Indien 2013

Reisezeit: Juni - August 2013  |  von Hartmut Laue

Ein Müllwald

Ohhh, kein Müllwald, sondern Gold und Grenze .....

Ich konnte die Überschrift nachträglich nicht mehr ändern....

Wir nehmen den Zug nach Amritsar und wählen die einfache Sleeperklasse (hier gibt es nur reservierte Sitze), es ist ja nur eine Tagesfahrt. Auch dieses System ist noch undurchsichtig: Wir bekommen einen Tag vorher nur Waitlist Tickets und stehen auf den Plätzen 120 ff (und rechnen uns eigentlich keine Chancen aus). 2 Stunden vor Abfahrt werden die Tickets erstaunlicherweise mit festen Sitzplätzen confirmed und.... Im Zug scheint jedoch fast niemand ein festes Ticket zu haben, es wird gedrängelt, auf unserer Dreiersitzbank sitzen 5 Leute. Immerhin nette Sikhs,

die zum Wochenende nach Hause fahren, Ärzte, Ingenieure. Es wird viel gelacht und erzählt, das fällt im Gegensatz zu deutschen Zügen auf. Sie fragen uns, was denn der Unterschied zu Deutschland ist. Wir versuchen einiges zu erklären, allergrößte Heiterkeit erregt meine Bemerkung, In Deutschland sitzen im 6-er Abteil max. 6 Leute, in Indien sind es 12. Dieser Witz wird dann jedem Neuankömmling sofort weitererzählt. Sie arbeiten 6 Tage die Woche und fahren am Samstagabend nach Hause. Zurück geht's dann am Montagmittag...Hä? 6 Tage? -> Großes Gelächter, "Indian weekend!" Aha.

ein erster Blick auf den Goldenen Tempel....

ein erster Blick auf den Goldenen Tempel....

In Amritsar können wir neue Transportrekorde beobachten:
- In einer zweisitzigen Fahrradrikscha sehen wir 4 Erwachsene und 2 Kinder
- In einer Autoriksha (Tuk-Tuk) zählen wir 11 Erwachsene plus Fahrer!!!
- Auf einem Motorrad sitzt die Ehefrau im Sari hinten auf dem Soziussitz im Damensitz, hält im linken Arm locker ein winziges Baby und telefoniert gleichzeitig mit der Rechten, während der Ehemann im Zickzack durch den dichten Verkehr kurvt - natürlich ohne Helm.

Erstaunlicherweise haben wir bisher nur wenige leichte Unfälle mit Blechschäden gesehen... bei dem Chaos.

Die verwinkelte Altstadt mit ihren schmalen Gässchen um den Goldenen Tempel herum ist für größere Fahrzeuge schwer befahrbar (sie quetschen sich natürlich trotzdem durch), daher gibt es hier sehr sehr viele Fahrradrikshas, die mit den Tuk-Tuks um Passagiere kämpfen.

Doch natürlich, der Goldene Tempel, deswegen sind wir ja hier! Zunächst geben wir am shoe locker seine Schuhe ab und erhält eine Marke. Barfuß gehen wir die Straße zurück und in einen schmalen Gang, der zum Haupteingang führt (erstaunlich, dass man sie keinen Fußpilz holt...) und betritt das Areal dann durch den Uhrenturm.

Hier fällt der Blick als allererstes auf den goldenen Hamandir. Der Faszination des strahlenden Goldenen Tempels von Amritsar, kann sich kaum ein Besucher entziehen. Er steht Menschen aller Religionen offen. Im 16 Jh. Von Guru Arjan Dev erbaut, erhebt sich dieser Hamandir aus der Mitte des künstlich angelegten Sees und ist durch einen schmalen Steg mit dem umlaufenden Parikrama aus Marmor verbunden. Im ganzen Komplex hört man ununterbrochene musikalische Rezitationen (shabad kirtan). Das Dach und die Kuppel des Hamandir sind mi 100 kg Blattgold bedeckt.

Es sieht schon toll aus!

Es sieht schon toll aus!

das Dach symbolisiert eine Lotusblüte

das Dach symbolisiert eine Lotusblüte

Feine und .....

Feine und .....

.....feinste Einlegearbeiten

.....feinste Einlegearbeiten

Genauso interessant ist der Guru-ka-Langar, die free kitchen in der Nähe. Hier gibt es für jeden Ankommenden freie Speisen. Der Speisesaal ist zweistöckig, hier werden alle 20 Minuten 1000 Besucher abgefertigt und das 24 Stunden rund um die Uhr, also immer.

Alles wird von vielen Dutzend Freiwilligen organisiert, Dal wird in riesigen Suppenkesseln gekocht, das Backen von Unmengen chapatti, das Ausgeben und Einsammeln des (Blech-) Geschirrs, der Abwasch in der Riesenküche ist eine faszinierende Geschichte, wir stehen staunend vor der Küche und beobachten das hektische Treiben.

free kitchen

free kitchen

in der Küche: Tellerstation und Abwaschkolonnen

in der Küche: Tellerstation und Abwaschkolonnen

Teller, Teller, Teller

Teller, Teller, Teller

Brotbackabteilung

Brotbackabteilung

Dal Kochtopf

Dal Kochtopf

der junge Mann mit der blauen Mütze nimmt die leeren Tabletts entgegen. Da sie oft nicht ganz leer sind, ist er von oben bis unten mit Essen bekleckert ... er arbeitet unheimlich schnell, geschätzt 2 Teller pro Sekunde

der junge Mann mit der blauen Mütze nimmt die leeren Tabletts entgegen. Da sie oft nicht ganz leer sind, ist er von oben bis unten mit Essen bekleckert ... er arbeitet unheimlich schnell, geschätzt 2 Teller pro Sekunde

Am Nachmittag schreiten wir zum zweiten Höhepunkt. Um 3 Uhr steigen wir in das Sammeltaxi ein, das uns in 1 ½ Stunden zur 30 km entfernten pakistanischen Grenze bringt. 1km vorher ist Schluss, hier warten bereits Menschenmassen vor dem geschlossenen Tor, es erinnert an ein Heimspiel von Schalke. Weitere 1 ½ Stunden stehen wir mit anderen Touris etwas abseits in drückender Schwüle, für uns der heißeste Tag auf der ganzen Reise, ohne sich zu bewegen, läuft der Schweiß in Strömen.

Dann geht es 500m weiter und wieder stockt es für lange Zeit, dann lotst uns irgendjemand am Stau vorbei und wir sehen den Grund: es wird vereinzelt für die sorgfältigen Sicherheitschecks und das dauert wieder. Schließlich stehen wird am Gate 3 für foreigners und VIP's. Passport please! Moana hat ihren nicht dabei, da uns im Hotel gesagt wurde, man bräuchte keinen.

Ich versuche erst mit Vater-Tochter Story nach dem Motto, es sei doch klar, dass sie meine Tochter sei und ich hätte ja meinen Pass dabei - nein, eine ID müßte her. Dann erzähle ich, dass man uns im Hotel gesagt habe, "foreign face - no problem", da lacht er, schüttelt mir die Hand und dürfen alle drei ohne Pass passieren .
Dann geht's auf die Tribünen, wo schon Tausende auf das Spektakel der Grenzschließungsprozedur warten. Das Tor ist noch zu, auf der pakistanischen Seite sind auch Tribünen, aber wenige Menschen, die Frauen alle tief verschleiert - hier treffen 2 Welten aufeinander!
Am Nachmittag schreiten wir zum zweiten Höhepunkt. Um 3 Uhr steigen wir in das Sammeltaxi ein, das uns in 1 ½ Stunden zur 30 km entfernten pakistanischen Grenze bringt. 1km vorher ist Schluss, hier warten bereits Menschenmassen vor dem geschlossenen Tor, es erinnert an ein Heimspiel von Schalke. Weitere 1 ½ Stunden stehen wir mit anderen Touris etwas abseits in drückender Schwüle, für uns der heißeste Tag auf der ganzen Reise, ohne sich zu bewegen, läuft der Schweiß in Strömen.
Dann geht es 500m weiter und wieder stockt es für lange Zeit, dann lotst uns irgendjemand am Stau vorbei und wir sehen den Grund: es wird vereinzelt für die sorgfältigen Sicherheitschecks und das dauert wieder. Schließlich stehen wird am Gate 3 für foreigners und VIP's. Passport please! Moana hat ihren nicht dabei, da uns im Hotel gesagt wurde, man bräuchte keinen.

Ich versuche erst mit der Vater-Tochter Story nach dem Motto, es sei doch klar, dass sie meine Tochter sei und ich hätte ja meinen Pass dabei - nein, eine ID müsste her. Dann erzähle ich, dass man uns im Hotel gesagt habe, "foreign face - no problem", da lacht er, schüttelt mir die Hand und wir dürfen alle drei ohne Pass passieren, verrücktes Indien.

Dann geht's auf die Tribünen, wo schon Tausende auf das Spektakel der Grenzschließungsprozedur warten. Das Tor ist noch zu, auf der pakistanischen Seite sind auch Tribünen, aber wenige Menschen, die Frauen alle tief verschleiert - hier treffen 2 Welten aufeinander!

man wartet auf den Einlass

man wartet auf den Einlass

vorbei am Grenzzaun (erinnert mich an die Zonengrenze)

vorbei am Grenzzaun (erinnert mich an die Zonengrenze)

die Tribünen sind voll

die Tribünen sind voll

auf pakistanischer Seite ist wenig los, irgendwie ein trauriges Land, alle Frauen tief verschleiert.

auf pakistanischer Seite ist wenig los, irgendwie ein trauriges Land, alle Frauen tief verschleiert.

schick sehen sie ja aus

schick sehen sie ja aus

Die 1 ½ stündige Show mutet etwas makaber an. Soldaten in schicker Uniform marschieren im Stechschritt, Kinder laufen mit indischen Flaggen Stafetten zur Grenze und wieder zurück, Zuschauerinnen tanzen zu Technomusik, ein Einpeitscher in schneeweißem Ballonseide Trainingsanzug(!) heizt die Massen mit nationalistischen Parolen an, die Zuschauer brüllen mit und alles wird mit riesigen Lautsprechern übertragen - und die Pakistanis veranstalten ähnliches, immer abwechselnd. Irgendwann geht dann das Tor auf, man salutiert gegenseitig und dann werden die Fahnen eingeholt, wobei penibel darauf geachtet wird, dass die Fahnen immer genau gleich hoch sind.

Blick auf das offene Grenztor. Rote Mützen Indien, schwarze Mützen Pakistan

Blick auf das offene Grenztor. Rote Mützen Indien, schwarze Mützen Pakistan

die Kommandeure salutieren, bevor die Fahnen eingeholt werden

die Kommandeure salutieren, bevor die Fahnen eingeholt werden

Irgendwann ist dann Schluss und alles begibt sich wieder in die Hunderten wartender Fahrzeuge zurück nach Amritsar.... Wieder eine Erfahrung reicher, dieser Nationalismus bleibt uns aber suspekt.

ein letzter Blick auf den Goldenen Tempel

ein letzter Blick auf den Goldenen Tempel

© Hartmut Laue, 2013
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Die Ziele sind diesmal Mumbai, Goa, Hampi, Ellora, Ajanta, Ladakh und mal sehen....
Details:
Aufbruch: 28.06.2013
Dauer: 7 Wochen
Heimkehr: 13.08.2013
Reiseziele: Indien
Der Autor
 
Hartmut Laue berichtet seit 10 Jahren auf umdiewelt.