Abenteuer Amazonas

Peru-Reisebericht  |  Reisezeit: Januar 2020  |  von Beatrice Feldbauer

Dschungeltour

Um neun holt uns unser Guide Davis im Hotel ab. Mit dem Taxi fahren wir nach Nauta. Wie oft bin ich diese Strasse schon gefahren. Die längste Strasse von Iquitos. Knapp 100 Kilometer bis Nauta.

Pablo und Teresa sind vor ein paar Tagen bereits zur Lodge aufgebrochen, um alles für unseren Besuch vorzubereiten. Keyla arbeitet auf der Bank. Die Lodge läuft also wohl nicht gut genug, dass sie davon leben könnte.

In Nauta steht das Boot bereit, das uns hinaus in den Dschungel bringen wird, doch vorher besuchen wir noch den kleinen Markt. Davis weiss über viele Angebote interessantes zu erzählen und wir kaufen noch ein paar Früchte ein. Dicke kleine Apfelbananen zum Beispiel.

Cocona

Cocona

Als wir zurück zum Hafen kommen, der wie immer mit Booten überstellt ist, und an dessen schlipfrigem Ufer man aufpassen muss, nicht ins Wasser zu fallen, ist unser Gepäck bereits verstaut. Und auch alles andere, was wir mitgebracht haben. Auch Eis wurde gekauft und in der grossen Styroporkiste ins Boot gebracht. Wir konnen losfahren. Es ist eines dieser typischen langen schmalen Boote gebaut aus rohen Holzbrettern, grob mit Farbe bemalt und mit einem Dach aus Palmblättern. Mit einem Peque peque-Motor, diesem Motor mit der langen Stange, mit der es der junge Bootsführer lenkt und antreibt. Früher hatte ich selber so ein Boot, ja es gab Zeiten wo wir drei verschiedene Boote besassen, doch sie sind wie alles hier im Dschungel dem Verfall zum Opfer gefallen. Es gibt nicht vieles, was hier der Natur stand hält. Die Metallboote oder die schnellen Polyesterboote vielleicht, doch auch diese sehen schon sehr bald wie abgetakelte Nussschalen aus.

Dieses Boot ist gemietet. „Es gibt genug Boote in Nauta, die man mieten kann“, hatte mir Keyla schon vor vier Jahren versichert. „Es ist nicht nötig, dass man selber ein Boot hat, auf das man immer aufpassen muss“. Das scheint mit vernünftig zu sein. Vor allem, wenn der Bedarf nicht so gross ist.

Abschied von der Zivilisation

Abschied von der Zivilisation

Wir fahren den Maranon hinunter, aber zu meiner grossen Verwunderung brauchen wir nicht bis zur Vereinigung mit dem Ucayali zu fahren. Bei steigendem Wasserstand gibt es einen Kanal zwischen den beiden Flüssen, der die Fahrt verkürzt. Dadurch kommen wir allerdings nicht beim Dorf Castillo vorbei, das wie meine Lodge im Laufe der Zeit zum grössten Teil dem reissenden Ucayali zum Opfer gefallen ist. Man muss die ständig sich ändernden Wasserwege gut kennen, wir fahren teilweise durch Wasserpflanzen, die wie eine grüne Wiese aussehen. Hier steht das Wasser noch nicht sehr tief.

Wir erreichen den Ucayali und überqueren den breiten Fluss, der auch heute eine starke Strömung hat. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Yarapa-River und schon bald erreichen wir unser Ziel: die Fuente del Amazonas Lodge.

„Hola, Hooooolaaaa“ ruft es uns entgegen. Teresa schwenkt eine riesige Schweizerfahne. Pablo strahlt über das ganze Gesicht. „Bienvenidos en la Fuente, bienvenidos amigos.“ Die Freude ist riesengross und der Stolz ist in ihren Gesichtern zu lesen. Sie haben mich überrascht. Mit einer wieder aufgebauten Lodge. Zweistöckig sogar.

Der Eingangsbereich braucht noch etwas Ordnung, hier wird der Guide schlafen. Oben ist der Schlafbereich für die Familie. Die Küche hinten dient im Moment noch als Lager für alles Material, das noch nicht verbaut wurde.

Der Comedor ist gleichzeitig auch der Hängemattenraum. Die Tische sind mit Tischtüchern gedeckt, in der Sitzecke steht das Büchergestell mit all den Büchern, die ich über die Jahre gesammelt habe. Alles was ich über Regenwald, Dschungel, Amazonas oder Wälder gefunden habe. Dazu Erlebnisberichte und Romane über den Regenwald. Und jede Menge Reiseratgeber über Peru. Sie sind etwas mitgenommen und das eine oder andere Buch wird wohl fehlen, aber mit all den Umzügen und vor allem der Luftfeuchtigkeit hier in der Selva ist das kein Wunder.

Terese hat den Raum mit grossen Palmwedeln geschmückt und ich bin tatsächlich sehr überrascht, wieviel von meinen Ideen sie wieder übernommen haben. Auch mein Kanu, das als Waschbecken dient, wurde wieder montiert.

Zwei Bungalows gibt es. Sie sehen aus, wie früher. Rund und mit Dusche/WC. Und mit den inzwischen etwas mitgenommenen Wandbehängen und den Vorhängen mit dem typischen schwarzweissen Druck. Es gibt Ablageflächen und Kleiderbügel und einen Tisch im Zimmer. Ich bin beeindruckt. Auch wenn ich nicht weiss, was ich eigentlich erwartet hatte.

„Macht euch frisch, nehmt eine Dusche, legt Euch in die Hängematte, nach dem Mittagessen machen wir einen Ausflug mit dem Boot,“ Davis gibt erste Instruktionen, während Teresa mit ihrer Schwester Clothilde sich in der Küche zu schaffen machen. Sie müssen erst die Lebensmittel auspacken, die wir mitgebracht haben. In einer Stunde gibt es Mittagessen.

Mitgekommen sind auch Diego und Luana. Beide haben ihre neuen Begleiter Felipe und Listo mitgenommen.

Wir legen uns also erst einmal in die Hängematte und geniessen die Atmosphäre, die Geräusche des Waldes, den Duft, die Wärme, das leise Schaukeln.

Zum späten Mittagessen gibt es gekochten Fisch. So wie ich ihn mag. Mit der Sosse aus Tomaten und Gewürzen. Dazu Reis, gekochten Yucca und Salat. Und einen frischen Camu-Camu-Saft. Das sind die kleinen runden Früchte, die es vor allem hier am Amazonas gibt.

Danach setzen nehmen wir die Gummistiefel in Empfang, stülpen uns die Regenschutz über und setzen uns in das kleine Boot, das vor der Lodge angebunden ist und Pablo fährt uns zurück auf dem Yarapa-River Richtung Ucayali. Davis erzählt vom Regenwald, zeigt auf einzelne Bäume, macht uns auf Details am Ufer aufmerksam.

„Da drüben sind Fledermäuse“, sagt er und weist über den Motorenlärm Pablo den Weg hinüber auf die andere Flussseite. „Fledermäuse?“ „Ja, es sind 4 oder 5, seht nur, die grauen Flecken am Stamm.“ Ich kann einen abgebrochenen Baumstamm im Wasser erkennen. Mit Löchern drin. Aber beim besten Willen sehe ich keine Fledermäuse. Kann mir auch gar nicht vorstellen, wie die aussehen könnten. Wir sind alle drei ziemlich ratlos und versuchen den Stamm mit den Augen und den Kameras abzuscannen. Erst als wir bis auf einen knappen Meter davor sind, sehen auch wir die Tiere, die kopfüber am Stamm hängen und mit schwarzen Kulleraugen die Umgebung beobachten.

Fünf Fledermäuse am Baumstamm, wie um alles in der Welt kann man die vom anderen Flussufer her sehen?

Fünf Fledermäuse am Baumstamm, wie um alles in der Welt kann man die vom anderen Flussufer her sehen?

Es sind tatsächlich winzige Fledermäuse, die da kopfüber hängen.

Es sind tatsächlich winzige Fledermäuse, die da kopfüber hängen.

"Es gibt fünf verschiedene Fledermausarten hier am Amazonas*, Davis weiss sehr viel über diese Tiere zu erzählen. Diese kleinen fressen vor allem Moskitos. Die grösste Art frisst sogar Fische.

Später entdeckt er einen Affen in den Ästen. still liegt er auf einem Ast und eigentlich kann man ihn gar nicht sehen, so gut versteckt er sich mit seinem dunklen Fell und dem grauen Gesicht im Geäst.

Die nächsten Affen verhalten sich da schon viel auffälliger. Es sind lustige Kletteraffen. Spyder Monkey und Wolly Monkeys. Sie springen durch die Bäume am Ufer und beäugen uns neugierig. Sogar einen schwarzen Brüllaffen sehen wir. Schade brüllt er uns nicht an, sein Organ ist ohrenbetäubend. Er sitzt etwas versteckt hinter den Blättern. Ein schwarzer Fleck im Baum.

Auch das nächste Tier ist von Auge sehr schwer auszumachen und für die Kamera ganz und gar unsichtbar. Nur mit dem Fernglas kann man es sehen. Das Faultier. Es ist ein Weibchen, erklärt Davis, Männchen haben einen prägnanten orangen Streifen auf dem Rücken. Nach einem erneuten Blick ins Fernrohr verkündet er Es hat ein Baby bei sich.

Leider hängt es viel zu weit hoch oben im Baum und da wird es wohl auch die nächsten Tage bleiben, denn Faultiere sind träge, langsam und steigen in der Regel nur einmal pro Woche von ihrem Baum.

Auch wenn wir das Tier nicht richtig erkennen können, so ist es eben doch immer wieder faszinierend, Tiere in ihrer angestammten Umgebung anzutreffen.

Wollaffe

Wollaffe

Spyder Monkey - Spinnenaffe

Spyder Monkey - Spinnenaffe

Jetzt erreichen wir den Ucuyali. Hier stellt Pablo den Motor ab, wir wollen Delphine beobachten. Die seltenen rosa und grauen Flussdelfine. Bufeo genannt.

Davis erklärt den Namen. Buf kann man hören, wenn die Tiere kurz die Wasseroberfläche durchstossen und Luftaustossen. Buf. Und schon sehen wir einen. Nur kurz, nur eine Schwanzflosse und gleich ist er wieder verschwunden. Dann sind es zwei, die kurz hintereinander autauchen. Buf.

Feo ist das spanische Wort für hässlich. Das scheint nicht ganz gerecht zu sein, denn die Tiere hässlich zu bezeichnen ist schon sehr hart. Aber im Gegensatz zu den eleganten ewig lächelnden Meeresdelfinen sind sie tatsächlich nicht sehr hübsch. Der Bufeo hat einen langen schnabelartigen Mund der mit einem Buckel vom Körper absteht. Der rosa Delfin erinnert an einen jungen Mann und darum gibt es im Dschungel ganz viele Legenden zum Bufeo.

Es heisst, er verwandle sich des Nachts in einen jungen hübschen Mann, der vedie Frauen verführt. Wenn es ihm gelingt, versucht er, die Frau mit in sein nasses Reich zu holen. Oder er bleibt mit der Frau und steigt in ihre Hängematte. Allerdings nur nachts, tagsüber kehrt er zürick ins Wasser, denn sobald die Sonne die Erde erhellt, wachsen ihm seine Flossen.

Jedenfalls ist es eine gute Erklärung für Kinder, die ohne Vater geboren werden. Und wenn sie nicht zu viele Gene von ihrem schönen Vater bekommen haben, wachsen sie als normale Kinder auf. Wenn nicht, drängt es sie zurück ins Wasser...

In meiner kleinen Dschungelbibliothek hatte ich ein Buch mit vielen Legenden aus dem Regenwald. Von jungen Männern, wehrhaften Amazonen, Gnomen, die Menschen im Dschungel verwirren und in die Irre führen. Leider ist das Buch im Laufe der Umzüge verloren gegangen, jedenfalls habe ich es vorhin nicht mehr gefunden.

Es ist ein wunderbarer Abend. Die Dämmerung bricht hinein, der Himmel leuchtet und wird vom Wasser zurück geworfen. Über uns segeln Vögel, sie jagen hoffenlich die Mücken, die uns immer wieder attakeiren, neben uns im Wasser taucht immer mal wieder eine Rückenflosse auf und verschweindet gleich wieder. Buf.

Pablo startet den Motor. ich letzten Licht des Tages fahren wir den Yurimaguas zurück. Die Bäume am Ufer sind nur werfen ihre schwarzen Schatten auf das Wasser. Als wir die Lodge erreichen ist es komplett dunkel geworden. Vertraut leuchtet das Licht aus dem Comedor.

Teresa serviert das Nachtessen: geräuchertes Schweinefleisch mit Reis und fritierte Yucca. Dazu Salat und zum Dessert frische Früchte.

Nach dem Essen legen wir uns noch kurz in die Hängematte. Als Davis kommt, um uns für eine Nachtexpedition abzuholen, winke ich ab, ich ziehe mich in meine Bungalow zurück.

Die anderen fahren noch einmal hinaus, aber trotz allen Bemühungen von Davis, sie können keine leuchtenden Augen von Krokodilen am Ufer des Flusses entdecken. Dafür erwartet sie bei der Rückkehr ein riesiger Frosch beim Eingang der Lodge.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach vier Jahren kehre ich zurück nach Iquitos, wo ich mit Hilfe von Einheimischen eine Lodge geführt habe. Ich werde Freunde besuchen und freue mich auf neue Begegnungen.
Details:
Aufbruch: 04.01.2020
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 31.01.2020
Reiseziele: Peru
Der Autor
 
Beatrice Feldbauer berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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