Faszination Peru

Reisezeit: August / September 2016  |  von Beatrice Feldbauer

Lima - Stadtführung

Man würde nicht glauben, dass wir gestern einen so langen Tag verbracht hatten und uns allen etwas Schlaf fehlt. Beim Frühstück um acht Uhr sind alle putzmunter und gespannt, was der Tag heute bringen wird.

Carmen unsere deutsch sprechende Reiseleiterin kommt um neun und der Bus mit Alexander, unserem Chauffeur von gestern steht auch schon bereit. Also fahren wir los. Ins Stadtzentrum. Durch den Verkehr. Den morgendlichen Wahnsinn der Millionenstadt.

Ruhig fährt Alexander entlang der Avenida Arequipa die auf fünf Kilometer Länge durch drei Stadtteile führt. Und rund um uns drängen Taxifahrer, Kleinbusse, grosse Busse, Motorräder. Es wird um jeden cm gekämpft. Knapp vor dem anderen die Spur wechseln, links abbiegen aus der rechten Spur. Zweimal muss Alexander scharf bremsen, aber es passiert nichts. Überhaupt sieht man niemanden Hände verwerfen, böse Blicke wechseln. Alle sind so sehr auf die Strasse konzentriert, auf ihren Vortritt, ihren Vorteil, dass sie für Meinungsverschiedenheiten keine Energien verschwenden. Aber manchmal kann man kaum hinsehen, was da alles los ist. Und wie die Autos aussehen. Schrotthaufen, die bei uns keinen Meter mehr fahren, drängen an Taxis mit eingedrückter Stosstange, ja mit fehlenden Scheinwerfern vorbei und da drüben transportiert einer seine Leiter mit Velo und Anhänger. Wir wissen kaum, wohin sehen sollen, und manchmal möchten wir gleich laut losfluchen, wenn wieder einem der Vortritt genommen wird. Doch Alexander ist durch eine Scheibe von uns getrennt und bekommt von der ganzen Aufregung nichts mit.

Carmen zeigt uns die schönen Bäume am Strassenrand. Jacaranda, afrikanische Tulpenbäume, Ficus, Bugainvillea, einen weiss blühenden Trompetenbaum. Und sie macht uns auf die herrschaftlichen Villen aufmerksam. Hier das amerikanische Institut, das Französische, das Britische. Miraflores ist das moderne Geschäftsviertel der Stadt und San Isidro das vornehme Wohnquartier. 43 verschiedenen Quartiere gibt es in der Stadt mit 43 Bürgermeistern. Und einer Bürgermeisterin für die ganze Stadt.

Auch wenn die ganze Fahrt fast eine Stunde dauert, wird es uns nicht langweilig. Beim Franziskanerkloster steigen wir aus. Ich verlasse die Gruppe, will im Zentrum noch ein paar Einkäufe machen.

der alte Bischofssitz an der Plaza Mayor. Typisch die Architektur mit den Holzbalkonen, von denen die vornehmen Damen die Strasse diskret beobachten konnten. Und ich frage mich immer wieder, was die Damen im Bischofssitz zu suchen hatten.

der alte Bischofssitz an der Plaza Mayor. Typisch die Architektur mit den Holzbalkonen, von denen die vornehmen Damen die Strasse diskret beobachten konnten. Und ich frage mich immer wieder, was die Damen im Bischofssitz zu suchen hatten.

Plaza Mayor

Plaza Mayor

Während die anderen die Franziskanerkirche mit ihren Katakomben besuchen und dem Grab von Pizarro in der Kathedrale einen Besuch abstatten, finde ich schönen Federschmuck in der Camanastrasse. In einem Hotel hier in der Nähe wohne ich jeweils, wenn ich allein in Lima bin.

An einer Strassen-Kreuzung warte ich auf die anderen und beobachte so nebenbei den Verkehr. Gerade hat ein Taxifahrer einem Motorroller den Vortritt abgeschnitten, weil er abrupt im letzten Moment abgebogen ist. Der Motofahrer bremst ab, schüttelt unmerklich den Kopf und fährt weiter. An der Kreuzung steht eine Polizistin und unterstützt die Ampel, die fleissig die Farben wechselt. Dazu benutzt sie ihre Arme und als wichtigstes Requisit ihre Pfeife mit der sie unmissverständlich auffordert, weiter zu fahren. Drei Hunde liefern sich einen flotten Dreier und brauchen die halbe Strasse dazu. Auch das erschüttert keinen der Fahrer, man macht einen Bogen darum und lässt der Natur ihren Lauf.

Bei so viel Unterhaltung vergeht die Wartezeit im Nu und schon bald kommt Carmen mit der Gruppe daher und der Bus biegt auch schon um die Ecke.

Wir fahren zum Archäologischen Museum, das einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Kulturen bietet, die schon vor den Inkas das Land besiedelten und deren Spuren noch heute von grossem handwerklichem Können berichten.

Wir bestaunen den fein gestalteten Obelisken aus der Chavin-Kultur, die interessanten Mumiengräber aus der Paracasaerea. Diese Kultur von 1000 JvCh. hat auch wunderbare Textilarbeiten hinterlassen. In die reich geschmückten Tücher wurden die Toten eingewickelt und im heissen Wüstensand begraben.

Mumiengrab mit Beilagen

Mumiengrab mit Beilagen

eine kunstvolle textile Arbeit

eine kunstvolle textile Arbeit

das Schönheitsideal wurde in den ersten Jahren des Babys geformt.
Das Loch zeigt ausserdem, dass schon in dieser Zeit Operationen am Kopf vorgenommen wurden. Vielfach wurde die Schädeldecke mit einer Goldplatte zugemacht.

das Schönheitsideal wurde in den ersten Jahren des Babys geformt.
Das Loch zeigt ausserdem, dass schon in dieser Zeit Operationen am Kopf vorgenommen wurden. Vielfach wurde die Schädeldecke mit einer Goldplatte zugemacht.

Mit Bändern und Kissen wurde schon dem Säugling der Kopf geformt um so die längliche Form zu bekommen.

Mit Bändern und Kissen wurde schon dem Säugling der Kopf geformt um so die längliche Form zu bekommen.

fast schon modern...

fast schon modern...

Der Hut hat bei Polizeiuniformen mitsamt den Streifen bis heute überlebt, aber was die Antenne wohl für eine Bedeutung hat?

Der Hut hat bei Polizeiuniformen mitsamt den Streifen bis heute überlebt, aber was die Antenne wohl für eine Bedeutung hat?

Carmen erklärt den Rundgang durch die Kulturen sehr anschaulich und spannend und wir sind uns einig, dass das Museum sehr interessant und gut gestaltet ist. Aber dann übergeht Carmen den letzten Raum wortlos und strebt dem Ausgang zu. Das passiert mir mit verschiedenen Guias schon zum vierten Mal. Im letzten Raum wird etwas zu den Amazonas-Stämmen gezeigt. Doch diese Gegend ist im Rest von Peru so wenig bekannt, dass man sie geflissentlich übergeht.

Wir sehen uns dann doch noch kurz darin um und betrachten Schrumpfköpfe und vergiftete Pfeile und einen grossen Einbaum. Viel hat auch das Museum zu diesem Thema nicht zu bieten. Und dabei bedeckt der Regenwald ennet den Anden 60 % der Fläche Perus

Während Carmen den Bus organisiert, stellen wir uns zur ersten Gruppenfoto auf.

Der Bus bringt uns zurück nach Miraflores. Im Geschäftscenter Larcomar, das in einer Terasse über der Klippe am Meer klebt, kehren wir zum späten Mittagessen ein. 100 Meter weiter unten schlagen die Wellen an den Strand und wir entdecken ein paar Robben, die reglos in den Wellen oder auf dem Sand liegen. Es müssen tote Tiere sein. Was für eine Tragödie hat sich da wohl abgespielt?

Der Himmel über Lima und dem Meer ist wie üblich wolkenverhangen und es ist ziemlich kühl. Aber die Fensterscheiben schützen uns vor dem Wind und das Essen ist vorzüglich.

Lomo saltado, Ceviche, Crevetten mit Safranrisotto, das sind die Gerichte.

Lomo saltado, Ceviche, Crevetten mit Safranrisotto, das sind die Gerichte.

Wir lassen uns genügend Zeit um die vielen neuen Eindrücke zu verarbeiten und schlendern dann zurück zum Hotel.

Um sechs Uhr werden wir abgeholt, der Bus fährt uns Richtung Zentrum, zum Wasserpark.

Hier findet jeden Abend ein Spektakel statt. Springbrunnen und Wasserspiele. Begleitet mit Musik und mit wechselnden Lichtern. Ein poetischer Park zum Flanieren und Staunen. Die Bilder sprechen für sich.

Nach dem Höhepunkt mit der Laser und Videoshow auf der Wasserleinwand, fahren wir zurück

An dieser Fontäne treffen wir auf eine peruanische Familie, die den 15. Geburtstag ihrer Tochter feiert. Dieser wichtigste Tag im Leben eines Mädchens wird im ganzen Land mit einem Fest und Partys gefeiert. Dieses junge Mädchen bekommt ein Fotoshooting im Park. Und weil die Familie für diesen Anlass extra aus Japan, wo sie wohnt, angereist ist, darf auch die ältere Schwester ein Prinzessinnenkleid tragen.

An dieser Fontäne treffen wir auf eine peruanische Familie, die den 15. Geburtstag ihrer Tochter feiert. Dieser wichtigste Tag im Leben eines Mädchens wird im ganzen Land mit einem Fest und Partys gefeiert. Dieses junge Mädchen bekommt ein Fotoshooting im Park. Und weil die Familie für diesen Anlass extra aus Japan, wo sie wohnt, angereist ist, darf auch die ältere Schwester ein Prinzessinnenkleid tragen.

Das Wasserspiel, das Mut erfordert, und in dem die meisten am Schluss pfotschnass sind, weil das Wasser immer dann zurück kommt, wenn man es nicht erwartet.

Das Wasserspiel, das Mut erfordert, und in dem die meisten am Schluss pfotschnass sind, weil das Wasser immer dann zurück kommt, wenn man es nicht erwartet.

An der Hotelbar treffen wir uns zu einem Schlummertrunk, aber bald verziehen wir uns in unsere Zimmer.
Es wird eine frühe Tagwacht geben. Wir fahren um vier Uhr zum Flugplatz, der Dschungel erwartet uns.

Das Abenteuer beginnt Morgen. Wir werden drei Tage ohne Strom, Telefon und Internet auskommen müssen, der nächste Bericht wird also etwas auf sich warten lassen.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Noch einmal durch dieses fantastische Land reisen. Für mich wird es die letzte Reise durch dieses farbige Land sein, für meine Begleiter die erste Reise. Im Moment sind wir in den letzten Vorbereitungen, Koffer packen, Geld und Pass bereit legen, Reisefieber kühlen. Bald geht's los...
Details:
Aufbruch: 22.08.2016
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 10.09.2016
Reiseziele: Peru
Der Autor
 
Beatrice Feldbauer berichtet seit 18 Jahren auf umdiewelt.
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