Acht Wochen in Ghana

Reisezeit: Juli - September 2003  |  von Baris Yildirim

Neue Volontäre

12. Eintrag:

Neue Volontäre

1. September:

Miriam ist die Krankenschwester, die für die Apotheke zuständig ist. Sie war an diesem Tag ziemlich niedergeschlagen, denn sie hat von einer anderen Schwester erfahren, dass im Krankenhaus ein böses Gerücht über sie erzählt würde.

Das Gerücht lautet folgendermaßen:

Nora und ihr Freund wollten eine Abschiedsparty vorbereiten. Zu diesem Zweck beauftragte Nora Miriam, für alle im Krankenhaus Essen zu kochen. Miriam hat nur für Nora, Richard, Sandra und ihre eigene Familie gekocht. Nun glaubten einige Kollegen, dass Miriam das Geld einfach eingesteckt hätte.
Die Wahrheit ist, dass Nora vergessen hatte Miriam Geld zu geben. Ohne Geld konnte Miriam nicht genügend Essen kaufen und auch nicht alle Mitarbeiter der Klinik einladen.

Es machte mich traurig, dass derartiger Unsinn über meine Freunde erzählt wird. Man kann sich nur sehr schwer dagegen wehren und fühlt sich hilflos und schlecht.

Als wir gerade beim Mittagessen waren kamen plötzlich neue Volontäre. Fünf Deutsche und Österreicher.

In unser Haus zogen vorerst zwei weitere Deutsche ein. Die anderen übernachteten die erste Nacht in einer der Rundhütten aus Beton.

Am Abend gingen wir alle zusammen zur Bar. Insgesamt waren wir zwölf Leute. Neun Volontäre, Abdallah, Kamu und Fatawu. Ich fand es merkwürdig, plötzlich mit so vielen weißen Leuten an einem Tisch zu sitzen.

Am Morgen nach der Ankunft der neuen Volontäre, zog ich es vor, ein wenig Distanz zu bewahren. Die schnelle Veränderung befremdete mich ein wenig. In "meinem" Haus wohnten nun fünf Leute. Zwei davon habe ich vorgestern kennen gelernt. Die anderen beiden gestern. Vor drei Tagen habe ich noch ganz alleine hier gewohnt.

Ich duschte ganz früh und ging schon um 7:45 Uhr zur Klinik hinüber. Hier hatte ich Zeit mich länger mit Majid und Suale zu unterhalten.

Dr. David ist immer noch krank, er hat Malaria. Seit meinem Besuch am Freitag verbesserte sich sein Zustand zwar ein bisschen, gesund war er jedoch nicht. Bei meinem Besuch bei ihm wirkte er ein wenig rastlos. Er sollte im Bett liegen, um sich auszukurieren, stattdessen empfing er trotz Fieber Besucher und spazierte im Garten umher.
Zu seinem Bewegungsdrang kam noch erschwerend hinzu, dass sein Körper mittlerweile gegen das Malariamedikament eine Resistenz aufgebaut hatte. Dr. David musste sich einer besonderen Therapie unterziehen, um die Malaria wieder los zu werden.

Ich fuhr am Nachmittag in die Stadt, um im Internetcafe die CD für den Klinikcomputer abzuholen. Allerdings hatte der Mann sie vergessen. Am nächsten Tag gegen Mittag sollte Abdallah mir die CD vorbei bringen.

Den Rest des Nachmittags verbrachte ich in Abdallahs Zimmer, hörte Musik und unterhielt mich mit seinen Freunden. Abdallahs Wohnung war für mich an diesem Abend eine Zuflucht. Die Klinik war geradezu überfüllt mit Volontären, sodass es schwierig war sich dort für eine Weile zurückzuziehen.

Als ich am Abend nach Hause kam war zu meiner Überraschung niemand da. Ich bin zum Haus von Thea und Sandra herüber gegangen und traf dort Thea alleine an. Die anderen kamen erst kurz nach 20:00 Uhr in die Klinik zurück.

3. September 2003:

Ich ging wieder sehr früh zur Klinik. Miriam war schon wieder nach Bunkpurugu gefahren. Ich beauftragte sie damit Pater Thomas und Pater Christopher von mir zu grüßen.

Weil Miriam nicht da war musste Gifty die Leitung in der Apotheke übernehmen. Sie war zwar nicht so geübt im Medikamente abfüllen, aber sie verstand die Sprache der Dagomba, der ansässigen Bevölkerung und wusste die Fachbegriffe der Medikamente anzuwenden.

Das System in der Medikamentenausteilstube ist einfach zu verstehen. Die Rezepte, welche Majid verschrieben hat, werden von den Patienten dorthin gebracht. Schwester Gifty schreibt den Namen und die Dosierung des jeweiligen Medikaments auf eine Papiertasche. Wir füllen die Papiertaschen mit der vorgegebenen Menge an Tabletten. Gifty erklärt den Patienten, wann sie wieviel zu nehmen haben und schickt sie dann nach Hause.

Gegen 10:00 Uhr kamen zwei der neuen Volontärinnen zur Apotheke. Sie hießen Caro und Mechthild. Weil wir nun zu viert in der Verteilstation standen, verließ ich meinen Arbeitsplatz etwas früher. Ich konnte mich an diesem Tag nicht dem Computer widmen, denn der Besitzer des Internetcafes hatte schon wieder vergessen die CD für Abdallah zurückzulegen.

Abdallah und ich verbrachten den Nachmittag mal wieder in der Stadt. Wir kauften uns bei einem der vielen Straßenhändlern ein paar köstliche Kochbananen mit scharfer Soße. Das ist mit Abstand mein Lieblingsessen in Ghana.

© Baris Yildirim, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Dieser Bericht umfasst eine Reise durch zahlreiche Regionen des Landes Ghana. Meine Aufenthaltsorte waren: Accra, Akosombo, Cape Coast, Kumasi, Tamale (Shekhinah-Klinik), Bunkpurugu, Yendi, Mole- Nationalpark und Hohoe.
Details:
Aufbruch: 31.07.2003
Dauer: 8 Wochen
Heimkehr: 26.09.2003
Reiseziele: Ghana
Der Autor
 
Baris Yildirim berichtet seit 20 Jahren auf umdiewelt.
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