Westwärts

Reisezeit: Dezember 2010 - März 2011  |  von Andrea Torsten

Chile: Nordchile – Sand & fliegende Berühmtheiten

Kaum in Chile schon in den lokalen Nachrichten - das ist mal ein Empfang!

Wie richtige Celebrities sind wir in der Rubrik "Soziales" abgebildet - im Bus wurden wir sogar von einem Mitreisenden erkannt

Wie richtige Celebrities sind wir in der Rubrik "Soziales" abgebildet - im Bus wurden wir sogar von einem Mitreisenden erkannt

Ein peruanischer "Schleuser" brauchte uns und ein deutsches Pärchen im Taxi über die Grenze nach Chile. Dabei waren wir mit überhöhtem Tempo unterwegs, so dass wir gleich nach der Grenze von einem grimmigen chilenischen Polizisten angehalten wurden und der Fahrer mächtig Ärger bekam.

Das regnerische Hochland Perus hatten wir hinter uns gelassen und wir fanden uns an der sonnigen Küste in Arica wieder. Zur Zeit der Kolonialisierung wurde von hier das Silber aus Potosi, Bolivien verschifft. Seit dem "War of the Pacific" zwischen Peru, Bolivien und Chile gehört Arica zu Chile. Das bedeutete gleichzeitig den Verlust des Küstenzugangs für Bolivien. Noch heute ist das Verhältnis von Chile, Peru und Bolivien deshalb gespannt.

Chile ist 4300 Kilometer lang, aber im Durschnitt nur 195 Kilometer breit. Hinter der Küste erstrecken sich gleich die Precordilleras und dahinter sieht man bereits die Schatten der mächtigen Anden. Arica ist einer der wenigen Orte auf der Welt von wo man von Meereshöhe innerhalb 3 - 4 Stunden auf's Hochplateau auf über 4500m in einen schönen Nationalparkfahren kann. Wir wollten diesmal keine geführte Tagestour machen und entschlossen uns, ein Auto zu mieten. Früh morgens brausten wir mit unserem knallroten VW-Golf los. Wunderschöne Aussichten auf die Anden, kleine Dörfer ab von der Welt, Kakteen die nur einmal im Jahr für 24 Stunden blühen und viele riesige Laster die sich schwerfällig die Berge hochkämpften machten die Fahrt hoch ins Altiplano abwechslungsreich. Auf 4500m erwartete uns dann der wunderschöne Lauco Nationalpark mit uns fremden Tieren wie Vizchaza (so eine Art Mischung aus Hase und Riesenmaus), Vicunas (deren Fell super wertvoll ist), Alpaca (deren Fleisch extrem lecker ist) und unglaublichen Farben. Highlight ist der Wunderschöne Lago Chungara, in dem sich der scheebedeckte Vulcano Parinacota spiegelt. Wieder zurück in Arica waren wir dann ziemlich k.o. - die Hitze im Auto, der frische Wind in der Höhe aber auch der Höhenunterschied und die anstrengende Fahrt für Torsten liessen uns früh schlafen.

Im Lauca-Nationalpark

Im Lauca-Nationalpark

Vicunas

Vicunas

Von Arica ging es dann in die "nur" 4,5h entfernte nächste Stadt. Iquique ist bei Paraglidern und Surfern gleichermassen beliebt. Die Surfer nehmen viele der unzähligen Beaches in Beschlag und die Paraglider nutzen die stabilen Windverhältnisse sowie die steilen, sandigen Felsen und riesigen Dünen um ziemlich gefahrenlos durch die Lüfte zu fliegen. Da wir seit Australien wissen, dass wir keine besonders begabten Surfer sind, beschlossen wir es diesmal mit Paragliden zu versuchen. Dabei verliessen wir uns auf Schweizer Qualität - der renommierteste Anbieter ist ein Schweizer der seit 25 Jahren in Iquique lebt. Unser fast blinder Hostelbesitzer hat uns zwar ebenfalls einen Tandemflug zu günstigeren Konditionen angeboten - wir haben aber dankend abgelehnt. Mit einem Duzend anderen Paraglidern standen wir also auf der Klippe hoch über der Stadt. Andrea war bereits den ganzen Morgen recht nervös und fragte mehrfach laut, was sie hier eigentlich mache. Nach einer kurzen Einweisung in das Revier und den geplanten Ablauf wurden wir mit Helm und Fluganzug ausgestattet, in ein Tragegestell gepresst und dann mit unserem Tandempartner an dessen Schirm geklinkt. Dann ging es los - der Schirm baute sich auf, wir rannten mit unseren Partnern (Andrea hatte ihren finnischen Guide schon davor gewarnt, dass sie wohl sehr laut schreihen werde) über die Klippe und los ging es! Zur Überraschung war der Flug sanft, Andrea schrieh nicht und beide waren wir einfach überwältigt von dem Gefühl zu fliegen.
Zunächst galt es für die Piloten, die richtige Höhe zu erreichen um anschliessend über die Stadt an den Strand zu fliegen. Hierfür folgten sie den lokalen Geiern, die ein sehr feines Gespür für die Aufwinde haben und stundenlang ohne anstrengende Flügelschläge durch die Luft kreisen können. Wir taten es ihnen gleich und während Andrea sogar ihren Piloten überraschte, indem sie zahlreiche Fotos schoss und fleissig Videos drehte, so fühlte Torsten doch eine gewisse Unruhe in der Magengegend und war schliesslich froh, dass nach dem "nach oben schrauben" der Gleitflug über die Stadt begann. Bei der Landung verpasste Andrea dann das Signal zum Beine ausstrecken und so landete sie quasi im Sitzen und wurde von ihrem Schirm begraben. Trotzdem war sie schnell genug auf den Beinen um die laut Piloten mustergültige Landung von Torsten zu filmen. Letztendlich spiegelte die Landung genau das Gegenteil der jeweiligen Gefühlslage wieder. Während Andrea berauscht von ihrem Flug davon sprach, dies nun auch in den Alpen probieren zu wollen, war Torsten einfach froh, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben.

Torsten freut sich auf seinen 1. Paragliding-Flug

Torsten freut sich auf seinen 1. Paragliding-Flug

Zur eigenen Überraschung ist Andrea total begeistert -das Karussell im Kopenhagener Tivoli viiiiiel schlimmer

Zur eigenen Überraschung ist Andrea total begeistert -das Karussell im Kopenhagener Tivoli viiiiiel schlimmer

Andrea & ihr Pilot hoch über Iquique

Andrea & ihr Pilot hoch über Iquique

Gemeinsam mit uns war auch die Paris-Dakar-Rally in Iquique angekommen. Diese wird seit einiger Zeit in Südamerika ausgetragen, da die politischen Verhältnisse in Afrika nicht stabil genug für diese Grossveranstaltung sind. Natürlich war die Ankunft Thema Nummer Eins in der Stadt und so wollten auch wir bei der Zieleinfahrt der Fahrzeuge dabei sein.
Um es kurz zu machen: Wir konnten dem angeblichen Spektakel nichts abgewinnen.
Stundenlang wartet man bei brütender Hitze darauf, wie ein paar Geländewagen und Motorräder eine zugegebenermassen recht steile Düne hinunterbrausen. Die Abstände zwischen den Fahrern sind jedoch extrem lang und so ist die Veranstaltung doch insgesamt sehr langweilig. Interessant wurde es erst, als wir in einem der zahlreichen Zelte einen jungen Chilenen kennen lernen, der gerade von einem elfmonatigen Austausch aus Deutschland zurück ist und diesen ausgerechnet in Torstens Heimat Pinneberg verbracht hat. Sein Deutsch war wirklich ausgezeichnet und er hatte sichtlich Freude daran, seine Sprachkenntnisse auch in der Heimat weiter anzuwenden.

Bevor es weiter ins heisse und trockene San Pedro im Landesinneren ging wollte Torsten sich aber noch von seiner mittlerweile recht üppigen Matte trennen. Iquique schien dafür geradezu ideal, da gefühlt jeder dritte Laden entsprechende Dienstleistungen anbat. Ein Angebot für ca. 3 Euro machte schliesslich dass Rennen und der Meister erbrachte das Haareschneiden in einem Rekordtempo von fünf Minuten. Nun ja, die Teilnahme am Südamerikanischen Wettbewerb zur "Frisur des Jahres" kann Torsten sich nach diesem Besuch zwar abschminken, aber zumindest passt der Sonnenhut nun wieder einigermassen.

Torsten's Matte geht's an den Kragen....

Torsten's Matte geht's an den Kragen....

© Andrea Torsten, 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
In vier Monaten Richtung Westen einmal um die Welt: Schweiz - Ecuador - Peru - Bolivien - Chile - Neuseeland - Australien - Singapur - Thailand - Finnland - Schweiz
Details:
Aufbruch: 05.12.2010
Dauer: 4 Monate
Heimkehr: 31.03.2011
Reiseziele: Ecuador
Schweiz
Peru
Chile
Bolivien
Neuseeland
Vanuatu
Australien
Singapur
Thailand
Der Autor
 
Andrea Torsten berichtet seit 10 Jahren auf umdiewelt.
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