Kurzreise an die Mosel
Majestät sind nicht zuhause
Erst Flammkuchen, dann Wein
Für den letzten Tag hatten wir uns einen Besuch bei der Deutschen Weinkönigin vorgenommen. Also keine persönliche Audienz bei Anna Zenz in Ediger-Eller, aber doch eine Visite im Familienweingut. Zunächst brachte uns der pünktliche Linienbus mit Umstieg in Senheim nach Zell an der Mosel. Es scheint, der bekannte Weinort lebt ein wenig von seiner ruhmreichen Vergangenheit. Die „schwarze Katz“, ein bisschen Maskottchen, ein bisschen Wahrzeichen, ist überall im Stadtbild zu finden. Der Name ist längst auf eine Weinlage übertragen worden, und die Legende um die Katze, die das Fass mit dem besten Wein bewachte, ist allgemein bekannt.
Kurz vor der Mittagsstunde wirkt die Fußgängerzone doch arg verschlafen, die wenigen geöffneten Geschäfte bieten Schnellgerichte aus Vietnam und Thailand. Viel Leerstand strahlt Tristesse aus. Ein Lichtblick ist der Feinkostladen von Anja Lauterbach, Genusswerk genannt. Eine große Vielfalt an Produkten aus der Region füllt die Regale, und zu jedem Likör, zu jedem Essig weiß die Chefin etwas zu erzählen.
Mit dem Bus überqueren wir bald darauf die Mosel, um der Weinmajestät die Aufwartung zu machen. Vor lauter Vorfreude verlassen wir den Bus versehentlich schon im Ortsteil Eller. Das bringt uns, schon langsam hungrig und durstig, einen Fußmarsch durch Eller und über Feldwege nach Ediger ein. Ein Imbiss und ein königliches Gläschen Wein winken, aber dann ist die Enttäuschung groß: das Weingut Zenz hat mittwochs geschlossen.
In der Ortsmitte scheint die Rettung greifbar. Das Weingut Walter J. Oster unterhält dort eine Weinstube. Jetzt einen Flammkuchen und ein kühler Riesling, das wäre die Erlösung. „Essen gibt’s nicht“, erklärt die Wirtin aber, nicht ohne den Hinweis, dass im Gebäude nebenan, im Restaurant Kaffeeklatsch, der ersehnte Flammkuchen zu erhalten sei.
Und tatsächlich wird uns dort ein prima Flammkuchen serviert. Er bildet dann das Fundament für ein paar Gläschen aus Osters Keller. Ein Grauburgunder trocken und eine Riesling Schiefer Cuvee blieben uns sehr positiv in Erinnerung. Es hätte noch viele Weine zu probieren gegeben, aber bis zur Bushaltestelle war es noch ein Stück zu gehen, und den stündlichen Bus wollten wir nicht verpassen.
| Aufbruch: | 11.04.2026 |
| Dauer: | 6 Tage |
| Heimkehr: | 16.04.2026 |