Rund um Blankenheim/ Eifel

Reisezeit: Juni 2021  |  von Herbert S.

römisches Nettersheim

Auf der Fahrt nach Nettersheim stoßen wir auf ein keliens Schild 'villa rustica' und biegen ab. Von den Feldern fallen nur einige umrandete Gebilde auf, die sich von Näherem betrachtet als die Ausgrabungsabschlüsse herausstellen.

Unser Ziele ist der Archäologischer Landschaftspark.
Die römische Siedlung (vicus) wurde im Jahr 2009 entdeckt. Seither wird sie von Experten unterschiedlicher Fachrichtungen erforscht.
Der vicus erstreckte sich zu beiden Seiten der Agrippastraße Köln-Trier und bestand aus Wohnhäusern, Heiligtum, gewerblichen und öffentlichen Bauten sowie Befestigungsanlagen. Im Tal am "Steinrutsch' überquerte die Römerstraße die Urft. Die Elemente der Siedlung und der Trassenverlauf der Agrippastraße werden für Besucher im Gelände nachvollziehbar gestaltet.

alle kursiv-Texte stammne von Infotafeln vor Ort
Im Naturzentrum Netterheim erhalten wir eine Karte zu den römischen Funden und Auskunft darüber, welche erreichbar sind.
Folgt man der Urftstrasse nach Süden gelangt man zu einem Stellpaltz für Wohnmobile. Von dort geht es dann zu FUß weiter auf eine Anhöhe, von der man
einen Ausblick auf eigenartige Vierecke in der Landschaft hat.

Die geophysikalische Prospektion hatte angezeigt, dass hier entlang der Via Agrippa Wohnbauten standen (Streifenhäuser)

Die geophysikalische Prospektion hatte angezeigt, dass hier entlang der Via Agrippa Wohnbauten standen (Streifenhäuser)

Die Tafel vor Augen kann man die eigenartigen Vierecke zuordnen.

Die Tafel vor Augen kann man die eigenartigen Vierecke zuordnen.

Wenige Meter in die entgegengesetzte Richtung befindet sich ein Matronenheiligtum, im Volksmund „Görresburg” genannt. 1909 durch das damalige Provinzialmuseum Bonn und 2010 durch das Archäologische Institut der Universität zu Köln fanden archäologische Untersuchungen zum Matronenheiligtum statt. .
Ab etwa 70 n. Chr. fanden hier kultische Handlungen statt. Inmitten eines abgezäunten Bezirks wurden an einem Erdaltar, einer flachen Grube, Brandopfer vollzogen (Phase 1). Die archäologische Ausgrabung zeigte, dass man neben Brennholz auch hölzerne Objekte verbrannte, eventuell Schalen oder Körbe als Behälter für Opfergaben. Die Asche wurde anschließend in ausgehobene Gruben verfüllt, mit Ton und zerkleinerten Kalkbruchsteinen bedeckt. Bis auf wenige Keramikfragmente und einzelne Münzen waren die Aschegruben fundleer. Die Asche aus den Gruben scheint immer wieder außerhalb des Heiligtums am nördlichen Hang entsorgt worden zu sein.
Das Heiligtum lag von Beginn an unmittelbar an der Agrippastraße und gehörte zur römischen Siedlung.
Um 150 n. Chr. erhielt die Anlage ein entschieden anderes Bild. Das Heiligtum wurde in Stein errichtet und vergrößert (Phase 2). Die Bauten orientierten sich an den Aschegruben des vorherigen Kultes. Es wurden nun Weihesteine für die Aufanischen Matronen, einheimische Schutzgottheiten, rund um den großen Tempel aufgestellt. Die Stifter erfüllten damit ein zuvor geleistetes Gelübde.

Infotafel vor Ort

MATRONIS AVFANIAE RVDOLFO ET ROMANO ET MELENTINA ET ALENA V.S.L.M

MATRONIS AVFANIAE RVDOLFO ET ROMANO ET MELENTINA ET ALENA V.S.L.M

Der nicht-römische Ursprung der Gottheiten wird in den Namen und der Darstellung auf den Steinen deutlich. Es handelt sich um drei auf einer Bank sitzende Frauen in langen Gewändern. Die beiden äußeren tragen Hauben auf dem Kopf. Auf dem Schoß halten sie häufig Fruchtkörbe als Zeichen ihrer Schutz und Segen spendenden Wirkung, welche sich die Stifter erbaten.

Alle drei Bauten besaßen ein rotes Ziegeldach. Der große Tempel war außen weiß verputzt und innen mit bemaltem Wandputz in Rot-, Weiß- und Grautönen versehen. Während der mittlere Bau wohl ebenfalls für kultische Zwecke genutzt wurde, ist die Funktion des zurückliegenden dritten Gebäudes nicht bestimmbar.

Alle drei Bauten besaßen ein rotes Ziegeldach. Der große Tempel war außen weiß verputzt und innen mit bemaltem Wandputz in Rot-, Weiß- und Grautönen versehen. Während der mittlere Bau wohl ebenfalls für kultische Zwecke genutzt wurde, ist die Funktion des zurückliegenden dritten Gebäudes nicht bestimmbar.

An der Straße nach Zingsheim weist ein Schild auf einen römischen Tempel hin:
Tempel von Hirschberg
Dieses 1960 entdeckte sowie 1963 und 1975 freigelegte Matronenheiligtum diente zur Verehrung der „Matronae Fachinehae" und gehört zum Typ der gallo-römischen Umgangstempel. Die Fundamente des Bauwerkes waren nur noch sehr flach erhalten Nach Abschluß der letzten Ausgrabungskampagne wurden daher die spärlichen Reste mit niedrigem Kalkbruchstein- und Grauwackemauerwerk, entsprechend den Originalbefunden, im Gelände deutlicher dargestellt. Der innen gelegene eigentliche Kultraum („cella") wird von einer niedrigen Mauer umschlossen, auf der Säulen standen, die ein Dach trugen. Das Dach der „cella" wie des Umganges waren mit Ziegeln gedeckt.
Der Tempel ist wahrscheinlich Teil eines größeren Kultbezirkes gewesen, wie weitere nachgewiesene römische Bauspuren in der Umgebung zeigen.
Etwa 100 m nordöstlich lag ehemals eine Quelle. Die Verehrung der Fachinehischen Matronen ist durch ihnen gewidmete Weihesteine nachgewiesen. Die Matronen sind einheimische Mutter-(Fruchtbarkeits-) und Schutzgottheiten, die besonders im Rheinland verehrt wurden. Man stellte sie meist als Dreiheit dar. Ihre Beinamen lassen sich' vermutlich von Personen-, Sippen- oder Stammesnamen herleiten. Die Fachinehischen Matronen sind bisher nur aus Zingsheim und Euskirchen bekannt.
Zeitstellung: römisch, 2.-4. Jh. n. Chr, (Blütezeit: 3./4. Jh. n. Chr.)

Infotafel vor Ort

Infotafel vor Ort

Mechernich-Eiserfey

Schon auf dem Rückweg nach Hause durchqueren wir Eiserfey, wo sich ein Relikt de römischen Wasserleitung Köln-Eifel befindet.
Das Sammelbecken Mechernich-Eiserfey
Das Sammelbecken Eiserfey wurde 1959 bei der Verlegung einer Rohrleitung entdeckt. Es ist ein kreisrundes Becken von 3,05 m lichtem Durchmesser; seine Sohle liegt bei 320,10 m ü.NN und etwa 2 m unter der heutigen Geländeoberfläche, die wohl auch der römischen entspricht. Die Ringmauer ist 0,52 m stark und besteht aus sauber zugerichteten Grauwacke-Steinen; den Boden bilden Ziegelplatten. Die Innenwand war mit rotem Wasserputz (Opus signinum) ausgekleidet, der größtenteils abgewittert ist. Sandsteinblöcke von halbrundem Querschnitt, von denen noch einige im Beckeninneren lagen, deckten ursprünglich die Mauerkrone.
Von den zwei eingehenden Kanälen und von dem einen abgehenden Kanal ist nur der von Dreimühlen herkommende bis obenhin erhalten: Im Lichten ist die Öffnung 0,54 m breit und 0,54 m hoch. Dieser Zulauf wird von zwei aufrecht stehenden Sandsteinblöcken gebildet, die oben mit einer dicken Sandsteinplatte abgedeckt sind.
Der von den Quellen in Kallmuth und Vollem herkommende Strang hat eine lichte Weite von 0,50 m. Er ist in seinem oberen Verlauf mehrfach angetroffen worden und hatte dort eine Plattenabdeckung. Bei Kanalarbeiten in der Hauserbachstraße kurz vor dem Sammelbecken war der Kanal jedoch mit einem Gewölbe abgedeckt, sodass er hier in dieser Weise rekonstruiert werden konnte.
Nach der Ausgrabung wurde der Befund wieder zugeschüttet, um ihn vor Witterungsschäden zu bewahren. Dem Wunsche zahlreicher Eiserfeyer Bürger entsprechend, kam es im Jahre 2005 zu einem Grundstückstausch, bei dem die Stadt Mechernich das Grundstück mit dem Sammelbecken erwarb. Zahlreiche Mitglieder des Vereinskartells Eiserfey haben danach das Sammelbecken freigelegt und mit einem Schutzbau versehen. Somit ist der Originalbefund dieses wichtigen Kleinbauwerks aus dem Verlauf des Römerkanals an Ort und Stelle wieder sichtbar und erlebbar gemacht worden.

Nach dem Abzug der Römer aus dem Rheinland wurde die Eifelwasserleitung nicht mehr genutzt, blieb aber wegen ihrer sorgfältigen Bauweise auf weite Strecken gut erhalten. Das hohe Mittelalter bediente sich des Bauwerks dann auf andere Weise und nutzte es als Steinbruch für den Bau von Kirchen, Klöstern und Burgen. Da es im hohen Mittelalter auch an Schmucksteinvorkommen in erreichbarer Nähe mangelte, bediente man sich diesbezüglich der Kalksinterablagerungen im Römerkanal, die zur Herstellung von Säulen, Grab- und Altarplatten verwendet wurden. Wir nennen dieses Material heute ‚Aquäduktmarmor', weil unter der Hand des Steinmetzen aus dem Kalksinter ein marmorähnlicher Werkstein entstanden ist. In über 100 Burgen und Kirchen im Rheinland und weit darüber hinaus fand dieses originelle Material Verwendung.
Das wirft sogleich die Frage auf, wie diese Ablagerungen denn entstanden sind? Im Atlas der römischen Wasserleitungen nach Köln findet sich eine sehr plausible Erklärung für die Entstehung des Kalksinters formuliert:„Beim Versickern von Niederschlag durchläuft das Wasser den Boden, in dem durch mikrobiellen Aufbau organischer Substanz recht große Konzentrationen von Kohlendioxid vorhanden sind - meist um eine Zehnerpotenz höher als in der Atmosphäre. Das Wasser fließt dann mit diesen hohen Konzentrationen an Kohlendioxid als Grundwasser durch das Gestein und löst dort vorhandenen Kalk bis zur Sättigung. Wenn ein so kalkgesättigtes Grundwasser in einer Quelle wieder zutage tritt, gerät es in Kontakt mit der Atmosphäre und deren niedriger Konzentration an Kohlendioxid, mit der im Gleichgewicht (temperaturabhängig) meist eine weit geringere Menge an Kalk löslich ist. Der nicht mehr lösliche Anteil an Kalk wird dann als Kalksinter abgeschieden."
Das hier gezeigte Stück stammt aus einer Baustelle in Mechernich-Lessenich

In Mechernich-Vollem

In Mechernich -Vollem stehen die Reste einer Aquäduktbrücke .
Auf dieser kleinen Brücke überquerte der Römerkanal den Kallmuther Bach. Die Brücke ist 7,3 m lang, 1,79 m breit und hat eine Durchlassweite für den Bach von 1,12 m. Die Widerlager auf beiden Seiten des Durchlasses bestehen aus zwei mächtigen Sandsteinblöcken von 1,79 m x 0,74 m x 0,59 m. Sie tragen das Brückengewölbe, das wie die Außenschale der Brücke aus sorgfältig behauenen Handquadersteinen aus Grauwacke besteht. Die gegen die Baugrubenwand gesetzten unteren Mauerteile sind weniger sorgfältig als das Sichtmauerwerk ausgeführt.
Hinter der Außenschale der Brücke sitzt der aus Gussmauerwerk separat gefertigte Kanal. Die Abdeckung aus Sandsteinplatten und große Teile der Kanalwangen fehlen heute. Die lichte Weite der Rinne beträgt 0,42 m.
Mit dem Anwachsen des Bachbettes erreichte das Wasser die Bogensteine des Brückengewölbes. Um die zerstörerische Kraft des Wassers zu brechen, stellte man vor dem Bogen zwei zusätzliche Quadersteine auf.
Beim Aufmessen des Grabungsbefundes zeigte sich, dass die Ausrichtung der Brücke von der Richtung der wasserführenden Rinne um 0,17cm abweicht. Dadurch hat sich die alte Vermutung bestätigt, dass derartige Bauwerke von verschiedenen Bautrupps zeitlich unabhängig voneinander errichtet wurden.
Die Brücke war im Jahr 1981 bei Sondagen für den damals in Vorbereitung befindlichen „Atlas der römischen Wasserleitungen nach Köln" entdeckt und archäologisch untersucht worden; die Fundstelle musste nach der Bestandsaufnahme aber zugeschüttet werden. 2007 wurde die Brücke wieder freigelegt und mit einem Schutzbau überdacht.

Mechernich-Vussem

Die Aquäduktbrücke
Die Wasserleitung aus der Eitel nach Köln war als reine Gefälleleitung konzipiert worden. Die römischen Ingenieure passten sie dem Gelände an: Bei der Trassenabsteckung wurden kleinere Täler und Bergsporne umrundet. Dabei musste mit dem zur Verfügung stehenden Höhenunterschied, der Energiehöhe, sehr sparsam umgegangen werden. Das war notwendig, damit die Leitung auf ihrem Weg nach Köln nicht zu schnell an Höhe verlor und „Hindernisse", wie der Höhenzug der Ville zwischen Alfter und Brühl, problemlos überwunden werden konnten. Das zeigt sich auch an einem Bauwerk wie der Vussemer Aquäduktbrücke. Die römischen Ingenieure errichteten hier zur Überquerung eines Seitentales des Veybaches eine relativ aufwändige Brücke. Die bei der archäologischen Untersuchung 1958 nachgewiesenen Bauwerksreste erlaubten eine recht genaue Rekonstruktion dieser Aquäduktbrücken.
Die Aquäduktbrücke war 80 m lang und besaß maximal zwölf Pfeiler, die die Kanalrinne trugen. Die Brückenbögen saßen auf mächtigen Sandsteinplatten („Kämpferplatten") auf. Das Wasser wurde in einer Höhe von 10 m über den Talgrund geführt. Die Kanalrinne war mit mächtigen Sandsteinplatten abgedeckt. Das Pfeilermauerwerk bestand aus Grauwackesteinen mit reichlich verwendetem Mörtel. Außen war es mit sauber zugeschlagenen Grauwackesteinen verblendet.
Das römische Originalmauerwerk ist in den wieder aufgebauten Pfeilern teilweise noch gut zu erkennen. Es handelt sich hierbei um recht unregelmäßiges Mauerwerk, da es zu den Pfeilerfundamenten gehörte, die ehemals im Erdreich verborgen waren. Auf der gegenüberliegenden Talseite sind die Pfeilerreste als kegelförmige Stümpfe unter dem Bewuchs erhalten.

Es gibt natürlich noch weitere Relikte der Römer in deer Umgebung - aber unser Kurztrip endet hiermit, weiter besichtigung müssen wir also auf später vetrschieben.

© Herbert S., 2021
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ausschlag für den Aufenthalt in Blankenheim gab ein Fernsehbeitrag des WDR über zwei Attraktionen in der Eifel: Dreimühlenwasserfall und Kalvarienberg Alendorf. Bei genauerem Hinsehen gibt es aber viele weitere Dinge zu tun.
Details:
Aufbruch: 15.06.2021
Dauer: 4 Tage
Heimkehr: 18.06.2021
Reiseziele: Deutschland
Der Autor
 
Herbert S. berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Herbert sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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