Ins Land der Skipetaren

Albanien-Reisebericht  |  Reisezeit: Mai 2018  |  von Herbert S.

Ein Artikel in der Welt 'Albanien und die unentdeckten Traumstrände Europas' bot mit 34 Fotos der Autorin interessante Aspekte in bezug auf Architektur und Kultur. Die Strände interessieren uns zwar weniger, waren aber auch nicht Schwerpunkt des Artikels.
Lange in Vergessenheit geraten, wurden wir durch einen Prospekt eines bekannten Discounters auf eine preiswerte Variante für Albanienreise aufmerksam und zögerten nicht lange zu buchen.

Anreise und erste Eindrücke in Durrës

Aufstehen 3.00 Uhr – Abfahrt Aachen Hbf mit RE1 um 4.51 Uhr. Ich muss über Nacht meine Orientierung verloren haben, nach dem Einsteigen bin ich der Überzeugung, dass der Zug in die falsche Richtung fährt, aber es bleibt dabei erste Station nach gefühlter Ewigkeit Aachen-Rothe Erde.
Nach immerhin 16 Minuten erreicht der Zug schon Stolberg Hbf. und ich bin froh, dass ich einen früheren Zug ausgewählt habe, denn ich bin der Überzeugung, dass die 6 min Umsteigezeit in Köln nicht reichen werden. Aber sie reichen, da der Zug ab Düren richtig Fahrt aufnimmt.
In Frankfurt steht unser Flug JP793 mit Adria Airways noch nicht auf dem Anzeiger. Nach geraumer Zeit – 7.30 Uhr – erscheint er und wir versuchen einzuchecken. Das gestaltet sich. Schwierig, da ich für den Automaten der Lufthansa einen Buchungscode bräuchte, aber von Lidl keinen bekommen habe. Deshalb schickt man uns aus der Halle A in die Halle B zu einem Gruppenschalter 460, der nicht besetzt ist. Doch die Dame daneben ist sehr freundlich und bucht uns – wir sind auch nicht in einer Gruppe angemeldet – nun mit unseren Namen einfach ein. Reihe 10 b und c – also kein Fensterplatz in dem Airbus 319. Statt um 9.00 Ihr wird bereits um 8.45 Uhr mit dem Boarding begonnen. Zuerst für zahlreiche Familien mit Kindern, dann wir mit anderen im ersten Bus. Nach einer etwa viertelstündigen Rundfahrt über den Flughafen halten wir am äußersten Ende vor der Adria-Maschine, an der einen Polizei Auto steht. Nach geraumer Zeit führt man zwei Personen mit Geleitschutz in die Maschine und bringt ihnen auch no h das Gepäck nach. Dann dürfen wir vor den Familien rein, da die zahlreichen Kinderwagen auch noch verstaut werden müssen. Die Reihe 10 ist am Notausgang über den Flügeln des Airbus 319, daher haben wir mehr Platz und außerdem werden nur zwei der drei Plätze belegt! Toll. Wegen der zahlreichen Dinge landen wir mit etwa 10minütiger Verspätung um 11.35 Uhr in Tirana. Um 12.06 Uhr ist auch unser Trolley auf dem Band und wir begrüßen den Reiseleiter von Lidl. Bis auf 5 Personen sind nach einiger Zeit alle Teilnehmer da und bei störendem Regen eines Gewitters bringen wir das Gepäck zum Bus, der glücklicherweise soweit vorgefahren ist, das wir alle überdacht an ihn rankommen. Nur der Busfahrer, der alles verstauen muss, ist anschließend pitschnass. Der Reiseleiter verabschiedet sich für heute und schickt den Bus los zum Hotel nach Durrës – das Hotel Leonardo liegt etwa 7 km außerhalb von Durrës – fast direkt am Strand.

Für 14.00 Uhr bestellen wir uns ein Taxi mit einem anderen Ehepaar und lassen uns bis ins Zentrum ans Amphitheater fahren. Dort fragt schon der Fahrer ob er uns auch wieder abholen kann – wir vereinbaren 18.00 (es scheint als sei er über die 10€ pro Strecke recht erfreut).
Wir trennen uns von dem Paar, das wir aber natürlich auch wieder treffen, denn so viele Anlaufpunkte gibt es gar nicht.

Durres ist wegen seiner natürlichen Bucht im Gegensatz zu den archäologisch interesanteren Orte durchgehend von der Antike bis heute von Bedeutung.
Die Stadt besitzt den größten Hafen des Landes und Touristen können von Italien hier anlanden. Warum wir hierher gebracht werden, wird ein Geheimnis des Reiseveranstalters bleiben, vor allem da wir auch am Ende der Reise noch einmal hier übernachten werden.

Überall in der Stadt (und auch im ganzen Land) wird gebaut und gebuddelt. Ultramoderne Bauten stehen neben alten Plattenbauten à la DDR

Überall in der Stadt (und auch im ganzen Land) wird gebaut und gebuddelt. Ultramoderne Bauten stehen neben alten Plattenbauten à la DDR

Wir beginnen den Rundgang am Amphitheater. Eintritt 200 Lekë ( im Hotel habe ich 50€ in 6250 Lekë getauscht
Die ehemals 15000 Zuschauer fassende römische Anlage wurde erst 1966 entdeckt. Das Theater wurde in der Regierungszeit Kaiser Hadrians (117-138) gebaut, und bis zum großen Erdbeben 345 u. a. für Gladiatorenkämpfe genutzt, welche es seit der Verbreitung des Christentums nicht mehr gab.

Ausgegraben ist noch recht wenig, vor allem weil auf dem Gelände noch viele Wohnhäuser stehen, so dass eine vollständige Ausgrabung und Restaurierung schlicht unmöglich ist.

Ausgegraben ist noch recht wenig, vor allem weil auf dem Gelände noch viele Wohnhäuser stehen, so dass eine vollständige Ausgrabung und Restaurierung schlicht unmöglich ist.

Zu sehen ist auch der Rest einer frühbyzantinischen Kirche, die wahrscheinlich Im 5. Jahrhundert in den Bau integriert wurde.

Außergewöhnlich sind die Wandmosaike aus dem 6. Jahrhundert, da in Albanien in Kirchen aus dieser Zeit Mosaike stets nur zur Verzierung von Fußböden Verwendung fanden.

Wandmosaike

Wandmosaike

die elliptische Arena ist etwa 60 Meter mal 40 Meter groß, die ganze Anlage etwa 140 Meter lang

die elliptische Arena ist etwa 60 Meter mal 40 Meter groß, die ganze Anlage etwa 140 Meter lang

Das Venezianische Tor wurde als Verstärkung der Die Reste der byzantinischen Stadtmauern sind jedoch recht gut instandgesetzt und erstrecken sich vom Amphiteater auf einer Länge von etwa 200 Metern bis zum Hafen. Von den noch älteren hellenistischen Stadtmauern gibt es keine Überreste. Am Ende der Mauer steht das runde Venezianische Tor, das im 15. Jahrhundert von den Venezianern als Verstärkung der Stadtbefestigung erbaut wurde.

die Mauern stammen aus dem 5. und 6. Jahrhundert und sind bis zu 18 Meter hoch

die Mauern stammen aus dem 5. und 6. Jahrhundert und sind bis zu 18 Meter hoch

Venezianisches Tor mit rundum Kanonen-Schießscharten - 15. Jh.

Venezianisches Tor mit rundum Kanonen-Schießscharten - 15. Jh.

Die alte Moschee, die Fatih-Moschee steht in der Nähe der byzantinischen Mauern und wurde 1502 auf den Überresten einer christlichen Basilika aus dem 11. Jahrhundert erbaut.

ihr Minarett wurde im Sozialismus wie bei allen Moscheen im Lande abgerissen - nach 1992 jedoch wieder aufgebaut

ihr Minarett wurde im Sozialismus wie bei allen Moscheen im Lande abgerissen - nach 1992 jedoch wieder aufgebaut

Auch die Fatih Moschee ist etwas enttäuschend, da sie keinen Zugang hat. Erst die Hauptstraße - Bulevardi Epidamn - ist wieder recht ansprechend und öffnet einen guten Blick auf die Große Moschee, die 1931 gebaut und 1967 geschlossen wurde. Auch ihr Minarett wurde in der Hoxha-Zeit abgerissen und musste nach der Wiedereröffnung 1993 neu errichtet werden.

große Moschee

große Moschee

Schräg gegenüber der Moschee steht am großen Platz - dem Freiheitsplatz - das dunkelrot gestrichene Rathaus von 1929, das starke Einflüsse der italienischen Architektur zeigt. An der Fassade sind zwei Reliefs angebracht; auf dem einen ist ein Schiff dargestellt, das auf Dürrës' Bedeutung als wichtige Hafenstadt hinweist. Auf dem anderen Relief ist Weizen zu erkennen, der die Bedeutung des Handels symbolisiert.

Hinter dem Freiheitsplatz steht etwas abseits die sogenannte Rotonda, das Forum .
Wieder enttäuschend ist die sog. Rotonda ein Fragment eines Forum aus byzantinischer Zeit. - Der ursprünglich mit Marmor gepflasterte, runde Platz aus dem 5. Jahrhundert war von eleganten Kolonnaden umringt, in denen sich bis ins 7. Jahrhundert Läden befanden. Einige der korlnthischen Säulen sind erhalten geblieben. Heute verläuft ein Abwasserrohr quer hindurch. f

Es bleibt von den Sehenswürdigkeiten noch die königliche Villa, zu der wir nach meinem ‚Gefüh‘ an der großen Moschee hochlaufen. Schon auf ‚halber ‚ Höhe‘ teilt sich der Weg und ich frage zwei junge Männer. Die nehmen uns dann im Prinzip wieder mit nach ganz unten undschicken uns noch einmal halb hoch, doch auch da geht’s s wieder hinab. Schließlich fangen wir da an, wo der Reiseführer uns gesagt hat. Dann klappt es tatsächlich.

innerstädtisches Hundeidyll

innerstädtisches Hundeidyll

gibt es schon einen Aldi - oder ist es nur ein Werbegag?

gibt es schon einen Aldi - oder ist es nur ein Werbegag?

und aus Spanien bekannt - Nisperos-Bäume mit reifen Früchten

und aus Spanien bekannt - Nisperos-Bäume mit reifen Früchten

Hoch über dem historischen Zentrums steht die Villa des Ahmet Zogu, des einzigen Königs Albaniens von 1927. Während des Sozialismus wurden die Räume dann als Regierungsresidenz benutzt. Sowohl der sowjetische Parteichef Nikita Chruschtschow nächtigte hier als auch der ehemalige US Präsident Jimmy Carterals. Letzterer jedoch kurz vor den Unruhen von 1997, in denen die Villa stark beschädigt wurde.

das Gelände der Villa ist leider nicht näher erreichbar

das Gelände der Villa ist leider nicht näher erreichbar

mehr als 20 Jahre ungenutzt, nagt die Zeit an Auffahrt und Gebäude - zumindest die Auffahrt wirkt schon recht marode.

mehr als 20 Jahre ungenutzt, nagt die Zeit an Auffahrt und Gebäude - zumindest die Auffahrt wirkt schon recht marode.

Der lange Aufstieg lohnt allerdings auch wegen des Ausblicks auf die Adria

Auf dem Rückweg in die Stadt fällt uns noch eine orthodoxe Kirche am Steilhang zur Adria auf.

Wieder zurück in der Stadt genehmigen wir uns an der Hauptstraße ein Radeberger (!) und treffen dann 15 min zu früh wieder am vereinbarten Treffpunkt fürs Taxi ein, wo unsere Mitfahrer schon sitzen. Ich kaufe noch schnell zwei kleine Wasser und dann geht es zum Hotel. Meine Frau Ulrike duscht schon mal und ich schreibe Bordbuch. Das Abendessen ist Buffet, mit Wasser, Salaten und den von Jugoslawien bekannten gegrillten Gemüsen. Dazu gibt es einen Lammbraten, der allerdings schon nach dem Salatholen fast geräubert war. Zum Nachtisch gibt es Flan und Obstsalat, in dem die Orangenstücke allerdings mit Schale schwimmen. Der Mann des Paares am Tisch redet mir zu viel.

© Herbert S., 2018
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 08.05.2018
Dauer: 8 Tage
Heimkehr: 15.05.2018
Reiseziele: Albanien
Mazedonien
Der Autor
 
Herbert S. berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Herbert sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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