Radtour von Bremen nach Wien

Reisezeit: August / September 2021  |  von Thomas Eggers

Von Lothramühlen nach Joditz

03.09.2021

Morgens wachte ich wieder recht früh auf. An meinem Zelt hingen ein paar Nacktschnecken. Zum Glück von außen.
Um 7 Uhr war ich wieder abfahrbereit.

Es ging morgens gleich in die vollen. Die ersten km führten bergaufwärts durch Wälder. Autos waren komischerweise so früh noch nicht unterwegs. Trotzdem setzte ich meine Stirnlampe mit Vorder- und Rückleuchte auf dem Kopf, da es nebelig war.

Nachdem ich,, aufgrund einer Straßensperrung einen kleineren Umweg über Feldwege fahren musste, kam ich wieder auf die Landesstrasse. Von hier aus hatte ich irgendwann einen Blick auf das, mit Nebel gefüllte, Saaletal. Ein unglaublich schöner Blick.

In Drognitz kam ich an einen kleinen Kaufmannsladen vorbei. Diese kleinen Läden werden leider immer seltener. Aber der Laden war echt kultig. Ich deckte mich hier mit Getränken und der Verpflegung für den heutigen Tag ein.

Von hier aus ging es, in einem Affenzahn, immer steil bergab durch den Wald. Ich hatte so ein Tempo drauf, dass mir aufgrund des Fahrwindes echt kalt wurde. Als ich unten an der Ottermühle ankam war ich ein Eisklotz. Ab nun ging es wieder richtig bergauf. Schieben war angesagt. Es hatte irgendwas von einem Märchenwald.

In Liebschütz stellt ich mit erschrecken fest, dass sich der Anschlussstecker meines Auflagekabels abgebrochen im Handy befand. Das machte mir wirklich Sorgen. Ich schrieb meiner Frau, mit dem letzten Saft im Handy, noch eine Nachricht und teilte ihr mein Problem mit.
Zwei Dörfer weiter, in Remptendorf tauchte dann auf einmal ein Elektrofachgeschäft auf. Oh Mann, wieder mehr als Schwein gehabt. Ich konnte ein neues Auflagekabel kaufen und war wieder erreichbar

Auf der Strecke zwischen Remptendorf und Ebersdorf packte ich meinen Proviant aus und machte eine kleine Pause. Es war mittlerweile so eine schöne Tour. Die Sonne kam raus und ich mochte diese Gegend. Echt schön durch Thüringen zu radeln.

In Ebersdorf musste ich mich ein wenig orientieren. Ein Mann sah wie ich in die Karte schaute, hielt mit seinem Auto an und fragte mich ob er mir weiterhelfen könnte. Super. Er kam aus dem Dorf hier und half mir einen etwas versteckten 5 km langen Waldweg Richtung Saaldorf zu finden.
Auf dem Waldweg fuhr ich leider einmal zu schnell über einen kleinen Hügel, so dass sich meine Lenkertasche öffnete und alles rausfiel. Es ging aber zum Glück nichts kaputt und ich konnte alles wieder einsammeln.

Nach dem Waldabschnitt kam ich, über eine verlassene Bergbauflächenregion, wieder auf eine Straße. Durch ein Schild war gekennzeichnet, dass ich mich hier gerade auf einer Fernradroute, der "Euregio Egrensis" befand, welche Tschechien mit den Bundesländern Sachsen, Thüringen und Bayern verbindet.

Ich fuhr nun wieder recht nah an der Saale entlang. Die Gegend war bei Sonnenschein echt super schön. Dann kam vor Harra wieder ein Anstieg der sich sehen lassen konnte. Satte 12 %. Mit meinem Radgepäck war das schon schiebenderweise eine Qual und fraß eine Menge an Kalorien.

Als ich oben war, traf ich auf zwei verzweifelte Frauen. Sie waren aus Hannover angereist, um eine Radtour mit ihren neuen E-bikes, auf dem Saaleradweg zu machen. Leider hatte sich der Kettenantrieb des einen Rads völlig zerlegt. Deshalb waren die Frauen auf der Suche nach einer Fahrradwerkstatt. Mittlerweile hatte sich aber die Kette so verklemmt, dass sie es nicht mal mehr schieben konnten.
Ich trennte ihnen die Kette, damit sie zumindest schieben und bergab fahren konnten.

Danach ging es weiter, Richtung ehemalige Grenze nach Bayern.

Über Blankenstein und Blankenberg ging es immer recht nah an der Grenze weiter. Im Ort Pottiga gab es einen Aussichtsturm, der genau am Grünen Band (Ehemalige Grenzregion) aufgestellt wurde.

In Sparnberg kam ich dann über die Saale, die hier der Grenzfluss zu Bayern war.

Nun verließ ich Thüringen. Es waren 2 super Radtage durch Thüringen. Ca 200 km ging es von der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt bei Saaleck zur Landesgrenze nach Bayern in Sparnberg. Thüringen hat auf mich einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Es hatte teilweise was märchenhaftes mit dem Rad durch diese Landschaft zu fahren.

Grenzbrücke nach Bayern

Grenzbrücke nach Bayern

Zwischen Thüringen und Bayern

Zwischen Thüringen und Bayern

Ich befand mich jetzt in Bayern. Immer noch auf den Saaleradweg. Die nächsten km ging es nun über die A9 und weiter, immer auf und ab, durch schöne Landschaft.

Kurz vor Hirschberg traf ich endlich mal auf eine lebende Schlange

Kurz vor Hirschberg traf ich endlich mal auf eine lebende Schlange

Es ging immer mal wieder dicht an der Grenze entlang.

Es ging immer mal wieder dicht an der Grenze entlang.

Der Tag endete dann auf einem großen Campingplatz in Joditz. Die Rezeption war noch geschlossen.
Ich baute mein Zelt auf einer Liegewiese am See auf. Der Tag war heute kurz. Es waren lediglich 61 km. Aber es waren so einige Höhenmeter die ich genommen hatte. Ich war in Bayern angekommen.
Nachdem mein Zelt stand ging ich duschen und anschließend zur Rezeption. Hier konnte ich einen Adapterstecker für den Stromanschluss auf der Wiese kaufen. So konnte ich das Handy und die Powerbank zeltnah aufladen.

Auf der Campingwiese herrschte ein ziemlicher Betrieb. Eine große Jugendgruppe hatte hier ihr Zeltlager aufgebaut.
Außerdem waren zwei junge Italiener auf dem Platz. Beide waren mit Fahrrad unterwegs von Italien/ Turin nach Berlin. War cool mal wieder auf Artverwandte zu treffen. Später trafen wir uns noch im Restaurant des Campingplatzes und tranken ein paar Bier zusammen. Das war eine schöne Begegnung.

Tag 7:
Von Lothramühlen zum Campingplatz in Joditz/Bayern
Tagestour 61 km
Gesamttour 698 km

Lothramühle-Reitzengeschwenda-Drognitz-Ottermühle-Liebschütz-Liebengrün-Remptendorf-Ebersdorf-Harra-Blankenstein-Blankenberg-Pottiga-Sparnberg-Hirschberg-Untertiefengrün-Lamitz-Joditz

© Thomas Eggers, 2022
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Mit dem Rad von Kirchweyhe bei Bremen nach Wien. Über den Weserradweg, Allerradweg, Elberadweg, Saaleradweg, Fichtelnaabradweg, Waldnaabradweg, Naabtalradweg und Donauradweg.
Details:
Aufbruch: 28.08.2021
Dauer: 17 Tage
Heimkehr: 13.09.2021
Reiseziele: Deutschland
Der Autor
 
Thomas Eggers berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.
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