Patagonien - Auf der Straße nach Süden

Chile-Reisebericht  |  Reisezeit: Januar / Februar 2018  |  von Diana & Pavla

Teil 22 - Auf den Spuren berühmter Weltreisender

17.02.2018 Wie vielen kühnen Forschern

und großartigen Entdeckern verdanken wir es, wie vieler furchtloser Abenteurer bedurfte es, wie viel Wissen, Wagnis und Ingenieurskunst waren im Laufe der Zeit nötig, um es uns heutigen Menschen zu ermöglichen, ganz selbstverständlich von einer Seite der Erde auf die andere zu reisen, mehr noch, wenn man so will - zu den Tiefen der Meere, zum Mond, ins unergründliche Universum?

Derlei Dinge haben mich schon immer fasziniert, daher genießen geniale Konstrukteure, Erfinder und Abenteuerreisende meine absolute Bewunderung.

Und jede Zeit brachte ja ihre Pioniere hervor, die noch etwas mehr wussten, mehr vermochten, sich mehr zutrauten, beharrlicher waren - oft todesmutig, oft rücksichtslos, oft belächelt oder gar für verrückt erklärt.
Die unter großen Verlusten scheiterten und starben oder als eben Helden gefeiert wurden.
Nun, manchmal auch alles zugleich.

Genau einem solchen Visionär der Geschichte ist diese Meeresstraße hier gewidmet, demjenigen, der sie 1520 zufällig entdeckte: Ferdinand Magellan.

Er initiierte vor 500 Jahren die erste historisch belegte Umsegelung der Welt.
Mit 5 Schiffen startete man von Andalusien aus in westlicher Richtung, durchquerte den Atlantik, als erste Europäer den Pazifik, den indischen Ozean und kehrte, vorbei an Afrika, nach 3 Jahren und mit nur noch einem einzigen Schiff wieder nach Spanien zurück.

Eine Weltumrundung als solche war überhaupt nicht geplant gewesen, lediglich die Suche eines Westwegs nach Indonesien.
Sie begann mit 1 Jahr Verzögerung und Ausrüstung für nur 2 Jahre.
Von den etwa 250 Mann Besatzung überlebte nur rund ein Zehntel das Abenteuer, ja, und auch Magellan selbst nicht. Er war bei Kämpfen auf den (heutigen) Philippinen gefallen.
36 Jahre alt war er da.

Warum ich Ihnen all das erzähle?

Nun, es verhält sich so:
Unweit der Innenstadt befindet sich das kleine private "Museo Nao Victoria" mit einer geradezu perfekten 1:1- Nachbildung von Magellans einzigem zurückgekehrten, die Weltumsegelung damit wirklich vollendeten Schiff.
Was ich Ihnen wirklich gerne ans Herz legen möchte!

Die Möglichkeit, diese berühmte „Nao Victoria“ hier ins Detail selbst zu erkunden, machte alles - die Größenverhältnisse, die Umstände, die Entbehrungen, diesen ganzen Wahnwitz des damals wie heute gigantischen Unterfangens vielleicht zumindest ein wenig begreifbarer.

Was soll ich Ihnen sagen – sogar an Land hätte ich selbst es darin kaum 3 Tage ausgehalten. Doch hier lebten die Seeleute fast 3 Jahre, bei Enge, schlechter Ernährung, Seegang, Wind und Wetter? Unvorstellbar.

27 Meter lang, 7 Meter breit - ein echtes Highlight

27 Meter lang, 7 Meter breit - ein echtes Highlight

Und das war natürlich erst der Anfang der großen Weltreisen!

Und so durften wir hier ebenso auch die nicht minder detailverliebte begehbare Replik der 1831 mit Robert FitzRoy und Charles Darwin zur großen Expedition aufgebrochenen HMS Beagle bewundern.

Diese 5 Jahre andauernde Forschungs- und Vermessungsreise führte von England an die südamerikanischen Küste, durch die Magellanstraße zu den Galapagosinseln - hier gewann Darwin das Wissen, aus dem er später seine bedeutende Evolutionstheorie entwickelte - und über Neuseeland wieder zurück.

Für mich erstaunlich: Dieses Schiff war zwar deutlich größer, aber für meine Begriffe keineswegs wesentlich komfortabler als die Nao Victoria - und das immerhin rund 300 Jahre später!! Kein Wunder, dass es dem großen Naturwissenschaftler an Bord erst einmal hundeelend ging.

ich war ganz brav, bitte nicht einsperren!!

ich war ganz brav, bitte nicht einsperren!!

Wissen Sie, man mag von diesen bahnbrechenden Forschungsreisen halten, was man will.
Gerade der einheimischen Bevölkerung der entdeckten und anschließend eroberten Gebiete (wie gestern erst auf Feuerland gesehen) bescherten sie meist viel Leid und in der späteren Entwicklung auch der Tier- und Pflanzenwelt etliche negative Folgen.
Sie haben uns aber auch unschätzbares Wissen über wesentliche Zusammenhänge auf unserer Erde und viele positive Erkenntnisse gebracht - und unbestritten unser ganzes heutiges Leben beeinflusst.

Wie auch immer - dem Umstand, dass es unsereins heutzutage möglich ist, so angenehm - und beinahe ungehindert - die Welt zu bereisen, empfinden wir beide einfach als großartig!

All den Galileis, da Vinci's, Magellans, Lilienthals, Weißkopfs, Benz's, Lindberghs und anderen Unerschrockenen dieser Welt sei Dank!

© Diana & Pavla, 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Eine Idee, zwei Frauen, drei Wochen, viertausend Kilometer - und wieder zurück. Ein kleines, feines Abenteuer zwischen Santiago und Feuerland.
Details:
Aufbruch: 28.01.2018
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 21.02.2018
Reiseziele: Chile
Argentinien
Der Autor
 
Diana & Pavla berichtet seit 12 Wochen auf umdiewelt.
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