Madeira: Wahre Schönheit liegt im Innern

Reisezeit: Juni / Juli 2011  |  von Kathrin Hentzschel

8.7.: Ein schlüpfriges Vergnügen

Die Insel fordert weiteren Blutzoll. Es geht nach Santana, auf die Nordseite. Die strohgedeckten Häuser zu besichtigen schenken wir uns - es fehlt das Licht, denn es ist stark bewölkt. Von dort fahren wir auf 900 Meter hinauf, wo wir das Auto parken. Die Luft ist kühl, neblig, kleine Tropfen sprühen durch die Luft. Lange Hosen und Jacke machen sich hier bezahlt. An diesem Ort beginnt eine der verwunschensten Levadas zum "Caldeirao Verde", dem grünen Kessel, mit einer Weglänge von etwa 13 Kilometern. Mir scheint, diese Natur vertrüge gar keine Sonne, sonst ginge ihr geheimnisvoller Zauber verloren. Es grünt üppig, und hätte es 15 Grad mehr, würde man sich in einem tropischen Regenwald wähnen. Wir müssen durch vier Tunnel gehen; zwei davon haben es in sich: stockfinster, schlüpfriger Boden, herabhängende Felszapfen. Weil ich mich besonders langsam vorantaste, dreht sich Urban immer wieder nach mir um und leuchtet mit der Taschenlampe. Dabei übersieht er das, was von der Decke herunterhängt.

Er ist tapfer und stopft die herausquellende Gehirnmasse wieder rein, wir wischen das Blut ab und müssen über etliche rotgefärbte Tücher, die am Boden liegen, lachen. Wahrscheinlich tropft auch kein Wasser von der Decke des Tunnels, sondern Blut ...

Als wir zurückfahren, nehmen wir die schon bekannte Straße über Camacha. Dort hatten wir bereits einmal ein Gasthaus mit schönen Naturholzbänken draußen bemerkt, mitten im Wald an einer Straßenkreuzung. Dorthin, zum "Abrigo do Pastor", der Hirtenherberge, zieht es uns jetzt. Mit Recht. Der Himmel reißt alsbald wieder auf und leuchtet in sattem, portugiesischem Blau. Langsam wärmen wir uns auf. Für Urban gibt es einen Rinderspieß, der wundervoll zart und gut gewürzt ist, ich esse überbackenes Gemüse mit den herrlichen madeirensischen Bohnen. Als Vorspeise teilen wir uns eine traditionelle Getreidesuppe ("Sopa do Trigo"). Mit den Fleischbrocken darin füttere ich die Hündin des Hauses, ein krummbeiniges älteres, dilettantisch geschorenes Tier mit einer schlecht verheilten Wunde am Bein und einem gewaltigen Unterbiss. Wieder mal sind alle zufrieden.

Dieser Park markiert den Ausgangspunkt der Wanderung zum Caldeirao Verde.

Dieser Park markiert den Ausgangspunkt der Wanderung zum Caldeirao Verde.

Diese Eiderente bewohnt ein typisches Santana-Haus mit Strohdach.

Diese Eiderente bewohnt ein typisches Santana-Haus mit Strohdach.

Alles im grünen Bereich.

Alles im grünen Bereich.

Noch mehr Grün. Man beachte die gigantischen Farnblätter.

Noch mehr Grün. Man beachte die gigantischen Farnblätter.

Einer der vier Tunnel der Wanderung. Vor diesen wird gewarnt.

Einer der vier Tunnel der Wanderung. Vor diesen wird gewarnt.

Hier zieht wieder einmal Nebel auf.

Hier zieht wieder einmal Nebel auf.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wir haben zögernd Freundschaft geschlossen: Urban und Kathrin (und natürlich Coelho, unser diesjähriges Reisekaninchen) mit Madeira. Doch wie schön, wenn man sich steigern kann! Es wurde immer besser: Das Wetter, mein verletzter Knöchel, die Ausblicke, die Erlebnisse. Hier unsere Eindrücke von 800 gefahrenen und 50 erlaufenen Kilometern. Manchmal erschien es uns umgekehrt …
Details:
Aufbruch: 29.06.2011
Dauer: 14 Tage
Heimkehr: 12.07.2011
Reiseziele: Portugal
Der Autor
 
Kathrin Hentzschel berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.
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