Kurzreise an die Mosel

Reisezeit: April 2026  |  von Ralf Eber

Mit dem Schiff nach Cochem

Über 500 historische Kaffeemühlen zieren die Räume des Cafés Klapperburg.

Über 500 historische Kaffeemühlen zieren die Räume des Cafés Klapperburg.

Vom Tummelchen aus hat der Besucher nach der Renaturierung wieder einen freien Blick auf die Reichsburg.

Vom Tummelchen aus hat der Besucher nach der Renaturierung wieder einen freien Blick auf die Reichsburg.

Bis wir an Bord des Ausflugsschiffs konnten war noch etwas Zeit für einen Espresso im Café Klapperburg in den winkeligen Gassen. Dar Kaffee ist heiß und stark, die verlockenden Kuchen nehmen wir uns für später vor. Über 500 historische Kaffeemühlen hat die Besitzerin in der früheren Dorfbäckerei gesammelt. Sie machen das schmucke Lokal auf drei Ebenen zu einem lebendigen Museum.

Die Passage der Schleuse bei Bruttig-Fankel macht die Schiffsfahrt zu einem besonderen Erlebnis. Zu den Wänden der Schleusenkammer hat unser Schiff einen Abstand von vielleicht einem halben Meter, und bei der Talfahrt, also in Fließrichtung der Mosel, wurden wir sieben Meter abgesenkt. Bald waren nur noch dunkle, nasse Wände zu sehen, bis wir nach ein paar Minuten unsere Fahrt fortsetzten. Erstaunlicherweise nutzen Höckerschwäne die wenigen Grünstreifen innerhalb der Schleusenanlage, um ihren Nachwuchs auszubrüten.

Von weitem schon war die Reichsburg über Cochem zu sehen, eines der Wahrzeichen der Stadt. Ein Bimmelbähnchen kutschierte uns erst durch die Gassen und dann auf die rechte Moselseite, der besseren Aussicht auf die Stadt wegen. Alte Häuschen, Souvenirgeschäfte und natürlich Weinhandlungen bestimmen das Bild, wir fanden das Städtchen bis dahin mittelmäßig attraktiv.

Wer für zwei Cappucini und zwei (allerdings ultraleckere) Stück Kuchen 27 Euro ausgeben möchte muss nicht lange suchen. Das Café Flair in der historischen Altstadt bietet diesen Genuss. Als Schwaben auf Reisen freuten wir uns insgeheim, dass wenigstens die Rückfahrt mit dem Linienbus nach Beilstein durch das Gästeticket kostenlos war.

Den Besuch der Reichsburg hoch über der Stadt ließen wir aus, selbst zu Beginn der Reisesaison waren uns schon zu viele Menschen unterwegs. Nur ein wenig beschwerlich war der Aufstieg zum Tummelchen, einem Aussichtsberg, auf dem im Mittelalter der höchste Punkt der Stadtbefestigung lag. Später wurde das Gelände zum Weinanbau genutzt, der aber 1970 eingestellt wurde und der Berg immer weiter verbuschte und zuwuchs. Als schließlich der Ausblick auf die Reichsburg durch Sträucher und Bäume verloren ging machten sich die Bürger daran, den Berg zu renaturieren. Heute wächst am Südhang wieder Wein, und an günstigen Stellen stehen Weinbergspfirsiche. Zum Rohessen zu hart wird gerne Konfitüre daraus gemacht, oder auch ein verführerischer Likör, pur oder in Secco ein Genuss!

Der Endertplatz gilt als der Mittelpunkt der Stadt und war bei unserem Besuch dicht bevölkert. Es war der zweite Sonntag im April, das Datum des Blütenfestes, und auch hier spielte der Weinbergspfirsich eine prominente Rolle. Ein Gläschen Gelee ging mit auf die Rückreise.

Am Abend kehrten wir in Beilstein im Restaurant Altes Zollhaus ein. Der Beilsteiner Silberberg Riesling passte wunderbar zum Essen. Ein Wanderprospekt des Reisejournalisten Manuel Andrack, den wir im Lokal fanden, offenbarte uns später, dass Andrack bei seinem Besuch ebenfalls die gegrillte Maishähnchenbrust mit Wurzelgemüse und Rieslingsoße gewählt hatte.

© Ralf Eber, 2026
Du bist hier : Startseite Europa Deutschland Mit dem Schiff nach Cochem
Die Reise
 
Worum geht's?:
Die Moselgegend zwischen Zell und Cochem war das Ziel einer weiteren Kurzreise in die deutschen Weinanbaugebiete. In den vergangenen Jahren hatten wir die Anbaugebiete Baden, Franken und Mittelrhein besucht. Wein und Genuss standen natürlich im Vordergrund. Selbstverständlich sind alle Aussagen über Geschmack und Qualität völlig subjektiv.
Details:
Aufbruch: 11.04.2026
Dauer: 6 Tage
Heimkehr: 16.04.2026
Reiseziele: Deutschland
Der Autor
 
Ralf Eber berichtet seit 12 Wochen auf umdiewelt.
Bild des Autors