Kulturregion Rhein-Neckar

Reisezeit: Dezember 2015  |  von Herbert S.

Speyer: der Dom zu Speyer

Da das Wetter mitspielt laufen wir zunächst im Außenbereich umher inclusive einem kleinen Stadtrundgang bevor wir uns dem Inneren des Weltkulturerbes widmen.

Der mittelalterliche Westbau
Der Westbau ist nicht mehr original erhalten sondern war zum Teil zerstört und wurde erst barock und schließlich neoromanisch wieder aufgebaut. Im Mittelalter war dieser Gebäudeteil deutlich schlichter gestaltet. Dem Westen war als Himmelsrichtung das Böse zugeordnet, dass durch die dicke Außenmauer mit nur kleinen Fenstern abgehalten werden sollte.

Die dreigeschossige Anlage mit großer Fensterrose, der Urform der in der späteren Gotik so vielgeliebten Fensterrosette, öffnet sich im Erdgeschoss als Bogenhalle zum Vorplatz des Domes. Im Zusammenspiel mit den Türmen mutet der Bau wehrhaft an, der Gedanke an einen möglichen Sicherungsbau für den Übergang von irdischer Stadt zur Gottesstadt taucht auf.
derart massive Westbauten findet man auch verstärkt bei der Maas-Romanik und bei den Wehrkirchen in den Ardennen.

Den am häufigsten verwendeten und damit vorherrschenden Typus des romanischen Kirchenbaus stellt die drei- bzw. fünfschiffige Basilika dar, ein in Ost-West-Richtung gelagerter Längsbau, der mit den ersten, christlichen Kirchengründungen durch Konstantin d. Großen (4. Jh.) geboren war und sich im gesamten christlichen Kulturraum durchsetzte.
Der Hauptbau der Basilika, das Langhaus, ist in der Längsachse durch Pfeilerarkaden getrennt in ein breites Mittelschiff und schmalere Seitenschiffe entlang des Mittelschiffes. Die Wände des Mittelschiffes über den Bogenstellungen, sogenannte Hochwände, sind weit über die Seitenschiffe hinausgezogen und ermöglichen durch rundbögige Fenster den direkten Lichteinfall in das Kircheninnere.

Die Breite des Querschiffs entspricht dabei genau der Breite des Mittelschiffes und so entsteht bei der Durchdringung ein quadratischer Grundriß, das sogenannte Vierungsquadrat. Mit Bogenstellungen zu allen vier Seiten, die in den Ecken von Pfeilern getragen werden, wird der Raum als ausgeschiedene Vierung von den übrigen Bauteilen abgegrenzt. Ihre besondere Betonung erhält die Vierung durch den sich über ihr erhebenden Turm. es gibt im Prinzip keine Fotos der Vierung, da sich unter ihr bereits der abgesperrte Altarbereich befindet.
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Was dem gebundenen System genauso unterliegt, ist das Chorhaus. Es schließt sich als Verlängerung des Mittelschiffes östlich an das Querhaus an und öffnet sich zur halbrunden, überwölbten Apsis, die, nach außen hin freistehend, den Ostabschluß der Kirche bildet.

Nach des Eintrittes betritt man zunächst die Vorkrypta. Hier fällt der erste Blick auf das Grabdenkmal Rudolfs von Habsburg an der Stirnwand. Es wurde schon vor seinem Tod angefertigt und zeigt den König mit seinen Insignien Krone, Zepter und Reichsapfel - stehend auf einem Löwen, dem Symbol der Macht. Das Gesicht zeigt die für die Habsburger charakteristische markante Nase und ist vom Alter und von den Sorgen des Herrschers gezeichnet. Im Mittelalter waren solche lebensgetreuen Darstellungen unüblich; in der Regel zeigten Herrscherbilder den Typ des jugendlichen Königs in der Blüte seiner Jahre ohne persönliche Erkennungsmerkmale. Daher ist diese lebensgetreue Darstellung ein ganz besonderes Bildzeugnis eines mittelalterlichen Herrschers.

An den Seitenwänden der Vorkrypta befinden sich zwei gotische Reliefs mit Darstellungen der im Dom bestatteten Kaiser und Könige. Sie entstanden um das lahr 1480,

Die Krypta ist der älteste Teil des Doms. 1041 wurde die Unterkirche geweiht und blieb seither nahezu unverändert. Auf Grund ihrer Größe, ihrer klaren geometrischen Gliederung und des Farbspiels der Gurtbögen gilt die Krypta als eine der schönsten Unterkirchen der Welt.
Die Speyerer Domkrypta ist die größte romanische Hallenkrypta überhaupt. Insgesamt hat sie eine Breite von 35 Metern und eine Länge von 46 Metern. Die Höhe der Gewölbe beträgt sieben Meter - für eine Unterkirche ein gewaltiges Maß.
Die Krypta teilt sich in vier Räume, die unter dem Chorraum, der Vierung und dem Querhaus des Doms liegen. Im Zentrum unter der Vierung liegt ein quadratischer Raum, der in je drei Gewölbejoche untergliedert ist. Die Zahl drei steht dabei für die göttliche Dreieinigkeit, das Quadrat mit seinen vier Seiten für das Irdische (vier Jahreszeiten/ Himmelsrichtungen/Elemente). Im Deckenbereich betonen Gurtbögen aus abwechselnd gelben und roten Sandsteinen diese Gliederung. Nördlich und südlich dieses zentralen Raumes befinden sich die Querarme der Krypta, ebenfalls untergliedert in neun quadratische Felder. Die mächtigen Pfeiler und dicken Außenwände der Krypta tragen die Last der darüber befindlichen Mauern und Gewölbe. Im Osten schließt sich unter dem Chor des Doms ein weiterer Arm der Krypta an, der in einer halbrunden Apsis endet. Dies ist der älteste Teil des Doms, hier wurde der Bau begonnen.

Der Dom war von Anfang an als Grablege für Kaiser Konrad II. und seine Frau vorgesehen. Eine Neuerung war, dass auch alle weiteren Herrscher der Salierdynastie sich hier begraben ließen. Spätestens mit der Bestattung des ersten nicht-salischen Herrschers wurde der Dom ein Denkmal, das Zeugnis von der Kontinuität des König-und Kaisertums ablegen sollte. Nach den Saliern wählten auch die nachfolgenden Herrschergeschlechter der Staufer, Habsburger und Nassauer über weitere 200 Jahre hinweg den Dom zu Speyer als ihre letzte Ruhestätte und machten ihn damit zur Reichsgrablege. Der Speyerer Dom birgt somit die bedeutendste Königs- und Kaisergrablege in Deutschland - vergleichbar mit den Grablegen für die französischen Könige in St. Denis bei Paris, der spanischen Könige im Escorial bei Madrid oder der englischen Könige in der Westmi'nster Abbev in London.

sieben Altäre befinden sich in den verschiedenen Feldern der Krypta - hier der Hauptaltar im Ostarm und jeweils drei in den Querarmen

sieben Altäre befinden sich in den verschiedenen Feldern der Krypta - hier der Hauptaltar im Ostarm und jeweils drei in den Querarmen

Als wir den Dom verlassen neigt sich der Tag bereits dem Ende zu und ohne Sonne wird es deutlich kühler. trotzdem vollenden wir den Rundgang, in dem wir die Ostseite umrunden.

Eine Zwerggalerie am Chorhaus findet man auch an Kirchen der Rhein-Maas-Romanik.
Die Zwerggalerie des Domes befindet sich in rund 30 Metern Höhe. Es handelt sich dabei um einen begehbaren Säulengang unterhalb des Dachansatzes an Lang- und Querhaus. Dieses architektonische Element gehört zu den herausragenden Merkmalen des Speyerer Doms.

Frühling im Dezember

Frühling im Dezember

© Herbert S., 2016
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Die Ankündigung einer Jugendstil-Ausstellung 'Der feine Schimmer' in der Kunsthalle Mannheim gab den Ausschlag für einen Kurztrip in die Kulturregion Rhein-Neckar mit den Städten Heidelberg, Speyer und Schwetzingen
Details:
Aufbruch: 26.12.2015
Dauer: 6 Tage
Heimkehr: 31.12.2015
Reiseziele: Deutschland
Der Autor
 
Herbert S. berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Herbert sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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