Kulturregion Rhein-Neckar

Reisezeit: Dezember 2015  |  von Herbert S.

Heidelberg: Heidelberger Schloß

Eine Burg (castrum) in Heidelberg wurde erstmals 1225 in einer Belehnungsurkunde des Herzogs Ludwig von Bayern erwähnt. Seit 1303 sind zwei Burgen belegt. Die obere Burg, die 1537 infolge Blitzschlags ausbrannte, stand an der Stelle der heutigen Molkenkur. Mauerreste sind noch vorhanden. Beide Burgen waren Höhenburgen, wie sie die Staufer in Süddeutschland errichteten.
Etwa vom Karlsplatz aus kann man mit einer Bergbahn bis zur Molkenkur hinauffahren. Mit dem Ticket zur Umsteigestation auf halbem Wege (untere Burg) erwirbt man auch eine Eintrittskarte für das Schloßensemble incl,. Grossem Faß und Deutschem Apothekenmuseum

Die Baugeschichte der unteren Burg, dem späteren Schloss, gliedert sich in zwei Hauptabschnitte. Der erste Abschnitt umfasst die spätmittelalterlichen Befestigungs-und Wohnbauten von circa 1400 bis 1544, der zweite den Ausbau zur Schlossanlage mit repräsentativen Palastbauten im Renaissance-Stil und dem prächtigen Schlossgarten (Hortus Palatinus) bis zur Zerstörung Heidelbergs 1689 und 1693.

Wichtigster Bauherr der ersten Periode war Ludwig V. Er baute im aufkommenden Zeitalter der Feuerwaffen die Burganlage wehrhaft aus. Älter sind nur der Ruprechtsbau (um 1400) und Teile der östlichen Wehrtürme. Typisch für die späteren Bauphasen sind die fortgesetzten Ergänzungen und Veränderungen einzelner Bauten durch die aufeinander folgenden Kurfürsten, stets unter Beibehaltung der ursprünglichen Gesamtanlage. Dadurch weist das heutige Erscheinungsbild eine Überlagerung verschiedener Stilepochen auf und verstärkt so den malerisch-romantischen Eindruck der Ruinen.

Über Jahrhunderte hinweg symbolisierte die Schlossanlage Aufstieg und Niedergang der kurpfälzischen Residenz. Anfang des 19. Jahrhunderts machte sie Heidelberg zur Hochburg der deutschen Romantik. Schloss, Stadt und Landschaft verwoben sich mit dem Universitäts- und Studentenleben zum „Mythos Heidelberg“ und gaben Musik, Malerei und Dichtung neue entscheidende Impulse.
Die große Anziehungskraft erklärt sich nicht allein aus der kurfürstlichen Vergangenheit. Die mächtige Ruine der im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 und 1693 sowie vom Blitzschlag im Jahre 1764 zerstörten Anlage faszinierte die Besucher schon vor 200 Jahren.

Direkt hinter dem Tor liegt der spätmittelalterliche Ruprechtsbau - zahlreiche Zeugnisse der Geschichte von Schloss Heidelberg sind hier untergebracht. Schlossführungen zeigen den schönen Rittersaal und interessante Modelle von Schloss und Garten.

Direkt hinter dem Tor liegt der spätmittelalterliche Ruprechtsbau - zahlreiche Zeugnisse der Geschichte von Schloss Heidelberg sind hier untergebracht. Schlossführungen zeigen den schönen Rittersaal und interessante Modelle von Schloss und Garten.

Beim Betreten des Schlosshofes fällt sofort der majestätische Friedrichsbau ins Auge. Kurfürst Friedrich IV. ließ den prächtigen Wohnpalast von seinem Baumeister Johannes Schoch zwischen 1601 und 1607 auf dem Sockel eines mittelalterlichen Vorgängerbaus errichten. In den beiden Obergeschossen lebte die kurfürstliche Familie. Das Dachgeschoss war für die Dienerschaft bestimmt. 1693 wurde der Friedrichsbau stark beschädigt und brannte 1764 aus.

Ahnengalerie des kurfürstlichen Hauses

Ahnengalerie des kurfürstlichen Hauses

Sozusagen unterhalb des Freidrichsbaus befind sich der Fassbau, mit dem wohl größten Fass (der Welt?), es ist allerdings schon das 3. - Naqchdem das erste Grosse Fass den Wirren des Dreißigjährigen Krieges zum Opfer gefallen war, wurde es 1664 durch ein noch größeres Fass mit 200.000 Litern Fassungsvermögen ersetzt. Knapp 100 Jahre später ließ Kurfürst Carl Theodor, der längst schon im Schloss Mannheim residierte, das heutige dritte Große Fass konstruieren. 220.000 Liter Wein fanden hier Platz.

das heutige dritte Große Fass - 220000 Liter

das heutige dritte Große Fass - 220000 Liter

Der kleinwüchsige Perkeo wurde von Kurfürst Carl Philipp zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus Südtirol an den Heidelberger Hof geholt. Als Hofnarr sorgte er mit seinen Späßen und viel Wortwitz für die Unterhaltung der höfischen Gesellschaft. Berühmt ist seine Trinkfestigkeit, um die sich so manche Anekdoten ranken. Als bemalte Holzfigur hat Perkeo heute noch ein Auge auf das Große Fass.

Carl Philipps weinseliger Hofnarr

Carl Philipps weinseliger Hofnarr

Der Ottheinrichsbau in Schloss Heidelberg gilt als einer der schönsten und frühesten Palastbauten der deutschen Renaissance. Prächtige Skulpturen zieren seine Fassade. Im Inneren haben sich faszinierende Zeugnisse der hochwertigen Ausstattung erhalten.
Der ursprünglich viergeschossige Bau beherbergte Wohnräume, ein Audienzzimmer, den sogenannten „Herrensaal“ und einen großen Festsaal, den „Kaisersaal“. Kunstvoll gestaltete Türgewände, Säulenschäfte und ein mächtiger Kamin aus Sandstein bezeugen die einst prunkvolle Ausstattung. Kurfürst Ottheinrich (1502-1559) ließ das prachtvolle Gebäude in seiner kurzen Regierungszeit zwischen 1556 und 1559 erbauen. Sein Nachfolger Friedrich III. vollendete den Palast zehn Jahre später.

Ottheinrichsbau - im Untergeschoss befindet sich seit 1958 das Deutsche Apothekenmuseum (s. nächstes Kapitel)

Ottheinrichsbau - im Untergeschoss befindet sich seit 1958 das Deutsche Apothekenmuseum (s. nächstes Kapitel)

Arkadengang zwischen Ottheinrichsbau und Friedrichsbau

Arkadengang zwischen Ottheinrichsbau und Friedrichsbau

So allmählich verläßt uns die Sonne und der Nebel steigt auf - es wird kalt und ungemütlich - noch ein paar Blick auf die Außenfassaden und dann wird es Zeit mit der Bergbahn wieder in die Stadt hinabzufahren.

© Herbert S., 2016
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Die Ankündigung einer Jugendstil-Ausstellung 'Der feine Schimmer' in der Kunsthalle Mannheim gab den Ausschlag für einen Kurztrip in die Kulturregion Rhein-Neckar mit den Städten Heidelberg, Speyer und Schwetzingen
Details:
Aufbruch: 26.12.2015
Dauer: 6 Tage
Heimkehr: 31.12.2015
Reiseziele: Deutschland
Der Autor
 
Herbert S. berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Herbert sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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