noch die Angst, wegen irgendwelcher Souvenirs Ärger zu bekommen. Bei Teilen davon, etwa aus gewissen Baumfrüchten geschnitzten, hübschen Gefäßen, waren wir uns nämlich beide nicht soooo ganz sicher, ob sie einreisetechnisch soooo ganz in Ordnung waren.
Und, wissen Sie, was (nach langer Suche und zu meiner großen Erleichterung) letztlich den Stein des Anstoßes bildete? So ein gelhaltiger Cooling Pack, der dem Scanner nicht gefallen hatte. Können Sie sich vorstellen, wohin ich den Kollegen Beamten das Kühlgel am liebsten …. ??!
Neeein,... alles in Ordnung. Brav wieder einpacken. Cool down!

Zur Mittagszeit Ankunft in Puerto Natales.

Der Ort wird in allen gängigen Reiseführern als ‚Tor zum Torres del Paine-Nationalpark‘ gepriesen. Mehr noch, so klärte Pauli mich auf, sei es sogar vorgeschrieben, für einen mehrtägigen Ausflug in den Park schon hier die benötigte Anzahl an Übernachtungen in einem der offiziellen Camps zu buchen. Denn wildes Campen sei verboten.
Eine erste Dependance des Reiseanbieters namens „Fantastico Sur“ war am Busbahnhof problemlos gefunden, allein, der Mitarbeiter dort verwies uns an sein Büro in der Innenstadt. Welches, jetzt zum Samstagmittag – genau! - bereits im Begriff war, zu schließen. Um erst am Montag wieder zu öffnen. Oh je!
Natürlich waren wir nicht so weit gekommen, um jetzt kampflos aufzugeben. Es musste einfach klappen!!!
Ein vollbepackter Marsch in die Stadt hätte deutlich zu lange gedauert, die Taxis hier dümpelten fahrerlos in der Mittagssonne. Prima

Da plötzlich erklärte sich draußen ein Herr, der uns unsere Verzweiflung wohl deutlich ansah, bereit, uns in die Stadt mitzunehmen. Awwww... wie nett!
Kurz vor Ladenschluss plumpsten wir überglücklich regelrecht in die Sessel des Reisebüros. Ein weiterer glücklicher Umstand bescherte uns gerade noch die letzten beiden, wenn auch mit 240 $ nicht gerade günstigen Übernachtungsplätze, in dem von uns favorisierten "Camp El Chileno"!

Mehr Glück als Verstand – Sie wissen schon.

Nun konnten wir uns endlich auch beruhigt der Suche nach unserem hiesigen Quartier widmen. Die Straßen von Puerto Natales sind streng in Reih und Glied angeordnet – des Stadtplans bedurfte es nach kurzer Zeit nicht mehr.
Mit dem 'M y M Guest House' erwartete uns diesmal eine, sogar nach Jugendherbergsmaßstäben, ausgesprochen spartanische Unterkunft. Aber was soll‘s - in Dach über dem Kopf, zwei Betten, Gemeinschaftsklo und -dusche, Esstisch, Wasserkocher. Was will man denn mehr. Im Überfluss gab es hingegen Fernseher, die den ganzen Tag das Haus beschallten. Bei diesem schien es sich übrigens um einen Familienbetrieb zu handeln, dessen Mitglieder auch irgendwie alle hier wohnten. Zumindest traf man an und um die kleine „Rezeption“ ständig jemanden anders an. Man erklärte sich dann freundlicherweise bereit, wenn wir wollten, uns zwei Betten frisch zu beziehen.
Ähm ... ja gerne!

Frisch war es auch draußen, richtig knackig kühl, trotz des Sonnenscheins und des –eigentlich- hier herrschenden Hochsommers. Ein Blick auf die Karte machte unseren unweigerlichen Kurs Richtung Antarktis deutlich - die knapp 20.000 EW-Stadt ist Teil der Región de Magallanes y de la Antártica Chilena!
Und das ist halt genauso kalt, wie es klingt.

Mein Rucksack hat gleich einen neuen Freund gefunden! Wie ähnlich sie sich doch sehen....

Mein Rucksack hat gleich einen neuen Freund gefunden! Wie ähnlich sie sich doch sehen....

Ansonsten wird mir Puerto Natales

als ausgesprochener Künstlerort in Erinnerung bleiben.
Die Kunstbegeisterung der Chilenen war uns ja in Santiago bereits aufgefallen. Eine äußerst liebenswerte Eigenschaft!
Bereits einige Meter neben unserer Herberge säumte ein schier endloses, eindrucksvoll farbenprächtiges Gemälde eine ganze Mauer entlang der Straße. Es ist anzunehmen, dass hier ein gewisser Abriss chilenischer Geschichte dargestellt war.
Den nächsten echten Hingucker bildeten einige große Skulpturen an der Uferpromenade sowie zwei stählerne Figuren, die wie Tanzende über dem Hafenbecken schwebten!
Das Ganze gipfelte in einer Sammlung ganz unterschiedlicher, jede auf ihre Art interessanter Plastiken, die in einer wohl stillgelegten Fabrikhalle unweit des Hafens wunderschön in Szene gesetzt worden waren.

Minions, oder...?

Minions, oder...?

Gegen den Wind konnten auch die Sonnenstrahlen nichts ausrichten. Das Thermometer zeigte 9°C an diesem Nachmittag, es fühlte sich jedoch richtig eisig an. Vom Eisgenuss in einem der örtlichen Supermärkte hielt uns das natürlich trotzdem nicht ab. Obwohl es mit dem argentinischen 'Helado' nicht mehr mithalten konnte.

Chilenische Supermärkte sind von Aufbau, Größe und Sortiment her denen in Deutschland vergleichbar, wobei hier einheimische Produkte weit überwiegen. Bei Obst, Gemüse und den Weinen habe ich sogar ausschließlich Regionales entdecken können. Was kein Schaden ist!! Im Wurstregal beschmunzelten wir dagegen auch den einen oder anderen vertrauten deutschen Begriff.

Neben diversen Spezereien fürs Abendessen hatten wir uns auch etliches für den kommenden Ausflugstag besorgt. Und zwar trotz der erwarteten Vollverpflegung im Camp! Sicher ist sicher.

Geschnürt wurde für die kommenden beiden Tage übrigens nur kleines Marschgepäck; unsere großen Rucksäcke durften wir gegen ein kleines Entgelt im Hostel zurücklassen. Bestens bewacht, wie uns versichert wurde!
Sicher ist sicher. Genau.

© Diana & Pavla, 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Eine Idee, zwei Frauen, drei Wochen, viertausend Kilometer - und wieder zurück. Ein kleines, feines Abenteuer zwischen Santiago und Feuerland.
Details:
Aufbruch: 28.01.2018
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 21.02.2018
Reiseziele: Chile
Argentinien
Der Autor
 
Diana & Pavla berichtet seit 12 Wochen auf umdiewelt.
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