Besser als Kanada, Wildniss hinter den Bergen

Reisezeit: Juni / Juli 2008  |  von lothar potthoff

Gleitschirm fliegen und ungebetene Besucher

[PE: Sonntag 29Jun08] : Um zehn sollte dann das Fliegertaxi losgehen.
Um viertel vor war es fast schon zu spät. Die ersten Gleitschirmpärchen standen schon bereit... wir, nach einen kurzen hektischen Moment auch!
Eine rumplige stunde auf den Stol. Immerhin 1600m hoch, das sind 1300m Höhendifferenz.
Oben am Startplatz noch gemächlich pulsierender Wind, nette Gespräche und gespannte Erwartung auf den Flug.
Endlich gibt Wolfgang die Startfreigabe für Pe. Einige turnen schon am Himmel rum.
Ein perfekter Start (wie immer) und dann verschwindet sie links hinter dem Bergrücken, schon beträchtlich abgesoffen. Sie hätte halt gleich links halten sollen dachte ich mir...
Mein Start wenig später war nicht so elegant. Die einhellige Meinung der kleinen Startplatzgemeinde war ein aufmunterndes "brech ab". Aber da war der Schirm schon mit mir gestartet. Ich musste mich nur noch ausdrehen und ab ging's.
Die kappe war perfekt, warum denn Abbruch???
Ein paar Mal noch hin und her und mehr runter als pipipip dann gings Richtung Landeplatz.
Leichter geschrieben als geflogen. Der war immerhin 15km Richtung Osten. Passenderweise auch die vorherrschende Windrichtung.
Also keine Chance einfach mal ins Tal rauszufliegen. Dort gab's eh nur viel Wald.
Dann halt ein wenig näher an den Berg und noch näher. Müsste ich mal pissen, ich könnt auch mal eben zwischenlanden. Aber keinen Meter verschenken.
Vor allem wenn man die Glitschies über dem Grad neidvoll betrachtet.
Komisch, dass einer von den guten da oben den gleichen schirm fliegt wie pe...
Aber so souverän geht die doch noch nicht in die Kurve???

Nach langem kämpfen ging's dann irgendwann und es war tatsächlich pe, die liebevollerweise auf mich gewartet hat...
Nun gab's ein fröhliches Winken und hallo (zumindest mich hab ich gehört)
Mit der Zeit wurde es mir dann aber doch zu ruppig, der Arm fing auch wieder an zu schmerzen und nach einem unbeantworteten Zeichen zu Pe ging's Rinne für Rinne ab nach Osten Richtung Kobarid zu unserem Landeplatz.
Letzte Hammertermik an der Ostseite des Stol, kurzer Abstecher über die Mussolini Kirche, wissend, dass man auch den Sprung auf die nächste Thermikquelle geschafft hätte runter zum Landeplatz. Keine Sperenzken, nach fast zwei stunden Flug lieber mal die Beine auf ihre eigentliche Aufgabe vorbereiten.
Das war der Flug unseres Lebens. Kurz hinter einander landen wir ein. Phantastisch. Gemeinsam mit den Gänsegeiern, den Kühen und allem... ein Traum
Um den Tag abzurunden noch ein Stündchen klettern, Deutschland verlieren sehen und dann aber endgültig ins Bett! Dachten wir...
Ich hatte mich schon über die Unordnung in unserem Wohnwagen gewundert. Ich sah's zuerst. So eine art grossäugiges Eichhörnchen! Verkehrt herum über der Kochfläche! Ich sach noch: "pe nicht erschrecken" hat sie sich dann auch nicht.
Wir mal wieder zur Rezeption. Die waren begeistert hilflos. Vielleicht geht's mit einem Betttuch? Ging's nicht. Selbst zwei giggelnde Weibsen konnten das Viech nicht vertreiben.
Es lies sich zwar einfach fangen, aber anscheinend nicht einfach festhalten. Muss an der Tierliebe der Fängerin gelegen haben. Dann noch eine Exkursion in die tiefsten Tiefen unsres Wohnwagens, ich hab pe schon einen Stuhl geholt. Das könnte sich noch länger hinziehen!
Aber nein, kaum gedacht meldeten die Empfangsdamen auch schon Vollzug. Die Bestie (eigentlich ziemlich süß) hat sich aus dem Fenster davon gemacht! Gute Nacht!

© lothar potthoff, 2009
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Gleitschirm fliegen, Klettern, Rafting, Mountainbiken und Canyoning an der Soca in Slovenien
Details:
Aufbruch: Juni 2008
Dauer: circa 4 Wochen
Heimkehr: Juli 2008
Reiseziele: Slowenien
Der Autor
 
lothar potthoff berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.