Abenteuer Amazonas

Peru-Reisebericht  |  Reisezeit: Januar 2020  |  von Beatrice Feldbauer

Boogie Woogie

"Wir sind im Hotel", ich drehe mich auf die andere Seite, es muss gegen drei Uhr sein.

Am Morgen bin ich endlich wieder fähig, mich dem Blog zu widmen. Ich meine richtig, In meinem Kopf haben sich einige Kapital aufgestaut. Ich bin fast eine Woche im Rückstand.

Ich muss was ändern im Aussen, damit es drinnen auch wieder besser wird. Also bestelle ich Rührei, statt Spiegeleier. Zugegeben, die Veränderung ist minim, aber sie scheint schon zu wirken. Aus dem Lautsprecher ertönt Boogie Woogie. Das verspricht einen beschwingten Tag. Walter ist zurück und sitzt an seinem angestammten Platz bei der Bar. Trudi, die junge Hündin liegt wieder am Boden. In den letzten Tagen hatte sie den Platz ihres Chefs eingenommen und sich auf seinem Stuhl eingekuschelt.

Ich verbringe den Vormittag mit Schreiben. Intensiv und trotz steigenden Temperaturen. Es scheint, dass es heute richtig heiss wird. Leute trudeln ein, es wird wieder ein geschäftiger Tag werden.

Ich lasse mich nicht beirren, bin am Schreiben. Am Mittag verziehe ich mich ins Zimmer, stelle den Ventilator auf die höchste Stufe und fange ein neues Buch an zu lesen

Eine kleine sympathische Liebesgeschichte, die mich irgendwo nach Frankreich versetzt. Genau das richtige für einen heissen Tropentag. Draussen fahren die Motorroller vor, der Parkplatz füllt sich.

Eigentlich wollte ich noch ins Pilpintuwasi, ein paar Schetterlinge fotografieren, das kann auch helfen, meine Laune oben zu halten. Also gehe ich am Nachmittag hinaus, halte ein Mototaxi an.

"Hace bastante calor hoy", meint der Fahrer. Ja, es ist sehr heiss heute, wenn das der Einheimische schon so sagt, dann ist es tatsächlich heiss. Hier interessiert niemand, wieviele Grad es hat, hier gibt es calor, bastante calor oder caloroso oder eine andere Variante. Mein Handy sagt mir, dass es heute 35 Grad sind. Auf dem Mototaxi kühlt der Fahrtwind. Allerdings weht der auch den Sand ins Gesicht, ich bin froh, dass ich eine Brille trage, so habe ich mit den Augen keine Probleme. Nur den Mund sollte man nicht immer offen haben, sonst knirscht es plötzlich zwischen den Zähnen.

Weiter geht es mit dem Boot. Das liebe ich, Mit dem Boot unterwegs sein. Carlos heisst mein Chauffeur. Er meint, es wäre besser, mit dem schnelleren Motorboot zu fahren, statt mit dem langsamen PequePeque, denn das Pilpintuwasi schliesst in einer guten Stunde.

"Ich möchte keine Tour heute, ich möchte nur ins Schmetterlingsgehege zum fotografieren." Ich erkläre der jungen Praktikantin, dass ich schon oft hier war und dass ich Gudrun, die österreichische Besitzerin des Ortes persönlich kenne. Und dann stellt sich heraus, dass die Praktikanten aus Deutschland kommt und ich mir die spanische Erklärung hätte sparen können.

Ich bin also voll motiviert, mich auf die Schmetterlinge einzustellen. Ausgestattet mit genügend Geduld, und ungestört um zu warten, bis die Flattervögel ihre Flügel ausbreiten.

Ja, ich bin bereit, aber die Schmetterlinge durchkreuzen meine Pläne. Und zwar auf der ganzen Linie. Sie sind am Futtertrog. Für sie ist anscheinend grad Apero-Time, Pisco-Sour. Sie bewegen sich kaum, Unbeweglich saugen sie den Nektar aus den vergärten Früchten. Ich stehe mit schussbereiter Kamera, der Schmetterling steht mit geschlossenen Flügeln. Auge in Auge stehen wir uns gegenüber. Es ist heiss im Gehege. Der Schweiss rinnt mir in Sturzbächen von der Stirn. Si, hace bastante calor.

Ich bin schon fast erleichtert, als die Praktikantin kommt und sagt, dass das Pilpintuwasi gleich schliesst. Also packe ich zusammen und geniesse die Rückfahrt mit dem kühlen Wind im Gesicht.

Wir fahren vorbei an der Grossbaustelle. Hier wo die grosse Brücke entsteht. Ich glaube, das wird eine grosse Veränderung geben. Vielleicht fährt man in Zukunft nicht mehr mit dem Boot zum Pilpintuwasi oder zu den Boras und den Yahoas. Vielleicht fährt man in Zukunft direkt mit dem Mototaxi. Die Brücke wird gewaltig. und überbrückt grosszügig den ganzen Rio Momon.

Übrigens gibt es über den gesamten Amazonas keine einzige Brücke. Ich habe in Google Earth den ganzen Fluss abgesucht. Iquitos liegt nur an einem Ufer, braucht also keinen Übergang. Auch in Manaus, der anderen grossen Stadt im Amazonasgebiet gibt es nur eine Brücke über den Nebenfluss, den Rio Negro, aber keine Brücke über den Amazonas und das Delta bei der Einmündung ins Meer ist eh viel zu breit für eine Brücke. Vielleicht ist damit dieser Fluss der einzige der Welt über den keine Brücke führt. Und dabei gilt er, zusammen mit dem Nil als längster Fluss mit gegen 6'900 km Länge.

auf dem kleinen Markt von Nanay gibt es immer etwas zu entdecken. Heute sind es Pekan-Nüsse. Habe nicht gewusst, wie die wachsen.

auf dem kleinen Markt von Nanay gibt es immer etwas zu entdecken. Heute sind es Pekan-Nüsse. Habe nicht gewusst, wie die wachsen.

Glücksanhänger von Victoria...

Glücksanhänger von Victoria...

... und Traumfänger von Leo und Mirna Luz unseren Helfern bei den Yahuas.

... und Traumfänger von Leo und Mirna Luz unseren Helfern bei den Yahuas.

im La Notte ist Happy Hour...

im La Notte ist Happy Hour...

ich fahre an den Bulevard, besuche Victoria. Ich möchte, dass sie mir ein paar von ihrer Anhänger fotografiert. Ich will sie ins Facebook stellen, vielleicht bestellen ein paar Freunde einen. Jetzt ist letzte Gelegenheit.

Zum Essen gehe ich oben auf die Terrasse vom La Notte und beobachte das Geschehen unter mir. Shipivo-Frauen breiten ihre bemalten und bestickten Decken aus. Je länger ich ihnen von oben zusehe, je sicherer bin ich, dass ich doch noch etwas für die Lodge tun könnte. Bevor ich mit dem Mototaxi zurück fahre, kaufe ich ein paar Wandbehänge. Sie werden sich gut machen in den neuen Bungalows, die Pablo in den nächsten Wochen bauen wird.

Es macht Spass, etwas Schönes zu kaufen.

Es gibt Neuigkeiten aus Arequipa. Noch heute morgen hatte ich meiner FB-Freundin Karen geschrieben. Sie arbeitet im Restaurant Terrasse neben der Kathedrale und betreut da die Gäste. In ihrer wunderschönen Tracht ist sie nicht zu übersehen und sie strahlt einfach nur gute Laune aus.

Das Terrasse ist das ideale Restaurant für die Zeit des Sonnenuntergangs. Hinten sinkt die Sonne über der Stadt, während vorne die Kathedrale immer mehr in der Beleuchtung erstrahlt Vorausgesetzt, die Sonne scheint erlebt man hier oben eine magische Stunde.

"Ich schicke dir heute zwei Freunde, bitte pass gut auf sie auf."
"Ich bin hier wie immer, freue mich auf deine Freunde."

Später am Abend kommt die Bestätigung. Eveline und Peter mit Karen und die Bemerkung: "Morgen gehen wir mit Karen auf den Markt, Ponchos kaufen."

Na also, geht doch. Irgendwie hab ich immer noch Boogie Woogie im Ohr.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach vier Jahren kehre ich zurück nach Iquitos, wo ich mit Hilfe von Einheimischen eine Lodge geführt habe. Ich werde Freunde besuchen und freue mich auf neue Begegnungen.
Details:
Aufbruch: 04.01.2020
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 31.01.2020
Reiseziele: Peru
Der Autor
 
Beatrice Feldbauer berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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