Heidschnucken und Backsteingotik

Reisezeit: September 2012  |  von Herbert S.

Der Weseler Heidlehrweg

Die Strecke des Weseler Heidelehrweges führt durch interessante und typische Landschaftsteile des Naturschutzgebietes. Hier erwandert man auf einem 6,1 km langen Rundweg vielfältige und eindrucksvolle Schönheiten und "Attraktionen". Hinweistafeln geben Ihnen historische, ökologische, geologische und kulturelle Auskünfte.

Direkt am Startpunkt steht das Weseler "Hexenhaus".
Dieses kleine verwinkelte Gebäude ist ein ausdrucksstarker Zeuge örticher Wirtschafts- und Wohnverhältnisse der vergangenen zwei bis drei Jahrhunderte. Bei dem ursprünglichen Baukörper handelt es sich um eines der ältesten erhaltenen Heidebackhäuser in Wandständerbauweise mit eingehälsten Ankerbalken. Erschlossen wird er von einer giebelständigen Personentür (inschriftlich 1731 datiert). Das Backhaus gehörte ursprünglich zu einem der größeren Höfe Wesels, soll der Überlieferung aber auch als Dorf backhaus gedient haben. Backhäuser waren im 18. Jahrhundert wegen der Brandgefahr in den Dörfern vorgeschrieben. Sie mussten einen gebührenden Abstand zu den Höfen haben und wurden deshalb gern am Ortsrand errichtet (hier der "Höllenhoff").
Die hexenhausartige untypische verwinkelte Bauweise dieses Gebäudes kam durch die spätere Umnutzung zu Wohnzwecken zustande. Dafür wurde der (jüngere) seitliche Fachwerkbau angefügt. Der Umbau von kleinen Nebengebäuden zu Häuslingshäusern oder Abbauerhäusern war wegen der Bevölkerungszunahme im 19. Jahrhundert weit verbreitet.
Ein solches Denkmal der historischen Dorf- und Bevölkerungsentwicklung ist sonst nirgends mehr im Gebäudebestand unserer Dörfer in der Heideregion vorhanden.

Weseler "Hexenhaus

Weseler "Hexenhaus

Der nächste Punkt von Interesse ist der historische Schafstall von 1800. Zur Zeit, als napoleonische Truppen das Land besetzt hielten und hohe Abgaben zu leisten waren, wurde diese Schnuckenherberge in der außergewöhnlichen Nur-Dach-Form erbaut.
Die anderen vier Schafställe in Wesel und Umgebung hatten das Dach auf einer einen halben Meter hohen Findlingsmauer und das Tor an der Stallfront.
Die Schnuckenherden der Höfe umfassten ca. 50 bis 70 Muttertiere und dienten neben der Fleischerzeugung der Düngerproduktion. Abgeplaggte oder gemähtes Heidekraut wurde als Streu eingebracht, die sich mit dem Dung der Schnucken zu brauchbarem Dünger vermengte. 1950 wurde in das Dach ein Beobachtungsplatz zur Hege des Wildes eingebaut.

historischer Schafstall

historischer Schafstall

Hier entdecken wir tatsächlich noch einen Bienenzaun mit Lüneburger Stülper

Hier entdecken wir tatsächlich noch einen Bienenzaun mit Lüneburger Stülper

auch auf diesem Rundweg gelangen wir an einen Schnuckenstall

auch auf diesem Rundweg gelangen wir an einen Schnuckenstall

und an abgeplaggte Heidestellen

und an abgeplaggte Heidestellen

Zurück müssen wir leider eine Strecke über die Landstrasse laufen, können aber auch dort die typischen reedgedeckten Fachwerkhäuser bewundern.

Zurück müssen wir leider eine Strecke über die Landstrasse laufen, können aber auch dort die typischen reedgedeckten Fachwerkhäuser bewundern.

© Herbert S., 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Das schöne Wetter nutzend machen wir uns auf in die Lüneburger Heide zum Wandern und besuchen die Städte Lüneburg und Uelzen
Details:
Aufbruch: 01.09.2012
Dauer: 9 Tage
Heimkehr: 09.09.2012
Reiseziele: Deutschland
Der Autor
 
Herbert S. berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Herbert sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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