West-Kanada: Von Vancouver nach Calgary

Reisezeit: Mai / Juni 2019  |  von Matt Däumling

Die Rückreise

Die Nacht war dank der gut funktionierenden und nicht zu regulierenden Lüftung sehr kühl und zügig. Etwas gerädert stehen wir auf. Für Frau und Kind gibt es Frühstück im Zimmer.
Unsere Koffer werden noch fix "flugfähig" gemacht und auch das Handgepäck ist jetzt salonfähig. Ich glaube jedes Teil hat mal in jedem Koffer gewohnt. Was ein Chaos. Aber egal, es ist alles drin und gut so.
Es wird alles final ins Auto gepackt. Wir klatschen mit Freses ab, denn jetzt trennen sich unsere Wege wieder. Wir machen noch einen Abstecher in den Zoo, da unser Flug erst heute Abend geht. Das Wetter ist warm und schön. Ein perfekter Tag. Noch kurz ein paar Bananen für den hungrigen Nachwuchs auf der Rückbank gekauft und schwups sind wir schon am Zoo. Auf dem Weg dorthin fahren wir einen Hügel hinauf und man kann gut auf die Stadt gucken. Sieht gar nicht mal schlecht aus. Vielleicht muss man Calgary nochmal eine zweite Chance geben und das gestern erlebte vergessen. Aber heute wird das leider nix.
Wir besuchen im Zoo die Bären, Affen, Giraffen, Löwen usw. Lene gefällt es ganz gut und zeigt uns auch andere interessante Sachen wie Bienen, Vögel und Bäume im Zoo. Es ist auch recht voll. Unendlich viele Schulklassen und es ist viel Geschrei. Was bin ich froh, dass ich kein Lehrer bin.
Jetzt wird es auch schon bald wieder Zeit aufzubrechen. Es gab noch das Mittagessen im Zoo und dann starten wir unsere letzte Fahrt mit der Wanderdüne zum Flughafen. Dort angekommen empfängt uns der Mietwagenmensch und will die Wanderdüne inspizieren. In einer dunklen Tiefgarage will er das also tun. Na schön, dann mach mal. Ich blicke dem sehr gelassen entgegen, weil er hier unten gar nichts sehen wird. Er macht sowieso nicht so den Eindruck, als legt er großen Wert auf Einzelheiten. Er ist froh, dass alle Räder dran sind und auch dort wo sie sein sollen und so ist er fertig. Die in Vancouver noch groß angepriesene Versicherung (die wir natürlich nicht genommen haben) wäre hier sehr überflüssig gewesen.

Die Wanderdüne und ich haben uns auf unserer Reise auf einen Durchschnittsverbrauch von 9,5 Liter des minderwertigsten Sprits geeinigt. Das ganze bei ca. 65km/h Durchschnittsgeschwindigkeit. Gar nicht mal so wenig. Aber deal ist deal. Gute 2200km wurden zusammen bereist. Also Wanderdüne, wir werden dich nicht vermissen.
Zur Sicherheit wiegen wir unsere Koffer nochmal in der Wartehalle. Dort treffen wir auch auf drei Männer, bei denen es um jedes Gramm geht. Von dem Kaffeebecher bis zum Schal wird alles einzeln gewogen und bewertet welches Teil Calgary nicht verlassen wird. Unsere Koffer sind alle deutlich im grünen Bereich.
Jetzt gehts zum Check-in. In Calgary gibt es keine Check-in Schalter wie man sie kennt. Es sind nur Automaten wo du im do-it-yourself Verfahren deine Tickets und Kofferaufkleber ausdruckst. Soweit die Theorie. Mit geschickten Klicks hier und da, hat Sinja bald unsere Bordkarten in der Hand. Auf meine Frage wo die Kofferzettel sind, werde ich fast getötet. Die Stimmung ist aufgeheizt. Es ging nicht. Zum Glück gibt es auch an den do-it-yourself Schaltern Air Canada Personal die helfen können. Die sind aber alle grad gut eingespannt, weil keiner irgendwas kapiert und alle nur wollen, dass die Air Canada Leute die Tickets ausdrucken. Also so, wie man es von einem Schalter mit Mensch kennt. Die Mitarbeiter haben auch schon einen guten Puls.
Gott sei dank gibt es doch Schalter an denen Menschen sitzen. Ein langes Gewirr an Absperrbändern leitet den Weg zu den Erleuchteten. Gerade als wir die Einfahrt durchschreiten wollen wird der Weg durch eine Air Canada Kraft versperrt. Wo wir hin wollten. Wir müssten die Tickets an den Automaten ziehen. Sinja hat es versucht ihr zu erklären. So mussten wir erstmal warten, sie kümmere sich. Also warten wir.

Nach einem Weilchen hat sie Zeit für uns. Sie schaut sich die Geschichte am PC an und kommt genauso erfolglos wieder, wie wir es schon vorher waren. Wir müssten uns doch hier an der Schlange für die Härtefälle anstellen. Na also, das wollten wir ja eh machen. In unserer Wartezeit ist die Schlange natürlich nicht kürzer geworden.
So stehen wir da. Lene's gute Laune ist längst dahin und so auf einer Stelle stehen gefällt ihr gar nicht. Wir gucken uns so um, wer alles hier so steht. Sämtliche Nationen und alle haben ein Problem. Wir zählen 6 Schalter mit 6 Menschen. An keinem Schalter geht es voran. Das könnte länger dauern. Naja Boarding ist erst in 1 Stunde.
Schalter 1 bedient gerade eine Großfamilie. Es werden gefühlt 98 Pappkartons von der Größe eines kleinen Kühlschranks auf das Gepäckband gelegt, neu eingepackt, ausgepackt, umgepackt. Puh, bis zur Rente hat die gute Frau das nicht fertig. Und alle palabern zwischendrin rum. Schalter zwei bedient den Prinz von Zamumba. Auch hier tut sich nichts, außer dass viel geredet wird. Die restlichen Menschen an den Schaltern fallen nicht weiter auf. Immer mal wieder geht es im Schneckentempo vorwärts. Mittlerweile sind wir auf Platz zwei. Die Großfamilie und der Prinz haben es jetzt doch irgendwie geschafft fertig zu werden. Jetzt stellt sich auch raus, dass der Prinz Teil der Großfamilie ist. Und das sind immerhin so 25 Leute.
Jetzt darf die junge Frau mit zwei kleinen Kinder vortreten. Gerade am Schalter angekommen, bemerken die Fachleute, dass der Flug nach Frankfurt (also unser Flug) ja schon bald starten soll. Und die Schlage hinter uns ist noch verdammt lang. Also werden alle mit dem Ziel Frankfurt nach vorne beordert. Die junge Frau mit Kindern muss zurück. Jetzt ist hier totales Chaos. Überall Menschen, keiner weiß wo er hin muss. Außer uns, wir stehen vorne und nehmen den Platz der jungen Mutter ein. Am Schalter macht die Frau irgendwas, das richtig zu sein scheint, da plötzlich unsere Kofferaufkleber aus dem Drucker trullern. Jetzt sind wir die Teile schon mal los. Auf zur Sicherheitskontrolle. Hier werden sämtliche Getränke und Gläschen von Lene erstmal auf gefährliche Stoffe überprüft. Auch hier warten wir wieder. Doch der gute Herr konnte keine verbotenen Stoffe feststellen. Endlich weiter zum Gate. Hier warten wir auf das Boarding, das ja nicht mehr lange hin ist. Dann kommt die Nachricht, dass unser Flug eine halbe Stunde Verspätung hat. Ob das wohl an dem Chaos am Check-in liegt? Wir wissen es nicht. Am Gate treffen wir auch die Großfamilie und den Prinzen wieder. Ob die bei uns mitfliegen? Ja, das werden sie. Welch ein Glück. Aber die fliegen bestimmt nicht Holzklasse wie wir.

Irgendwann ist der Zeitpunkt des Boardings gekommen. Nachdem die erste Klasse schonmal drin ist, kreuzen wir mit Kind und Wagen vor dem Gate in der Hoffnung Mitleid zu bekommen und früher einsteigen zu können. Denn auch die Schlange für die Holzklasse ist verdammt lang. Plötzlich winkt uns einer zum Schalter. Also Vollgas und nix wie hin. So kommen wir dann auch ziemlich zu Anfang ins Flugzeug und können unsere Sachen verstauen. Wir haben wieder eine 3er Bank, aber diesmal sitzt auch hier jemand bei uns. Es älterer Herr (um die 80 Jahre jung) mit Hörgeräten. Jackpot. Der stört sich bestimmt nicht an einem Kind. Leider ist der Flug ausgebucht und wir können keine Reihe für uns bekommen.
Jetzt kommen auch die restlichen Mitreisenden der Holzklasse an Bord. Wir sitzen und haben alles im Blick. Jetzt kommt auch die Großfamilie mit dem Prinzen. Die Familie verteilt sich im ganzen Flugzeug. Der Prinz sitzt 2 Reihen vor uns.
Es sind alle an Bord und es könnte los gehen. Doch leider hat sich der Zoll nochmal angekündigt und will nochmal den Frachtraum besichtigen. Ich vermute es liegt an den 98 Kartons die zuvor unten reingeschleift wurden.
Etwa eine Stunde später als geplant gehts dann endlich los. Lene macht es sich bald gemütlich bei Mama und wird die nächsten 6 Stunden schlafen.
Die Großfamilie macht es sich ebenfalls gemütlich, auch zum Nachteil der anderen Fluggäste und dem Flugpersonal. Nach dem Start sieht es bereits aus wie sau auf dem Boden und um die Sitzplätze. Das etwas später gebrachte Essen macht es nicht viel besser.
Es ist ein Nachtflug, jedoch wird vorher noch von einer Damengruppe der Großfamilie diverse wichtige oder unwichtige Dinge lautstark diskutiert. Aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse kann ich nichts zum Inhalt sagen. Auch der Prinz schaut bei allen regelmäßig nach dem rechten.
Unser Sitzgenosse verhält sich sehr ruhig an seinem Fensterplatz und außer zwei Kaffee und dem Abendessen benötigt er nichts. Ein Toilettenbesuch wäre jetzt auch fatal für das schlafende Kind.
So vergeht die Zeit mehr oder weniger schnell. Sinjas Zwangshaltung darf kurz vor der Landung gelöst werden. Es sah auch wirklich nicht bequem aus.
Wir landen bei Starkregen. Kurz danach halten wir an und der Kapitän meldet sich. In diesem Moment springen schon alle auf und reißen die Gepäckfächer auf. Der Kapitän wollte aber nur sagen, dass wir kein Gate haben und warten müssen. Die Flugbegleiter, sichtlich genervt, versuchen die aufgebrachte Meute wieder auf die Plätze zu bewegen. Am Ende stehen wir auf der Freifläche und fahren mit einem Bus zum Terminal. Uns ist es egal, andere haben aber einen Anschlussflug in wenigen Minuten. Da ist eine Stunde Verspätung und noch eine Busreise schlecht. Wahrscheinlich haben es nicht alle rechtzeitig geschafft.
Wir holen die Koffer und fahren dank meines Bruders nach Hause. Trotz Verspätung hat er auf uns gewartet. Nochmals danke dafür.
Zu Hause beginnt ein schöner und kurzer Abend. Alle sind müde und wir gehen früh ins Bett. Das war unsere schöne Kanada Reise.

© Matt Däumling, 2019
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Worum geht's?:
"Oh wie schön ist Kanada" - oder war es doch Panama? Naja egal. Wir hörten immer wieder davon wie schön Kanada sein. Außerdem soll Vancouver zu den schönsten Städten der Welt gehören. Also schauen wir mal dort vorbei. Und wenn wir schon mal da sind, können wir auch gleich mal durch die Rocky Mountains düsen.
Details:
Aufbruch: 22.05.2019
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 11.06.2019
Reiseziele: Kanada
Der Autor
 
Matt Däumling berichtet seit 21 Monaten auf umdiewelt.