Toskana alpin: So kennt man sie weniger (Apuanische Alpen)

Italien-Reisebericht  |  Reisezeit: Juni / Juli 2018  |  von Kathrin Hentzschel

Trubel und Beschaulichkeit in den Alpen

Grotta del Vento: Für Individualisten eher ungeeignet

Am Morgen ist die Schwalbenkinderstube leer – bis auf den fünften Nesthocker, der sich nicht traut. Die Eltern und Urban feuern ihn an – so, wie er gestern auch die Kroaten beim Spiel gegen Russland unterstützt hatte. Es hatte ja geholfen. Das Schwälbchen bleibt jedoch beratungsresistent.

Unsere heutige Fahrt durch die Apuanischen Alpen zieht sich und ist mühsam, denn wir haben etliche Berge zu überwinden, und Tunnels gibt es hier so gut wie keine. Wir besuchen die Grotta del Vento, eine teilweise touristisch stark ausgeschlachtete Tropfsteinhöhle. Es bleibt kaum Zeit, bewundernd stehenzubleiben und Fotos zu machen, weil bereits zwei weitere Gruppen hinter uns trippeln. Die Höhle ist ganzjährig 10,7 Grad kalt. Weil der Eingang auf 600, der Ausgang jedoch auf über 1000 Metern liegt, entwickelt sich ein Windzug, der, wenn nicht eine Stahltür eingebaut wäre, bis 40 km/h Geschwindigkeit erreichen würde. Das wäre dann recht unangenehm. Grotta del Vento wurde erst 1880 entdeckt, nachdem einige Dorflümmel ein 4-jähriges Mädchen in den Höhlenspalt geschickt hatten, weil sie wissen wollten, wo der Wind herkam. Im 20. Jahrhundert ging es dann an die systematische Erforschung, die bis heute noch nicht abgeschlossen ist, weil viele Spalten eng und dunkel und auch für Spilologen eine Herausforderung sind. Ein Höhlenbär hat hier gelebt, und Urban beneidet ihn um seinen Jahrtausende gewährt habenden Schlaf … Touristisch erschlossen ist nur ein etwa 4,5 km langer Gang, den man auf Rundgängen bis 3 Stunden besichtigen kann.

Vom vielen Autohocken ganz steif, halten wir an einem schönen Fleckchen Erde, das sich an einem smaragdgrünen See befindet und Isola Santa heißt, wo sich Urban ausruht und ich ein bisschen herumstreune.

Spiegelung im See von Isola Santa.

Spiegelung im See von Isola Santa.

Fast ein bisschen tropisch. Und genauso warm.

Fast ein bisschen tropisch. Und genauso warm.

Noch eine Spiegelung mit Stauwehr.

Noch eine Spiegelung mit Stauwehr.

Spazierweg am See entlang.

Spazierweg am See entlang.

Beeindruckende Alpenkulisse auf der Fahrt.

Beeindruckende Alpenkulisse auf der Fahrt.

Am Abend sind alle jungen Schwalben wieder ins Nest zurückgekehrt. Wir müssen also noch nicht am Empty-Nest-Syndrom leiden.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Geheimtipps sind doch immer die besten, vor allem, wenn sie über ein paar Ecken kommen, die Quellen aber verlässlich sind. So hatten wir die Gelegenheit, zwei Wochen in einem Haus von Freunden von Freunden zu verbringen – in der Toskana. Wer nun an sanft geschwungene Hügel mit Zypressen und Olivenhainen denkt, irrt. Unser Ziel war die Alta Versilia, und das „Hoch“ ist wörtlich zu nehmen. Die Alta Versilia markiert den Übergang zu den Apuanischen Alpen.
Details:
Aufbruch: 30.06.2018
Dauer: 15 Tage
Heimkehr: 14.07.2018
Reiseziele: Italien
Der Autor
 
Kathrin Hentzschel berichtet seit 10 Jahren auf umdiewelt.
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