Kulturregion Rhein-Neckar

Reisezeit: Dezember 2015  |  von Herbert S.

Heidelberg: deutsches Apothekenmuseum

Das Deutsche Apothekenmuseum ist das zentrale deutsche Museum zur Geschichte der Pharmazie. Es besitzt umfangreiche Sammlungen, deren Exponate den gesamten deutschsprachigen Raum von der Antike bis ins 21. Jahrhundert umfassen.
Es ist seit 1957 - obwohl seit 1937 extistent mit Stationen über Münschen und Bamberg - im Ottheinrichsbau des Heidelberger Schlosses untergebracht.
Im Laufe des Rundganges kann man 7 Offizine von Apotheken aus den verschiedenen Epochen besuchen.
In einem ersten Raum ist die Historie der Heilkunde dokumentiert - ausgehend von der 'Vier-Säfte-Lehre' (um 400 v. Chr) bis in die Neuzeit.

Offizin des Benediktinerklosters in Schwarzach – 1. Hälfte 18. Jh.
Anläßlich einer barocken Umgestaltung des Benediktinerklosters Schwarzach um 1724 erhielt auch die klostereigene Apotheke eine neue Ausstattung. Sie stand nahezu 80 Jahre im Dienst, als der städtische Apotheker nach der Säkularisation des Klosters 1802 die Apothekeneinrichtung erwarb und in sein Apothekenhaus überführte. Hier war sie weiter in voller Benutzung. 1961 im Rahmen einer Modernisierung der Schwarzacher Apotheke außer Dienst gestellt wurde an das Deutsche Apothekenmuseum abgegeben und vollstzändig restauriert.

In den Mittelpunkt der Offizin gerückt zeigt sich der wichtigste Arbeitsplatz des Apothekers, der rezepturtisch, mit sechzig  sorgfältig beschrifteten Schubladen. Auf der eichenen Tischplatte wachen der antike Heilgott Aesculap und seineTochter Hygieia über die Arzneibereitung, in den Händen ihr typisches Attribut, den Stab mit der der Schlange haltend.

In den Mittelpunkt der Offizin gerückt zeigt sich der wichtigste Arbeitsplatz des Apothekers, der rezepturtisch, mit sechzig sorgfältig beschrifteten Schubladen. Auf der eichenen Tischplatte wachen der antike Heilgott Aesculap und seineTochter Hygieia über die Arzneibereitung, in den Händen ihr typisches Attribut, den Stab mit der der Schlange haltend.

Neben der Geschichte des Apothekerwesens wird auch die Ausbildung des Apothekers im Laufe der Geschichte dargestellt. Interessant dabei, dass bis Anfang des 20. Jh. Frauen die Ausbilung zur Apothekerin verwehrt blieb. Eine Ausnahme gibt es aber trotzdem - siehe später.

Offizin der Apotheke um 1812 zur Krone, Ulm,
Die Apotheke zur Krone erhielt unter ihrem Besitzer Christoph Jacob Faulhaber (1772-1842) diese ebenso schöne wie ungewöhnliche Offizinausstattung aus Kirschbaumholz im späten Empire-/frühen Biedermeierstil. Im Gegensatz zu der Offizin des Klosters Schwarzach, die uns zu Beginn des Rundganges begegnete, und den in Raum 6 folgenden Offizinen, bietet diese Einrichtung nicht den bis heute gewohnten von griffbereit aneinander gereihten Standgefäßen auf offenen Regalen. Hier sind die Regale mit Türen geschlossen.

Die eigenwillige Ausstattung kann als Umsetzung der langjährigen Erfahrungen ihres Auftraggebers Faulhaber betrachtet werden: Die alphabtische Beschriftung ermöglichte schnelles Auffinden, die Arzneistoffe selbst waren durch die Türen vor schädlichen äußeren Einflüssen, wie Licht und Ungeziefer, bestens geschützt, und nicht zuletzt beugte die Doppelbeschriftung auf der Türe außen und dem Gefäß innen Verwechslungen nachhaltig vor.
Neben all diesen Vorzügen bestand jedoch ein wesentlicher Nachteil:
Einrichtung entsprach nicht den Vorschriften. Anlässlich einer Apothekenrevision beanstandete der Medizinalrat daher im Jahre 1898, dass die „Standgefäße nicht versteckt hinter Türen stehen dürfen und der Apotheker sie ungehindert greifen müsse"

Die eigenwillige Ausstattung kann als Umsetzung der langjährigen Erfahrungen ihres Auftraggebers Faulhaber betrachtet werden: Die alphabtische Beschriftung ermöglichte schnelles Auffinden, die Arzneistoffe selbst waren durch die Türen vor schädlichen äußeren Einflüssen, wie Licht und Ungeziefer, bestens geschützt, und nicht zuletzt beugte die Doppelbeschriftung auf der Türe außen und dem Gefäß innen Verwechslungen nachhaltig vor.
Neben all diesen Vorzügen bestand jedoch ein wesentlicher Nachteil:
Einrichtung entsprach nicht den Vorschriften. Anlässlich einer Apothekenrevision beanstandete der Medizinalrat daher im Jahre 1898, dass die „Standgefäße nicht versteckt hinter Türen stehen dürfen und der Apotheker sie ungehindert greifen müsse"

Raum 5 stellt die Arzneimittel im Wandel der Zeit dar - beeindruckend sind die Detailzeichungen der Pflanzen, aus denen Arzneimittel gewonnen wurden.
Aloe, Salbei, Eisenhut, Johanniskraut, Macis, Kampfer, Chinarinde und vieles mehr.

Aloe - botanische Zeichnung - Porzellangefäß aus dem 19. Jh.

Aloe - botanische Zeichnung - Porzellangefäß aus dem 19. Jh.

Eisenhutknollen - tuber aconiti

Eisenhutknollen - tuber aconiti

Aber auch die Sammlung der typischen Groß- und Kleingeräte für den Apotheker ist umfassend.

Dampfdestillationsapparat Fa. W. Schwarzenau, Berlin, um 1890
Die Industrialisierung hielt in den letzten Jahrzehnten des 19. Jh. auch in den Apotheken Einzug, verschiedenste neue Apparaturen erleichterten die Arbeit und ermöglichten größere Herstellungsmengen. Mittels des kohlebefeuerten Ofens dieser damals hochmodernen Apparatur konnte die Dampfdestiilation in der Apotheke wesentlich effektiver gestaltet und daneben mit jeweils einem Einsatz aus Porzellan und einem aus Metall Aufgüsse (Infuse) und Abkochungen (Dekokte) zubereitet werden.

Dampfdestillationsapparat Fa. W. Schwarzenau, Berlin, um 1890

Die Industrialisierung hielt in den letzten Jahrzehnten des 19. Jh. auch in den Apotheken Einzug, verschiedenste neue Apparaturen erleichterten die Arbeit und ermöglichten größere Herstellungsmengen. Mittels des kohlebefeuerten Ofens dieser damals hochmodernen Apparatur konnte die Dampfdestiilation in der Apotheke wesentlich effektiver gestaltet und daneben mit jeweils einem Einsatz aus Porzellan und einem aus Metall Aufgüsse (Infuse) und Abkochungen (Dekokte) zubereitet werden.

Tinkturenpresse  und Salbenrührwerk

Tinkturenpresse und Salbenrührwerk

Zäpfchengiessform

Zäpfchengiessform

Pillenherstellung

Pillenherstellung

Offizin des Ursulinenklosters Klagenfurt 1730
Ein Blitzschlag und nachfolgender Brand zerstörten das Ursulinenkloster Klagenfurt im Jahre 1728. Rasch ging man an den Wiederaufbau» in dessen Rahmen 1730 auch die hier zu sehende Ausstattung gefertigt wurde. Die Apotheke befand sich im ersten Obergeschoss des Klosters und bestand aus dieser Offizin sowie zwei weiteren Nebenräumen. Hier wurden Medikamente für den klostereigenen Bedarf in der Krankenpflege, aber auch für die Bevölkerung der umliegenden Ortschaften hergestellt.
Der Aufenthalt innerhalb eines Klosters war ausschließlich den dort lebenden Nonnen oder Mönchen erlaubt hier also nur den Ursulinenschwestern. Die gewünschten Arzneimittel konnten von der Bevölkerung also nicht wie bei einer öffentlichen Apotheke am Fenster der Offizin abgeholt werden, sondern wurden über die Außenpfortc des Klosters abgegeben. So erklärt sich auch die auf den ersten Blick ungewöhnliche Lage dieser Offizin im Obergeschoss des Klosters - ein Standort, der für eine öffentliche, privat geführte Apotheke kaum in Frage käme.

In dieser Offizin wirkte von Anfang an eine Frau, eine Ursulinerin. Wie aber konnte sie der Apothekerkunst nachgehen, wenn Frauen bis zu Beginn des 20. Jh. das Erlernen und Ausüben des Apothekerberufes, wie fast aller anderen Berufe auch, untersagt war? Offensichtlich gab es Ausnahmen von dieser Regelung, sonst hätten in Frauenklöstern wie dem Ursulinenkloster keine Apotheken bestehen können. Üblicherweise erfolgte dort die Ausbildung so, dass eine in der Arzneikunst erfahrene Nonne ihr Wissen an eine Novizin weitergab, diese es an die nächste Generation vermittelte und so fort.
Lehrzeugnisse des 18. Jh. zeigen aber, dass manch eine Frau selbst die reguläre Ausbildung einer öffentlichen Apotheke absolvieren konnte, allerdings nur in Verbindung mit der getroffenen Wahl eines klösterlichen Lebens.

In dieser Offizin wirkte von Anfang an eine Frau, eine Ursulinerin. Wie aber konnte sie der Apothekerkunst nachgehen, wenn Frauen bis zu Beginn des 20. Jh. das Erlernen und Ausüben des Apothekerberufes, wie fast aller anderen Berufe auch, untersagt war? Offensichtlich gab es Ausnahmen von dieser Regelung, sonst hätten in Frauenklöstern wie dem Ursulinenkloster keine Apotheken bestehen können. Üblicherweise erfolgte dort die Ausbildung so, dass eine in der Arzneikunst erfahrene Nonne ihr Wissen an eine Novizin weitergab, diese es an die nächste Generation vermittelte und so fort.
Lehrzeugnisse des 18. Jh. zeigen aber, dass manch eine Frau selbst die reguläre Ausbildung einer öffentlichen Apotheke absolvieren konnte, allerdings nur in Verbindung mit der getroffenen Wahl eines klösterlichen Lebens.

Direkt nebenan - ebenfalls in Raum 6 - befindet sich das Mobiliar aus der Hof-Apotheke Bamberg, um 1730
Der kunstvoll gearbeitete eichen Rezepturtisch, der Schubladenschrank unter der Treppe und die Türflügel im Regal rechts wurden um1730/40 für die Hofapotheke Bamberg gefertigt. Die Schubladen bargen Arzneizutaten und Zubehör, seitliche Halterungen nahmen Arbeitsgeräte der Rezeptur auf. In den Schlitz in der Mitte der Tischplatte wurde der Obulus für die Rezeptzubereitung eingeworfen und fiel in die Kassenschublade darunter.

Der früher farbig gefasste Tisch war seit dem späten 19. Jh. nicht mehr in der Offizin in Benutzung. Mindestens seit den 1920er Jahren diente er, weiß angestrichen, in einer Scheune als Werkbank. In den 1950er Jahren wiederentdeckt, wurde er leider vollständig abgebeizt und die originale Farbfassung ging so leider verloren.

Der früher farbig gefasste Tisch war seit dem späten 19. Jh. nicht mehr in der Offizin in Benutzung. Mindestens seit den 1920er Jahren diente er, weiß angestrichen, in einer Scheune als Werkbank. In den 1950er Jahren wiederentdeckt, wurde er leider vollständig abgebeizt und die originale Farbfassung ging so leider verloren.

Idealtypische Inszenierung einer bürgerlichen Offizin
Diese Inszenierung mit originalen Mobiliarteilen aus der Hof-Apotheke in Bamberg vereinigt charakteristische Elemente einer öffentlichen Apotheke. Das Verkaufsfenster links weist auf die bis ins 17./18. Jh. für den Patienten nicht zugängliche Offizin hin. Am erhöht liegenden Platz wurden kaufmännische Belange erledigt, am Rezepturtisch stellten Apotheker, Lehrlinge und Gesellen nach ärztlichem Rezept und amtlichem Arzneibuch Medikamente her.
Funktion und Form von Aufbewahrung--und Abgabegefäßen in der Apotheke Gefäße aus Irdenware dichtete man mit bleihaltiger Glasur ab und bewahrte darin wässrige, ölige und zähflüssige Substanzen auf. Im Vorratsbereich standen meist gänzlich grün oder gelb glasierte Behälter, in der Offizin reihten sich verzierte Fayencegefäße mit mehrfarbigen durch zinnzusatz opal deckender Glasur aneinander.
Apothekenverordnungen schrieben schon im 16. Jh. vor, ‚saure Säfft‘ nicht in glasierten Gefäßen aufzubeahren, denn sie seien ‚dem Mensch im Leib schädlich‘. (Blei löste sich aus der Glasur) Für Essig, Wein oder Obstsäfte waren daher Gefäße aus Steinzeug besser.
Nach der Entdeckung des Geheimnisses der Porzellanherstellung um 1708 durch Johann Friedrich Böttger (1682-1719) hielten bald reaktionsneutrale Porzellangefäße Einzug in die Apotheke.
Typische keramische Apothekengefäßformen waren das zylindrische Standgefaß und der schlanke Albarello für pulverisierte und zähflüssige Substanzen sowie die Sirupkanne mit Griff und Ausgußtülle für Flüssigkeiten.
Glas, das ‚vom Inhalt nit durchdrungen noch zerfressen werden kann‘, gehört seitdem 15. Jh. zum Standardrepertoire in Apotheken. Glaser mit aufwändiger Emailmalerei zierten die Offizinregale, je nach Mündungsweite und Halsform für Pulver oder Flüssigkeiten genutzt. In großen Flaschen aus grünlichem ‚Waldglas‘ bevorratete man Flüssigkeiten wie Destillate. Kleine Gläser derselben Formen dienten als Abgabegefäße für die Patienten.
Holzstandgefäße und Spanschachteln für trocken aufzubewahrende Substanzen waren vom 14 Jh. bis ins frühe 20. Jh, in jeder Apotheke unentbehrlich.

Materialkammer mit dem Mobiliar aus der Stadt-Apotheke Mosbach (Raum 7)

Materialkammer mit dem Mobiliar aus der Stadt-Apotheke Mosbach (Raum 7)

Etwas tiefer im Keller gelegen befindet sich das Laboratorium, in dem eine Sammlung - meist chemischer - Geräte zum Destillieren und Extrahieren ausgestellt ist.

Retorten in Glas und Metall

Retorten in Glas und Metall

große Destille

große Destille

es sind jedoch auch Pressen und Tubenfüllmaschinen ausgestellt.

Tubenbefüllung

Tubenbefüllung

Wer an der Materie noch interessierter ist, dem sei der Museumskatalog des Deutschen Apothekenmuseums empfohlen, in dem auf ca. 300 Seiten nahezu allumfassend informiert wird. (19€)

© Herbert S., 2016
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Die Ankündigung einer Jugendstil-Ausstellung 'Der feine Schimmer' in der Kunsthalle Mannheim gab den Ausschlag für einen Kurztrip in die Kulturregion Rhein-Neckar mit den Städten Heidelberg, Speyer und Schwetzingen
Details:
Aufbruch: 26.12.2015
Dauer: 6 Tage
Heimkehr: 31.12.2015
Reiseziele: Deutschland
Der Autor
 
Herbert S. berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Herbert sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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