Abenteuer Amazonas

Peru-Reisebericht  |  Reisezeit: Januar 2020  |  von Beatrice Feldbauer

Mehr lächeln

Beim Frühstück reden wir übers Fotografieren und dass es bei unseren vielen Schnappschüssen nicht ausbleiben kann, dass die eine oder andere mal mit einem mürrischen Gesicht abgelichtet wird. Und das, obwohl wir zur Zeit tatsächlich keinen Grund haben, mürrisch oder unwirsch zu sein. Man müsste einfach mehr lächeln, ist die Essenz der Unterhaltung und darum nehme ich das als Thema des Tages: Mehr lächeln. Das hilft übrigens nicht nur für bessere Fotos, sondern ganz allgemein für ein gutes Gefühl. Lets smile.

Alex bringt uns zum Flugplatz und zeigt uns, wie hier um jeden Zentimeter gekämpft wird, denn in der Stadt ist heute Morgen ziemlich intensiv. Wenn eine Spur fehlt, wird einfach eine eröffnet, indem man sich zwischen zwei Wagen zwängt, einem anderen der Vortritt abschneidet, sich vordrängt, Gas gibt, statt zu Bremsen. Und alles immer hochkonzentriert. Und fast ohne Hupen und auf jeden Fall ohne die Hände zu verwerfen, denn die müssen unbedingt am Steuer bleiben, um rasch auszuweichen, zentimetergenau hinter dem vorderen Auto zu bremsen, ein Schrammen mit dem Rückspiegel des vordrängenden Wagens zu vermeiden.

Immer dabei: Mono in Evelines Rucksack...

Immer dabei: Mono in Evelines Rucksack...

... und Felipe guckt keck aus meinem Rucksack.

... und Felipe guckt keck aus meinem Rucksack.

Wir erreichen den Flugplatz zur Zeit und es reicht noch für einen Kaffee bevor wir abheben. Es ist ein kurzer Flug, der uns in eine andere Welt bringt. Wir verlassen die Küste, überfliegen die schneebedeckten über 5000 Meter hohen schneebeckten Anden und landen nach einer Stunde in Tarapoto, das uns mit schwülheissen 30 Grad begrüsst. Und mit einer Meute von Mototaxifahrern, die ihre Dienste vor dem Flughafengebäude anbieten.

Schnell sind unsere Koffer in den Gepäckträgern verstaut und es geht zum Paradero, dem Standplatz der Taxifahrer. Hier sind die Koffer bereits in einem Taxi verladen, bevor ich auch nur aus dem Mototaxi ausgestiegen bin. Die Fahrten werden jeweils der Reihe nach verteilt, auch der Preis ist festgelegt. Man fährt los, wenn ein Wagen voll ist. Was wir natürlich gleich schaffen, wir können gleich losfahren. Vorher mache ich mit Berto, unserem Fahrer noch aus, dass wir beim Wasserfall, der etwas ausserhalb von Tarapoto liegt, einen Halt einlegen wollen.

Er legt von sich aus auch noch einen Halt ein bei einem Mirador. Aussicht über die Vegetation des Dschungels. Viel gibt diese Aussicht nicht her, aber es wieder einmal Gelegenheit für eine Gruppenfoto und die gelingt unserem Privat-Taxi-Fotografen und Guia doch ganz gut.

Die Legende von Ahuashiyacu werde ich gelegentlich nachliefern...

Die Legende von Ahuashiyacu werde ich gelegentlich nachliefern...

Kurz darauf halten wir beim kleinen Parkplatz an und bezahlen die paar Soles für den Eintritt zum Wasserfall. Bevor wir Berto mit all unserem Gepäck verlassen, mache ich noch eine Foto von ihm. Peter meint allerdings, der würde er jederzeit wieder erkennen und ausserdem wissen wir, wo er wohnt. Hat er doch, bevor wir losgefahren sind, noch einen kurzen Abschwenker zu seinem Haus gemacht. Da wir länger unterwegs sein werden, als die normalen 2 Stunden, geht er davon aus, dass er in Yurimaguas übernachten wird. Wahrscheinlich war in dem kleinen Paket, das er zu Hause geholt hat, sein Nachtessen - der der Pijama?

Ich spreche ihn auf seine Arbeit an. Die Fahrer versuchen, möglist viele Fahrten pro Tag zu bekommen. Wenn keine Passagiere mehr da sind, übernachten sie auf dem Parkplatz, im eigenen Wagen. Das ist ganz normal so. Eine Fahrt dauert gut 2 Stunden, manchmal etwas länger, je nach den Wünschen der Passagiere. Dann kostet aber auch der Preis etwas mehr.

Ein Kiosk, Toilleten, ein Schild und das Kassenhäuschen weisen darauf hin, dass es hier zum Wasserfall geht. Auf dem Weg begegnet uns eine Familie.

"Ist es kalt?" will ich wissen. "Siiiiiiii, conhelado" meint der Mann mit einem Grinsen. Eiskalt! "Pero ricissimo, vale la pena," strahlt seine junge Frau mit dem Kleinen an der Hand. Wunderbar, es lohnt sich.

Also steigen wir weiter hinan und erreichen bald einen zweiten Kiosk, Umkleidekabinen und den Wasserfall, der sich in ein kleines Becken ergisst. Es ist alles sehr schön naturbelassen und liegt wunderbar inmitten der exotischen Vegetation. Ein paar Schmetterlinge schwirren in der Luft und nach einigem Zögern liegen wir im kühlen Wasser, das sich nur im ersten Moment kalt angefühlt hat. Es ist wunderbar. Wir sind fast alleine hier, nur ein paar Einheimische und ein Fotograf, der Instantfotos verkauft, sind noch hier. Später kommt noch eine Familie dazu.

Unbeschreiblich, dieses Gefühl. Natürlich versuchen wir es, mit ein paar Fotos einzufangen, doch Bilder können immer nur ein kleinen Eindruck vermitteln. Und das mit dem Lächeln passiert hier ganz automatisch.

ja ich weiss, wir können das Handy kaum je aus der Hand geben - darum heisst es wohl auch so. 
Aber wenn wir nicht so wären, gäbe es diese Bilder nicht.

ja ich weiss, wir können das Handy kaum je aus der Hand geben - darum heisst es wohl auch so.
Aber wenn wir nicht so wären, gäbe es diese Bilder nicht.

Nutze den Moment, hat sich dieser Junge wohl gedacht. Wir haben dann noch ein Selfie ohne ihn gemacht, aber dieses ist witziger.

Nutze den Moment, hat sich dieser Junge wohl gedacht. Wir haben dann noch ein Selfie ohne ihn gemacht, aber dieses ist witziger.

Das Wasser ist beim Wasserfall bis zu 3 Meter tief, man kann also auch ein paar Züge schwimmen und ansonsten einfach nur geniessen. Manchmal fehlen mir dann einfach die Worte, das Gefühl zu beschreiben.

Nach einer Stunde sind wir zurück beim Parkplatz, wo Rita die ultimative Erfrischung entdeckt. Frische Kokosnüsse. Wie lange hat sie davon geträumt, versucht, in der Schweiz etwas auch nur annähernd ähnliches zu kaufen. Das gibt es eben nur in der Selva, respektive überall dort, wo die Kokospalmen wachsen.

Die Verkäuferin hackt die Nüsse auf, gibt einen Strohhalm dazu und Rita ist seelig. Anders kann man sie in diesem Moment gar nicht beschreiben. Als sie dann auch noch einen spontan geschnitzten Löffel dazu bekommt, hört man von ihr nur noch ein ganz leises Geniessen.

Wie man sieht, können auch die anderen geniessen, aber so hingebungsvoll wie Rita eben doch nicht.

Wie man sieht, können auch die anderen geniessen, aber so hingebungsvoll wie Rita eben doch nicht.

Wir fahren weiter, denn der Weg ist noch lang. Die Strasse windet sich über viele Kurven durch den Dschungel hinauf über einen Pass und über genauso steile enge Kurven wieder hinunter. Und immer wieder Baustellen, Schlaglöcher, die ihrem Namen alle Ehre machen, Teilstrecken, die sich gesenkt haben, schwere Sattelschlepper, die uns entgegen kommen, oder vor uns her fahren. Berto schafft sie alle, auch wenn manche Situationen etwas grenzwertig sind.

Gegen Abend erreichen wir Yurimaguas. Berto hat auf der Strecke mit einem Mototaxifahrer Kontakt aufgenommen - ein Vertrauensmototaxi-Fahrer, wie er versichert und für mich abgeklärt, wie unsere Fahrt weiter gehen könnte. Es scheint, dass meine Vorstellungen nicht ganz erfüllt werden können, aber ich vertraue darauf, dass sich eine Lösung findet, sobald wir angekommen sind.

Zuerst einmal beziehen wir unsere Zimmer in der kleinen Posada und ich vereinbare mit Juan, dem empfohlenen Fahrer, dass wir uns morgen treffen und das weitere Vorgehen besprechen werden.

Zuerst lockt uns aber der Pool. Später machen wir uns auf die Suche nach einem Lokal für ein feines Nachtessen. "Welches ist das beste Restaurant?" will ich von der Angestellten an der Rezeption wissen. Sie empfiehlt uns den Gourmet Palast, was schon vom Namen her alles verspricht.

Das Restaurant stellt sich als einfaches Lokal heraus. Aber es gibt eine riesige Speisekarte, die aber bei genauerem Hinsehen vor allem Reis mit verschiedenen Fleischsorten oder Gemüse und Nudelgerichte erweisen. Ich werfe einen Blick in die Küche und darf sogar einen Video machen. Leider kann ich den auf dieser Seite nicht zeigen. Im Facebook findet man ihn aber, dort findet man eh immer Ergänzungen zu meinem Blog. Bier gibt es hier allerdings nicht, aber auf mein hartnäckiges Nachfragen besorgt sich die Serviertochter zwei Flaschen in einem nahen Geschäft.

Wir bekommen riesige Portionen, die auch dem grössten Hunger nicht gewachsen sind und als kurz nachdem wir die Teller bekommen, ein alter Mann das Lokal betritt und um Essen bettelt, verschlägt es uns kurzfristig den Apetitt. Wir lassen aber am Schluss unsere reichlichen Überreste einpacken und der Wirt verspricht uns, dass der alte Mann das Essenspaket erhalten wird.

Auch der Mann, der mit seiner Gitarre für Unterhaltung sorgt, bekommt seine Portion Nudeln.

Frisch gestärkt machen wir noch einen Bummel zum Hauptplatz und kommen da mit einem netten Ehepaar ins Gespräch. Wir vereinbaren, uns morgen zu treffen.

Dann kehren wir auf den inzwischen ruhig gewordenen Strassen zurück zu unserem Hostal. Ein voll gefüllter Tag liegt wieder hinter uns.

ein dahin schmelzender "Schneemann"

ein dahin schmelzender "Schneemann"

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach vier Jahren kehre ich zurück nach Iquitos, wo ich mit Hilfe von Einheimischen eine Lodge geführt habe. Ich werde Freunde besuchen und freue mich auf neue Begegnungen.
Details:
Aufbruch: 04.01.2020
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 31.01.2020
Reiseziele: Peru
Der Autor
 
Beatrice Feldbauer berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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