Kurzreise an die Mosel

Reisezeit: April 2026  |  von Ralf Eber

Spontane Weinprobe

Der Besuch im Senheimer Weinmuseum führte zu einer vergnüglichen Weinprobe. Eintrittsgeld kosten die historischen Keller nicht, zum Abschluss wird für kleines Geld ein Gläschen Wein aus dem Hause Schlagkamp-Desoye serviert. Aber welcher der köstlichen Weine soll es denn sein...?

Der Besuch im Senheimer Weinmuseum führte zu einer vergnüglichen Weinprobe. Eintrittsgeld kosten die historischen Keller nicht, zum Abschluss wird für kleines Geld ein Gläschen Wein aus dem Hause Schlagkamp-Desoye serviert. Aber welcher der köstlichen Weine soll es denn sein...?

Moselwein und schwäbisches Vesper

Den regnerischen Tag nutzen wir zunächst für einen erneuten Besuch in Cochem. Von Freunden hatten wir Leergut in Form von einigen Steingut-Schüsselchen mit an die Mosel gebracht, um sie in der historischen Senfmühle in Cochem füllen zu lassen. Man darf sich vom Namen des Betriebes nicht täuschen lassen – dort, wo die Innenstadt langsam an Charme verliert, im Erdgeschoss eines Parkhauses, wird der begehrte Senf hergestellt. Wirklich historisch, so lassen wir uns sagen, sind die eigentlichen Mühlen, die Geräte, in denen die Senfsaat vermahlen wird. Zu sehen gibt es den Prozess bei einer Führung, auf die wir aber verzichtet haben. Riesling- und Cayennesenf sind nur einige wenige Sorten, die es dort auch zu verkosten gibt.

Wenige Kilometer flussaufwärts von Beilstein liegt der Weinbauort Senheim. Dort ist die Winzerfamilie Schlagkamp-Desoye ansässig, der Betrieb besteht seit über 400 Jahren in Familienbesitz. In elfter Generation führt derzeit Andreas Schlagkamp die Geschicke und kümmert sich darum, dass aus Weintrauben köstlicher Wein wird. Zu sehen ist das beispielhaft im kleinen Weinmuseum des Hauses. Eintritt wird nicht erhoben, am Ende des Rundgangs gibt es für ein paar Euro ein Gläschen Wein.

Andreas Schlagkamp, Anfang Fünfzig und mit dem Charme eines Lausbuben gesegnet, lässt uns von verschiedenen Weinen kosten. Zu jedem Tropfen weiss er Daten und Anekdoten, stellt den (uns völlig unbekannten) Elbling vor. Der spritzige Weisswein erinnert geschmacklich an Riesling, glänzt aber mit Anklängen von Zitrusfrüchten. Eine weitere Flasche enthält Roten Riesling, einen köstlichen Weisswein. Spitzenweine reifen in seinen Kellern ebenso wie solide Feierabendweine. Als wir uns gerade für eine Sorte entscheiden wollen erreicht ein Anruf den Winzer und er muss kurz weg. Mit seinen Köstlichkeiten und unseren mitgebrachten Käsebrötchen aus dem Auto machen wir es uns am großen Tisch im Tanzsaal gemütlich. Bis zu 120 Personen können hier verköstigt werden, Reisegesellschaften aus Großbritannien oder den USA , die auf der Mosel unterwegs sind, kehren gerne bei ihm ein. Andreas‘ Mutter Inge, knapp 80 und pensionierte Lehrerin, leistet uns Gesellschaft. Sie kennt Gott und die Winzer und unterhält uns prima, bis der Chef wiederkommt.

Er berichtet auch, dass es bis vor einigen Jahrzehnten nicht erlaubt war, an der Mosel Rotweine anzubauen. Offenbar fürchtete man, dass weniger hochwertige Rote dem Ansehen des Gebiets schaden könnten. Unbewusst rührte Schlagkamp da ein Trauma namens Dornfelder Weissherbst feinherb an, von dem wir eine Flasche aus anderer Quelle erworben hatten. Mit dem ersten Tropfen sah ich mich als kleinen Buben am unfertigen Rumtopf der Großmutter naschen, beppsüß, wie man im Schwäbischen sagt, ein wenig wie verdünnte Marmelade. Zum ersten Mal im Leben trat ich das Werk des Winzers mit Füßen und streckte den Wein mit Mineralwasser. Ergebnis war eine Schorle, die interessanterweise nach Holz schmeckte.

Die Bezeichnung feinherb, klärte uns Andreas Schlagkamp auf, deutet darauf hin, dass der Wein deutlich mehr Restzucker enthalten darf als einer, der sich halbtrocken nennt. Mehr Zucker geht immer, das heißt dann lieblich. Mein Vorschlag, das Rotweinverbot wieder einzuführen, ginge also ins Leere, süßliche Produkte gibt es in allen Farben.

Betritt man den historischen Weinkeller, hört man ein vielstimmiges Blubbern. Es soll die alkoholische Garung verdeutlichen. Heute sind die Fässer leer. Die Kerzenhalter auf den Fässern waren früher sehr wichtig. Neben dem erwünschten Alkohol entstand nämlich auch Kohlendioxid, der die Atemluft verdrängte, was gefährlich werden konnte. Erloschen die Flammen, war es höchste Zeit, den Raum zu verlassen.

Betritt man den historischen Weinkeller, hört man ein vielstimmiges Blubbern. Es soll die alkoholische Garung verdeutlichen. Heute sind die Fässer leer. Die Kerzenhalter auf den Fässern waren früher sehr wichtig. Neben dem erwünschten Alkohol entstand nämlich auch Kohlendioxid, der die Atemluft verdrängte, was gefährlich werden konnte. Erloschen die Flammen, war es höchste Zeit, den Raum zu verlassen.

© Ralf Eber, 2026
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Die Moselgegend zwischen Zell und Cochem war das Ziel einer weiteren Kurzreise in die deutschen Weinanbaugebiete. In den vergangenen Jahren hatten wir die Anbaugebiete Baden, Franken und Mittelrhein besucht. Wein und Genuss standen natürlich im Vordergrund. Selbstverständlich sind alle Aussagen über Geschmack und Qualität völlig subjektiv.
Details:
Aufbruch: 11.04.2026
Dauer: 6 Tage
Heimkehr: 16.04.2026
Reiseziele: Deutschland
Der Autor
 
Ralf Eber berichtet seit 12 Wochen auf umdiewelt.
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