Mit dem Wohnmobil Transafrika - von Tunis nach Kapstadt -

Reisezeit: November 2009 - April 2010  |  von Ingrid und Achim H.

Aethiopien II

53. Tag - Dienstag - 19.01.2010 - Fahrt Richtung Axum

Heute am Timkat-Fest ist viel Trubel unten in der Stadt, wir schauen von oben darauf und sind froh, nicht mittendrin zu sein. Dafür wird wieder am Wagen gewerkelt und mittags nehmen wir an einer Kaffeezeremonie teil. Da wird zuerst der rohe Kaffee über dem Feuer geröstet, dann wird der Kaffee manuell gestoßen, so dass er zu Pulver wird.
Dieser frische Pulverkaffee wird dann mit heißem Wasser aufgebrüht und in die kleinen Tassen ausgeschenkt.

Am Abend haben wir dann ein typisches äthiopisches Abendessen - Injera - das sind Teigrollen - etwas säuerlich schmeckend -, die ganz grau aussehen, die dann in kleine Stücke zerrissen werden und mit denen man dann Saucen und Fleisch auftunkt. Das ist ein Essen nur mit den Fingern. Es hat so gut geschmeckt, dass wir noch eine 2. Portion bestellt haben.
Dazu gab es Wein zu trinken.

54. Tag - 20.01.2010 - Fahrt von Gondar nach Dib Bahir

Heute Morgen brachten wir Ursel ein Ständchen, denn sie hatte Geburtstag. Joachim schlug die Klampfe, und wir haben gesungen, dazu gab es von uns allen ein kleines Präsent und viele Glückwünsche zum neuen Lebensjahr. Ich glaube, sie hat sich über unser kleines Geschenk gefreut.
Über das Alter Dame spricht man ja nicht, aber soviel sei verraten, es fängt mit 7 an und endet mit 2, unglaublich fit.
Dann aber mussten wir uns auf die Reifen machen, denn es lag eine schwierige Strecke vor uns. Es ging dann in die Berge bis zum Wolekfit - Pass, der 3.200 m hoch war. Die Abfahrt war ganz schön schwierig und das auf übelster Piste. In Debark machten wir eine Mittagspause und dann ging's den Pass hinunter bis zu der Farm Sebkana, die eine Engländerin -Katie- gegründet hat. Sie möchte hier eine Schule bauen, um den Kindern eine Chance zu bieten zu lernen und sich zu bilden. Unsere Gruppe hat für 2 Kinder das Schulgeld für ein Semester übernommen. Katie hat sich sehr darüber gefreut.

Die Fahrt ging durch einen Landschaft, die der der Schweiz ähnelt, teilweise auch Italien - Toskana - deshalb haben sich die Italiener einst hier sehr wohl gefühlt.

Wir konnten auf der Farm übernachten bewacht von Wächtern und Hunden, die die ganze Nacht Rabatz gemacht haben.

55. Tag - Donnerstag - 21.01.2010 - Weiterfahrt nach Axum

Heute Morgen ging es dann um 7 Uhr los, denn vor uns lag eine besonders schwierige Strecke über verschiedene Pässe auf übelster Piste in traumhafter Landschaft. Zum Glück hat Joachim unseren Wagen die ersten 100 km gefahren und die waren die schlimmsten.

Es ging über Serpentinen, dann wieder durch kleine Dörfer wo wir uns durch Menschen und Vieh drängten. Und alles mit sehr viel Staub und Dreck. Ich war richtig froh, dass ich den Wagen da nicht fuhr, sondern gemütlich bei Renate saß und gefahren wurde.

Immer wieder hielten wir an, um die Landschaft, die hohen Berge und tiefe Täler zu schauen.
Es gab immer wieder Gelegenheit auf die Nachfahrenden zurück zuschauen, die sich den Berg hochquälten.
Nach der Mittagspause übernahm Achim dann das Steuer und es ging dann so ziemlich eben, aber auf der steinigen Piste weiter.
Dann nach der Kaffeepause war ich dann wieder dran. Zuerst ging es eben weiter dann aber begann es zu regnen. Langsam verwandelten sich Sand und Staub in Matsch. Es gab viele Baustellen an der Straße und dann mussten wir rechts runter in den Matsch. Joachim und Renate kamen gerade noch durch, aber uns kam ein LKW mit Anhänger entgegen, der sich verfahren hatte, und wir mussten fast eine Stunde warten, bis der endlich so weit zurückgesetzt hatte, dass wir vorbei konnten. Dann ging's endlich weiter. Immer wieder kamen uns Viehherden entgegen und wir mussten ganz schön aufpassen. Dann endlich haben wir Axum, das letzte Stück war dann doch noch Teerstraße, erreicht. Unter Bäumen im Garten des Hotels fanden wir dann unseren Stellplatz.

Wir gehen noch essen im Hotel und dann schlafen wir nach dem anstrengenden Tag.

56. Tag - Freitag - 22.01.2010 - Axum

Axum liegt auf 2.150 m Höhe und die ehemalige Hauptstadt des Großreiches Axum und sogar bis heute religiöser Mittelpunkt Äthiopiens.

Das Hotel liegt oberhalb des Stelenparks von Axum. Wir haben einen guten Blick über die Stadt. Es ist nicht weit zu Fuß zu gehen und als erstes besichtigen wir die Kathedrale und das kleine Museum, in dem zahlreiche Kronen und Gewänder der alten Herrscher von Axum ausgestellt sind. Leider wurden diese Schätze nicht in diesem alten Museum nicht gut präsentiert, aber wie wir später sehen konnten, ist ein neues Museum geplant, in dem dann sicher diese Kostbarkeiten adäquat präsentiert werden.

Leider konnte man nicht fotografieren und Postkarten konnte man auch keine kaufen.
Die neue Kathedrale wurde 1965 im Auftrag von Kaiser Heile Selassie direkt neben der alten Kathedrale erbaut. Die neue Kathedrale durfte von Frauen besichtigt werden, in die alte durften aber nur die Männer rein. Da sie aber Fotoapparate mitnehmen konnten, waren dann die Frauen auch im Bilde, wie es darin aussah.
Ähnliche Malereien haben wir auch in Gondar gesehen.

In der modernen Kathedrale wurde uns eine alte Bibel mit Seiten aus Ziegenleder gezeigt. Auch diese Malereien sind den Wandmalereien sehr ähnlich. Nachdem wir die Bibel bewundert haben wurde sie wieder sorgfältig mit Tüchern eingehüllt.
Von der Kathedrale aus ging es dann zum Stelenpark. Hier empfing uns ein Türstehen, der aussah wie der ehemalige Kaiser von Äthiopien.
Die Stelen, die hier höchstwahrscheinlich so zwischen dem 3. bis 10. Jh. aufgestellt wurden hatten die Funktion von Grabsteinen, denn unter ihnen befinden sich Gräber von Fürsten und Königen der Region. In ein Grab konnten sogar hineingehen, ein weiteres nur durch ein kleines Fenster sehen.

Die größte Stele, 36 m lang und 520 Tonnen schwer, fiel schon bei der Aufstellung im 5 Jh. um, und liegt seitdem hier über den Gräbern. An das Stelenfeld war noch ein kleines Museum angeschlossen, dort gab es ein Bild, das die Aufstellung solcher Stelen zeigte.

Damit hat man eine Vorstellung, wie damals diese Arbeit bewältigt wurde.
Eine Granitstele fand ihren Weg zurück aus Italien und inzwischen ist sie auch hier wieder an ihrem angestammten Platz von den Italienern aufgestellt worden. Sie lag nämlich jahrelang in Kisten verpackt auf dem Gelände herum.
Danach sind wir noch ein wenig durch Axum gelaufen und haben noch an der Hauptstraße die Basen der Throne der Könige gesehen.

Den Nachmittag haben wir dann am Wagen verbracht und abends sind wir dann gemeinsam zum Essen ins Hotel gegangen.

57. Tag - Samstag - 23. 01. 2010 - Fahrt nach Mekele

Es geht wieder früh los und wir fahren Richtung Adigrat zuerst auf der Piste und dann kommt zum Glück die Teerstraße.
Wie überall sind viele Menschen unterwegs, die wohl kilometerlang die Straßen entlang laufen, vielleicht zum nächsten Markt und wohin auch immer? Manche sind auch mit dem Sonnenschirm unterwegs, denn die Sonne brennt unbarmherzig auf die Menschen herab.
Immer wieder eröffnen sich uns traumhafte Ausblicke über die weite Landschaft mit ihren hohen Bergen.
Wir wollen noch den Mondtempel von Yeha besichtigen und fahren von der Teerstraße ca. 5 km wieder über Piste dorthin. Der Tempel ist ein kubischer Bau aus dem Zeit um 500 v. Chr.
Dann gingen wir zurück zu unseren Wohnis, die wir nahe der mächtigen Feige geparkt hatten, um wieder zurück auf die Straße zu fahren.

Wir fahren weiter auf der Teerstraße und immer wieder eröffnen sich uns atemberaubende Ausblicke in die Landschaft, mal hohe Felsen, mal weite Ebenen, auch schon mal ein kleiner See.
Dann geht's wieder einen Pass rauf, den Aloka-Pass mit einer Höhe von 3.048 m. Wir sind das Passfahren jetzt schon so gewöhnt, unser Auto klettert flink und wenige die steilen Kurven rauf und runter, wie eine Ziege, oder wie heißt das Tier mit Rüssel?.

Kurz vor Mikele wollen wir einen Altar besichtigen, den uns Dr. Pawel Wolf empfohlen hat, denn er hat ihn ausgegraben. Also suchen wir den zuständigen Mann bei Touristeninformation, der uns einen Mitarbeiter schickt, der uns zur Ausgrabungsstätte begleitet. Es ist auch nicht weit von der Straße, da sehen wir eine große Überdachung. Hier ist der Opferaltar aufgestellt, so wie er hier gefunden wurde. Ein Wächter mit Gewehr bewacht das Gelände.

Über diesem Altar wurde ein Tier getötet, dessen Blut lief durch den Altar, trat an der Seite an dem Stierkopf ähnlichen Auslauf wieder aus und wurde in einer Vertiefung gesammelt.
Auch wurde eine kleine kopflose Statue gefunden, man ist guten Mutes, dass sich der Kopf noch hier finden wird, wenn Dr. Pawel Wolf im März zurück kommt, um weiter auszugraben.

Um den Altarblock läuft auf drei Seiten eine Inschrift um, die auch entziffert ist und besagt, dass hier das Grab eines Königs sei.
Da der Opferaltar aus dem 7. bis 5. Jh. v. Chr. datiert ist mussten wir alle mal so ein altes Stück anfassen. Befriedigt konnten wir dann weiterfahren. In Wukro ging es dann wieder auf die Teerstraße und es ging schnell weiter nach Mikele.

Dann erreichen wir Mikele und mithilfe eines Toyofahrers finden wir dann das Abraha Castel Hotel, in dessen Hof wir die Nacht verbringen.

58. Tag - Sonntag - 24.01.2010 - Fahrt nach Lalibela

Um 7 Uhr geht's los heute Morgen, denn wir wollen nach Lalibela fahren und wie die Gruppe beschlossen hat, lieber 380 km Teerstraße und nur 70 km Piste, als 280 km nur Piste.
Es geht's also wieder auf die Straße Richtung Addis Abeba. Es geht wieder durch Dörfer und über einsame Höhen, aber meist sind Menschen zu Fuß unterwegs, immer wenn man anhält, sind im Nu Menschen, vor allem Kinder da, wo die herkommen? das bemerken wir meist nicht.
Heute gilt es auch wieder Serpentinen noch und noch zu fahren. Die ersten zwei Stunden bin ich dran, dann wechseln wir uns ab und Achim hat die nächsten zu bewältigen. Die Landschaft ist grandios und hinter jeder Kurve liegt eine Überraschung.

Hinter Weldiya beginnt dann der Highway Richtung Lalibela. Zum Glück fährt Achim hier, denn es geht auf 3.555 m Höhe. Ab 3.000 m merke ich die Höhe ganz schön im Kopf. Es ist erstaunlich hier oben so auf 3.200 m leben viele Menschen, wir fahren durch die verschiedensten Dörfer und überall gibt es Menschen und viel Vieh, auch die Vegetation ist erstaunlich, alles wächst hier.
Es gibt zahlreiche Baustellen an der Strecke und immer sind Chinesen dort anzutreffen. Die Chinesen bauen hier überall die Teerstraßen.

Dann in Gashema biegen wir auf die Piste ab nach Lalibela. Die Piste ist ganz schön hart und tiefen Rinnen durchziehen sie. Unser Geschirrschrank springt auf und alle Teller fliegen raus. Es ist das mittlere Chaos ausgebrochen.

Kinder stehen an der Piste und winken, manchmal werfen sie auch mit Steinen. Diesmal haben wir Glück gehabt, es war nur Matsche. Hier oben gibt es wieder Rundhäuser, die versteckt am Hang liegen.
Dann schlug das Schicksal zu, kaum kam ich wieder ans Steuer, gab es hinten links eine dicke Reifenpanne. Der Reifen wickelte sich total auf. Zum Glück war es hier fast eben und breit genug. Schnell konnte ich noch Renate und Joachim über Funk rufen, diese dann noch Guido erreichen. Alle beiden Wagen kamen dann zurück und besahen sich das Dilemma.

Joachim schlüpfte in den Rotmann, Guido in sein halbdurchsichtiges Ganzkörperkondom und dann wurde in die Hände gespuckt und die Muttern gelöst, vorher natürlich der Wagenheber untergesetzt. Dann funktionierte sogar hinten der Aufzug, und wir konnten das Ersatzrad herunterholen.
Gemeinsam hoben die Männer dann das Rad auf die Achse und befestigten es. Dann wurde noch aufgeräumt, das kaputte Rad auch hinten drangemacht und dann ging's aber flott weiter, denn es waren noch 30 km zu fahren und es war schon fast 18 Uhr. Um 18.15 Uhr geht die Sonne unter.
Das Radwechseln hat etwas über eine Stunde gedauert, flott - fast wie bei Formel 1-Profis -. Im Dunkeln kamen wir dann in Lalibela an und fanden auch das Lal-Hotel, wo wir übernachten.

59. Tag - Montag - 25.01.2010 - Lalibela

Nach dem Schrecken gestern und den Strapazen ist für heute nur Ruhe angesagt. Wir stehen hier sehr schön im Garten und ruhen uns aus, es wird das Auto sauber gemacht, all die Arbeiten, die so anfallen, wenn man Zeit hat.

Leider klappt es auch hier nicht die Bilder einzugeben. Wir werden einige dann in Addis Abeba nachreichen, wenn es dann dort klappt.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Von Genua aus mit dem Schiff nach Tunis, weiter durch Tunesien, Libyen nach Kairo und südwärts bis Kapstadt durch den Sudan, Äthopien, Kenia Uganda, Tansania, Malawi, Sambia, Namibia nach Südafrika
Details:
Aufbruch: 25.11.2009
Dauer: 5 Monate
Heimkehr: 25.04.2010
Reiseziele: Südafrika
Italien
Tunesien
Ägypten
Sudan
Äthiopien
Uganda
Tansania
Malawi
Sambia
Namibia
Der Autor
 
Ingrid und Achim H. berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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