Radl-Ferntour von Hamburg nach Feldolling

Deutschland-Reisebericht  |  Reisezeit: Juni / Juli 2014  |  von Andreas Rohbogner

29.6.2014: von Bad Salzdetfurth nach Bad Sooden-A.

Während der Nacht schon mal aufgewacht, vernahm ich ein unverwechselbares Geräusch. Als ich bei fortschreitender Morgendämmerung den Vorhang vorsichtig zurückzog und die Wasserpfütze auf dem Gehweg auf der anderen Straßenseite betrachtete, fiel mir die unruhige Oberfläche, hervorgerufen durch konzentrisch sich ausbreitende Wasserwellen auf: Regen - und das schon vor der Abfahrt - na toll...
Also mal keine Aufbrucheile provozieren und die Auflageseite gewechselt, um nicht "wund liegen zu müssen". Auch bei folgenden "Pfützen-Blicken" bestand die unruhige Wasseroberfläche. Nach reichlicher Verzögerung bin ich dann ohne zu frühstücken erst gegen 9:15 Uhr von der Unterkunft aufgebrochen.
Nach ca. 45 min Fahrtzeit dann gleich südlich der Ortschaft Sehlem die interessante Begegnung mit Claudia, die aus Mailand stammt und von dort mit dem Fahrrad in Richtung Nordkap gestartet ist. Da hatte ich zumindest "Nord-Feldolling" als Ziel...
Was bin ich da nur für ein "Bonsai-Fernradler", der schon davor zurückgeschreckt hat, von der nördlichsten (Flensburg) zur südlichsten Stadt der Republik (Berchtesgaden) zu radeln.
Aber schließlich ist sie ja auch nicht von Palermo aus losgetourt. Da bin ich schon ein bisschen von Dir enttäuscht, lb. Claudia
Nach einem ca. 5 min Gespräch auf englisch verabschiedete ich sie mit einem anfeuernden "Forza Claudia".
Meine Fahrt verlief dann weiterhin über Graste, Bad Gandersheim, Sebexen, Kalefeld und Edesheim bis Northeim und von dort weiter entlang der Leine über Nörten-Hardenberg bis Göttingen.
Normalerweise nehme ich ja davon Abstand, Städte mit dem Rad zu durchfahren, da die Orientierung und Verkehrsführung gerne mit viel Zeitverlust einhergeht. Göttingen war diesbzgl. jedoch ein Paradebeispiel, daß es auch anders gehen kann. Wie geschaffen für Durchreise-Radler, die lieber die Prärie sehen und Land gewinnen wollen !

Bis Göttingen war ja längere Zeit Regenpause (von gelegentlich versprengten Schauer-Tropfen mal abgesehen). Gleich südlich davon setzte dann aber ergiebiger Regen ein, der bis kurz vor Friedland anhielt. Und da Sonntag war, kamen mir auf dem Radweg ganze Scharen von Tagesausflüglern auf dem Weg zurück in die Stadt entgegen, denen der Ausflug versaut war. Mir war's egal, da ich seit der Abfahrt am morgen die Regenkleidung anließ. Und trotz des Regens hatte man eine gute Aussicht, da die Regenwolken nicht tiefliegend waren. Ich hatte mir vor der Tour vorgenommen, auch bei Regen zu lächeln. Und das tat ich auch, denn wenn man sich darüber ärgert, hört es deswegen auch nicht zu regnen auf.
Und: Ärger ist verlorene Zeit !

Aber auch den kann man nicht immer vermeiden:
Wer glaubt, daß ich immer frohgemut meiner Wege dahinrollte und stets Friede, Freude, Eierkuchen verspürte, der findet sich im Irrgang wieder !
Grund für - ich betone - gehäuftes inneres Blitzwetter und krachendes Donnergrollen:
Grottenschlechte Ausschilderung der Fahrwege. Dies ist noch gelinde ausgedrückt, wenn die Ausschilderung einfach fehlt, dann ist gro-schlecht fast noch ein lobender Stil. Warum ich einige "Paradestellen" nicht fotografiert habe, verstehe ich immer noch nicht, sie wären selbsterklärend gewesen.
Da gabelt sich z.B. in einer weitläufigen Talgegend in nördlichen Gefilden ein bestens ausgebauter, fernab vom Straßenlärm des Kraftverkehrs verlaufender Fahrweg unversehens in zwei Teile mit identischer Beschaffenheit und man kann einfach nicht feststellen, wo welcher Ast hinführt. Kein noch so kleines "sündteures" Hinweisschildchen vor Ort, nicht einmal ein auf den Fahrweg gesprühter Hinweis, wie wohin. Für Ortskundige problemlos, als Fernradler ist man aufgeschmissen, wenn kein Kundiger in der ist. Man ist dann u.U. "Gewinner" von unnötigen Umwegkilometern oder kann, was besonders nervt, wieder zurückfahren. Bei Einzelfällen kann man ja mal drüberwegsehen oder es kommt auch mal vor, daß man aus momentaner Unkonzentriertheit die oft vorhandenen Liliput-Schildchen übersieht. Wobei ich auch lobend erwähnen darf/muss, daß es auch mit Sternen ausgezeichnete Fernradwege gab, wo einem fast noch die zu fahrende Ideallinie auf dem Fahrweg angetragen wurde. Aber trotz der langen Tour waren die realen Ausschilderungsmängel einfach überproportional und deshalb der Appell an die Radwegplaner:
Es gibt noch viel zu tun, packt's an !

Ein anderes Ärgernis sind die vielen über weite Strecken nicht gerade ungefährlichen Aufbrüche der Radwege durch Wurzelwerk von Büschen und Bäumen entlang der Radwege, teils wirklich unnötig gepflanzt, nur weil's optisch schöner wirken soll. Diese betroffenen Wege zu sanieren, wird mal richtig teuer, damit das Verbleiben der Radfahrer auf den vorgeschriebenen Wegen zumutbar bleiben soll. Und auch hier ein Aufruf an die vierrädrigen Verkehrspartner auf den Straßen, nicht immer gleich in Herrschermanier über Radfahrer herzuziehen, wenn diese aus o.g. Gründen vom Radweg auf die Straße wechseln.
Wenn euch etwas alleine gehört, dann sind es Autobahnen, Kraft- und sonstige für Radler gesperrte Straßen. Fahrt's erst selber mal mit angemessener Geschwindigkeit und Abständen im Verkehr, ansonsten gibt's ja Rennstrecken für die selbsternannten Möchtegern-Schumis und -Vettels.
Aber gut, daß jeder mal in der Haut des anderen steckt und deshalb ein größeres gegenseitiges Verständnis nicht allzu schwer sein dürfte - von unverbesserlichen Problemfällen mal abgesehen !

Da ich gerade geschmeidig am Poltern bin: Was soll das denn jetzt ? Zum einen weiß man nicht, welchen Zweig man nehmen soll, dann geht's wie an dieser Stelle nur diesen Radweg entlang und man wird zu seinem Glück auch noch von einem Hinweisschild bestätigt... HURRA ! Bürokratischer Vorschriftszwang oder Überfluss in der Kasse. Auch dieses Beispiel war kein Einzelfall.

Da ich gerade geschmeidig am Poltern bin: Was soll das denn jetzt ? Zum einen weiß man nicht, welchen Zweig man nehmen soll, dann geht's wie an dieser Stelle nur diesen Radweg entlang und man wird zu seinem Glück auch noch von einem Hinweisschild bestätigt... HURRA ! Bürokratischer Vorschriftszwang oder Überfluss in der Kasse. Auch dieses Beispiel war kein Einzelfall.

So, werte Leserschaft, der Autor hat sich wieder gefasst, der Blutdruck ist wieder gesenkt, die inneren Gewitter sind verflogen und es werden wieder zum allergrößten Teil die positiven Aspekte, die auch bei weitem überwogen, vermittelt. Schließlich will ich doch niemanden von einer ähnlichen Unternehmung abhalten

Die alte, aber angenehm gemütlich wirkende Einrichtung in meiner Bad Salzdetfurther Pension

Die alte, aber angenehm gemütlich wirkende Einrichtung in meiner Bad Salzdetfurther Pension

Das einzige mal, daß ich während der Tour die moderne Wettervorhersage am Handy bemühte: Sprühregen war auf jeden Fall untertrieben, dafür gab's auch längere Regenpausen

Das einzige mal, daß ich während der Tour die moderne Wettervorhersage am Handy bemühte: Sprühregen war auf jeden Fall untertrieben, dafür gab's auch längere Regenpausen

Claudia aus Mailand. 
Profihaft mit Helmkamera ausgestattet

Claudia aus Mailand.
Profihaft mit Helmkamera ausgestattet

Stelle gerade fest, daß ich mich (in meinem Fall) lt. Aushängetafel so ziemlich am Endpunkt des 410 km langen Leine-Heide-Radwegs befinde, der die Leinequellen im thüringischen Eichsfeld mit der Hansestadt Hamburg (mir irgendwie bekannt) auf einer Länge von 410 km verbindet. Bin zwar allergrößtenteils viel östlicher gefahren, aber die Länge ab Hamburg gesehen, könnte in etwa vergleichbar sein.

Stelle gerade fest, daß ich mich (in meinem Fall) lt. Aushängetafel so ziemlich am Endpunkt des 410 km langen Leine-Heide-Radwegs befinde, der die Leinequellen im thüringischen Eichsfeld mit der Hansestadt Hamburg (mir irgendwie bekannt) auf einer Länge von 410 km verbindet. Bin zwar allergrößtenteils viel östlicher gefahren, aber die Länge ab Hamburg gesehen, könnte in etwa vergleichbar sein.

Spieglein, Spieglein an der Wand - äääh "im Fenster". Und bitte lächeln.

Spieglein, Spieglein an der Wand - äääh "im Fenster". Und bitte lächeln.

Ab Friedland (vom Grenzdurchgangslager her bekannt) war dann wieder Regenende und meine Route führte mich ein kleines Stück durchs thüringische Eichsfeld mit den Ortschaften Gerbershausen, Fretterode und Dietzenrode.

Ein aufgemöbelter alter IFA-LKW aus DDR-Zeiten

Ein aufgemöbelter alter IFA-LKW aus DDR-Zeiten

Kleine Impression vom Gebiet "Eichsfeld" im Blick zurück gegen die Fahrtrichtung.

Kleine Impression vom Gebiet "Eichsfeld" im Blick zurück gegen die Fahrtrichtung.

Unglaublich, wenn man zurückdenkt, was sich damals für Tragödien an der innerdeutschen Grenze abgespielt haben. Heutzutage ist's die banale Landesgrenze von Thüringen nach Hessen. Noch ca. zwei km und Bad Sooden-Allendorf, nach erfolgreicher Zimmersuche der Endpunkt vom heutigen Rolltag ist erreicht.

Unglaublich, wenn man zurückdenkt, was sich damals für Tragödien an der innerdeutschen Grenze abgespielt haben. Heutzutage ist's die banale Landesgrenze von Thüringen nach Hessen. Noch ca. zwei km und Bad Sooden-Allendorf, nach erfolgreicher Zimmersuche der Endpunkt vom heutigen Rolltag ist erreicht.

"Kunst am Radweg" lautete die Beschreibung auf dem dunklen Pflock zw. den hellen Tragsäulen.

"Kunst am Radweg" lautete die Beschreibung auf dem dunklen Pflock zw. den hellen Tragsäulen.

Bad Sooden-Allendorf mit seinen herrlichen Fachwerk-Fassaden in der Altstadt.

Bad Sooden-Allendorf mit seinen herrlichen Fachwerk-Fassaden in der Altstadt.

In Bad Sooden-Allendorf konnte ich dann sogleich ohne aufwändige Suche ein Zimmer in einer Bett&Bike-Radlerpension beziehen, mit dessen Betreiber ich meinen bayrischen Dialekt nicht groß ins verständlichere "höhere" Deutsch verfremden musste, da er aus Schruns-Tschagguns im österreichischen Vorarlberg stammte - also ein Montafoner. Seiner Aussage nach hat er einfach mal hierher geheiratet und ist (noch einfacher) hier geblieben.

29.6.2014 - 4. Etappe: Bad Salzdetfurth - Bad Sooden-Allendorf

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach 24 Jahren mal wieder vom hohen Norden in die oberbayrische Heimat zurückgeradelt.
Details:
Aufbruch: 25.06.2014
Dauer: 10 Tage
Heimkehr: 04.07.2014
Reiseziele: Deutschland
Der Autor
 
Andreas Rohbogner berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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