Indien 2013

Reisezeit: Juni - August 2013  |  von Hartmut Laue

Nun aber in den Himalaya

Von Delhi bringt uns der Expresszug "Himalayan Queen" nach Kalka, Frühstück ist im Preis enthalten und wird Platz serviert. In Kalka steigen wir dann in einen sog. Toy Train um, das sind die Schmalspurbahnen im Himalaya, die kleine niedliche Loks und Waggons haben. Auch er heißt "Himalayan Queen". Die Strecke wurde 1903 gebaut, hat 103 Tunnel und über 800 Brücken und windet sich in Dutzenden von dramatischen extrem engen Kehrschleifen und Kehrtunneln den Berg hinauf auf 2200 m bis nach Shimla, einer ehemaligen "Hill Station" der Briten.

Bei einer Luftlinie von 50 km benötig der Zug für die 100 km Strecke über 5 Stunden, schneller als 20 kmh wird es nicht. Im Sommer zog sich die gesamte britische Kolonialverwaltung mit sämtlichen Lakaien und allen dreifach Formularen hierhin zurück. Früher ließen sie sich mit Sänften hier herauftragen, dann wurde die Zugstrecke gebaut. Der Zug quält sich dabei auf 2200m hoch, Grund für das angenehm kühle und trockene Klima. Die Dreifach Formulare mit Blaupapier sind noch überall zu finden, obwohl überall auch Computer stehen, bei Kontrollposten, bei Geldwechsel, in jedem Hotel, dazu riesige Bücher wie seit 100 Jahren, in die alles klitzeklein eingetragen wird. Dazu jedesmal eine Kopie von jedem Pass, Genehmigungen und Permits, auch alle mehrfach. Was geschieht nur mit all diesen Tonnen an Papier?

Einmal durchfahren wir einen großen Bahnhof, der Bahnsteig ist voller Menschen ... und mittendrin ein Büffel auf dem Bahnsteig!?

Toy train

Toy train

Toy Train

Toy Train

Tatsächlich ist Shimla ganz anders als das "normale" Indien. Die große Hauptstraße (Mall) ist tatsächlich für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Hier flanieren Urlauber aus Indien, Honeymooner und ein paar Touris an den besseren Geschäften entlang, alles trifft sich am Scandal Point (soll vom früheren Tratsch kommen). Viele Gebäude wirken englisch mit etwas zerbröckelndem Charme,, die Straßen sind z.T. extrem steil, da der Ort auf einem hohen Berggrat thront und nach rechts und links steil abfällt.

Wir besuchen, das "Indian Coffee House" aus den britischen Jahren des vorigen Jahrhunderts, und seitdem wurde offensichtlich nichts geändert oder renoviert (selbst das Schild "Right of Admission reserved" hängt noch an der Wand). Die Kellner haben elegante Turbane auf, während der Rest der weißen Kleidung eher schmuddelig ist. Hier treffen sich auch viele ältere (indische) Rentner im Anzug, die hier einen Kaffee trinken und Zeitung lesen.

Der Höhepunkt in Shimla - neben einem 30 m hohen Hanuman in rot-orange auf einer Bergkuppe (hier auf 2455m liegt auch der mit bunten Lichterketten und Lametta überladene Yakhu-Tempel sowie Fußabdrücke von Hanuman) - ist die Viceregal Lodge, bis in die 40-er Jahre der ehemalige Sitz des englischen Vizekönigs bzw. der brtischen Kolonialregierung und Ort mehrerer wichtigen Konferenzen zur Unabhängigkeit, u.a. mit Gandi und Nehru. Ein Riesenklotz im elisabethanischen Stil, der auch genausogut im schottischen Hochland stehen könnte. Das pompöse Innere ist alles mit Teakholz verkleidet, es gibt Ballsäle und Konferenzzimmer. Das Ganze ist umgeben von gepflegten Gärten

das Rathaus in Shimla ist eine Mischung aus Hogwarts und einem Herrenhaus aus Horrorfilmen.

das Rathaus in Shimla ist eine Mischung aus Hogwarts und einem Herrenhaus aus Horrorfilmen.

Indian Coffee House

Indian Coffee House

Viceregal Lodge in Shimla, ein gewaltiges Gebäude für diesen kleinen Ort

Viceregal Lodge in Shimla, ein gewaltiges Gebäude für diesen kleinen Ort

Innen ist alles mit Teak- und Walnussholz belegt

Innen ist alles mit Teak- und Walnussholz belegt

Mahatma Gandhi in Shimla, ca. 1947

Mahatma Gandhi in Shimla, ca. 1947

"elektrische" Nähmaschine

"elektrische" Nähmaschine

Von Shimla geht es nun mit eine deLuxe Bus (gespochen "dilax"-bus) quer und kurvenreich durch die Berge in 10 Stunden nach Manali. "Dilax" heißt, es handelt sich auch hier um einen alter Klapperbus, der aber verstellbare Einzelsitze hat und in dem dauernd Bollywood Videos mit voller Lautstärke ablaufen.

Die Inder stecken bereits nach kurzer Zeit ihre Köpfe aus dem Fenster, die Spuren sieht man an der Außenwand.

Manali ist nun der Ausgangspunkt für (Land-)Reisen ins geheimnisumwobene Himalayareich Ladakh, heute eine Provinz des Staates Jammu Kashmir. Infolgedessen gibt es viele Traveller, Restaurants und Shops. Es liegt auf knapp 1800 m und ist damit schon viel angenehmer als das Tiefland. Es sieht aus wie in der Schweiz, dichte Wälder, Berge, Wasserfälle. Wir unternehmen Wanderungen bis ins entferne Solang Tal, wo es sogar einen Skilift gibt.

In einem der Dachrestaurants am Fluss

In einem der Dachrestaurants am Fluss

Im Garten unseres Veer Guesthouse - hier gibts WiFi!!!!

Im Garten unseres Veer Guesthouse - hier gibts WiFi!!!!

Wanderung ins Solang Valley

Wanderung ins Solang Valley

Lunchstop

Lunchstop

Nun ist es Zeit, mal wieder was zur Wettervorhersage zu sagen. Wir reisen ja nun zur Monsunzeit, und nach den Erfahrungen in Mumbai (immer wieder sehr kräftige Schauer) und Goa (48 Stunden Starkregen) befürchtete ich das Schlimmste. Daher informiere ich mich laufend im Internet: Hampi (leichter bis mittlerer Regen), Aurangabad (Schauer und Regen), Delhi (leichter Regen), Shimla (die nächsten 14 Tage Starkregen), Manali (immer wieder Regen), Leh (kein Regen, Nachts bis zu 4°, also sehr kalt, tags 21°). Und die Realität: von Hampi über Manali bis Leh 3,5 Wochen nur Wolken und viel Sonne, gelegentlich tröpfelt es etwas. In Leh sind nachts 20°, tags an die 30°, strahlender Sonnenschein!!!

Trefferwahrscheinlichkeit 0%, selbst aktuell wird Starkregen angezeigt, obwohl draußen blauer Himmel ist!! Es ist eine Schande, es ist noch viel schlechter als zu Hause, wo es m.E. nur höchstens in der Hälfte aller Fälle stimmt. Klar, wenn eine dicke stabile Hochdruckzone über Deutschland liegt, dann braucht man ja gar keinen Meteorologen, um eine längere Hitzewelle vorherzusagen, da kann man auch die Tante mit der Glaskugel fragen. Der Vorteil: Die anderen fallen auf diese Vorhersagen herein, und wir können hier in Ruhe bei Sonnenschein reisen

© Hartmut Laue, 2013
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Die Ziele sind diesmal Mumbai, Goa, Hampi, Ellora, Ajanta, Ladakh und mal sehen....
Details:
Aufbruch: 28.06.2013
Dauer: 7 Wochen
Heimkehr: 13.08.2013
Reiseziele: Indien
Der Autor
 
Hartmut Laue berichtet seit 10 Jahren auf umdiewelt.